Das keltische Museum

Keltenausstellung in Stuttgart

 von elHakim , 03.01.2013 18:33

Das Landesmuseum in Stuttgart zeigt noch bis zum 17.2.2013 seine Keltenausstellung. Hier eine kurze Rezension nach meinem heutigen Besuch:

Die Ausstellung ist über zwei Museen verteilt: Altes Schloss - Hauptthema Handwerkskunst und Bespaßungstube für Kinder - und Kunsthalle - Themen: Ausgrabungsgeschichte und geschichtliche Betrachtung der keltischen Kultur -. Die beiden Orte liegen sich in der Stadtmitte am Schlossplatz (ca. 5-10 Schlenderminuten durch die Haupteinkaufsstrasse vom Hauptbahnhof entfernt) gegenüber. Kombiticket für beide Museen: 15€/Erw., können Online gebucht werden.
Unser erster Eindruck: Es war tierisch voll und Geduld muss man mitbringen. Am Eingang wurden immer nur soviel Personen eingelassen, wie herauskamen. Das führte zu langen Warteschlangen mit jeweils 30-60 Minuten Wartezeit vor jedem Gebäude.

Kunsthalle:
Es gibt zu Anfang einige Räume, die sich mit der Geschichte der Ausgrabungen in der Neuzeit befassen. Hier gibt es einige schöne Ausgrabungshandschriften und Beschreibungen zu den Mühen, denen sich die Archäologen seit dem 18. Jahrhundert unterzogen, um die verschiedenen süddeutschen Fundstätten zu untersuchen. Dieser Teil ist eher für Interessierte an der Wissenschaftsgeschichte.
In weiteren Räumen wird die ganze Periode von der Hallstatt-Kultur bis ins irische 9. Jahrhundert n.Chr. entwickelt und am Beispiel einzelner archäologischer Fundstellen (wie dem Glauberg-Grab) vorgestellt. Das Hauptmerkmal liegt in dieser Sammlung auf Gebrauchsgegenständen aber auch Schmuck und Waffen aus Grabbeigaben. Auf gesellschaftspolitische Themen wird nur am Rande eingegangen: Druiden und Glaube, Kriegführung, Erblichkeit von Ämtern. Das ist verständlich, da bei solchen Fragestellungen zuviel Phantasie in die Fundstücke hineininterpretiert würde (ein simples Beispiel: Würden sofort alle schriftlichen Aufzeichnungen aus unserem Kulturkreis verschwinden und fände in 1000 Jahren jemand ein Holzkruzifix, so könnte er in Unkenntnis der biblischen Geschichte vermuten, dass die damaligen Menschen so brutal waren, ihre Götter erst ans Kreuz zu nageln, um sie besser anbeten zu können.)
Dennoch gibt diese Teilausstellung einen guten Überblick über den historisch-archäologischen Wissensstand aus über eintausend Jahren europäischer Menschheitsgeschichte.

In diesem Museum ist auch der Museumsshop beheimatet, der für viel Geld wirklich interessante wissenschaftliche Literatur anbietet.

Das alte Schloss:
Die Anzahl der Exponate ist hier wesentlich größer als in der Kunsthalle. Es gibt eine Reihe von Überschneidungen, aber hier überwiegt der kunsthistorische Aspekt. Den Besucher überrascht eine Vielzahl von unglaublich fein ornamentierten Hals- und Armringen (manche sogar aus farbigem Glas), sowie die in solchen MUseen übliche Kollektion an Kannen und Tonkrügen. An Bildschirmen gibt es Informationen zur (vermutlichen) Herstellungsweise und Materialverarbeitung. Manche der Schmuckstücke würden noch heute manchem Goldschmied zur Ehre und zum Meistertitel gereichen. Das Können der Menschen vor zweieinhalbtausend Jahren (ohne Computer und einen Riesengerätepark) sollte uns zur Bescheidenheit mahnen!

Mein Fazit: Trotz langer Wartezeiten in der Kälte ein lohnenswerter Ausflug. Unbedingt empfehlenswert.
Die Kinderbespaßung kann ich nicht beurteilen. Ich habe das bedauerlicherweise ausgelassen, da ich aus dem Alter heraus bin.

elHakim
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