Club der Philosophen

RE: das besondere wahrnehmen

 von Nebelweib , 09.02.2010 17:31

Also ich kann die Überlegung von Damh zu 100% nachvollziehen. Ich habe bis zum meinem 16. Lebensjahr in einem Dorf gewohnt das an ein Naturschutzgebiet grenzt. Aus meinem Zimmer konnte ich immer den Wald sehen und in klaren, kalten Nächten könnte ich sogar den Fluß hören, der durch dieses Naturschutzgebiet fließt. Klar fand ich es toll durch die Wälder zu streifen und dem ein oder anderen Tier zu begegnen. Aber die eigentliche Schönheit meiner Umhebung habe ich nie wahrgenommen. Ich glaube wenn man jeden Tag den Wald vor der Tür hat verfällt man schnell dem Denken "Wald? Ist morgen auch noch da - ich hab jetzt besseres zu tun". So zumindest ging es mir immer. Ich hatte den direkten Kontakt mit der Natur nie gebraucht weil sie ja direkt vor meiner Haustür und jederzeit greifbar war.
Mit 16 habe ich dann ja meine Ausbildung angefangen und musste auf einmal in einer ganz anderen Welt leben: Leipzig, eine "kleine Großstadt". Damals hatte ich sogar ein neues Tagebuch angefangen dem ich einen Titel gegeben habe: "Dorf vs. Stadt - mein Leben in 2 Welten". In Leipzig habe ich dann einen regelrechten Kulturschock erlebt. Nachts war es nie ruhig, geschweige denn dunkel. Ich habe mich eingesperrt zwischen all den großen Häusern gefühlt. Platzangst habe ich in überfüllten Straßenbahnen entwickelt. Wenn mir jemand zu nahe kommt werde ich panisch und bekomm keine Luft mehr. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich meiner "Freiheit" beraubt wurde. Alles war auf einmal so hektisch, so klar geregelt. Eine ganz andere Welt eben.

Jetzt lebe ich seit 3 1/2 Jahren in Leipzig und fahre so oft es geht nach Hause zu meiner Familie. Merkwürdiger Weise sage ich immer noch "Zuhause", obwohl ich ja schon längst ausgezogen bin. Aber ich fühle mich mit diesem Ort immer noch unglaublich verbunden. Ich musste nach Leipzig gehen um die Natur wieder voll und ganz schätzen zu lernen. In Leipzig sauge ich jedes Vogelgezwitscher regelrecht in mich ein. "Zuhause" bin ich viel draußen, liege rum, rede mit Bäumen oder mit den Göttern. Ich verbringe meine Zeit mit Tieren und mit meiner Familie.

Ich denke wenn man die Schönheit der Natur ständig vor Augen hat und vielleicht gar nichts anderes kennt, dann sieht man diese Schönheit irgendwann nicht mehr. Es ist eben alles da. Dieser Baum, der Felsen da drüben und die Vögel zwitschern dich auch jeden Morgen aus dem Schlaf. Erst wenn man das krasse Gegenteil der Wirklichkeit kennen lernt, ich denke erst dann sieht man diese 2 völlig verschiedenen Welten mit anderen Augen. Und man lernt das zu schätzen, was einem unendlich gut tut.

Alles Liebe!

Nebelweib
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