RE: Glauberg_Keltenfürst

#16 von Tríona Ní Erc , 13.08.2011 02:19

Habe gerade in einem anderen Forum eine Ankündigung für eine neue Ausstellung in Büdingen gefunden, interessiert hier bestimmt auch einige



Neue Ausstellung im Heuson-Museum: „Der Glauberg – Archäologisches & Sagenhaftes“

Unter dem Titel „Der Glauberg – Archäologisches & Sagenhaftes“ zeigt das Heuson-Museum in Büdingen/Oberhessen vom 13. August bis 28. Dezember 2011 einen Querschnitt der Siedlungsgeschichte des Glaubergs. Den archäologischen Aspekt, der mit Fundstücken aus den Sammlungen des Büdinger Geschichtsvereins und Leihgaben des Glauberg-Museums dargestellt wird, ergänzen die Sagen und Geschichten rund um den mythischen Berg.

Der Glauberg ist ein zentraler Punkt für die Siedlungsgeschichte der Region. Das ca. 600 m lange und 100 m breite Plateau wurde vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis in das Hochmittelalter besiedelt und ab dem Ende der Bronzezeit immer wieder befestigt. In der Eisenzeit bestand hier eine große Siedlung mit Wehranlagen, Grabhügeln und Kultplätzen. Im 13. Jahrhundert wurde die staufische Reichsburg Glauburg erbaut. Wallreste und ein Teil eines Burggebäudes haben sich bis in unsere Zeit erhalten.
Bekannt wurde der Glauberg durch die Funde aus den frühlatènezeitlichen Fürstengräbern, u.a. vier lebensgroße Kriegerstatuen aus Sandstein, und die Grabenanlagen eines großen frühkeltischen Zentralheiligtums.

Die Ausstellungsstücke aus den Sammlungen des Büdinger Geschichtsvereins werden durch Leihgaben des Heimat- und Geschichtsvereins Glauburg ergänzt und geben so einen Überblick über die gesamte Besiedlungsgeschichte des Glaubergs.

Dem gegenübergestellt sind die von Emma Kauschat gesammelten Sagen der Glaubergregion. Manchmal liegen Wahrheit und Sage dicht beieinander, manchmal ist die Sage schöner als die Wahrheit.

Faustkeil, Steinaxt, ein Schweineköpfchen aus der Zeit der Bandkeramik, verzierte Rössener Keramik, Lanzenspitzen, Siegel, Armbrustbolzen, Ofenkacheln, Gussformen für Schnallen und eine der letzten vorhandenen Karten des Glaubergplateaus mit den Ausgrabungen von Professor Heinrich Richter von 1933-1939, die die einzelnen Siedlungsstufen des Glaubergs belegen. Hervorzuheben unter den Exponaten ist der über 7 kg schwere und 48 cm lange Schuhleistenkeil. Er wurde 1911 beim Pflügen auf dem Südhang des Glaubergs entdeckt.

Das Prunkstück der Ausstellung ist der von dem Glauberger Heimatforscher Johannes May gefertigte reich ausgeschmückte Sekretär. May wollte durch diese Arbeit auf die geschichtliche Bedeutung des Glaubergs hinweisen. Das aufgesetzte Glaubergmodell und die angebrachten Schriften sollten zur wissenschaftlichen Erforschung des Glaubergs einladen. Die Schnitzereien am Schreibtisch zeigen Motive aus verschiedenen Sagen. Erstmals vorgestellt wurde der Schreibtisch anlässlich einer Handwerkerausstellung in Gießen 1911 oder 1912. Ein weiterer Schreibtisch mit einem Glaubergmodell verbrannte 1945 bei der Zerstörung des ersten Glaubergmuseums.

Das Heuson-Museum erwartet mit dieser Ausstellung, in der Exponate von überregionaler Bedeutung gezeigt werden, viele Besucher aus nah und fern anzuziehen. Petra Lehmann-Stoll, Archäologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, bietet erstmals am 14.8.2011 um 17 Uhr eine Führung durch die Ausstellung an, natürlich können unter 06042-950032 und 06042-952334 sowie joachim.cott@geschichtsverein-buedingen.de jederzeit auch Sonderführungen gebucht werden. Kosten der Führung: 3,00 € für Erwachsene und 1,50 für Kinder u. Jugendliche. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 13.8. um 15 Uhr in der historischen Markt- und Kaufhalle.

Heuson-Museum
Rathausgasse 6, 63654 Büdingen
Tel. 06042 950032 oder 06042 952334
joachim.cott@geschichtsverein-buedingen.de
Öffnungszeiten: Di., Do. & Fr. 10.00 - 12.00 Uhr; Mi. & Sa. 15.00 - 17.00 Uhr
Sonn-/Feiertage 10.00 - 12.00 & 15.00 - 17.00 Uhr

 
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#17 von Inge , 13.08.2011 06:58

... wir waren auch inzwischen im Museum und ich war auch possitiv überrascht. Die Ausstellung ist sehr gut aufgebaut und steckt voller Überraschung. Es fasziniert mich, wie man so viel WissensWertes auf so kleinem Raum ausstellen kann .

Sehr gut hat mir auch die DachTerasse mit einem wunder_baren Ausblick gefallen und auch das Kaffee des Museums. Sicherlich kann man sich über die modernen Architektur des Museums streiten. Anfangs war ich auch nicht so sehr begeistert, doch muß ich sagen, daß ich es inzwischen gar nicht so schlecht finde. Es ist schon alles ganz gut durchdacht und hat nicht nur zufällig seine Form bekommen. Das Material ist zwar erschreckend, doch warum muß es immer zwangsweise Walt Disney sein ?

Nachdem der KeltenFürst mit all seinen Beigaben gefunden wurde, war klar, daß sich am Glauberg einiges verändern wird. Wie schon gesagt, finde ich das Museum das kleinere Übel. Viel Schlimmer finde ich, daß man nun oben nicht mehr feiern darf und daß nun auch auf dem Plateau einiges zu verändern scheinen. Ich war vorletzten Samstag dort- wußte zwar, daß viele Touristen unterwegs sein werden, doch zog es mich regelrecht dort hin Zu meinem großen Ärger standen dort drei Baugeräte und in den Ansiedlungen am Rande, waren die Grundruinen mit Sand aufgefüllt ... Da frage ich mich, was sie damit bezwecken ...

LG Inge

 
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#18 von Dolben , 06.05.2012 21:10

Heute waren wir in diesem Museum.
Es hat mir gefallen!

Bloß die Tatsache nicht, daß die Kelten als Leute dargestellt wurden, die ihre Feinde enthauptet haben und die Köpfe als Trophähe aufgespießt haben!
So ein kriegerisches Mörder- und Gemetzelvolk waren die Kelten sicher nicht. Sondern ein friedliches Volk. Aber Otto-Normal-Museumsbesucher glaubt dies nach seinem Besuch von diesem "Museum".


Viele Grüße Dolben

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RE: Glauberg_Keltenfürst

#19 von Inge , 08.05.2012 08:00

Hey Dolben,

wir dürfen nicht vergessen, daß zur Zeit der Kelten ganz andere Verhältnisse herrschten, andere Denkmuster und Verständnisse über die Elemente etc. Meiner Meinung nach dürfen wir den Schädelkult nicht als blutrünstiges Gemetzel interpretieren. Damals hatte das Präsentieren von Schädeln eine ganz andere Bewandnis.

Fakt ist, daß sie die Schädel an ihre Holzzäunen annagelten - ich habe einen Schädel mit großem Nagel in der Schädelausstellung/Mannheim gesehen. Dies galt u.a. als "TrophäenAlbum",- hihi, wie Storl sagte, war das damalige Fotoalbum der Kelten eine Kiste in der sich die abgeschlagenen Köpfe befanden. Sie konnten die einzelnen Köpfe herausziehen und jeweils ein nettes Anekdötchen dazu erzählen ....

Wie du in unten stehendem Artikel lesen kannst, wurden die Köpfe der Ahnen geehrt. In vielen Kulturen finden wir diese Schädel- und/oder Knochenverehrung von Ahnen und Feinden. Allen liegt eine magische Kraft inne, die sie ehren und für sich nutzen. Für ästhetische Seelen mag das vielleicht nichts sein, doch dürfen wir meiner Meinung nach, nicht mit den heutigen modernen, "moralischen" Wertmaßstäben beurteilen ....

Ich finde diesen Schädelkult sehr spannend. Wenn wir uns damit beschäftigen, verstehen wir mehr über die damaligen Denkstrukturen, Gefühle, Ängste, Glauben ....

http://www.zeit.de/2011/38/A-Keltenschaedel

LG Inge

 
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#20 von Oak King , 09.05.2012 00:15

Vielen Dank fuer die Klarstellung, liebe Inge! Wie du schon sagst, da der Kopf als Sitz der Seele gesehen wurde ist der Schaedelkult eher eine Form der Ehrerweisung eines besiegten Gegners dessen Staerke man zu uebernehmen hoffte. Und das sich die diversen keltischen Staemme nur allzu haeufig untereinader bekriegten ist ebenfalls gut dokumentiert - wohl auch ein Grund der zu ihrem Untergang gefuehrt hat. Gerade wegen des Glaubens an die Unsterblichkeit der Seele scheuten sich keltische Krieger nicht sich in eine Schlacht einzulassen, wie das auch altertuemliche Autoren wie Julius Caesar in ihren Schriften herausstellten. In ueber 2000 Jahren haben sich die Moralauffassungen halt gewaltig geaendert und was wir heute fuer abscheulich halten war einst die Normalitaet.
Blessings of the new dawn,
Holger

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RE: Glauberg_Keltenfürst

#21 von Dolben , 10.05.2012 22:26

Stimmt das was J. Caesar geschrieben hat?
Wer sagt, daß das wahr ist, was in seinen Schriften steht?

C. war einer der größten Herrscher unter der Sonne, vielleicht sogar der Allergrößte.
Meiner Erfahrung steckt bei so großen Männern auch sehr viel falsches Spiel mit drin (das ist auch ein Grund warum sie ihre enorme Macht so lange aufrecht erhalten konnten).

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RE: Glauberg_Keltenfürst

#22 von elHakim , 10.05.2012 22:41

Zitat von dolben
Stimmt das was J. Caesar geschrieben hat?
Wer sagt, daß das wahr ist, was in seinen Schriften steht?



Es gibt sicher gewichtige Gründe, nicht alles bei Caesar für bare Münze zu nehmen. Der gallische Feldzug war in Rom umstritten, und der Senat verlangte Berichte, um Gelder zu bewilligen. So schrieb Caesar das, was man in Rom hören wollte und durfte, nämlich von grausamen, die römische Kultur bedrohenden Barbaren. Falsche Information der Öffentlichkeit hat also nicht George W. Bush erfunden, um Kriege zu rechtfertigen!
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#23 von Dolben , 20.05.2012 19:56

Hier ist ein Video was die originale Stimmung am Glauberg wiedergibt und den Keltenfürsten zeigt:
http://www.youtube.com/watch?v=ILGWfBjFIWM

Ein Freund von mir hat es gemacht, mit Aufnahmen die entstanden sind als wir dort gewesen sind.

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RE: Glauberg_Keltenfürst

#24 von elHakim , 21.05.2012 23:33

Scöne Landschaftsaufnahmen, eine beeindruckende Statue. Aber wo ist die Verbindung zwischen beiden?

 
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#25 von Dolben , 23.05.2012 00:17

die lebensgroße Statue des Fürsten wurde unter dem inzwischen wiederangehäuften Erdhügel (Grabhügel) gefunden.
Das Hügelgrab ist von mehreren Wällen umgeben, sie verlaufen sich mysteriös geschwungen in der Landschaft.
Daneben ist einst eine winzige keltische Siedlung gewesen.

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RE: Glauberg_Keltenfürst

#26 von elHakim , 23.05.2012 23:25

danke!

 
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RE: Glauberg_Keltenfürst

#27 von Dendren , 19.07.2012 01:42

Oh da war ich auch schon. Ich fand sogar das Glauberg Tara bei weitem übertraf.
Was der werte Julius schreibt , sollte man immer mit Vorsichtig genießen. Da ist viel viel Propaganda und Missverständnis im De bello Gallico.
Dennoch eine außerordentlich wichtige Quelle!

 
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