Eine Yule Geschichte nicht nur für Kinder - die kleinste Fee

#1 von Salix , 29.11.2008 16:00

Eine Yule Geschichte – Die kleinste Fee



In einer Zeit als es noch keinen Namen für Zeit gab, als das Leben noch wie ein glitzernder Regenbogen über die mystische Erde tanzte, existierte Magie in jedem Erdengeschöpf. Manche der Grösseren haben heute mehr Schwierigkeiten die Magie zu erkennen als damals, denn sie fingen an zu vergessen dass Magie überall um Dich herum ist, wenn Du nur daran glaubst.

Alicia war ein winzig-kleiner Erdgeist mit funkelnden blauen Augen und einer Stupsnase; sogar in der Welt der Feen, in der alle Dinge klein waren, war sie die kleinste von allen.
Ihr Heim war tief zwischen den starken und verzweigten Wurzeln einer alten Eiche verborgen und die Kälte des Winters fand keinen Weg dort hinein.
Alicia liebte es zusammen mit ihren Eltern in ihrem warmen und gemütlichen Zuhause zu spielen, Bücher bei der Feuerstelle zu lesen oder Lieder zu singen welche nur das Feenvolk kannte.
Sie fürchtete sich vor den anderen Erdgeschöpfen und sie fürchtete sich auch davor was sich ausserhalb ihres Heims befand, noch nie hatte sie es verlassen und sah auch keinen Grund dies zu tun.
Wenn mal Besuch kam versteckte sie sich in ihrem winzigen Bettchen und verliess es nicht, wenn die Hasenfamilie von nebenan vorbeischaute hatte Alicia Angst eines der Hasenkinder könnte sie übersehen weil sie so klein war und versehentlich auf sie hoppeln. Sie lugte nur hinter der Bettkante hervor wenn die Glühends, eine Glühwürmchen Familie zu Besuch war, denn sie wollte sehen woher das warme, gelbe Licht kam.
Eines Abends beim Abendessen erzählten Alicias Mutter und Vater ihr, dass nun bald die Zeit des Winters vorbei sein würde und dies erschreckte Alicia – kannte sie doch nur des Winters Kälte und konnte sich nicht vorstellen was danach kommen würde. Ihre Eltern erklärten ihr dass in der gesamten magischen Welt ihre, Alicias Magie es sein würde, welche den Wechsel der Jahreszeit und das Drehen des Grossen Rades einläuten würde. Schon in der nächsten Nacht wollten sie sich mit ihr auf den Weg in den Wald machen, dort würde eine riesige Versammlung aller Erdkreaturen stattfinden und sie alle sollten Alicias Gabe der Magie sehen.
Aber Alicia zitterte vor Angst – was war bloss dieses Grosse Rad und wie könnte sie nur diese Magie und diesen Wechsel aufhalten? Sie mochte die Dinge so wie sie waren und wollte überhaupt nichts verändern! Sie wollte nicht zu dieser Versammlung gehen wo so viele sein würden, sie wusste auch nichts von einer Gabe welche man von ihr erwartete. Was wenn sie unterwegs verloren ging oder all diese anderen sie sehen würden? Vielleicht würden sie sie nicht mögen oder sie gar auslachen weil sie so klein war?
Ihre grösste Sorge war jedoch dass sie überhaupt keine Magie besass. Sie hatte sie noch nie erlebt. Sie konnte nicht wie ihre Eltern fliegen, wenn sie es versuchte stürzte sie auf ihre Ellbogen. Sie konnte auch keine Dinge wie Blumen oder Schneeflocken machen so wie ihre Mutter und ihr Vater;
alles was sie konnte war ein bisschen schmelzendes Eis. Nicht einmal Licht mit ihrem Zauberstab konnte sie machen. Wie würden sich bloss ihre Eltern fühlen wenn sie all dies herausfänden?
Was sollte sie nur tun?

So sehr sich Alicia auch vor dem „Draussen“ fürchtete, mehr noch fürchtete sie was all die anderen von ihr denken würden. Sie wollte Mutter und Vater nicht enttäuschen und so beschloss sie ihr Heim zu verlassen und sich zu verstecken. Niemand würde sie „Draussen“ vermuten und dort nach ihr suchen. Nicht besonders weit wollte sie gehen, nur so weit um sich zu verstecken bis diese Versammlung vorüber war und dann würde die Veränderung nicht stattfinden.

Alicias Mutter röstete Ahorn für das grosse Fest, ihr Vater war damit beschäftigt seinen Eiszauberstab auf Hochglanz zu polieren und Alicia wusste dass niemand sie sehen würde wenn sie nun ihr Heim verliess. Mit ihrem Zauberstab in einem kleinen Beutel den sie sich um ihre Mitte gebunden hatte, öffnete Alicia vorsichtig die Tür und schlüpfte nach draussen. Schnell und leise zog sie die Tür hinter sich zu damit ihre Eltern das Knarren nicht hörten und sah sich um:
Alles war weiss.
Sie lief einfach drauf los aber nach einer kleinen Weile, mit einem plötzlichen Krachen, versank sie bis zu den Flügelspitzen im Schnee. Mühsam arbeitete sie sich wieder hinaus doch nun war ihr wirklich kalt und sie konnte sehen dass es bereits Dunkel wurde; das helle Himmelblau wich bereits dem Purpur der Nacht mit Streifen von Rot und Gelb.
Alicia war sich nicht sicher doch wenn die Nacht kam, das wusste sie, musste sie sich schnell einen Unterschlupf suchen. Wenn sie doch nur bis zum Waldrand fliegen könnte! Dort würde sie ganz sicher ein Plätzchen finden um die Nacht zu verbringen bis die grosse Versammlung vorbei ist. Am nächsten Tag würde sie wieder nach Hause gehen und alles wäre wie gehabt.
Alicia hatte Angst und ihr war bitterkalt doch sie schüttelte beides ab und blickte zum Waldesrand, mit all ihrem Willen und Macht stiess sie sich vom Boden ab und begann vorwärts zu fliegen. Dann ein bisschen zurück, rauf und runter, schliesslich ein paar mal im Kreis, langsam dann schneller und dann geschah es; PÄNG! Sie flog schnurstracks in einen Baumast der schwer von Schnee tief über dem Boden hing.
Alicia wusste nicht so genau was mit ihr geschehen war als sie sich aufrappelte und ihren schmerzenden Kopf rieb aber sie sah dass nun völlige Dunkelheit herrschte und winzige Lichter am Himmel blinkten. Sie blickte sich um um herauszufinden wohin sie gehen musste und war sich ziemlich sicher dass die grosse Versammlung bereits vorüber war. Sie konnte also nach Hause gehen – aber in welcher Richtung war das?
Fliegen wollte sie nicht mehr, was wenn sie wieder gegen einen Baum flog, es war jetzt auch tiefschwarze Nacht und ausserdem schmerzte ihr Kopf wirklich sehr.
Doch plötzlich hörte sie wie jemand nach ihr rief: „Alicia, Alicia.“ Sie fühlte wie ihr Körper zu zittern begann, so heftig dass die kleinen Eiszapfen, welche sich an ihren Flügelspitzen gebildet hatten, wie winzige Glöckchen bimmelten. Als sie sich umwandte erblickte sie eine Frau die auf einem grossen Stapel von Fellen lag. Die Frau war keine Fee, aber sie war sehr schön und gekleidet war sie in eine grün-rot-weisse Robe. Hunderte von Erdgeschöpfen umringten sie, manche von ihnen hatte Alicia noch nie gesehen, aber keines war ängstlich oder erschrocken. Obwohl es Alicia nicht verstand verspürte auch sie keine Angst mehr.
Es war so als herrsche vollkommener Frieden in der Nähe dieser Frau, etwas sehr Beruhigendes umgab sie wie eine Aura.
„Alicia“ sprach die Frau nun „ich habe dich bereits erwartet“
„Mich? erwartet?“ fragte Alicia
„Ja Alicia, denn es herrscht Dunkelheit und wir brauchen dein Licht um uns den Weg zu erleuchten damit wir sehen können was vor uns liegt“ antwortete die Frau.
„Mein Licht?“ Alicia erinnerte sich daran dass sie es noch nie geschafft hatte ihrem Zauberstab Licht zu entlocken.
„Es ist deine Magie Alicia, deine Magie wird das Licht aus meinem Innern hervorbringen“

Alicia begann langsam, zögerlich auf die Frau zuzugehen und dann sah sie dass die Frau schwanger war und das Baby jeden Moment auf die Welt kommen würde.
All ihre Ängste und Sorgen schmolzen dahin, wie das Eis an ihren Flügelspitzen und als sie in die wiesengrünen Augen der Frau blickte wünschte sie sich nichts sehnlicher als Licht für sie zu machen. Bebend entnahm Alicia ihren Zauberstab dem kleinen Beutel und erhob ihn, mit jeder magischen Hoffnung die sie je gehabt hatte liess sie ihre gesamte Energie in den Stab fliessen um ihn zum leuchten zu bringen.
Die Frau lächelte sanft, ihre wunderschönen grünen Augen ruhten auf der kleinen Fee und im nächsten Augenblick entsprang dem winzigen Zauberstab ein gigantischer Lichtblitz welcher jeden Winkel der Nacht erhellte.
Während Alicia ihren Stab immer noch hoch erhoben hielt, sah sie dass die Frau nun ein Kind in ihren Armen hielt, einen wunderbaren Knaben. Und plötzlich verstand sie alles was ihre Mutter und ihr Vater ihr zu erklären versucht hatten; dies war die Magie, dies war die aussergewöhnliche Gabe welche sie besass. Sie, Alicia, die kleinste aller Feen, trug in sich den Funken, den Funken welcher das Licht der Welt entfacht und das Drehen des Lebensrades bewirkt.
In ihrem winzigen Wesen hatte sie die Magie getragen welche die Macht der Liebe und des Verständnisses freigibt, für die Welt zu empfangen. In dem strahlenden Licht stehend begriff Alicia wer die Frau war und die Bedeutung dieses Kindes. Sie war Teil der Wiedergeburt des Lichts, das Baby war das Licht wiedergeboren durch die Göttin. Diese wunderschöne Frau war die Göttin des Lebens und Alicia war der magische Funke der alle Zeit überdauert und durch den wir alle grenzenlosen Möglichkeiten finden.

Bald war der Waldesrand voll von Erdgeschöpfen und Geistern aus der ganzen mystischen Welt. Alicias Eltern sahen ihr Feenkind strahlend vor Glück und die Göttin, in den Armen ihr Kind wiegend, segnete all diese welche mit ihr diese Zeit der Magie teilten während das grosse Fest begann und Freude herrschte.
Alicia bemerkte nicht einmal das sie in der Luft schwebte, sie trug nicht mehr die Last ihrer Sorgen und Ängste, sie wusste nun dass auch wenn sie die Kleinste war, sie die Macht besass die Welt zu erleuchten. Nun verstand sie dass Magie überall um dich herum ist, wenn du nur daran glaubst und dir selbst vertraust.

So jedes Jahr, wenn du eine Kerze anzündest um das Licht zu rufen, erinnere dich an die kleinste Fee denn es braucht nur einen winzigen Funken um die ganze Welt zu erhellen.

Gesegnet sei unsere Göttin, die Mutter des Lichts.


Copyright by Lady Abigail
High Priestess Ravensgrove Coven
Übersetzung von Salix

 
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RE: Eine Yule Geschichte nicht nur für Kinder - die kleinste Fee

#2 von Brianna , 25.12.2008 11:49

Schöööööööööööööööön

 
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RE: Eine Yule Geschichte nicht nur für Kinder - die kleinste Fee

#3 von petitsorciere , 25.12.2008 14:05

Wunderschön !



Danke fürs Teilen !

Liebe Grüsse

Gabi

 
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RE: Eine Yule Geschichte nicht nur für Kinder - die kleinste Fee

#4 von Weisser Schatten , 25.12.2008 19:36

danke, salix, für die übersetzung,
in englisch hätte ich sie nicht verstanden,
eine schöne, zarte erzählung

ian-jonathan der weiße schatten

 
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