Ethik und Werte im Druidentum - OBOD Text v. www.druidry.org

#1 von Brianna , 22.11.2008 19:50

Ethik und Werte im Druidentum
Eine Übersetzung des Textes „Ethics and Values in Druidry“ auf der Website des OBOD, Stand November 2008

Viele Menschen fragen sich vielleicht: bietet das Druidentum zusätzlich zu seinen spirituellen und magischen Lehren auch soziale und ethische Inhalte? Die Antwort ist Ja. Die Druiden der Vergangenheit wie auch die heutigen interessieren sich sehr für die wichtigen Fragen der Moral und Sozialphilosophie. Aber die Druiden lehren Ethik auf einfühlsame Art, frei von Engstirnigkeit. Auf klassisch keltische Art und Weise verkündet ein Druide keine Regeln oder Gebote. Statt dessen stellt er oder sie Fragen, wie z.B.: Was bedeutet es, ein guter Mensch zu sein, oder ein gutes Leben zu leben? Welche Werte sollten uns leiten in unseren Beziehungen zueinander, in unseren Gemeinschaften, oder gar unseren Staaten? Was sollten wir tun, um Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unsere Welt? Es ist seit jeher Art der Druiden, Antworten auf solche Fragen zu finden.

Einige der antiken römischen und griechischen Autoren, die die Druiden mit eigenen Augen beobachten konnten, berichteten über deren soziale Strukturen, ihre Werte und ethische Lehren. Aus diesen Berichten geht deutlich hervor, dass unsere Vorgänger viele wichtige soziale Funktionen für ihre Gemeinschaft erfüllten, nicht nur die wohl bekannten religiöser oder zeremonieller Art. Besonders hervorstechend unter diesen Funktionen war die des Philosophen und Lehrers der Moralphilosophie. Hier zum Beispiel in den Worten von Strabon, eines römischen Historikers:

Die Barden verfassten und sangen Oden; die Uatis (Ovaden) betreuten die Opfergaben und studierten die Natur; während die Druiden die Natur und Moralphilosophie studierten. So gross ist das Vertrauen der Menschen in die Gerechtigkeit der Druiden, dass sie alle privaten und öffentlichen Streitigkeiten an sie verweisen; in vielen Fällen gelang es diesen Männern, Frieden zu schaffen zwischen Armeen, die bereits auf dem Schlachtfeld bereit standen (Strabo, Geographica, IV.4.198)

Aus diesem Zitat geht klar hervor, dass die Druiden die Philosophen in ihrer Gesellschaft waren, und dass sie ein starkes Interesse am Studium und der Lehre ethischer Werte hatten. Julius Cäsar schreibt ähnliches in seinem Bericht über den Gallienfeldzug:

Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen beiden Galliern in großen Ehren. Denn sie entscheiden in der Regel in allen staatlichen und privaten Streitfällen. Wenn ein Verbrechen begangen worden oder ein Mord geschehen ist, wenn der Streit um Erbschaften oder den Verlauf einer Grenze geht, fällen sie auch hier das Urteil und setzen Belohnungen und Strafen fest. (Julius Cäsar, Der gallische Krieg, VI.13.1)

Es ist daher klar zu erkennen, dass die Druiden die Rolle des Richters oder Friedensrichters innehatten, in der sie alle Arten von Streit zwischen ihren Leuten schlichteten. Daher können wir sagen, dass die antiken Druiden über Ethik nicht nur theoretisch spekulierten, sondern ihre Studien auch praktisch anwendeten. Hier ist eine Beobachtung des römischen Kommentators Diogenes Laertius, der einen Auszug aus der druidischen Morallehre beschreibt:

Druiden sprechen ihre Verkündigungen in Rätseln und dunklen Sprüchen aus; sie lehren, dass die Götter verehrt werden sollen, dass nichts Böses getan werden soll, und dass männliches Verhalten aufrechterhalten werden solle. (Diogenes laertius, Vitae, I.5)

Mit “Rätseln und dunklen Sprüchen" soll wahrscheinlich gesagt werden, dass die Druiden ihr Wissen mit Hilfe eines festen Vokabulars von Sprichwörtern, Symbolen, Metaphern und ähnlichem lehrten, die sie selbst in der Zeit ihrer Ausbildung gelernt hatten und die außen stehenden wie Diogenes seltsam (bzw. dunkel) vorkommen konnten. Die von Diogenes erwähnte Triade weist darauf hin, dass Glaube, Rechtschaffenheit, und Ehre zu den von den Druiden geschätzten ethischen Werten gehörten.

Außerdem bestätigen die antiken Text den Glauben der Druiden an die unsterbliche Seele. Pomponius Mela schrieb folgendes über den Glauben der keltischen Druiden:

Eines ihrer Dogmen ist inzwischen allgemein bekannt, nämlich dass die Seelen unsterblich sind und dass es ein anderes Leben gibt in den höllischen Regionen. Dieser Glaube wurde offensichtlich zugelassen, weil er die Massen besser für den Krieg motiviert. Und das ist auch der Grund warum sie mit ihren Toten Dinge vergraben oder verbrennen, die diesen im Leben zustanden (Pomponius Mela, Factorum et dictorum libri, II.6.1)

Auch Julius Cäsar berichtete von diesem Glauben an in die unsterbliche Seele: Der Kernpunkt ihrer Lehre ist, dass die Seele nach dem Tod nicht untergehe, sondern von einem Körper in den anderen wandere. (Julius Cäsar, Der gallische Krieg, VI.14.5).

Nichts weist allerdings auf die Theorie hin, dass im Leben nach dem Tod diesseitiges Verhalten belohnt oder bestraft würde Statt dessen ziehen die klassischen Autoren positive Vergleiche mit dem Glauben des Pythagoras an die ‘Metempsychosis’, also die Seelenwanderung als eine Form der Reinkarnation. Andere klassische Schriften lassen den Schluss zu, dass die keltischen Vorstellungen vom Leben in Diesseits und Jenseits sehr nah beieinander lagen. Tatsächlich berichtet Pomponius Mela, dass “in vergangenen Zeit sie sogar die Fertigstellung ihrer Geschäfte und die Zahlung ihrer Schulden bis zu ihrer Ankunft in einer neuen Welt verschoben hatten!” (Mela, ibid.)

Einige irische Lehrtexte erzählen sehr konkret von den ethischen Vorstellungen der Druiden. Es existieren verschiedene dieser „Weisheitsschriften“ oder Lehrtexte durch Druiden oder andere bedeutende Gestalten der irischen Überlieferung. Manchmal wurden diese Texte anlässlich einer Zeremonie zur Einsetzung eines neuen Häuptlings vorgetragen, um dem Anwärter zu lehren, ein guter Anführer zu sein. Manchmal waren die Texte auch an die Kinder oder Enkelkinder des Redners gerichtet, um sie zu mündigen Erwachsenen hin zu bilden. Hier ist ein Beispiel für letztere Variante: Cormac mac Airt wird von seinem Enkel Carbre gefragt: “ Was hast Du getan, als Du jung warst? Cormac antwortet darauf wie folgt:

Ich war ein Lauscher im Wald
Ich war ein Betrachter der Sterne
Ich war blind, wo es Geheimnisse zu sehen gab
Ich war still in der Wildnis
Ich habe unter den Menschen viel gesprochen
Ich war zurückhaltend beim Trinken
Ich war hart im Kampf
Ich war bereit, zu beobachten
Ich war in der Freundschaft sanft
Ich war ein Heiler der Kranken
Ich war schwach gegenüber den Kraftlosen
Ich war stark gegen über den Mächtigen
Ich war niemals hart, damit ich nicht verspottet würde
Ich war niemals schwächlich, damit mir das Haar nicht geschoren würde
Ich war nie zu nah, damit ich nie zur Last würde
Ich war nie arrogant, aber ich war weise
Ich versprach nicht gerne, obwohl ich stark war
Ich war nicht abenteuerlustig, obwohl ich schnell war
Ich habe nie über die Alten gespottet obwohl ich jung war
Ich war nie angeberisch, obwohl ich ein guter Kämpfer war
Ich sprach nie über jemanden in dessen Abwesenheit
Ich machte keine Vorwürfe, aber ich lobte
Ich bat nicht, aber ich gab
Und es sind diese Gewohnheiten, durch die die Jungen alte und königliche Krieger werden.
(Instructions of Cormac, § 7)


Auffällig ist hier die besondere Bedeutung von Respekt und Gutherzigkeit anderen gegenüber, ohne dass aber der Eindruck erweckt wird, man solle sich passiv verhalten und unterordnen. Es wird auch nicht empfohlen, seine Würde für Andere aufzugeben. Die ersten beiden Zeilen enthalten zudem die mystische Andeutung, dass Cormac von den Elementen selbst lernen wollte, wie man am besten leben sollte, indem er einfach Wald und Sterne zu verstehen lernte und „still der Wildnis lauschte“.

Hier ist ein weiteres Beispiel, ebenfalls von den Lehren des Cormac. Cairbre fragt seinen Großvater Cormac wie er sich verhalten solle „unter den Weisen und den Narren, unter Freunden und Fremden, unter den alten und den Jungen, unter den Unschuldigen und den Bösen“ – oder in anderen Worten, wie er sich verhalten soll gleich in welcher Situation er sich befindet. Cormac antwortet ihm folgendermaßen:

Sei nicht zu weise, sei nicht zu einfältig,
sie nicht zu arrogant, sei nicht zu reserviert,
sei nicht zu hochmütig, sei nicht zu bescheiden,
sei nicht zu geschwätzig, sei nicht zu still,
sei nicht zu grob, sei nicht zu schwach.
Wenn du zu weise bist, wird man (zu) viel von dir erwarten
Wenn du zu einfältig bist, wirst du betrogen werden
Wenn du zu arrogant bist, wirst du als unausstehlich gelten
Wenn du zu bescheiden bist, wirst du keine Ehre haben
Wenn du zu geschwätzig bist, wird man nicht auf dich hören
Wenn du zu still bist, wird man dich nicht beachten
Wenn du zu grob bist, wird man dich brechen
Wenn du zu schwach bist, wirst du zermalmt werden
(Instructions of Cormac, § 29)


Auch hier wird so etwas wie ein Pfad der Ausgeglichenheit empfohlen. Cairbre wird dazu angehalten, sich so zu verhalten, dass er jede seiner Charaktereigenschaften weder zu sehr unterdrückt, noch sie die Überhand gewinnen lässt.

Dazu müssen wir uns bewusst machen, dass die antiken Druiden in einer kriegerischen Stammesgesellschaft lebten und dass manche ihrer ethischen Aussagen nur in einer solchen Gesellschaft wirklich sinnvoll sind. Doch ganz im Sinne der Philosophie ihrer Vorgänger machen sich die Druiden von heute ihre eigenen Gedanken über Ethik und soziale Werte. Sie beziehen sich dabei auf antike Quellen wie die bereits erwähnten griechischen, römischen und irischen Texte, aber auch auf neuere Quellen und natürlich ihre eigenen intellektuellen und emotionalen Erkenntnisse.

Der Orden der Bards Ovates & Druids (OBOD) hat seine Wurzeln in der Erneuerung des Druidentums im 18. und 19. Jahrhundert. Seine Begründer waren stark beeinflusst vom Neoplatonismus, der Freimaurerei, einigen Spielarten des liberalen Christentums und ähnlichem. Klassische Quellen die historischen Druiden betreffend wurden erstmals verfügbar. Die Bewegung, die sich „British Druidry” nannte, beabsichtigte, spirituelle Schriften rein britischer Prägung zu finden oder eben neu zu schaffen. Zeitgleich verfassten bedeutende Forscher die ersten ernsthaften Studien zu neolithischen Monumenten in Britannien, die oftmals den Druiden zugeschrieben wurden. Bereits 1689 veröffentlichte der Antiquar John Aubrey seine These, die Druiden seien die Architekten von Stonehenge und Avebury gewesen, und spekulierte dass demzufolge die Druiden über großes mystisches Wissen verfügt haben mussten. Einige der Autoren dieser Zeit wollten die Druiden am liebsten als eine Art Proto-Christen darstellen. Auf der Basis einiger Andeutungen bei antiken Autoren zu den Lehren der Druiden kamen die frühen “Erneuerungs-Druiden” zu der Überzeugung, die Morallehren der historischen Druiden seien praktisch identisch gewesen mit denen des Christentums. Zum Beispiel übersetze Godfrey Higgins im Jahr 1829 das Wort Tara (Name von Irlands früherer Hauptstadt) als „die Tora der Hebräer“ (Zitat aus Matthews, ed. The Druid Source Book, Seite 167). Tatsächlich bedeutet das Wort Tara “große Aussicht” oder “toller Anblick”) Die Erneuerung des Druidentums in Britannien war zutiefst mit dem Wandel der Gesellschaft und somit mit sozialen Themen verbunden. Sie zog Sozialreformer genauso in ihren Bann wie Aktivisten aller Art, Gewerkschafter, Sozialisten und einen ganzen Haufen wunderbarer und außergewöhnlicher Menschen.

Die heutigen Druiden verfügen natürlich über bessere historische, sprachwissenschaftliche und archäologische Informationen, was die Druiden und die neolithischen Monumente in Britannien und Irland betrifft. Von dieser früheren Erneuerung aber haben sie eine Vielzahl wichtiger spiritueller Vorstellungen übernommen, vor allen Dingen die Einheit und das Eins-sein der ganzen Welt, die Unsterblichkeit der Seele, die Gegenwart des “Awen” (magische oder göttliche Inspiration), die Erfahrung des Göttlichen in Bäumen und Landschaften und in der Natur an sich, sowie die angeborene Güte des menschlichen Wesens.

Letztendlich haben etliche Druiden des 20. und 21. Jahrhunderts ausführlich über Druiden und Ethik geschrieben. In seinem Kapitel über Ethik und Werte bemerkt Philip Carr-Gomm dass “die meisten Druiden einen hoch entwickelten Sinn für ethisches Verhalten haben, das in der Regel stillschweigend in ihren Handlungen beinhaltet ist, ohne ausdrücklich als solches nach außen kommuniziert zu werden.“ (What do Druids Believe? Seite 60). Auf der Grundlage jahrelanger Beobachtung identifizierte er vier spezifische, den Druiden eigene ethische Prinzipien: Verantwortung, Gemeinschaft, Vertrauen und Integrität. Dieser letzte Wert, Integrität, stammt sowohl aus der altkeltischen Kriegerkultur als auch aus der britischen Erneuerung des Druidentums. Er wurde schnell als einer der wichtigsten druidischen Werte anerkannt.

Im Jahr 2008 wurden zwei umfangreiche Bücher zum Thema Ethik und Werte aus Sicht der Druiden veröffentlicht, die beide das Thema Integrität erörterten, wie auch andere Werte. Eines davon ist „Living with Honour“ von Emma Restall Orr, Vorsitzende des Druid Network. In ihrem Text wird Ehre, verknüpft mit Integrität, zunächst in ihrem traditionellen Zusammenhang mit sozialem Status und dem Ruf innerhalb einer Stammesgesellschaft betrachtet. In einer detaillierten Analyse versteht sie Ehre dann als etwas, was aus menschlichen, ökologischen und spirituellen Beziehungen heraus entsteht. In ihren Worten:

Da das Heidentum auf der Verehrung der Natur aufgebaut ist, geht es in der religiösen Ausübung um jede einzelne unserer Interaktionen. Heiden greifen nicht nach einer übernatürlichen Gottheit, einem Gott der außerhalb der Natur besteht...der Mittelpunkt ihres Lebens ist dieser Planet, diese Umwelt, dieser Lebensraum und seine Bewohner. Wie wir den Anderen wahrnehmen und behandeln – sei es ein Mensch, eine Katze, ein Käfer, ein Baum oder ein Fluss – ist die Grundlage aller heidnischen Theologie. In diesen spirituellen Akt, in diese Erschaffung von Beziehungen, gebe ich das Wort „Ehre“ hinein, um sein Wesen zu erkennen. (Living with Honour, Seite 128.)

Danach beleuchtet Orr die Ehre als Summe dreier spezieller Tugenden: Mut, Großzügigkeit und Loyalität. In ihren Augen ist jede davon in verschiedene heilige Beziehungen eingebunden, sei es mit anderen Menschen, der eigenen Gemeinschaft oder der Erde als ganzes. Das Buch ist im Übrigen der Frage gewidmet, wie diese Werte im Alltag angewendet werden können, in Fragen der Medizin, dem Umweltschutz, auf Reichtum oder Armut und vor allen Dingen der überragenden Bedeutung menschlicher Beziehungen und des Mitgefühls (Empathie).

Auch das Buch “The Other Side of Virtue“ von Dr. Brendan Myers, einem Philosophen aus Kanada und Mitglied der OBOD Gruppe der „Mount Haemus Scholars“1[/size] ist, behandelt die Ethik der Druiden. Dieses Essay in Buchlänge liefert einen umfassenden Überblick über die Mythologie der Kelten und auch der germanisch-nordischen Völker, der Griechen und anderer Gruppen der antiken Welt. Er unterscheidet deutlich zwischen der Weltsicht der eisenzeitlichen Kriegergesellschaften einerseits und den „klassischen“ Staatenorganisationen anderseits. Danach entstand die Ethik und die Idee von Tugenden in Beantwortung ewiger Fragen hinsichtlich Schicksal, Bestimmung, soziale und politische Konflikte, Vergänglichkeit und Tod. Ethik steht demgemäß philosophisch über dem Befolgen von Gesetzen und sittlichen Regeln. Es geht vielmehr um die Verwandlung der eigenen Persönlichkeit hin zum natürlichen Fluss von Güte und Wahrhaftigkeit.

Wer den druidischen Weg verfolgt, strebt nach einem guten und sinnerfüllten Leben und entwickelt sich daher hin zu den Charaktereigenschaften und Tugenden, die für ein solches Leben notwendig sind. Myers entwickelt dazu ein neues philosophisches System, das er die „Theorie des Ungreifbaren“ nennt. Diese Theorie besteht aus drei Teilen, die er wie folgt beschreibt:

1. Zuerst bringt das Leben unausweichliche Begegnungen mit Ereignissen mit sich, die sich scheinbar durch höhere Gewalt in unser Leben drängen, unter ihnen die Natur, andere Menschen, das Schicksal und auch der Tod.

2. Danach fordern diese Ereignisse eine Reaktion unsererseits heraus. Durch diese Reaktion entwickeln wir ungenutzte Potentiale und in uns verborgene Ressourcen, etwa sozialer Art, wie Familie und Freundschaft, oder persönlicher oder innerlicher Art, wie Mut und Integrität.

3. Schließlich wenn wir eine solche vortreffliche Reaktion gezeigt und uns zur Gewohnheit gemacht haben, dann verwandeln sich die zu Beginn schicksalhaften Ereignisse zu Quellen spiritueller Bedeutung und Erfüllung. Diese Verwandlung öffnet die Tür zu einem blühenden, sinnerfüllten Leben (Myers, The Other Side of Virtue, Seite 7)

Der vorliegende Artikel hat die moralischen und ethischen Konzepte des Druidentums nur auf die einfachste Art, quasi als Einleitung, beleuchtet. Unter den heutigen Druiden gibt es keine allgemein akzeptierte Doktrin. Wie Philip Carr-Gomm es sagt: “die meisten Druiden legen viel Wert darauf, Probleme zu vermeiden die enstehen, wenn wir anderen Moral vorschreiben wollen” (Carr-Gomm, What do Druids Believe? Seite 59) Es gibt allerdings eine aufkommende Überzeugung, dass druidische Werte aus dem Austausch untereinander, mit der Natur, mit dem Göttlichen, und durch den Fluss des Awen in unseren Leben entstehen. Ebenso kommen viele Anhänger des Druidentums darin überein, das seine ethischen Werte sich über Persönlichkeitsentwicklung zeigen und nicht durch Dogmen, Vorschriften oder utilitaristische Zweckberechnungen. Große Denker haben von Urzeiten bis heute versucht, einen verbindlichen Wertekatalog aufzustellen. Darunter gibt es eine Reihe von Werten, die bei vielen der bekannten Autoren auftauchen. Hier sind einige von ihnen, wie so von bekannten druidischen Schriftstellern erklärt werden.

Beziehungen

In jeder Gruppe, die ich je zum Thema “Heidnische Ethik” versammelt habe, war die Antwort klar. Kaum waren die wichtigen Quellen entwirrt, war es einfach: Beziehungen. Heiden finden und entwickeln ihre Ethik durch die in Beziehungen gemachten Erfahrungen. (Emma Restall Orr, Living with Honour)

Verantwortung
Druiden tendieren dazu, viele der Probleme unserer Welt als Konsequenz fehlender Verantwortungsbereitschaft zu sehen, gepaart mit der Weigerung, im Interesse des gemeinschaftlichen Wohles zu handeln. Durch die fehlende Bereitschaft, Verantwortung für die fortschreitende Umweltzerstörung zu übernehmen, stehen Politiker und Unternehmen in dem Ruf, lediglich im Interesse ihrer eigenen, kurzfristigen Ziele von Macht und Erfolg zu denken… das Druidentum fordert dazu auf, Eigenverantwortung zu übernehmen, zuerst für unser eigenes Leben, dann in Zusammenarbeit mit anderen in unserer Gemeinschaft, und letztlich für die großen Themen, die die Gesamtheit des Lebens auf unserer Erde betreffen. (Philip Carr-Gomm, What do Druids Believe?)

Selbsterkenntnis

Die Aufforderung, sich Selbst zu Erkennen, erlaubt keine Selbsttäuschung. Sie ruft nach Anerkennung sowohl des göttlichen Feuers in uns, als auch der irdischen Sterblichkeit. (Myers, The Other Side of Virtue)

Vertrauen
Eine weit verbreite Erfahrung unter Menschen, die sich der spirituellen Dimension bewusst sind, dass sie durch ihr Vertrauen in das Leben in der Lage sind, eine Art “fließenden Zustand” zu erreichen, der ihr Leben leichtfüßig und ohne Mühe, dafür aber mit viel Freude voranträgt und sie gleichzeitig mit ihren spirituellen Zielen in Verbindung halt. Natürlich wird Vertrauen auch manchmal von seinem Gegenspieler eingeholt – nämlich von Misstrauen und Angst – aber durch den Glauben an das grundsätzlich Gute im Leben, an ein Leben mit Sinn und Zweck, findet der Suchende zunehmend leichter zurück ins Vertrauen. Je mehr wir dem Leben vertrauen, desto mehr unterstützen wir dieses Fließende. (Carr-Gomm, What do Druids Believe?)

Integrität
Wenn auch der Begriff der Integrität häufig im Sinne von “die Eigenschaft, hohe moralische Prinzipien und berufliche Maßstäbe zu haben und sich an diese zu halten“ verwendet wird, wird seine tiefer liegende Bedeutung im Wörterbuch als “die charakterliche Unbescholtenheit, Unversehrtheit oder Unverletzlichkeit von jemandem” angegeben. In diesem tieferen Sinne gebraucht wird Integrität zu einem Wert bzw. einer Eigenschaft, die von Druiden genauso ersehnt wird wie von allen anderen spirituell Suchenden. Unsere spirituelle Reise beginnt mit dem Gefühl, das etwas fehlt. Wir fühlen uns unvollständig und beginnen, zur Gottheit, zur Erleuchtung, zur Ganzheit hin zu streben. Später erkennen wir, dass alle diese Qualitäten bereits in uns angelegt sind und dass nur unser Denken glaubt, wir seien von ihnen getrennt. Nach und nach öffnen wir uns durch Meditation und spirituelle Praxis dem Bewusstsein unserer Vollständigkeit, unserer Ganzheit. Wir finden dadurch zur Ganzheitlichkeit (Integrität). Und von dort aus können wir dann authentisch handeln, anstatt zwanghaft zu versuchen, anders zu sein als wir sind. (Carr-Gomm, What do Druids Believe? Pp. 63-4)

Mut
In dem alten Rätsel “Wer ist mutiger – der, der Angst hat und trotzdem handelt, oder der, der keine Angst hat?” ist die richtige Antwort der, der Angst hat und trotzdem handelt. Wer keine Angst hat, wenn er etwas gefährliches in Angriff nimmt, ist vielleicht jemand der nicht verstanden hat, was er tun wird, der sich der Risiken – für sich selbst und andere – nicht zur Gänze bewusst ist, der die Erfolgschancen nicht kennt.. Ein mutiger Mensch möchte anderen zu Nutzen sein, möchte der Gesellschaft, in der sie lebt, zu Nutzen sein, und vielleicht auch zukünftigen Generationen. Und Mut nutzt letztendlich dem, der ihn besitzt, und nicht nur, weil diese Person weniger Angst hat. Mut ist die Bestätigung des Glaubens an das Gute und das Schöne in der Welt, und der aktive Wille, ein Teil dieser Welt sein zu wollen. Wahrhaft mutig zu sein heißt auch, wahrhaftig zu lieben, heißt bereit zu sein, Gefahr, Leid, Mangel und sogar Tod in Kauf zu nehmen, um die Welt zu ändern. Diese Eigenschaften erscheinen mir als selbstbestätigend; ohne sie kann es kein erfülltes und blühendes Leben geben. (Myers, The Other Side of Virtue)

Umweltbewusstsein

Wenn ich davon spreche, dass heidnische Ethik auf Beziehungen basiert, dann ist das vor dem Hintergrund der Erkenntnis zu sehen, dass das Bewusstsein der Natur und ihre Energie die Essenz sind, die allem unterliegt und alles Leben verbindet. Wie der Regen untrennbar verbunden ist mit dem Fluss und dem Meer, so ist jeder Mensch verbunden mit der Erde und dem Weizen, mit dem Wasser das wir trinken, mit den Toten und den ungeborenen Kindern. Und mit jedem Windstoß, der meinen Atem mit sich nimmt, atme ich den Atem der von jedem Fuchs, jedem Reh und jeder Maus im Wald geatmet wurde; Luft die durch die Blätter der Bäume zog; Luft die im Gesang des Zaunkönigs und im Schrei des Falken die Stille der Abenddämmerung durchbricht, während dieser hoch über uns auf den Abendwinden segelt. (Emma Restall Orr, Living with Honour)

Grosszügigkeit
Wenn wir aber in uns die Bereitschaft finden wollen, aus vollem Herzen zu geben, dann können wir uns auf die Notwendigkeit der persönlichen Verantwortung als Führer verlassen: als ein wesentlicher Bestandteil der Natur müssen wir uns das Bewusstsein der Verantwortung für jede unserer Taten und auch unser Nichtstun erhalten, und der Auswirkungen unseres Daseins auf die Menschheit und die Umwelt, in der wir leben. Schließlich sind wir mit-verantwortlich für die Ehre der Menschheit, für unser Land – für das Ansehen unserer Gemeinschaft. (Emma Restall Orr, Living with Honour)

Freundschaft
Unsere Freunde machen das Leben wertvoll und geben ihm Bedeutung, und die Dinge, die wir gemeinsam mit Freunden tun sind eine der wichtigsten Quellen des Glücks.. Im Gegenteil dazu sind die sozialen Beziehungen in einer Kriegergesellschaft das wichtigste überhaupt: sie stellen praktisch die Identität einer Person her. Freundschaft ist mehr als ein Überlebensfaktor, wenn sie auch einen großen Überlebensvorteil bietet. Bei einem Unfall oder einem Schicksalsschlag braucht man Freunde zur Hilfe oder Rettung. Man verdient sich dieses Recht auf Hilfe dadurch, dass man selbst für andere da ist, wenn man gebraucht wird. Es ist im eigenen Interesse, respektvoll und kooperativ zu sein. Aber der Geist der Kriegerfreundschaft ist in sich selbst ebenfalls wertvoll: es ist dies die Freundschaft deren, die im jeweils anderen ihr zweites Ich gefunden haben. (Myers, The Other Side of Virtue)

Ehre
In Ehre zu leben, das heißt sich jede dieser Verbindungen bewusst zu machen, so bewusst ob dieser Beziehung wie man es nur sein kann; das heißt den Mut zu haben, ehrlich zu sein, gr0ßzügig und verantwortungsbewusst; heißt den Respekt zu haben, der aus Loyalität entsteht. Heißt, so zu handeln weil wir es wollen, nach reiflichem Überlegen und notfalls nach Hinterfragen, um dann einen Weg der Ganzheitlichkeit gesucht und gefunden haben. Heißt, mit jeder Handlung unsere Gemeinschaft zu vertreten – unsere Familie, unser Land, die Menschheit – und deren moralische Identität. Das zu tun, ohne Scham oder Unwissenheit, in dem sicheren Wissen gut geteilt zu haben, wahr und frei – das beschert uns ein tiefes und starkes Gefühl von Stolz. (Emma Restall Orr, Living with Honour)

Ein erfülltes Leben
Unser aller Leben ist unweigerlich mit den Leben aller anderen Menschen verbunden, mit der Natur, den Zufällen des Schicksals und der Vergänglichkeit aller Existenz. All diese Dinge sind unwiderruflich Bestandteil unser aller Lebensgeschichten. Ein spirituell bewusster Mensch nimmt diese Dinge lebensbejahend an. In dieser Annahme können wir Selbsterfahrung erleben, Sinn finden und Glück…. Ein erfülltes Leben ist ein aktives Leben. Es zeichnet sich aus durch das Gefühl, die Welt sei ein Ort, der Dir zur Verfügung steht, um den Sinn deines Lebens zu erfüllen. Oder vielleicht erscheint die Welt auch als ein Ort, der seinen eigenen Sinn in Dir erfüllt sieht, denn so erleben es viele von uns. Ein gutes Zwiegespräch mit dem Unfassbaren verstärkt in der Regel das Gefühl, voll von Leben zu sein, ganz zu sein, ganz wir selbst zu sein. Tatsächlich ist Glück das Gefühl, dass das Leben gut und schön ist. (Myers, The Other Side of Virtue)

Gemeinsam mit anderen, zu denen sie in Beziehung stehen oder die aus ihnen entstehen, können die hierin genannten Werte oder Prinzipien eine Grundlage bilden, auf der ethische und moralische Entscheidungen gefällt werden können. Besser als das Auswendiglernen eines festen Moralkodex, der vielleicht vor Hunderten von Jahren von einer herrschenden Klasse religiöser oder politischer Prägung entwickelt wurde, können wir ein tiefes inneres Gespür für Moral und Ethik entwickeln, das aus unserer Verwurzelung in diesen Werten entspringt. [Der französische Philosoph] Blaise Pascal fasste die Zutaten, die wir brauchen um ein solches Gespür zu entwickeln, sehr passend in folgender Triade zusammen: "Herz, Instinkt, Prinzipien.


[size=85]1 „Mt. Haemus scholars“ sind die Empfänger eines von Dwina Murphy-Gibb, der Schirmherrin des OBOD, gestifteten und hoch dotierten Preises für Grundlagenforschung im Druidentum. Benannt wurde der Preis nach der Mt. Haemus Druiden-Gruppe, die im Jahre 1245 in der Nähe von Oxford bestand, was allerdings zweifelhaft ist.


Ein Gemeinschaftsprojekt von MoonDancer und Zardoz. Den englischen Text findet ihr hier: URL: http://www.druidry.org/modules&#...d=1&page_id=155

 
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