Kelten - Workshop

#1 von Weisser Schatten , 11.10.2008 12:33

lieber ariwinnar,
ich schließe mich der meinung "lebensweise" gerne an, aber ich liebäugle dennoch ein wenig mit der genetischen weitergabe,

ian-jonathan
der so zu leben versucht und auch genealogisch ein kelte zu sein glaubt

 
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RE: Kelten - Workshop

#2 von Nivien , 11.10.2008 15:32

Hallo!

Spontan würde ich der Meme- bzw. Kulturtheorie zustimmen. Oder sollte ich besser schreiben: sie sagt mir eher zu. Meine Erfahrung ist auch diese: man kann sich über eine Lebensweise - ob man sie nun schamanisch, heidnisch, volksreligiös (nicht "völkisch", sondern "Volksreligion"!)oder meinetwegen auch "abergläubisch" (in einem neutralen oder positiven Sinne gemeint, wie sich auch manche "Hexen" nennen) über den ganzen Globus hinweg austauschen. Das ist faszinierend - und ermutigend.

Das ist es auch, was ich am OBOD schätze - jedenfalls so, wie er sich mit bisher dargestellt hat: daß da eine Offenheit besteht, die auch über Kulturgrenzen hinweg besteht. So ist es mir z.B. wichtig, vor Ritualen den Friedensgruß zu sprechen, und nicht so wichtig, welche Namen die evtl. angerufenen Gottheiten tragen.

Zum "keltischen" bin ich eigentlich gekommen, weil ich die keltischen Mythen und Märchen kennen- und sehr liebengelernt habe, und die keltischen Knoten und Muster, die mich fesseln...

Die Frage kommt aber nun auch auf, was ist es denn, was eine Lebensweise zu keltischen macht?

Ist es nicht ziemlich wahrscheinlich, dass wir alle, die wir hier in Europa leben, mehr oder weniger keltische (ebenso wie germanische und noch andere) Vorfahren haben?

BB
Nivien

 
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RE: Kelten - Workshop

#3 von Weisser Schatten , 11.10.2008 20:11

Zitat aus NIVIEN: Die Frage kommt aber nun auch auf, was ist es denn, was eine Lebensweise zu keltischen macht?


kann es denn überhaupt eine einzige antwort darauf geben?
oder ist es eine summe von antworten, eine summe von erfahrungen, eine summe von leben, welche sich in annähernd gleicher weise, (aber auch nur annähernd), gebrochen durch das eigene leben und erleben, als solche keltisch erweisen?

ich denke folgendes unvollkommene:

„Im Kreise aller, gemeinsam im Kreise aller, die mit uns sind und die wir lieben, achten und ehren, gemeinsam sollen wir heute unser aller Leben schaffen!
Mit Ritualen, welche aus scheinbar unendlich vergangenen Zeiten auf uns überkommen sind und an deren Urgrund wir uns kaum noch erinnern können, da die Übermittler, die Vermittler, lange schon nicht mehr unter uns weilen. Und doch hat jedes Volk seine Erinnerungen an seine Herkunft und an seine schönen und auch schweren Stunden durch die Münder der Sänger, der Barden, der Weisen, der Schamanen, der kundigen Weiber und auch seiner Priester wieder und wieder an seine Jünger(en) weitergegeben. Weitergegeben und mit der Erfahrung und der Weisheit jeder neuen Generation aufgefüllt. ite, missa est!
Und was uns Druiden/Innen, Barden/Innen, Heiler/Innen und andere Wissende betrifft:
War auch der Lern- und Lebensweg unserer druidischen Vorfahren und Lehrer/Innen ein sehr, sehr langwieriger, so hatten sie es dennoch so beabsichtigt. Denn ihre Äußerungen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse lebten stets und ständig weiter in den Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnissen ihrer Schüler/Innen. Die Fülle des Wissens - einmal vermittelt und erlernt - konnte verändert, verbessert, angereichert, weiter entwickelt werden nach dem Prinzipe des pantha rei, - des ALLES FLIESST. Alles ist immer im Flusse, in der Veränderung; nichts ist zum Erstarren erdacht! Und jede/r Lehrende war stolz darauf, wenn ihn seine Schüler in Ehren überholten, das Wissen um die Geheimnisse der Himmel und der Erde und des eigenen Volkes, ja, auch die Geheimnisse der Mysterien an andere Eingeweihte weitergeben konnten. Manchesmal als Druide, manchesmal als Sänger und Barde, als Rechtsgelehrter, als Heiler – aber immer als Erhalter und Beförderer der uralten Kenntnisse zum Wohle der Gemeinschaft.“ (auszüge aus meinem Buch „ICH BEREUE NICHTS –ein Keltenleben-„)

darum meine ich, ein jeder könnte, sollte, möchte so leben, daß er dem kantischen kategorischen Imperativ genüge:
„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“
Womit dieser meinte, daß die formale Gleichheit aller Individuen vor einem „selbstgegebenen, selbstauferlegten“ Gesetz einen freiwilligen, „vernünftigen“ Zusammenhalt garantieren sollte.

daran mich zu orientieren und stets zu versuchen, diesem prinzipe genüge zu tun, habe ich versucht, mein leben und arbeiten und mein denken einzurichten und ich glaube, daß diese art und weise unserer keltischen lebensweise und aufgabe von HEUTE nahe kommen könnte,

euer ian-jonathan

 
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RE: Kelten - Workshop

#4 von Weisser Schatten , 11.10.2008 21:18

da ich ein NUSSBAUM bin und somit männliches wie weibliches gespühr mir auferlegt ist, kann ich nur mit einem auszug aus der novelle "...dann eben die sechs noch einmal." darauf antworten, weil ich um die umdeutungen der "herrschaftsprinzipien" durch die vergangene zeit weiß:



"...und die Zeit verrinnt im Glase, hinter dem Glase der Uhr, daß er den Drang verspürt, auf die Neun-Zahl zuzuspringen, sich an ihr festzuklammern. An ihr, an dem Prinzip der Weiblichkeit wohin er sich gezogen fühlt seit seinem Ausdringen aus ihr, denn seit seiner Geburt, dem Ausgeworfensein in die Kälte, weit unter die 37 Grad des Mutterleibes, ist ihm niemals so richtig warm geworden auf dieser Welt, es sei denn in den Armen eines liebenden Menschen, im 'Schoße der Heiligkeit des Mütterlichen'. So sitzt er jetzt auf der Neun, der umgekehrten Sechs, welche, elegant im PLIE stehend, wie eine oben etwas sehr füllig geratene Tänzerin posiert. Aber sie packt es, sie packt es! wie man sieht.
Die Neun, dreimal die Drei oder das Quadrat derer selbst. Auch eine heilige Zahl: die Quadratur des Geheimnisses der Fragen und der Aufgaben der Märchen, ein Drittel des Mondumlaufes, ein Drittel des weiblichen Zyklusses, Ende des einen und Beginn eines neuen Zyklusses, Erinnerung an die Perioden des Seins, an die Schwangerschaft, an das Gären des Blutes, an die Mondphasen und an die Geschöpfe der Nacht, an die Mondgöttinnen, die heute ihre Macht verloren zu haben scheinen, da fast niemand sich um ihre Erweckung kümmert. Die Neun führt Erinnerungen mit sich an den Umsturz der matriarchalischen Zustände hin zu beherrschenwollendem, kriegführendem, zerstörendem männlichen, patriarchalischen Denken und Handeln und Trauer klingt auf in den Wissenden und Sehnenden beiderlei Geschlechtes, daß die Zeit der Mütterlichkeit, die mütterlich schützende Gesinnung, die schöpfende, erhaltende Liebe, die verstehende, sich an den Naturläufen orientierende und dort verhaftete Denk- und Handlungsweise vernichtet, verschüttet wurde und Platz machen mußte einer männlichen, vernünftigen?, gewalttätigen Denkweise, hervorgerufen auch durch deren egozentrische, ja, fast narzistische, in Abwehr und Verabscheuung alles Weiblichen gipfelnde (siehe die Kurie mit ihrer antiweiblichen, weiblich-feindlichen, dem Weibe gegenüber überängstlichen, fast homo- und auch pädophilen) Einstellung. Eine Einstellung, die nicht mütterlich bewahrend, sondern in den Jahrtausenden sich bewiesen hat als zerstörend, kraftmeiernd, herrschend, beherrschenwollend, sich bewiesen hat als auch auf Streit und Vernichtung ausseiendes männliches Denken und Handeln - bis in unsere Tage, Stunden, Minuten und Sekunden hinein und wahrscheinlich auch noch weit über diese hinaus. Und es täte die Rückerinnerung auf eine matriarchalische Gesinnung gut, ohne aber auf die Militanz zu reflektieren, welche beider Seiten wohl unwürdig ist. Verstehende aller Länder - vereinigt euch - auch im Geiste, vor allem in diesem."

euer ian-jonathan der nußbaumgeborene

 
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RE: Kelten - Workshop

#5 von Oak King , 12.10.2008 01:20

Wird wohl eine sehr lange Reise werden, Ariwinnar, aber sicherlich wert sie zu machen! Da es spaeter und spaeter wird und ich noch ein paar Dinge zu erledigen habe bevor ich mein muedes Haupt zum schlafen legen kann will ich jetzt nur ein paar kurze Einwuerfe machen.

Zu ihrer Zeit wussten die Kelten nicht dass sie Kelten waren. Soviel ich weiss tauchte der Begriff erstmals bei den Griechen auf die von den 'Keltoi' sprachen was soviel wie 'hidden people' bedeutet. Nicht das sie sich versteckt hielten, sondern dass ist eher eine Anspielung auf die Tatsache dass sie ihr Wissen nicht zu Papier brachten aus dem Glauben heraus das, um zu leben was man 'predigt', muss man des Leben's
Weisheiten im Kopf (und im herzen) haben und nicht in Buechern.

Zur Rolle der Frauen: mein eigene Frau wird nicht muede mir zu erklaren das 'hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau steht' was auch in keltischer (hier walisischer) Mythologie zum Ausdruck kommt: Math fab Mathonwy kann nur der Herrscher ueber sein Reich sein wenn er seine Fuesse im Schoss einer Jungfrau (Goewin) haelt, Lleu LLaw Gyffes kann nur der neu Herrscher werden wenn er (unter anderem) eine Frau hat wofuer Gwydion und Math all ihre magischen Kuenste aufbringen muessen um Blodeuwedd zu kreieren.

Zur Verbeitung der Kelten: Ich denke das die alten Griechen, wenn sie von den Keltoi sprachen, praktisch alle ihnen bekannten Staemme noerdlich der Alpen meinten. Es gibt Auffassungen das die Kultur der Kelten sich viel schneller und leichter verbreite als die keltischen Staemme selber. Habe vor ungefaehr 3 Jahren ein TV-Programm gesehen das behauptet hat das es keine Beweise fuer eine massenhafte Immigration von Kelten in die britischen
Inseln gab. Zumindest gaben sie zu das entweder Teile groesserer Staemme oder individuelle Familiensippen ihre Herkunftslaender verlassen hatten um sich anderswo anzusiedeln. Zum Beispiel gab es im heutigen Yorkshire nachweislich den Stamm der Parisii, der gleiche Stamm der dem heutigen Paris den Namen gegeben hat.

Mit unserer heutigen Besessenheit mit den Kelten neige ich dazu mich zu fragen 'Was war da zuvor?' Die allgemein verbreitete Auffassung ist das die Kelten dem Donaubecken entsprangen. Wenn man aber weiter zurueckschaut findet man dass ungeaehr 1200 v.u.Z. Unruhen im Gebiet des noerdlichen Kaukasus dazu gefuehrt haben das einige Stammesverbaende entweder von dort vertrieben wurden oder freiwillig westwaerts und schliesslich der Donau entlang westwaerts gezogen sind.
Ist es Zufall das diese Menschen bereits metallverarbeitende Faehigkaiten hatten? Seit Urzeiten sind Menschen westwaerts gezogen, vermutleich der Sonne folgend. Wenn wir und die Goetter der Altvorderen betrachten finden wir das das die gleiche Goettin die der Donau den Namen geliehen hat in Irland als Danu veehrt wird, in Wales dem Fluss Dee den Namen gab, ein weiterer Fluss des gleichen Namens in England durch die Stadt Doncaster fliesst und im hohen Norden Schottlands noch ein anderer Fuss gleichen Nmens bei Aberdeen (bed. Muendung des flusses Don) in die Nordsee fliesst. Doch dreht Euch mal um und schaut ostwaerts! Ist da nicht ein grosser Strom Don im westlichen Russland der in das Schwarze Meer fliesst???

Hab schon wieder viel mehr geschrieben als ich urspruengloich wollte. Denkt mal darueber nach. Muss jetzt aber wirklich iin die Falle huepfen, dammit!!

Muede gruesse,
Holger

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RE: Kelten - Workshop

#6 von Weisser Schatten , 12.10.2008 13:55

hi freunde,
wißt ihr eigentlilch, daß das griechische wort für "milch" KEL war,
das heitßt, die KELten könnten auch die "Bleichgesichter" aus dem norden gewesen sein, die sich ja gegen die mediterane hautfarbe abhoben,
war mal so eine gedanke

ian-jonathan

 
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