Ein Wildschwein kommt selten allein

#1 von Nanny Ogg , 07.10.2008 20:36

Ich bin auf dem Lande aufgewachsen und besitze von klein auf eine Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen. Stundenlanges wandern im Wald war für mich keine Seltenheit und so hatte ich auch immer wieder die ein oder andere Begegnung mit deren Bewohnern.
Hasen und Igel und einmal sogar einen mächtigen Hirschen, der auf dem Weg vor mir stand. Da er mich nicht wittern konnte, blieb er stehen um mich zu betrachten. Ich war mir in Anbetracht des mächtigen Geweihs nicht so sicher, ob ich stehen bleiben, oder weglaufen sollte, harrte aber tapfer aus. Nach einiger Zeit setzte er dann ruhig seinen Weg fort.

Eines Tages nun, es war ein wunderbar sonniger warmer Tag, lief ich meine Lieblingstrecke entlang, als es auf einmal in einem Gebüsch neben mir raschelte! Ich blieb natürlich stehen um zu schauen, was da denn niedliches raushüpfen würde.
Nun, gehüpft kam nichts, eher gelaufen und direkt auf mich zu!
Heureka, ein kleines Wildschweinchen, och wie süüüß!!
Dunkel erinnerte ich mich daran, was mein Vater mir so über Wildschweine erzählt hatte. Kleines Schweinchen- Frischling - richtig.
Meistens mehrere Frischlinge – äh, nö!
Pass um Himmelswillen auf die Muttersau auf - ähm, Schluck!
Und dann raschelte es wieder im Gebüsch, nur diesmal war es kein zaghaftes, schüchternes raschel raschel, sondern ein wütendes, alles niederwalzendes RASCHEL RASCHEL!!
Was tun?
Der Schreck saß mir so in den Gliedern, dass ich nicht fähig war wegzulaufen, also ergriff ich den nächst besten Ast und zog mich daran empor. Gerade noch rechtzeitig, denn just in diesem Moment brach die Sau durchs Gebüsch und stürmte in meine Richtung.
Buh, gerettet!
Ich konnte sogar wieder lächeln und der Sau eine Nase drehen, was ich aber vielleicht doch besser unterlassen hätte.
Wütend grunzte sie am Fuße meines Baumes rum, ja versuchte sogar sich am Stamm aufzustellen, was mich dazu bewog, noch eine Etage höher zu klettern. Dann fing sie an im Boden zu wühlen, ja so, als wolle sie mir demonstrieren, was sie mit mir anstellen würde, sollte ich es je wagen, den Baum zu verlassen.
Hehe, bin ja nicht blöde und so fing ich wieder damit an, mich mit der Sau zu unterhalten.
In der Zwischenzeit kamen noch ein paar süße Frischlinge aus dem Gebüsch, nebst zwei ansehnlichen Müttern.
Hm, dachte ich, eigentlich müssten die doch Angst vor mir haben, denn, ich Mensch – sie Wildschweine! Also versuchte ich mich mal im Schreien. Das brachte mir aber nur kurzfristig ihre Aufmerksamkeit, ansonsten ließen sie sich beim wühlen nicht stören.
So langsam machte sich dann meine Blase bemerkbar.
Gelangweilt schaute ich von meinem Baum aus der Schweinebande zu meinen Füssen zu. Mutter Wildschwein ist ja nicht gerade eine „liebevolle Mama“, oder „Tante“, so genau konnte ich das bei dem Gewusel nicht feststellen. Da wurde schon mal so ein kleiner Wicht mit einem Wusch hinweggefegt und das, obwohl er just in diesem Moment seinen ersten Regenwurm erlegt hätte! Auch wird sich gnadenlos hingelegt und wenn das Kleine Pech hatte, wurde es einfach als Schmusekissen missbraucht.
Mittlerweile sah der Boden um meinen Baum herum schon ziemlich zerpflügt aus und ich dachte, dass sie jetzt bestimmt bald weiterziehen würden – aber weit gefehlt!
Jetzt hielt die Saubande erst mal Siesta!
Oh nein!
Es wäre ja schon lustig gewesen, wäre da nicht meine verflixt volle Blase gewesen!
Bis heute ist es mir schleierhaft, wie ich es schaffte, vom Baum zu pieseln – auf jeden Fall war meine Hose trocken!
Mit einem Schrei waren alle Schweine auf den Beine und, bäh, was machten die? Genau, sie witterten auf Schweineart!
Auf einmal stieß eine Sau einen Schrei aus und wie ein Mann drehten sich alle Schweine um und verschwanden im Unterholz!
Mann, wenn ich das nur vorher gewusst hätte!!!
Aus dem Wald heraus, blickte ich auf unsere Kirchturmuhr und, Ach du Schreck, ich hatte fast 4 Stunden auf dem Baum gesessen!
Oh weh, dass glaubt mir meine Mutter bestimmt nie!!! (Seltsamerweise tat sie es aber!)

 
Nanny Ogg
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