Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#1 von Titania , 28.01.2014 17:56

Nach dem Lesen einiger Postings ist mir aufgefallen, dass es eine Menge Menschen hier gibt, die in ihren Vorstellungen oder anderswo, sofort klarstellen, dass sie ja zu keinem Gottesdienst der evangelischen oder katholischen Kirche gehen. Es macht geradezu den Eindruck als wäre das nicht angebracht, wenn man doch dem Weg des Druiden oder Paganismus folgt.

Ich fände es total interessant, was Ihr so darüber denkt. Schließt Ihr das eine aus, wenn Ihr dem anderen doch folgen wollt oder schafft Ihr es eine Verbindung zu knüpfen ? Gibt es nur schwarz oder weiß oder auch ein schillerndes grau ?

Bin gespannt.


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RE: Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#2 von elHakim , 28.01.2014 20:59

Ich denke, schwarz und weiß trifft es nicht ganz. Druidentum und christliche Kirche sind deutlich unterschiedlich. Man muss weiter zwischen der Religion als Theorie und der angewandten Glaubenspraxis unterscheiden, gerade beim Christentum, aber auch dem Islam. Das spricht aber nicht dagegen, als Christ auch Druide zu sein, wenngleich die Kirche das wohl nicht tolerieren wird.


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RE: Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#3 von ute , 28.01.2014 22:16

Hallo Titania!
Spannendes Thema!
Ich wurde, wie wohl sehr viele Leute hier in unseren Breiten, christlich erzogen, ging also in die Kirche und habe christlichen Religionsunterricht bekommen. Habe früher meine erheblichen Widerstände gegen die Kirche entwickelt. Als ich mich mit Yoga beschäftigte, habe ich erstmals über den Tellerrand schauen können und erlebt, dass vom Hinduismus aus gesehen, die christliche Religion etwas anders gesehen wird. So sind viele Hindus überzeugt, dass Jesus in Indien war und einige Aspekte des Hinduismus (z. B. Gewaltlosigkeit) zurück brachte. Mit der Zeit legten sich meine Widerstände. Heute kann ich eine Kirche besuchen und auch christliche Gebete sprechen, aber auch die Göttliche Mutter und/oder den gehörnten Gott (leise natürlich) in der Kirche anrufen. Mir ist heute nicht mehr wichtig, was Andere davon halten würden, wenn sie es wüssten. Häufig genug sind Kirchen ja auch auf ganz alten heiligen Plätzen erbaut. Da kommt dann Heidnisches und Christliches zusammen!
Persönlich ist mir vor kurzem noch etwas Schönes aufgefallen. Habe am 14.2. Geburtstag. Bekannt ist das Datum als Tag der Liebe. Aber der Hintergrund ist: Valentin, Bischof von Terni, soll Heiden und Christen verheiratet haben. Er fand die Liebe wohl wichtiger! Sehe es also jetzt gerne als schönes Omen für mein Leben, die Vereinigung zweier Glaubensrichtungen, die sich ergänzen können. Wer weiß, vielleicht wäre Jesus heute Heide?!

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RE: Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#4 von wanderbenny , 29.01.2014 09:49

Hallo Titania,

eine Verbindung knüpfen? Wozu? Diese Verbindung existiert von Anfang an! Es ist die selbe göttliche Energie, die Allem zu Grunde liegt und der wir Menschen auf verschiedenen Pfaden (Religionen - je nach Erziehung oder eigener Wahl) folgen. Natürlich ist es erschreckend, wie einzelne Religionen heute ihren "Glauben" ausleben, aber das ist das Werk machtgieriger Herrscher und entspringt nicht göttlicher Energie. Wo wir diese Energie spüren können - ob an Kraftplätzen oder Kirchen oder Moscheen oder Tempeln usw. - fühlen wir uns wohl, ja selbst Atheisten fühlen sich im größten Tempel - unserer Natur - wohl.
Deshalb gehe ich gerne auch mal in Kirchen und an Weihnachten bei der Christvesper spüre ich diese Energie besonders gut beim gemeinsamen Singen. Naja, die Gottesdienste selbst sind nicht so mein Ding, hab mich eben für den druidischen Weg entschieden.
Alles in Allem denke ich, dass dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht angebracht ist, denn wir haben das gleiche Ziel: Gemeinsam in Frieden miteinander leben!

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RE: Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#5 von Maienfalke , 29.01.2014 20:38

Ich stimme dem guten Benny zu. Es ist die selbe Energie, das selbe Göttliche, das wir alle spüren. Nur unsere Zugänge dazu sind unterschiedlich. Solange das so gesehen und akzeptiert wird, bin ich auch gern bereit, zu Gottes/Götterdiensten aller Art und aller Orten zu gehen. Meine persönliche Erfahrung lehrt aber, dass unter ganz vielen Christen bzw. bei christlichen Gottesdiensten diese Akzeptanz schlicht nicht vorhanden ist, sondern der dort praktizierte eine Weg als einziger Weg "auf Teufel komm raus" aufoktruiert wird. Eigentlich fast schade...


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RE: Heide - Kirche- nur Schwarz oder weiß ?

#6 von greenman , 29.01.2014 21:07

Merry Meet, Titania!

Ich sehe es ähnlich unproblematisch wie die anderen.

Zwar waren die alten Druiden Teil einer polytheistischen Glaubensgemeinschaft, aber ihr Wirkungskreis ging weit über das Glaubenssystem hinaus. Sie waren Philosophen, Rechtsgelehrte, Heiler, politische Ratgeber und vieles andere Mehr, das jede Gesellschaft braucht - egal welches Glaubenssystem die Gesellschaft sonst prägt.
In Nordeuropa hat der Christentum den Heidentum als gesellschaftstragendes Glaubenssystem abgelöst - aber die Welt ist die selbe geblieben. Die vier Elemente, die vier Jahreszeiten, die Dankbarkeit für eine gute Ernte, die Hoffnung auf die Wiederkehr der Sonne nach der Wintersonnenwende, die Verbindung zwischen Tod und Wiedergeburt - alles ist noch da, und wird noch rituell gefeiert!
Genauso ist es mit dem Guten Leben. Das ist nach wie vor wichtig für das Wohlergehen des Einzelnen und der Gesellschaft. Der Philosoph, der Moralist, der Jurist sind also genauso wichtig, wie damals. Auch der Christentum braucht seine Druiden!

@ute: Ja, Jesus war auch damals schon ein Heide - in dem Sinne, dass er außerhalb der städtischen Gesellschaft lebte. Bloß gibt es in Palästina keine Heide, wo er sich hätte aufhalten können - eher Wüste! Aber er lehrte viel in der freien Natur, und er nahm in seiner Lehre oft Bezug auf die Natur. Und er richtere unseren Blick an dem etablierten Glauben vorbei auf die ewigen Wahrheiten der Natur und der Schöpfung.

Ich denke, seine Lehre ist insofern Duridisch, als dass sie über seinem - und unserem - tradierten Glaubenssystem steht. Wie du bemerkst, Ute, betrachten auch andersgläubige (z.B. Moslems) Jesus als wichtigen Lehrer.

Also, ich mag Jesus! Ich lese gern seine Worte und das, was andere über ihn erzählt haben. Ich freue mich, so wunderbare Musik zur Verfügung zu haben, um ihm meiner Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Ich finde es als sehr passend, dass gerade die Christen diejenigen sind, die alle möglichkeiten des Bardischen Ausdrucks - der Musik und der Poesie - ausschöpfen, um ihren Herrn zu preisen!

Blessings,
Greenman

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Schwarz oder weiß ?

#7 von bernarde20 , 06.02.2014 13:50

"Ich denke, schwarz und weiß trifft es nicht ganz. Druidentum und christliche Kirche sind deutlich unterschiedlich. Man muss weiter zwischen der Religion als Theorie und der angewandten Glaubenspraxis unterscheiden, gerade beim Christentum, aber auch dem Islam. Das spricht aber nicht dagegen, als Christ auch Druide zu sein, wenngleich die Kirche das wohl nicht tolerieren wird" da bin ich ganz deiner meinung

 
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RE: Schwarz oder weiß ?

#8 von ute , 07.02.2014 23:17

Hallo Greenman!
Ja, du schreibst, dass viele Andersgläubige Jesus als wichtigen Lehrer sehen. Ich weiß zwar nicht, wie Moslems ihn sehen, habe aber einige Stimmen in Indien gehört, die Inhalte ihrer Religion in seiner Lehre erkennen.
Wie gesagt sind einige überzeugt, dass Jesus in Indien war. Und das soll nicht mal so unwahrscheinlich sein, wenn man bedenkt, dass es einige Jahre in seinem Leben gibt, von denen nichts überliefert wurde. Es kann wohl sein,
dass Jesus über Handelsrouten nach Indien gereist ist und dort in Verbindung mit Indiens Lehren kam.
Und jetzt wird es doch noch interessanter, denn es soll doch auch eine Verbindung der Druiden nach Indien geben, nicht?

Huch, da schließt sich ja wieder ein Kreis!!!

Gruß, Ute

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