Was ist keltischer Schamanismus?

#1 von Brianna , 19.04.2008 11:23

Dies ist eine Übersetzung von Fragen und Antworten zu dem Thema. Die Antworten kommen von britischen OBOD Druiden die seit vielen Jahren keltischen Schamanismus praktizieren (April 08. Alasdair OBOD Ovate, Kat Lady OBOD Druide, Celtic Knight OBOD Barde)

Celtic Night:

Was meint ihr, gibt es das - keltischen Schamanismus? Ja

Gab es bei den Kelten Schamanen?

Tatsächlich glaube ich, dass es schon vor den Kelten Schamanen gab. Es gibt Beweise, hauptsächlich aus der keltischen Mythologie, die auf schamanistische Elemente schließen lassen. Ein besserer Begriff wäre wohl 'Uralter britischer Schamanismus' oder dergleichen.

Kann man die Druiden gar als Schamanen bezeichnen?

Sowohl Schamanismus als auch das Druidentum ist eine Naturspiritualität deren Fokus auf der Erde, dem Land liegt. Beim Schamanismus liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit mit den 'spirits' (Wesenheiten) der Erde, wohingegen beim Druidentum der Schwerpunkt mehr darauf liegt mit der Erde, dem Land selber zu arbeiten. Es gibt eine klare, deutliche Überschneidung und immer mehr Druiden arbeiten daher auch schamanisch.

Wenn man mit schamanischen Techniken arbeitet, wie kann man das mit keltischem verbinden?

Ich bin mir nicht sicher was du damit meinst. Meine Praxis ist die Fusion von keltischem Schamanismus und dem Druidentum. Für mich gibt es keine zwei verschiedenen Glaubensrichtungen oder Anwendungen.

Buchempfehlungen:
The Celtic Shaman: A Practical Guide by John Matthews (englisch)
Taliesin: the Last Celtic Shaman, also by John Matthews. (englisch)
Deutsche Buchtipps zu dem Thema hier: http://www.druidry.de/buchtipps.html
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Alasdair:
Keltischer Schamanismus ist mehr ein modernes Konzept (genau wie Schamanismus bei den Isländern und Skandinaviern). Aber es gibt Ähnlichkeiten und pros wie contras für schamanische Praktiken auf den Britischen Inseln und sonstwo.
Buchtipp: "Faery Boy of Leith" (englisch)

Einige ähnliche Konzepte (in keltischer Folklore bzgl. der Druiden) die sich auf Schamanismus beziehen sind die folgenden:
- Der Fokus auf die 'Anderswelt' und das Wissen darüber
- Vielzählige (oft Helden-) Reisen in die Anderswelt in Irischen Überlieferungen
- Omen-, Zeichen- und Orakeldeutung in der Natur, oft als 'Seher' für die Gemeindschaft
- Heilung, Zerstörung und Verwandlung durch magische Formeln und Stellungen, Wettermagie (Heraufbeschwören von Stürmen, den Seegang beruhigen etc.)

Linkempfehlung: http://www.wildideas.net/cathbad...de4.html#19 (englisch)

Wie man schamanische Praktiken mit keltischen kombiniert? Ich gebe mal ein Beispiel.
Du könntest keltische Archetypen benutzen, Bilder, Geschichten.... um dein 'Bild', deine Wahrnehmung von der Anderswelt zu bilden. Schamanen treffen oft auf Lehrer und erhalten Anleitung durch sie in ihren (geistigen) Reisen. Wenn du in einem spezifischen Fall Rat suchst, z.B. Poesie, könntest du bitten eine Representation von Ogma* oder Brighid* in deiner Meditation zu treffen. Normalerweise würde ein Schamane einen 'Spirit' oder Lehrer bitten zu erscheinen, aber du kannst absichtlich das ganze mit einem keltischen Kontext machen.

Anm. d. Übersetzerin: Ogma ist der keltische Gott der das Ogham Baumalphabet gegründet haben soll und Brighid ist eine irische Göttin, die u.a. für Inspiration steht, wie auch Ogma.
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Kat Lady:

Ich werde die Details den keltischen Gelehrten hier im Forum überlassen und nur meine Meinung darüber erzählen.
Wann immer man eine Gemeindschaft hatte die in Stämmen organisiert war, gab es in jedem Stamm die "Im-Dazwischen-Laufenden" Weisen, die ihren Leuten halfen in dem sie mit den "Spirits" des Landes auf dem sie lebten kommunizierten und mit den Vorfahren. In vielen Kulturen gibt es Geschichten über das Lesen von Wetterzeichen (die frühe Wettervorhersage), von Tieren, von den 'Knochen', von Teeblättern usw.
So ist es naheliegend, dass die Kelten auch 'Seher' einsetzten, die wir heute "Schamanen" nennen würden. Diese würden meiner Meinung nach am meisten mit dem Ovaten-Grad der heutigen Druidenausbildung (OBOD) gemeinsam haben.

Meiner Meinung nach ist ein Druide nicht automatisch auch ein Schamane, genausowenig wie umgekehrt. Ich denke das diejenigen die wir heute 'Schamanen' nennen sehr spezialisiert und fokussiert auf ihre spezifischen Praktiken sind. Sie haben einen Fuß in dieser Welt und den anderen in der Anderswelt.
Und obwohl das 'Neo-Druidentum' manche Aspekte des Schamanischen aufgreift und damit arbeitet, taucht es doch nicht in die volle Tiefe der schamansichen Praktiken ein mit denen ein Schamane geboren wird oder die er sich auf seinem langen Weg aneignet. Das heißt nicht das es keine druidischen Schamanen gibt. Ich denke nur das es ein spezifisches, alleinstehendes Studium ist und kein generelles.
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Weitere Linktipps:
Bücher von Caitlin und John Matthews: http://www.hallowquest.org.u...inframe.htm (englisch)
Tom Cowan's Website: http://www.riverdrum.com/ (englisch)

Buchtipps auf deutsch: http://www.druidry.de/buchtipps.html (mit Büchern zum Thema keltischer Schamanismus)

 
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RE: Was ist keltischer Schamanismus?

#2 von Nivien , 20.04.2008 16:06

Hallo Brianna,

danke Dir und den Antwortenden für ihre Mühe!

Ich glaube ja, daß es wohl unmöglich ist, wissenschaftliche Beweise für einen früher praktizierten keltischen Schamanismus zu finden - aber immerhin genauso wenig dagegen Die Schwierigkeiten fangen ja schon bei der Definitionsproblematik an, was ist "Schamanismus" (da gibt es verschiedenste Ansichten, alle auf ihre Art sinnig), was sind bzw. waren "Kelten"? Und, nicht zu vergessen, die Frage nach der Tradition - existiert eine ungebrochene Tradition, sowohl was Schamanismus als auch was keltisch-druidische Spiritualität angeht?

Als Wissenschaftlerin läßt mich das alles ziemlich unbefriedigt zurück, als Praktizierende sehe ich es so, daß es überall offensichtlich die Sehnsucht gibt, beides zu verbinden. Wenn man sich sowohl zum keltischen Geist als auch zu schamanischen Praktiken hingezogen fühlt, läßt es sich imho wunderbar in der persönlichen Praxis miteinander vereinbaren.

Auch vor diesem Hintergrund empfinde ich es als sehr ermutigend, zu sehen, daß es auch andere gibt, die diesen alten, verwilderten und manchmal arg zugewucherten Weg gehen.

Danke.
BB
Nivien

 
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