RE: Selbst treu bleiben

#16 von lirote , 11.07.2013 00:25

Was ich mich frage, ist: Brauch ich wirklich ein Gegenüber um daran festzumachen, dass ich mir treu bin? Und was definiert man als "sich treu bleiben"?
Es gibt viele Möglichkeiten um sich auszudrücen ohne andere vor den Kopf zu stoßen. Muss ich einem fundamentalen Christen wirklich erklären, dass ich pagan bin oder reicht es nicht, ihm zu erklären, dass ich Gott oder wie man die Schöpferkraft nennen mag in der Natur suche und weniger in theologisch geschulten Menschen? Reicht es nicht, sich zu distanzieren und die Sichtweise des anderen einfach wegzutolerieren? Klar gibt es Situationen, wo das nicht geht (alles wo es ums Thema Leben und Tod geht). Aber ob ich jetzt jemand Fremden auf die Nase binde, dass ich pagan bin oder ob ich ihm erkläre, dass ich ein Naturfreak bin und in der Natur meine Mitte finde,....hmpf, für mich kein großer Unterschied.

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RE: Selbst treu bleiben

#17 von elHakim , 11.07.2013 21:02

Hi Lirote,

du hast da ein ganz wichtiges Prinzip angesprochen, wie ich finde, nämlich deine Überzeugungen den anderen kompatibel zu vermitteln. Es gibt Zugeständnisse, z.B. auf eine krasse Selbstdarstellung zu verzichten, die ein gesellschaftliches Miteinander erst ermöglichen. Das hat auch m.E. nichts mit "Verbiegen" zu tun, sondern mit Akzeptanz anderer Meinungen und Diplomatie.

 
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RE: Selbst treu bleiben

#18 von Lizandra , 11.07.2013 21:15

Wo hört für euch die Toleranz auf und fängt das Verbiegen an?
Ich glaube, das muss jdeR für sich selbst entscheiden.

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RE: Selbst treu bleiben

#19 von Fingayin , 11.07.2013 23:01

Ich finde wichtig was elHakim geschrieben hat.
Nicht auf Biegen und Brechen seine Meinung durchzusetzen, sondern irgend wann den Punkt finden sich aus der Diskussion auszuklinken.
Das ist wirklich manchmal gesünder. Wichtig ist es bei Menschen mit denen man tagtäglich zu tun hat.
Arbeitskollegen,mit denen ich jeden Tag Stunden verbringe.
Leben und Leben lassen.

 
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RE: Selbst treu bleiben

#20 von Lizandra , 12.07.2013 12:08

Ja, das sehe ich auch so. Manchmal finde ich es seltsam, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Ich arbeite im sozialen Bereich und da weiß das eigentlich fast keiner, da ich befürchte mich der Lächerlichkeit preis zu geben, wenn ich mich "oute", oder noch schlimmer: in eine rechte Ecke gestellt zu werden.
Irgendwie finde ich das ziemlich schräg - so als ob ich man etwas moralisch verwerflich tun würde ... Ich trage mir ja z.B. in meinen Terminkalender die Jahreskreisfeste ein, habe aber tatsächlich darüber auch nachgedacht, ob ich das tun soll ...denn er ist manchmal auch einsehbar.

Ich suche mir mittlerweile gezielt Menschen, die die gleiche Einstellung zur Spiritualität haben, damit ich mich austauschen und daran wachsen kann.

Ich frage mich aber schon, warum dieses Thema Spiritualität a) oft gleichgesetzt wird mit Esoterik (= für viele ist das irgendwie meschugge und wird kaum differenziert betrachtet, es wird lediglich unterschieden zwischen verschiedenen Konfessionen, den gängigen Religionen und dem Rest, der irgenwie esoterisch ist) und b) warum es bei uns so seltsam besetzt ist. Vielleicht hat ja auch unsere deutsche Vergangenheit noch mehr Einfluss als wir denken. Denn die Nazis haben ja vieles aus den heidnischen Religionen schlimm missbraucht für ihre Zwecke, so dass uns heute ein offener Zugang dazu schwer fällt.

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RE: Selbst treu bleiben

#21 von lirote , 12.07.2013 14:16

@Lizandra
Oh ja, der soziale Bereich. Da bin ich auch unterwegs und nix ist so unsozial wie die "sozialen" Menschen. Ich war vorher in einem kleinen Betrieb in der freien Wirtschaft und da ist das Leben deutlich einfacher. Dort sind Schrulligkeiten immer ein willkommener Anlass für Smalltalk.
Was Toleranz und Verbiegen angeht:
Einstellungen tolerieren kann ich alle. Was nicht heißt, dass ich mich von der ein oder anderen nicht distanziere und jeden seine Einstellung auch ausagieren lassen würde. Würde ich so tun, als hätte ich die gleiche Einstellung, dann würde ich mich meiner Meinung nach verbiegen.
Ein Beispiel: Ich kann tolerieren, dass jemand rechts ist. Ich würde es nicht gut heißen und würde ihm ehrlich sagen, dass er meiner Meinung nach falsch liegt. Ich würde ihn auch nicht einen ausländisch aussehenden Mitbürger zusammen schlagen lassen. Trotzdem werd ich ganz sicher ned versuchen ihn davon zu bekehren. Wenn er möchte, kann er mit mir über seine gesellschaftlichen Kritikpunkte diskutieren, die ihn zu seiner Einstellung bringen und wer weiß, vielleicht erkennen wir einander den ein oder anderen validen Punkt an. Verbiegen wäre für mich, wenn ich ihm jetzt erkläre, dass ich auch rechts wäre oder dass ich seine Einstellung verstehe. Tue ich nicht, bin ich nicht, aus basta. Aber das heißt nicht, dass ich nicht im Dialog bleiben kann.

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RE: Selbst treu bleiben

#22 von Fingayin , 12.07.2013 18:24

Uhi, lirote....das finde ich persönlich ne krasse Einstellung...
Meine persönliche Interpretation von "Rechts".
"Rechts" ist ein "Neobegriff" der letzten Jahrzehnte und betrifft das NS-Regime unter Hitler.
Ich rede nicht von Nazi, sprich Nationalsozialismus. Das ist etwas anderes und steht in der "Wiki" beschrieben. http://de.wikipedia.org/wiki/Nazi
Also wenn ich meine eigene Definition von "Rechts" zu Grunde lege, und das von Dir geschriebene lese, würde das bedeuten das ich das Hitler-Regime mit den Folgen des zweiten Weltkrieges tolerieren würde.
Also das geht garnicht...

 
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RE: Selbst treu bleiben

#23 von Lizandra , 12.07.2013 20:56

Nochmal die Frage:

denkt ihr auch, es hat mit unserer nationsozialistischen Vergangenheit zu tun, dass diese naturspirituelle Praxis so schräg angeschaut wird???
Oder, was meint ihr dazu?

Lizandra

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RE: Selbst treu bleiben

#24 von Gwion , 12.07.2013 21:18

Ich denke dass unsere "jüngere Vergangenheit" einen entscheidenden Einfluss darauf hat wie heute spirituelle Dinge in unserer Gesellschaft beurteilt werden. Mein Eindruck ist, dass nach Ende des II. Weltkriegs so etwas wie ein kollektives Schuldgefühl geschaffen wurde das damals sicherlich seine Rechtfertigung hatte, aber bis in die heutige Zeit andauert. Der obrigkeitshörige Deutsche hat es seinen Kindern weitergegeben. Mythen und Symbole wurden missbraucht, wodurch sie mit einem Stigma belegt sind - bei uns in Deutschland. Im skandinavischen Raum geht man mit der nordischen Mythologie offen um, sie ist oftmals Teil des öffentlichen Lebens, ohne "rechts" zu sein. Vielmehr ist es die Fortsetzung der Tradition der Ahnen. Und genau dort gibt es bei uns einen Riss. Man muss also deutlich machen dass man etwas tut das schon lange vor dieser Zeit da war.

Weiterhin sehe ich den Einfluss der Kirche als einen Faktor, denn "abergläubischer Hokuspokus" wurde konsequent abtrainiert. Das Zeitalter der Rationalität und die Industrialisierung taten dann ihr Übriges dazu.

Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und von Haus aus bequem...

 
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RE: Selbst treu bleiben

#25 von lirote , 12.07.2013 21:40

@Fingayin
Jetzt hast Du mich verwirrt. Magst Du das nochmal expliziter formulieren? Ich habe das Gefühl, dass wir aneinander vorbeireden. Alleine aufgrund der Tatsache, wie wir rechts definieren. Meinte Definition entspricht mehr http://de.wikipedia.org/wiki/Pol...e_%28Politik%29 als dass er an soweit zurückliegenden Ereignissen fest gemacht ist.
Und was meinst Du mit "Das Hitler-Regime und seine Folgen tolerieren würde". Wie kannst Du etwas, was in der Vergangenheit liegt, nicht tolerieren? Verdrängst Du das?

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RE: Selbst treu bleiben

#26 von Fingayin , 12.07.2013 23:03

Wir haben aneinander vorbei geredet. Danke dafür:-)
Ich verdränge nichts... Mein Opa war u-Boot Kommandant und ist mit seinem Boot versenkt worden.
Mein anderer Opa mütterlicher seits ist als Infanterist in russische Gefangenschaft gekommen,hat es überlebt, und ist ganz "normal" gestorben.
Ich weiß ganz genau wovon ich rede...

 
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RE: Selbst treu bleiben

#27 von Dolben , 12.07.2013 23:13

Zitat von Lizandra
Nochmal die Frage:

denkt ihr auch, es hat mit unserer nationsozialistischen Vergangenheit zu tun, dass diese naturspirituelle Praxis so schräg angeschaut wird???
Oder, was meint ihr dazu?

Lizandra




Eindeutig nein!

Aber diese Vergangenheit wird als Mittel benutzt die Naturspiritualität zu pervertieren.
In anderen Kulturen würden andere "Schwachstellen" gesucht, gefunden und auf diese Weise gewichtet/schräg ausgedrückt werden.
z.B.: die Asiaten hatten kein Frühwarmsystem und sind deshalb 2004 an dem Tsunami Mitschuld.


Grüße Dolben

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RE: Selbst treu bleiben

#28 von Dolben , 12.07.2013 23:27

Zitat von Gwion
.... dass nach Ende des II. Weltkriegs so etwas wie ein kollektives Schuldgefühl geschaffen wurde das damals sicherlich seine Rechtfertigung hatte, aber bis in die heutige Zeit andauert. ....




geschaffen wurde und bis heute künstlich aufrecht erhalten wird.

Denkt einmal an die architektonisch extrem inszenierten und dargestellten Holocaust Mahnmale (hier fast 2 Hektar gross und an der wichtigsten Stelle Deutschlands erbaut direkt neben dem Bundestag), denkt an durch die im Fernsehen inszenierten Holocaust-"Schweigeminuten", denkt an fortwährend auftauchende, reißerische Presse-Artikel über den Holocaust, denkt an Hilter-Filme wie 'Der Untergang', 'Mein Führer' und 'Operation Walküre'.

-> Alles wird gemacht um gewisse Schuldgefühle etc. künstlich aufrecht zu erhalten. Damit die Deutschen in einer Hinsicht erpressbar sind. Nach dem Motto: "Du mußt die schlecht fühlen, weil deine Großeltern Nazis gewesen sein könnten!"


Grüße Dolben

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RE: Selbst treu bleiben

#29 von Dolben , 12.07.2013 23:52

'
die letzten 10 Jahre wurde fast jedes Jahr ein Hilter-Film oder -Doku "erschaffen":

Hitler-Film Liste

Braucht es so etwas?
´

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RE: Selbst treu bleiben

#30 von Lizandra , 13.07.2013 14:55

Ja, Dolben, ich finde es braucht sowas!

Ich gehöre eindeutig nicht zu den Menschen, die sagen : es ist schon sooo lange her, was hat das heute noch mit mir zu tun und schuld bin ich eh nicht.

Ich finde, es geht dabei auch nicht um Schuld sondern um das Entwickeln von Bewußtsein für eine gewisse Art von Gedankengut, das darauf abzielt, Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Religion zu verteufeln bzw. ihnen sogar das Menschsein abzusprechen.
Dieses Gedankengut gab es bei uns vor dem Dritten Reich und gibt es heute noch, nur oft viel suptiler.
Hitler als pranoider Diktatur mit seinen vielen Unterstützern hat es in seiner Perversion und Kaltblütigkeit zu seiner menschenverachtenden Perversion geführt. In diesem Ausmaße wie der Genozid mit Strategie umgesetzt wurde war das, meines Wissens einmalig in der Geschichte.

Dieses Gedankengut findet sich übrigens auch in Bezug auf die Hexenverfolgungen - soll ich da vielleicht auch sagen: was gehts mich an?

Ich hoffe, es schreiben noch ein paar andere etwas dazu.

Lizandra

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