Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#1 von Knegel , 17.01.2013 14:18

Hi,

"Sekundärwissen" und "Bildungskapitalismus" in diesem Extrem sind Phenomene der letzten 40 Jahre, welche meiner Meinung nach für einen Großteil der nicht gelösten Sytemprobleme unserer Gesellschaft verantwortlich sind.

Sekundärwissen, damit meine ich das persönliches Wissen in vielen Fällen haupsächlich aus zweiter Hand stammt, ohne jemals hinterfragt oder selbst erfahren und damit wirklich verstanden worden zu sein.

Bildungskapitalismus, damit meine ich das die nächste Generation noch mehr wissen soll als die Letzte, wobei es hier haupsächlich um Sekundärwissen geht, weil die Zeit um so viel wirklich zu lernen nicht ausreichen kann.

Viele praktische Berufe sind dadurch in der Ausbildung so sehr theoretisiert, daß die fertig Ausgebildeten keine Erfahrung in ihrem Beruf haben, sondern nur Sekundärwissen.
Sekundärwissen ohne Erfahrung ist aber gefährliches Halbwissen, und fürt oft zu Fehlern, die einem Auszubildenden zwar zugestanden werden müssen, die ein fertig Ausgebildeter aber nicht mehr machen sollte.

Ein Beruf sollte unter realen Bedingungen erlernt werden, nur dann kann der Ausgebildete die relevanten Probleme erfahren und sie zu lösen lernen. Sekundärwissen kann natürlich helfen, ohne Erfahrung gehts aber nicht.
Z.B. müssen die meisten Azubis inzwischen zwei Tage pro Woche zu Schule, was die Zeit zum Erfahrungen sammeln stark eingrenzt. Absurd wird es wenn ein Handwerksberuf an einer Lehrschule oder in einer Lehrwerkstatt mit minimalen Praktikas erlernt wird.

Selbiges Problem sehe ich bei Erziehern und Grundschullehrern. Früher mußten die Erzieher vor der eigentlichen theoretischen Ausbildung ein Jahr Praktikum machen, da hat sich schon die Spreu vom Weizen getrennt und das später erlernte theoretische Wissen konnte dann schon durch Erfahrung beurteilt werden. Heute wird erst theoretisch gelernt und dann wird Erfahrung gesammelt, wobei es dann, nach 2 Jahren, jederman schwerfällt aufzuhören, wenn festgestellt wird, daß der Beruf nicht zu einem past.
Die Grundschul/Hauptschullehrer(Volksschullehrer) machten früher(bis in die 60ger Jahre) eine Ausbildung an einer Lehrschule, mit dem hauptaugenmerk auf Pädagogik und Psychologie(70-80%). Der praktische Anteil der Ausbildung lag bei ca. 50%. Bei den studierten Lehren geht ist der pädagogische und psychologische Anteil vernachlässigbar, ist sogar gefährlich, weil er nicht durch Erfahrung überprüft wird und damit oft nur gefährliches Halbwissen darstellt. Ob ein Lehrer dann in der Lage ist diesen gefährliche Halbwissen praktisch sinnvoll einzusetzen ist dann dem Zufall überlassen.
Was aus einer solch theoretisierten Ausbildung herauskommt drückt ein Zitat meiner Grundschullehrerin aus, die ich im Rahmen meiner Untersuchung bezüglich der Diskrepanz zwischen meiner Grundschulzeit und der meiner Söhne angestellt habe.
"Während meine alten Kolleginnen und ich noch bis zum Schluß zwei Klassen á 30 Kinder als Klassenlehrer zu versorgen hatte, sind die studierten Kolleginen heulend aus der Klasse gerannt und waren oft krank".
Selbige Lehrerin sagte mir auch, daß sie bis zu ihren Pangsionierung geglaubt hat, daß die neue Generation einfach nichts tauge, bis sie an zwei Alterssemestern teilgenommen hat. Zitat : "Es war ganz toll was wir alles gelernt haben was wir den Kindern beibringen sollen, aber mit keiner Silbe wie."
Auch bei den Lehrern erfolgt erst die theoretische Ausbildung, erst dann werden sie, oft auch noch unbeaufsichtigt, auf die Schüler losgelassen.
Ich gehe davon aus, daß jeder Sozialassistent, jede Erzieherin, jeder Sozialpädagoge besser als Lehrer geeignet währen als das was von den Unis und FHs kommt. Weil in diesem Falle nicht nur Hauptaugenmerk auf Sekundarwissen gelegt wird, sonder extrem wichtiges Wissen vernachlässigt wird.
Der Volksschullehrer soll aber nur als Beispiel herhalten, ähnliche Veränderungen sind in fast allen Bereichen zu sehen, mit ähnlichen Auswirkungen.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#2 von Pali , 17.01.2013 16:55

Du bringst mir schlicht zuviele Themen in einen Artikel. Könntest du dich bitte auf einen Bereich eingrenzen.
1- Ausbildungen
2- Lehrerbildung

Zu 1:
Wenn 2 von 5 Tagen theoretisch sind und 3 Tage praktisch gearbeitet wird, dann finde ich das nicht schlimm. Besser sind mMn die Blockunterrichte, die den Alltag lassen wie er ist und dann en bloc das konzentrierte theoretische Lernen ermöglichen.
Schwierig wird es bei Studienfächern, bei denen lediglich 3-monatige Praktika gefordert sind. Hier ist absolut ein Gefälle zwischen Theorie und Praxis. Schlimm dabei finde ich, dass diese zu den zukünftigen Führungskräfte in Unternehmen zählen. Leider haben sie häufig zu wenig Ahnung von dem, was ihre Anweisungen in den einzelnen Arbeitsschritten bedeuten. In bester Absicht kommt es dann zu "Hüftschüssen", deren Ergebnisse einem Lotteriespiel entsprechen. Kann sein es geht gut, kann genauso sein, es floppt. Je nachdem wie gut die Praktiker sind, die den Theoretikern zuarbeiten, tut es dann mehr/weniger/gar nicht weh.

Zu 2:
als meine Kinder in der Grundschule waren meinte eine Lehrerin mal zu mir. Ich könne nicht erwarten, dass sie ausgebildet sei in Pädagogik oder gar Psychologie; das hätten sie nur ein Semester (6 Monate) studiert. Sie hatte im Vorfeld meinen Sohn, der gerade 1 Woche in der Schule war, mitsamt dem Tisch auf den Flur gesetzt. Er habe den Unterricht mit Fragen gestört. Auf mein Nachfass erfuhr ich, dass sich die Fragen durchaus auf das Thema bezogen hatten, er wollte nur alles sehr genau wissen (das ist heute noch so). Im Ergebnis vergraulte sie ihm die Schule. Erst jetzt, im (frühen) Erwachsenenalter kommt er langsam darauf, dass lernen auch Spass machen kann.

Zum Sekundärwissen allgemein: Wie bitte übst du deinen Beruf aus? Hast du alles im Detail gelernt oder gingest du von theoretischen Zusammenhängen aus, die als gegeben vorausgesetzt werden?
Klar ist es wichtig, dass du bei Arbeitsabläufen selbständig mitdenkst und auch Optimierungsmöglichkeiten angehst/umsetzt. Das ist Handlungswissen. Sekundärwissen in deiner Auslegung beinhaltet jedoch alles, was in der Schule gelehrt wird. Sollen wir deiner Meinung zurück in die Steinzeit, damit wir lernen, wie es sich anfühlt, wenn der Blitz einen trifft? Mir reicht zu wissen, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Ich muss deswegen nicht den Beruf des Elektrikers lernen, nur weil ich gerne mit dem PC arbeite. Auch brauche ich die Hardware vom PC nicht zu verstehen, es reicht mir durchaus wenn er funktioniert; gleiches gilt für die Software, die ich nutze.
Was meinst du mit "Symptomproblemen"?

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#3 von angelikaherchenbach , 17.01.2013 19:38

Also -
zum Thema Pädagogen-Ausbildung muß zunächst mal klargestellt werden, daß auf Grund des Föderalismus in der BRD das in jedem deutschen Bundesland anders läuft.

Zur Erzieher-Ausbildung im Saarland kann ich Folgendes mit Sicherheit sagen (da ich nämlich Ausbilderin bin):

Mittlerer Bildungsabschluß - 1 Jahr Vorpraktikum mit 3 Tagen Praxis und 2 Tagen Schule pro Woche, dann 2 Jahre Schule inklusive Fachabitur und diversen Praktika, dann 1 Jahr Ausbildungspraktikum mit kurzen Block-Schul-Einheiten.
Bei der Beurteilung / Zulassung zum weiteren Ausbildungsweg werden Schulerfolg und Bewertung durch die Praxisstelle gleichrangig behandelt - d.d.: Egal, wie gut die Noten sind - sagt die Praxisstelle NEIN, erfolgt keine Zulassung.
Auch wenn immer noch Vieles an der Ausbildung zu kritisieren ist stimmt Deine Einschätzung zumindest hier also nicht.

Die Lehrerbildung erfolgt sehr unterschiedlich je nach Schultypus - je "höher" die Schule mit ihren jeweiligen Abschlüssen angesiedelt ist, desto theorielastiger ist das Studium.
Zumindest zum Grundschulstudium in BaWü (das meine Tochter abgeschlossen hat) kann ich sagen, daß SEHR viele Praxisanteile enthalten sind.

Was Deine anderen Thesen betrifft:
In Manchem hast Du schon Recht.
Aber es ist nun mal so, dass das Weltwissen immer komplexer und diffiziler wird.
Ob wir das nun gut finden oder nicht - das ganze Thema Differenzierung und Arbeitsteilung ist noch lange nicht gegessen.

Grundsächlich kann JEDES Wissen induktiv oder deduktiv erworben werden, also von der Praxis zur allgemeineren "Theorie" oder vom Allgemeinen zum Konkret-Praktischen.
Wer dabei welchen Weg wie weit geht ist leider immer noch häufig eine Frage der sozialen Herkunft, und die daraus folgende materielle wie ideelle Wertschätzung auch.
Soziale Ungerechtigkeit und Entfremdung sind die Folgen - und wirken sich wiederum aus auf die Zusammenhänge, die sie hervorrufen.

Aber das ist ein politisches Thema und m.E. auch ein spirituelles, aber keines, das aus dem vermeintlichen Widerspruch von Theorie und Praxis erwächst.

Angelika

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#4 von Pali , 17.01.2013 22:07

Zitat von angelikaherchenbach
Die Lehrerbildung erfolgt sehr unterschiedlich je nach Schultypus - je "höher" die Schule mit ihren jeweiligen Abschlüssen angesiedelt ist, desto theorielastiger ist das Studium.
Zumindest zum Grundschulstudium in BaWü (das meine Tochter abgeschlossen hat) kann ich sagen, daß SEHR viele Praxisanteile enthalten sind.


Das freut mich zu lesen. Dann hat sich in dem Bereich innert der letzten 20 Jahre etwas positiv geändert.

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#5 von Knegel , 17.01.2013 23:23

Hi,

Die Lehrerausbildung, Erzieherausbildung(schön daß es noch nicht überall so ist wie hier) und Handwerkerausbildung sind nur einige Beispiele, nicht verschiedene Themen. Das Problem des Bildungskapitalismus und der daraus resultierenden Überlast an "Sekundarwissen" und fehlender Praxis kann in fast jedem Bereich wo gelehrt wird beobachtet werden. Selbst das Üben der Daten findet kaum noch statt, stattdessen wird nur noch angeschaut und kurzfristig für die Prüfung gelernt.
Die Überlast an Daten erstickt wirkliches Lernen und Erfahrung sammeln.
Z.B. ist Mathematik ein Hauptfach bei der Elektroinstallateurausbildung (Elektroniker Fachrichung Haus und Energie lol ). Viele straucheln bei der Ausbildung gerade deseegen. Das Rechnen ist wirklich anspruchsvoll, weil mit allen möglichen physikalischen Größen ineinander greifend gerechnet wird.
Das dumme ist nur; Beim Arbeiten rechnen wie nie ewas besonderes aus. Dafür gibt es Erfahrungswerte, zusammengefast in Tabellen.
Klar, es ist wichtig die Zusammenhänge zu erkennen, aber was da passiert ist kontraproduktiv, wie in vielen Fàllen.
Unsere Gesellschaft besteht in hohem Maße aus Personen die viele Daten im Kopf haben, noch viel mehr Daten schon mal gesehen haben aber so gut wie nichts wirklich können, weil kaum Erfahrung gesammelt wurde. Die vielen Daten suggerieren einen Wissensstand der nur theoretisch vorhanden ist. Genauso wie die extreme Masse an Konsumgütern einen Wohlstand suggeriert der oft nicht mehr viel mit Wohl Sein zu tun hat.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#6 von Knegel , 17.01.2013 23:44

Hi Angelika,

Das Weltwissen ist sei langer Zeit so umfangreich und komplex, daß nur sehr wenige einen ungefähren Überblick erlangen konnten.
Egal wie viel Wissen dazu kommt, es macht keinen Sinn zu versuchen mehr in ein Glas hinein zu füllen als hinein past und schon gar nicht mit einer größren Geschwindigkeit als die Öffnung zu läst.
Wir verschwenden inzwischen viel Energie in dem Versuch eine Vase die nur eine kleine Öffnung hat mit einer Gießkanne zu füllen. Das Resultat ist schlechter als es sein könnte und schon war.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#7 von Pali , 18.01.2013 08:17

@Knegel: Deinen Vergleich mit der Giesskanne finde ich gut.
O.k., Im Kontext "Sekundärwissen und Bildungskapitalismus" hast deine Sicht dargestellt und was möchtest dafür tun, dass sich das ändert? Ich meine, dass die Vasen im jeweiligen Bildungsbild ohne Wissensverlust befüllt werden.

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#8 von Knegel , 18.01.2013 15:31

Hi,

in erster Linie die Idee verbreiten, bzw so vielen wie möglich die Augen öffnen.

Das tun ich schon einige Zeit Weltweit in mehreren Foren. Wenn eine Idee als gut erkannt wird, dauert die Weltweite Verbreitung oft nur wenige Monate oder Jahre und dann folgen auch die erwünschten Änderungen, übers Knie brechen kann man solche Dinge nicht.
Ideen wie diese, die im Prinzip auch aussagt, daß viele von uns, mich inbegriffen, in wesentlichen und wichtigen Punkten schlechter ausgebildet sind als ne Generation vorher, haben es schwer. Diese Idee zu akzeptieren bedeutet für viele zuzugeben an diesen Mechanismen mitgewirkt und sie gefördert zu haben oder einfach schlecht ausgebildet zu sein.
Schlim wird es, wenn ganze Berufsstände völlig falsch, bzw Praxisfern ausgebildet wurden, dadurch wird die Leistungsschwäche als normal angesehen. Meiner Meinung nach ist unsere Ärzteschaft ein sehr gutes Beispiel hierfür(die Ausnahme bestätigt die Regel). Auswendig lernen bis zum Erbrechen, da wird der Kopf dermaßen vollgestopft, daß fürs Erfahrung sammeln am Patienten kaum Zeit bleibt. Durch die vielen gelernten Daten, welche ein nicht wirklich vorhandenes Wissen suggerieren, entsteht zudem recht oft eine unglaubliche Arroganz seiten des Arztes, also der Glaube an ein Wissen welches nur in ganz geringem Maße selst erlebt wurde und damit nicht viel wert ist. Dieser Glaube an das eigene Wissen ist warscheinlich der Grund warum viele Ärzte dem Patienten nichteinmal mehr zuhören.
Aber wie gesagt, daß ist wieder nur ein Beispiel. Fast alle Berufsgruppen und Schüler leiden darunter.

Wers also genauso sieht, please spread the word.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#9 von Pali , 18.01.2013 16:57

sorry, das ist mir zu pauschalisiert. Auch sehe ich meine eigenen Ausbildungen durchaus als praxisnah und qualifiziert an. Meine Schwägerin ist Ärztin und von ihr weiss ich, dass sie neben der wichtigen Theorie auch viel Praxis nachweisen musste, bevor sie den Titel vollumfänglich erhielt.
Wenn Ärzte auf dich grundsätzlich (vielleicht mit wenigen Ausnahmen) arrogant wirken, naja, ... die Aufmerksamkeit folgt dem Denkmuster.

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#10 von Knegel , 18.01.2013 22:05

Naja, dann kommt der Ausdruck Halbgötter in Weiß ebend von der boshaftigkeit der Patienten, nicht dem fehlendn Einfühlungsvermögen der Ärzte. Und die massenhafte unpersönliche Abfertigung von Patienten im Minutentakt mit der Verabreichng wahnwitziger Mengen an breitstreuender Medikamente ist auch nur nen Gerücht.

Das Problem wurde doch schon erkannt. Andauernd wird das Gesundheitssystem und die Schulform neu erfunden, überholt bzw angepast. Die Gründe für das andauerne offensichliche Versagen wird bei den Kindern, beim Lehrmaterial, bei den Medikamenten, beim Patienten, bei allem Möglichen gesucht. Das unsere Fachleute, die sich die Verantwortung selbst auferlegt haben, zum großen Teil unbefriedigende bis mangelhafte Leistung bringen ist aber unmöglich.
Wenn nur 50% der Fachleute einfach schlecht sind, dann ist das ein Skandal, und trotzdem könntest Du noch ne Menge gute Fachleute kennen.

Deine Argumentation beschreibt das Problem der Eigenblindheit und die falsche anwendung von Optimismus sehr gut. Das "Glas ist doch noch halb voll" bedeutet bei der Vergabe von Zensuren eine glatte 4, was also nicht befriedigend ist.
Ich glaube, daß inzwischen weit mehr als 50% unserer Fachleute und Schüler nicht befriedigend sind. Wirklich gute Fachleute stellen eine Ausnahme dar und ich sehe die Hauptursache hiefür im Bildungskapitalismus.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#11 von Knegel , 18.01.2013 22:40

Bringt den Schülern und Auszubildenen lieber weniger bei, aber was gelernt wird muß sitzen(nicht nur bis zur Prüfung). Also üben, üben, üben, gerade wenn es um Daten geht.
Eine Unterversorgung an Wissen hat im Gegensatz zu einer Überversorgung positive Auswirkungen(Neugierde, Entdeckungsgeist, Eigeninitiative).
Eine Überversorgung schaft Frust und selbst eine Sättigung erdrückt jede Neugier und Eigeninitiative.
Früher habe ich mich gefragt warum die Generation meiner Eltern, die Nachkriegsgeneration, so viel Basiswissen verinnerlicht hat, obwohl die Klassen oft 60 Schüler und mehrere Jahrgänge hatten. Kopfrechnen ist da ein beliebtes beispiel. Die Antwort ist, es wurde nicht viel verschiedenes gelehrt, aber es wurde geübt. Da haben Jahre lang 60 Kinder verschiedener Jahrgänge jeden Morgen erstmal das große Ein mal Eins hoch und runter gebetet. Die Kleinen habens anfangs nur mitgesummt, bis zur sechsten Klasse konntens Alle.
Heute werden Tausend verschiedene Sachen angeschaut aber bei vielen bleibt oft fast nichts hängen.
Wer gut auswendig lernen kann hat Glück, nur ist es leider oft so, das gute Auswendiglerner oft schlechte Systemanalytiker sind und umgedreht. Als Resultat werden viele Menschen Akademiker die Dinge schlecht ins Verhältnis setzen können.

Die Wirkungen des Bildungskapitalismus sind vielschichtig.

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#12 von elHakim , 20.01.2013 21:30

Verzeihung, ich verstehe den Begriff "Bildungskapitalismus" nicht. Kapitalismus ist eine Wirtschaftsordnung, bei der jemand die Produktionsmittel besitzt und damit den Markt zu seinen Gunsten steuern kann.
Soll ich jetzt analog übertragen: Wer Bildung besitzt, beherrscht die Schwachmaten der Gesellschaft? Ja, so sei es.

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#13 von Knegel , 21.01.2013 00:10

Ein wesentlicher Aspekt des Kapitalismus ist die Erwirtschaftung eines Mehrwertes(Gewinn).
Bildungskapitalismus bezieht sich darauf.
Beim Wirtschafts-Kapitalismus kann global gesehen kein physischer Mehrwert mehr erwirtschaftet werden ohne die eigene Basis zu beschädigen, physikalische Stagnation muß akzeptiert werden.
Beim Bildungskapitalismus ist die Speicherkapazität des Einzelnen das Equivalent zur Erde
Das Wissen entspricht dem Kapital(was es ja auch ist).
Und genauso erfolglos und zerstörerisch wie der Wirtschafts-Kapitalismus versucht aus der schon vollig ausgenutzten Erde noch mehr und noch schneller Gewinn zu ziehen, versuchen wir noch mehr Wissen noch schneller in die nicht mehr aufnahmefähigen Köpfe zu stecken.

Beim Wirtschaftskapitalismus wird erwartet, daß die nächste Generation mehr besitzt.
Beim Bildungskapitalismus wird erwartet, daß die nächste Generation mehr weiß.

Beim Versuch Kapitalismus über die möglichen Grenzen hinaus zu erzwingen entsteht ein schädliches feedback. Stagnation sollte kein Tabu sein, sondern als (zwischen)Ziel angesehen werden

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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#14 von Pali , 21.01.2013 10:35

Zitat von Knegel
Naja, dann kommt der Ausdruck Halbgötter in Weiß ebend von der boshaftigkeit der Patienten, nicht dem fehlendn Einfühlungsvermögen der Ärzte.


Hast du dir deine Kommentare schon mal mit zeitlichem Abstand durchgelesen? Wie häufig kommt darin Sekundärwissen vor?

Zitat von Knegel
Beim Wirtschaftskapitalismus wird erwartet, daß die nächste Generation mehr besitzt.
Beim Bildungskapitalismus wird erwartet, daß die nächste Generation mehr weiß.


Wirtschaftskapitalismus mit Bildungskapitalismus zu vergleichen halte ich für einen Kamikazienflug. Kurz: das floppt.
Grund: Lies dir deine Erklärung durch, die hinkt in sich und wirkt auf mich als wolltest du eine Erdbeere mit einer Kirsche in Vergleich setzen. Beide tragen die Farbe Rot, dennoch handelt es sich bei der Erdbeere um eine Nusssorte und der Kirsche um eine Frucht.
Bildung, mit der Ausnahme von Ein-Bildung, ist in meinem Verständnis auf jeden Fall anzustreben. Wichtig dabei ist die Qualität der Ausbilder. Ob das nun Hochschuldozenten, Dozenten der freien Wirtschaft oder Kindererzieherinnen sind, Bildung ist wichtig und sollte kontinuierlich ergänzt und optimiert werden. Wer mMn die Meinung vertritt, dass wir schon genügend wissen, darf das gerne tun, sollte sich jedoch nicht darüber ärgern, wenn z.B. Lehrer unerfahren sind, Ärzte Fehler machen, Vorgesetzte wenig Führungsqaulitäten haben usw. .

Kapitalismus bezeichnet eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in welcher der Faktor Kapital (Eigentum an Maschinen, Anlagen, Fabriken, Geld) im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfaktoren wie Arbeit eine dominante Funktion einnimmt.
Daraus abgeleitet verstehe ich unter Bildungskapitalismus, dass mit Bildung Kapital(Geld) verdient wird. Was ja auch logisch ist, von was sollten Lehrer, Dozenten, Berater usw. leben, wenn sie ihr Wissen nicht zu Kapital machen? Auf welcher Basis dieses Wissen aufbaut, Theorie/Praxis/Mischform, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin der Überzeugung, wenn wir alle Wissenswerte des täglichen Tuns auf reiner Selbsterfahrung aufbauen müssten, dann dürften wir zurück in den Wald und in Höhlen, würden in einem Winter wie diesem, in der freien Natur sehr frieren. Kurz, ich bin froh, dass es den "Bildungskapitalismus" gibt. Zumal dieser in meinem Fall, mein "täglich Brot" bedeutet und ich die Annehmlichkeiten des Sekundärwissens genieße (z.B. warme Dusche, Heizung, Auto, Kaffee).

 
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RE: Sekundärwissen und Bildungskapitalismus.

#15 von Knegel , 21.01.2013 11:42

Kapitalismus ist ein Prinzip, welches den Urinstinkt länger und besser leben zu können ausnutzt.
G +A= G' , wobei G' größer sein soll als G.

G ist das Kapital und kann auch Wissen sein. Arbeit währe beim Bildungskapitalismus das Lernen.

Das Prinzip des Kapitalismus entspricht dem Prinzip des Lebens. Ohne gegenwehr würde sich jedes Lebewesen unendlich ausdehnen. Der Mensch ist das einzige Wesen auf Erden welches bewiesen hat, das es in der Lage ist Bewust keinen Gebrauch von seiner Überlegenheit zu machen und sich selbst zu Maßregeln. Der Kapitalismus steht für Maßlosigkeit.

Die Grenzen des persöhnlichen Lernes innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wird durch die Aufnahmefähigkeit begrenzt. Es macht also keinen Sinn jeder Generation noch mehr auf zu bürden ohne die Zeitspanne zu verlängern. Aus Kostengründen wurde die Zeitspanne gerade in den letzten Jahren oft sogar noch herab gesetzt, aber in erster Linie wurde Üben und Erfahrung sammeln durch Anschauen ersetzt, was zwar schneller geht, aber in sehr vielen Fällen nicht nachhaltig ist.

Du hast natürlich recht, Bildung und Lernen sind gut, genau das habe ich hier schon viele male geschrieben. Kontraproduktiv ist der Versuch mehr zu lernen als die Aufnahmefàhigkeit zuläst. Frustration, Verwirrung, Depression und Agression sind das Resultat.

Was Du als Bildungskapitalismus betietelst is ganz einfach Wirtschafts-Kapitalismus bzw Marktwirtschaft.

Deine Eingangsfrage verstehe ich nicht.

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