wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#1 von Anna , 07.08.2012 12:39

In dem Film Merida ( ) fiel mir etwas auf. Die Hauptperson bekommt von der Hexe einen Zauberspruch, um den Zauber rückgängig zu machen. Und er hat alle Qualitäten eines guten Spruches (Reim, besondere Worte etc). Aber sie spricht ihn niemals komplett aus. Nur Fragmente davon, um darüber nachzudenken, was der Spruch bedeutet. Und dann handelt sie danach. Und durch die Tat wird der Zauber aufgelöst. (also die drei kleinen Bärenkinder die durch die Werbung springen, sind dann wieder ihre 3 kleinen Brüder )

Mir fiel auf, das sie den Zauberspruch nicht sagt. Sondern nur handelt. Ich hätte erwartet, dass sie beides tut, handeln und sprechen. aber es passiert nur eins...

wie ist das für euch? Funktioniert für euch das eine ohne das andere? Ist das wort für unsere Kultur so wichtig, weil unsere Kutlur beeinflusst wird durch den Satz "Am anfang war das Wort"? und die Wichtigkeit der geschriebenen Sprache (unser ganzes Wissen ist aufgeschrieben und nicht in den Köpfen der Druiden, Barden oder Medizinmänner zu finden)


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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#2 von Schwarzer Wintertag , 07.08.2012 14:06

Einen angenehmen Nachmittag wünsch ich

Ich kann jetzt nur für mich allein sprechen, denn in der Realtiät spüre ich, das meine Methoden/Techniken, das mein Verständnis und meine Sichtweisen, das mein Wissen und all die Dinge den Menschen nicht sehr oft weiterhelfen bzw, das es bei ihnen nicht so funktioniert, wie bei mir.

Ich brauche keine ausgesprochenen Worte, ich brauche keine Rituale, ich brauche nichts Vorbereitendes oder initiierendes.
Ich brauche aber die Intention, den Gedanken, die Tat und nicht zuletzt den Glauben an mich selbst.

In meinen Augen braucht die Kultur, die Zivilisation etwas sehr leicht greifbares, um glauben zu können.
Dieses Greifbare kann man im Idealfall: sehen, hören, riechen, schmecken oder sensorisch fühlen.
In diesen Greifbaren Dingen wie: Worte, Rituale, Initiationen, Nachweisbare Ausbildungsabschlüsse(Die trügerische Sicherheit, das man Magie oder anderes mehr mit Bravour betreiben kann, weil man ja dafür von einem Menschen ausgebildet worden ist) und anderes mehr,in diesen Dingen allein liegt für die meisten Kulturen der greifbare Grundstock für die Dinge welche die Menschen hören wollen... ja teilweise sogar hören und sehen MÜSSEN, um in der Lage zu sein, daran glauben zu können.

Oh je, ich merke schon, das geht jetzt tief in die Psyche eines Menschen hinein.

LG, der schwarze Wintertag

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#3 von angelikaherchenbach , 07.08.2012 19:17

Boa, gar nicht mal so übel, Schwarzer Wintertag!

Es IST komplex, und ich finde, Du hast es gut formuliert.

Ich finde auch, dass die Betonung des Wortes sehr häufig überbetont wird.

Und dabei liebe ich Wörter und ihren Umgang damit!
Und den Satz "Am Anfang war das Wort" finde ich traumhaft schön als Schöpfungs-Losung.

Worte, Namen, Bezeichnungen ... sind für mich Medien, Symbole, Werkzeuge...
Aber sie SIND nicht der Zauber selbst!

Entscheidend ist die Bedeutung des Wortes, der Sinn, das Wesen dahinter.
Der kann sich in vielen unterschiedlichen Wörtern manifestieren - schließlich gibt es ja auch viele Sprachen und nur ganz selten eine 1:1-Übersetzung mit der exakt gleichen Bedeutung!
Und Menschen, die des Redens nicht mächtig sind, könnten dann also nicht zaubern?
Das kann ja wohl nicht sein.

Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber Merida scheint es für mein Gefühl richtig zu machen: Anklingen lassen, Fragmente, mal ein bißchen probieren, riechen, schmecken, fühlen was gemeint sein könnte, bis das Wort, der Spruch im Inneren "klingt" und sie seine Bedeutung begriffen hat.
Dann ist der Spruch selbst nicht mehr wichtig, sondern nur die Energie, die in ihm steckt.
Dann, und erst dann und nur dann, wenn es in Deinem Inneren klar ist, wenn Du eins bist mit der Kraft des Wortes, gelingt der Zauber.

Und genau das ist für mich auch das, was wirklich gute Poesie ausmacht (und ebenso ein Lied oder irgend ein anderes Kunstwerk):
Es kommt nicht auf die "Schönheit" der Darstellung an - das ist reines Kunsthandwerk.
Sondern darauf, daß ein Zauber darin enthalten ist und sich dem, der zu hören, zu sehen vermag, erschließt.

Angelika

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#4 von elHakim , 08.08.2012 21:43

Wir hören Töne, Melodien, und fühlen uns wohl, können aber nicht sagen, warum.
Wir riechen und schmecken, finden es prima, können aber nicht sagen, warum.
Wir fühlen, wissen aber nicht was.
Das ist das Dilemma.
Der magische Spruch soll das, was gewünscht wird, präzise beschreiben. Das setzt Sprache voraus, denn nur die Sprache zwingt uns dazu, ein Gefühl oder eine vage Vorstellung in konkrete Formen zu gießen. Dabei ist es egal, ob einer deutsch, englisch oder kisuaheli redet. Allein die Tatsache, das er seine Wünsche in einem wohlformulierten Satz komprimieren kann, verleiht diesem die Energie, im Universum wirksam zu werden.
Ich vergleiche das mit Sand: Schleudere ich eine Handvoll losen Sandes quer über den See, platscht es allenfalls schwächlich hier und da. Komprimiere ich nassen Sand zu einem Ball und werfe ihn ins Wasser, wird er eine Reihe von sich ausbreitenden Wellen erzeugen.
Es ist alles eine Frage der Energie.

Liebe Grüße
Al Hakim

 
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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#5 von Shadow , 08.08.2012 22:10

Hi!

Nein, Worte brauche ich auch nicht und benutze sie dementsprechend selten.
Ich muss sogar sehr genau darauf achten was ich mir wünsche, besonders wenn
starke Emotionen dabei im Spiel sind, was bei mir glücklicherweise nicht gerade
oft passiert.

Wobei ich Al Hakim beipflichten kann, dass das präzise Formulieren des Gedanken
sehr wohl hilfreich sein kann.

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#6 von matodemi , 17.08.2012 10:43

Zitat von Shadow
Hi!

Nein, Worte brauche ich auch nicht und benutze sie dementsprechend selten.
Ich muss sogar sehr genau darauf achten was ich mir wünsche,

Shadow



Ist das nicht wiedersprüchlich? Ist ein Wunsch nicht auch ein Wort, bzw. besteht aus Worten? Es gilt doch nicht nur das geschriebene oder gesprochene Wort. Gedanken sind doch auch oft Worte/Wörter (bei mir mehr Worte und Wörter als Bilder oder Töne).

Magie ohne Worte? Also nur als Bild oder Ton - ist das möglich?
Wie gesagt, nicht das gesprochene oder geschrieben Wort, sondern generell, eben auch das gedachte...

*denkt nochmal drüber nach - in Wörtern und Worten*

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#7 von Maienfalke , 22.08.2012 09:42

Ich muss Matodemi da definitiv zustimmen. Nicht nur das ausgesprochene, sondern auch das gedachte Wort ist schließlich ein Wort, wenngleich es natürlich andere sinnliche Qualitäten besitzt. Die mehr oder minder moderne abendländische Philosophie geht sogar soweit zu sagen, dass alles Wissen und bewusstes Denken nur in Sprache, also in Wörtern, funktioniert und es ohne Sprache so nicht möglich wäre.

Ob man dem nun zustimmt oder nicht, sei dahin gestellt. Jedenfalls muss es ja einen Grund haben, dass Worten solche Macht zuteil wird. Einerseits, weil sie unsere Mitmenschen direkt erreichen, wenn wir sie an sie richten. Doch das hat mehr mit entsprechend ausgefeilter Formulierung, als mit Magie zu tun.

Für mich braucht ein Zauber auch das Wort, wenngleich dem Wort nur die Macht innewohnt, die wir ihm verleihen. Daher muss Merdia (um mal wieder auf Anna Bezug zu nehmen )den Spruch vielleicht gar nicht ganz aussprechen, sondern nur hinter die Bedeutung der Worte kommen, um ihnen dann entsprechende Macht zu verleihen. Denn die Gute rätselt ja erstmal ganz schön rum, was mit der Anleitung, die die Hexe auf ihrem Anrufbeantworter-Kessel hinterlassen hat, gemeint sein könnte.

So ist es also das Wort, dass mir die Bedeutung des Zaubers, den ich ausüben will, bewusst macht. Und in dem Moment kann ich die Energien zielgerichtet lenken, die nun keine Wörter mehr brauchen...

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#8 von Shadow , 24.08.2012 20:47

Hi!

Zitat von matodemi
Ist das nicht wiedersprüchlich? Ist ein Wunsch nicht auch ein Wort, bzw. besteht aus Worten? ...


Nicht zwangsweise.

Zitat von matodemi
Magie ohne Worte? Also nur als Bild oder Ton - ist das möglich?


Ja - und nicht mal als Bild oder Ton.

Zitat von matodemi
Wie gesagt, nicht das gesprochene oder geschrieben Wort, sondern generell, eben auch das gedachte...


Worte, Gesten u.s.w. entstehen bei mir nur bewusst und gefiltert durch die Ratio.
"Gefährlich" wird es erst dann, wenn sich meine Emotionen in eine bestimmte Richtung - hmmm ... - verdichten.

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#9 von Maienfalke , 25.08.2012 13:01

Zitat von Shadow

Worte, Gesten u.s.w. entstehen bei mir nur bewusst und gefiltert durch die Ratio.
"Gefährlich" wird es erst dann, wenn sich meine Emotionen in eine bestimmte Richtung - hmmm ... - verdichten.



Sicher, darum gehts ja gerade (finde ich). Worte und Gesten sind bewusst - und erst dann kann ich tatsächlich mit Etwas in welcher Art und Weise auch immer gezielt was anfangen. Selbst Emotionen oder Ahnungen sind zwar nicht dinglich konkret wie z.B. ein Stuhl, aber auch erst wirklich greifbar, wenn wir sie für uns selbst benennen können. Und benennen tun wir etwas mit Worten! Auch wenn's nur mit den Worten "Ich hab da so'n Gefühl..." ist.

In sofern hab ich gerade keine Ahnung, was Du mit "verdichten in deine bestimmte Richtung" meinst... Kannst Du das 'nen bisschen eindeutiger machen?
Magie ist immer zielgerichtet, wenn wir sie anwenden. Niemand führt ein Ritual durch, um damit nichts zu bezwecken. Natürlich sind Emotionen dabei mitunter eine starke Kraftquelle, aber selbst um sie zu nutzen, muss ich sie mir erstmal bewusst machen. Denn Unbewusst kann ich kein mir bekanntes Ziel verfolgen, gerade weil es mir, da ja unbewusst, nicht bewusst und somit nicht bekannt ist.

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#10 von Shadow , 27.08.2012 18:47

Hi!

Zitat von Maienfalke
... In sofern hab ich gerade keine Ahnung, was Du mit "verdichten in deine bestimmte Richtung" meinst... Kannst Du das 'nen bisschen eindeutiger machen?


Wenn sich z.B. auf eine Person oder einen Sachverhalt im Laufe der Zeit Emotionen anhäufen oder aufstauen und dann mal wieder aus dieser Richtung so'n richtiger Hammer kommt, der einem das Blut kochen lässt, dann braucht es nur noch den Wunsch nach Vergeltung und die Dinge gehen ihren Lauf.

Zitat von Maienfalke
Magie ist immer zielgerichtet, wenn wir sie anwenden.


Richtig. Aber man muss, um ein Ziel zu erreichen, nicht unbedingt den Weg vorzeichnen.

Zitat von Maienfalke
Niemand führt ein Ritual durch, um damit nichts zu bezwecken.


Stimmt auch. Die wenigen Rituale, die ich bisher durchführte, waren entweder, wie bei mir so üblich, kopfgesteuert - und dann passierte natürlich gar nichts - oder höchstemotional und das Ergebnis dann durchschlagend.
Zur Durchführung brauche ich ... tja, nichts, nur mich. Ein Beobachter könnte keine Aktion erkennen.

Zitat von Maienfalke
Natürlich sind Emotionen dabei mitunter eine starke Kraftquelle, aber selbst um sie zu nutzen, muss ich sie mir erstmal bewusst machen. Denn Unbewusst kann ich kein mir bekanntes Ziel verfolgen, gerade weil es mir, da ja unbewusst, nicht bewusst und somit nicht bekannt ist.


Hmm ... mein Unterbewusstsein denkt da ganz anders, glaube ich. Direkten Zugang habe ich dazu leider nicht.

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RE: wie wichtig ist das Wort in der Magie?

#11 von Maienfalke , 07.10.2012 19:49

Zitat von Shadow

Hmm ... mein Unterbewusstsein denkt da ganz anders, glaube ich. Direkten Zugang habe ich dazu leider nicht.



Woher weißt Du dann, wie dein Unterbewusstsein denkt?

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