Gedankenbild: Windgeister

#1 von Sinaris , 08.07.2012 12:00

Ein schattiger Waldpfad geht auf eine weite Aue über. Von der gleissenden Sonne gelbbraun gebranntes Gras und schwirrender Sand sind nur selten von sattem Grün durchbrochen. Durch das Flirren der Luft kann ich einen Schafskoben sehen und eine überschaubar kleine Herde ruht im Schatten einer gossen Eiche, die stolz vor dem reetdedecktem Gebäude steht. Der dunkle Pfad wird zu weichem, weißen Sand und es riecht auch warm. Der vermutete Schlag der Hitze bleibt aus aber das stille Schwirren der Luft ist wenig angenehm. Ich beuge mich kurz hinunter und tauche meine Hände tief in den Sand, bis ich den nasskalten Untergrund spüre. So hab ich das früher am Meer auch immer gemacht. Unweigerlich wird die Sehnsucht nach Mövengeschrei und Meeresbrise in mir wach.

Mövengeschrei erreicht mich nicht aber mit den tiefen Gedanken fliest ein leichter Hauch an mir vorüber. Nicht das kraftvolle Stömen des gischtpeitschenden Küstenwindes. Es ist mehr das leise flüsternde Lachen und Spielen eines Wirbels. Ich ziehe meine Hände aus dem kühlen feucht und lasse das Strömen durch die Finger gleiten. Schnell wird der braune Sand bleich und weiß und malt Spuren in die aufkommende Briese. Ich lächle und begrüsse den Strom, der mich zu umfliessen beginnt. Ich spüre wie mein Herz schneller schlägt und lasse meinem Hoffen nach mehr freien Lauf.

Da huscht ein Rauschen durch die Bäume die hinter mir liegen, zieht rasand an mir vorbei und nimmt den losen Sand als Schleier mit sich. Wie eine Welle des Meeres bricht die Krone aus Sand und rollt wieder zu Boden. Da kommt ein weiteres tosenderes Rauschen und die Kronen der Bäume neigen sich. Dieses mal trägt der Wind die kühle Luft aus den Baumen und den Duft von Moos und nassem Laub mit sich und es wirkt wie ein Strudel eines sanften stürmens. Ich halte immernoch meine Hände ausgestreckt und geniesse das Spiel von heiß und kalt und das Streicheln vom Wind, wie das Kraulen des Sandes.

Im Geiste entschuldige ich mich bei dem Bäumen und neige mich zum rauschen der Blätter. Nur einmal bitte. Mein Herz tobt fast als ich ein Branden durch das Geäst gleiten sehe. Die Bäume wiegen und drehen sich als aus ihrer Mitte ein tosen mit Laub umzeichnet hervorbricht. Wie eine Sturzwelle peitscht der Sand aus dem Boden. Ich schliesse meine Augen und nach einer kurzen Hitzewelle stürmt und reisst es an mir. Ich stemme mich in den Wind und fühle...

Erst als wieder alles ruhig ist muss ich wie ein Kind lachen. Ich schüttel mir den Sand aus den Haaren. Die Schafe laufen umher und nervöses Blöken zieht zu mir herüber. Die stolze Eiche wiegt noch leicht im abflauenden Wind und ich glaube für heute mag sie mir keinen Schatten mehr spenden. Ich muss lächeln und geniesse die Kraft die noch nachschwingt.

Danke und grüss mir die Wellen.

Sinaris

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RE: Gedankenbild: Windgeister

#2 von wolfmagnus , 09.07.2012 00:33

Hey, Sinaris, wooowww - sehr schön, bin echt beeindruckt davon! Danke Dir dafür!!!

Werde gleich mal in meinen Hain gehen u sehen, wie Deine Bilder weiterwirken....

Nächtlichen Gruß aus Mecklenburg von

wolf

 
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RE: Gedankenbild: Windgeister

#3 von Merynea , 09.07.2012 10:53

Wirklich schön geschrieben, tolle Gedankenbilder.

 
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RE: Gedankenbild: Windgeister

#4 von Sinaris , 09.07.2012 11:33

Danke Euch beiden. Ich finde es schön, wenn meine Gedankenbilder Euch etwas geben. Ich benutze sie meistens um aus dem Alltag oder einem schlechten Moment zu gleiten.

Gruss
Sinaris

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RE: Gedankenbild: Windgeister

#5 von WaldSeele , 09.07.2012 14:41

ich liebe, wie Du schreibst, Sinaris.. danke Dir

 
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