Druiden und Wortbruch

#1 von Siat-Jahtneferet , 13.06.2012 16:19

Hallo zusammen,
ich hoffe, dass ich jetzt im richtigen Unterforum gelandet bin, wenn nicht, wäre es sehr nett, wenn ein Mod das Thema verschieben könnte. Danke!

Ich habe vor ziemlichen langen Weile mal von einem... "Druiden" (jedenfalls nennt er sich so) die Aussage gelesen dass Druiden einen Wortbruch als ebenso schwer ansehen (und angesehen haben), wie Kindesmissbrauch oder Mord.
Je mehr ich mal wieder darüber nachdenke (mir ist diese Aussage erst vor ein paar Tagen mal wieder über den Weg gelaufen), desto mehr grummelts eigentlich bei mir. Zum einen, weil ich diesen Vergleich doch sehr unpassend finde, zum anderen eben auch in Hinblick auf die Geschichte (die eben mit ihren Aussagen zu solchen Themen etwas... sagen wir... mau gehalten ist-soweit ich es jedenfalls grade im Gedächtnis habe).

Nun würde mich Eure Meinung von druidischen/bardischen/ovatischen Standpunkt her interessieren.
Wie seht Ihr das?
Was ist für Euch Wortbruch und würdet Ihr dies ähnlich bewerten?


Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

Liebe Grüße

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RE: Druiden und Wortbruch

#2 von Fingayin , 13.06.2012 18:06

Ganz ehrlich und von meinem Standpunkt gesehen?
Das gibt es nicht.

 
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RE: Druiden und Wortbruch

#3 von Maienfalke , 14.06.2012 20:35

Wortbruch gibts nicht, geht gar nicht, läuft nicht. Ist aber meine ganz persönliche Meinung und hat mit Druidentum an sich nichts zu tun. Und wie es dir Druwiddyn früher mal gesehen und gehandhabt haben, bleibt wohl noch mehrere Ewigkeiten unsrer Spekulation überlassen...

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RE: Druiden und Wortbruch

#4 von Siat-Jahtneferet , 14.06.2012 21:19


Ehrlich gesagt... Beruhigt mich das jetzt irgendwie ungemein, dass es offenbar doch noch Leute gibt, die "normal" ticken.

Und das es Menschen auf den druidischen Pfad gibt, die auch anders denken .


Liebe Grüße!

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RE: Druiden und Wortbruch

#5 von Tatjana , 14.06.2012 21:54

Guten Abend... also was das neuzeitliche Druidentum angeht, so schließe ich mich meinen Vorrednern gerne an. Zumal ich den Vergleich der Bedeutung eines Wortbruchs als ziemlich heftig empfinde. Wie das früher wahrgenommen wurde, darüber weiß ich nicht viel, aber dass das Nichteinhalten eines Ehrenwortes eine ernste Sache war, davon gehe ich schon aus. In welcher Form auch immer. Vor der Christianisierung hatten zumindest die "Inselkelten" ja durchaus eine ganz eigene Gesetzgebung.

Durch die Rückführungstherapie wie ich sie als Begleiter erlernt habe, "weiß" ich, dass gegebene Versprechen sowie deren Nichteinhaltung durch Wortbruch Folgen für alle Beteiligten bis in nächste Leben haben können, die sich auf unterschiedlichste Weise zeigen.

Vielleicht wäre es interessant, die ursprüngliche Frage umzuformulieren in: "Wie ernst nehmt Ihr als dem Druidentum zugewandte Menschen ein gegebenes Ehrenwort bzw. einen Wortbruch... was bedeutet dies in der heutigen Zeit für Euch?"

Tatjana

 
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RE: Druiden und Wortbruch

#6 von Siat-Jahtneferet , 14.06.2012 22:43

Hallo Tatjana,
danke für Deine Gedanken

Es ging mir tatsächlich schon in erster Linie erst mal um die Frage, nach der Bewertung von Wortbruch. Das ist schon eine andere Fragestellung, als die Umformulierung, die Du vorschlugst (wobei mich die Antworten darauf natürlich auch neugierig machen -Also bitte, wer mag? ).

Der Hintergrund meiner Frage ist eben, das ich in einer anderen druidischen Gemeinschaft (wie angedeutet) eben diese Aussage gehört habe und weiss, dass dort die Bewertung von Wortbruch (sei es in Form eines Eides, eines Versprechens, einer (losen) Zusage etc.pp) in JEDEM Fall, ohne Ausnahme eben diese obige war.
Mich interessiert grad einfach, wie andere, den druidischen Weg Gehende oder an ihn Interessierte, das sehen und bewerten.
Vor allen Dingen, weil der damalige "Druide" sich sehr weit aus dem Fenster lehnte und sagte, dass es eben ALLE Druiden so sehen (und sahen).

Ich persönlich bin da sehr differenziert und mache das zum einen von der Art des Wortes abhängig und was damit verbunden gewesen ist.
Wenn mein Stern zu mir sagt, er bringt den Müll runter, und vergisst das dann, hängt da eine völlig andere Bewertung dran, als würde er unter einem falschen Eid vor Gericht aussagen .



Das erst mal in Kürze

LG und einen schönen Abend!

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RE: Druiden und Wortbruch

#7 von Sinaris , 15.06.2012 14:57

Hui...

die Zeit als ich auf ein Wort was gegeben habe ist lange vorüber. Das Ausmaß an unwarheiten, erzwungenen Lügen und zugeständnissen hat jedes Vertrauen in ein Gefüge aus ehrlichem Umgang für mich zerstört. Wie hies es... jeder Mensch spricht ca. 90 Mal am Tag die Unwahrheit. Ich bin mir nichtmal sicher wie bewusst diese Dingegeschehen. Besonders heikel finde ich die erzwungene Vergabe des Wortes.

Schwören sie die Warheit zu sagen und nichts als die Wahrheit, so wahr ihnen Gott helfe??? BAH! Ja ne ist klar... ich stell mich mal spontan gegen Freunde, Bekannte und nicht Blutsverwante. Nimm Dein Buch bevor ich Dir Das Ding so übern Schädel ziehe das Morgen noch im Himmel Jahrmarkt ist. Auch lustig finde ich Schwüre auf die Ewigkeit. Schonmal darüber nachgedacht, das die nicht nach dem Tode endet? Wie soll denn bitte so eine Entscheidung in einem Leben getroffen werden? Oder solche Sachen wie nen Fahneneid... auch nett,... ist auch fast ganz ohne Zwang. Darfst ja inziwschen sogar nicht mitschwören, soweit ich weis. Frag mich nur, wieviele sich das dann auch wirklich trauen.

Sehen wir uns doch nur mal das Eheversprechen an. Scheidung ist doch heute keine Sache mehr... da frag ich mich wofür überhaupt das Versprechen?

Wie Druiden das sehen? Keinen Schimmer. Für mich existiert eine solch entgültige Warheit oder verpflichtung nicht. Ich würde solche Verpflichtungen auch garnicht freiwillig eingehen, was weis ich schon, wie ich morgen ticke. Dementsprechend würd ich sicher auch nicht mit dem Steinewerfen anfangen, weils mal jemand verpatzt. Klar kann man sich dann mal aufregen, wenn man mal wieder im Regen steht, aber sowas mit den schlimmsten Verbrechen aufzuwiegen halte ich für definitiv nicht zeitgemäß und hat in meinen Moralvorstellungen keinen Platz.

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RE: Druiden und Wortbruch

#8 von Anna , 17.06.2012 10:15

Was mir zu der Behauptung einfällt, dass die Druiden von damals einen Wortbruch so oder so geahndet haben, das weckt in mir die Assoziation der Brehon Laws, diese alten Irischen überlieferten Gesetze aus dem frühen Mittleralter. Aber ich habe sie nicht studiert, und weiß nicht ob dieser punkt darin geregelt ist. Wie weit man auch von dem frühen Mittelalter auf die alten Druiden schließen kann ist eine Sache, die andere Sache ist, dass man mit so einer Interpretation der Gesetzgebung vorsichtig sein muss. Mein Geschichtsprof in Edinburgh meinte zB nur weil die Frauen in dem Brehon law gleichgestellt sind heißt es nicht, dass es wirklich so war. Bei uns steht auch gleiches Gehalt für beide Geschlechter im Gesetz und wie sieht die Wirklickeit aus?

also schreibe ich etwas in ein Gesetz, weil es so ist, oder weil ich es regeln muss?

Wortbruch...hat für mich allgemein etwas mit Ehrlichkeit zu tun, und das zu tun, was man auch sagt. bzw dem zu widersprechen, wenn man sein Wort bricht. Wobei das ja schnell geht...der Wortbruch..."Ja, Kind, sobald ich hier fertig bin spielen wir dein Spiel"....und dann ruft die Freundin an...und Mama quatscht anstatt mit dem Kind zu spielen...Und ich denke, wir finden vieler solcher Beispiele in unserem Leben, auf die eine oder andere Art. auch die wir als Kind erlebt haben und daraus unsere Aktionen resultieren, nicht nur in der Kindererziehung, sondern allgemein im Leben...durch das gelebte Vorbild.


Ich persönlich denke, Wortbruch hat etwas mit Inetgrität und Authentizität zu tun. Und fängt halt schon in den kleinen Dingen an. Aber große Baustelle in unserer Zeit...bestimmt auch durch diese Situation in der Kindererziehung, so verletzungen kennen wir, denke ich alle. Frage ist wie weit wir es als bewußte Verletzung abgespeichert haben, oder einfach nur als "das machen die Vorbilder halt so"


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RE: Druiden und Wortbruch

#9 von piwo , 17.06.2012 14:33

Seid gegrüsst,
für mich hat Wortbruch mit Ehrlichkeit zu tun. Heute ist es "nur noch ein Wort", wobei früher das Wort und der Handschlag als Vertragsabschluss bindend war.
Und ich kann mir sehr gut vorstellen, das die SchülerInnen eines Druiden ihr Wort geben mussten, ihr erlerntes Wissen fachgerecht einzusetzen, also nicht zur Ausbeutung oder so.

 
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RE: Druiden und Wortbruch

#10 von Dolben , 17.06.2012 15:41

Zitat von piwo
....
Und ich kann mir sehr gut vorstellen, das die SchülerInnen eines Druiden ihr Wort geben mussten, ihr erlerntes Wissen fachgerecht einzusetzen, also nicht zur Ausbeutung oder so.



Vielleicht kommt hierher das Thema 'Wortbruch im Druidentum'.
Es war sicher aller schlimmst das erlernte druidische Wissen zu „missbrauchen”! Und das hatte vielleicht 'schwerste Folgen.'

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RE: Druiden und Wortbruch

#11 von Anna , 17.06.2012 17:21

Das ist ein guter Gedankengang dolben. Dieses Ansinnen, dass ein Geheimwissen nicht nach draussen gelangen soll hat auch seinen sinn.

denn es gibt Wissen, dass einen bewußten und vorsichtigen Umgang braucht. Als Beispiel kann man die Radioaktiven Stoffe nehmen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die früheren Gelehrten oder Weisen wußten, was da auf der Erde existiert. Und seit der "Entdeckung" der Radioaktiven Stoffe ist die Menschheit durch Tiefen gegangen, die wir uns lieber erspart hätten und das alle im Dienste der Wissenschaft.
Da denke ich schon ab und an, es wäre besser gewesen, wenn dieses Wissen, "geheim" oder unbewußt geblieben wäre.
Es gibt einige Geschichten über Wissen oder Stoffe, die in Kreisen von besonderen Gelehrten schon immer bewußt waren, und diese Menschen waren auch reif genug damit umzugehen, aber wenn es in einer breiten Masse ins "bewußtsein" tritt, ist die Frage, ist die breite masse auch reif genug mit diesem Wissen umzugehen?
Und da wird ein Wortbruch, ein unautorisiertes Weitergeben von Wissen auch gefährlich. Und auch klar, wieso auch in Logen ein Wortbruch mit Ausschluß oder schlimmeren geahndet wurde.

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RE: Druiden und Wortbruch

#12 von elHakim , 20.06.2012 23:27

Ich lese gerade das Buch von Jean Markale "Die Druiden". Über die Stellung der Druiden schreibt er, dass sie als einzige Vermittler zwischen der profanen und der Götterwelt galten. Ihr Spruch und ihre Entscheidung waren unanfechtbares Gesetz. Insofern konnte es einen Wortbruch gar nicht geben, allenfalls eine gültige Änderung in der Meinung der Götter. Wir tun uns heutzutage schwer, solch eine Denkweise nachzuvollziehen.
Das Einzige, was sich ein antiker Druide nicht erlauben konnte, schreibt Markale, war ein Irrtum in seinen Prophezeiungen. Dann wurde er u.U. nämlich von seinen Kumpels geköpft.

 
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RE: Druiden und Wortbruch

#13 von elHakim , 21.08.2012 20:48

Noch'n Nachtrag:
In einer nicht schriftlichen Gesellschaft ist ein Wortbruch ein Drama, vergleichbar dem heutigen Bruch eines geschriebenen Vertrages.
In unserer modernen Gesellschaft möchte ich Piwo zustimmen, als man sich auf ein gegebenes Wort verlässt. Das hat mit Vertrauen zu tun und ist nicht immer justitiabel. Aber noch immer gelten selbst im deutschen Recht mündlich vereinbarte Verträge als gültig. Nur muss man das Bestehen eines solchen ggf. beweisen können.

 
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RE: Druiden und Wortbruch

#14 von Thaddaeus , 21.08.2012 21:46

Der Vergleich zu Mord hinkt insofern, als daß wir auch nicht zweifelsfrei wissen, wie dieser angesehen war - eine Tötung gilt heutzutage als Unding, früher war sie unter Umständen gang und gäbe, sei es als Strafe (bspw. für Ehebruch) oder im Kampf um Ressourcen; demzufolge wurde ein Mord in einer nicht so gewaltfreien Kultur wie unseren vielleicht auch eher praktisch abgehandelt - hatten die Kelten ebenfalls ein "Wergeld"?

Auf ein "Hey Alda, ich schwör'..." gebe ich nichts. Wenn ich mit einem Handschlag bei einem Handwerker einen Auftrag beschließe, gilt das für uns beide als bindend - zumindest habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wo genau soll man jetzt die Grenze ziehen?

Worte sind mehr als eine Ansammlung von Tönen; vielleicht würden solche Maßnahmen wieder das Bewusstsein dafür schärfen - aber praktikabel finde ich das nicht und solange ich Menschen nicht wieder erwecken kann will ich niemandem den Tod wünschen.

Ein Druide ist ein Mann des Wortes - als Berater, Geschichtswahrer, Lehrer und Richter. Ein Wortbruch oder -verdrehung bringt nicht nur ihn in Verruf, sondern seine gesamte Vereinigung und muß deswegen harsch und erkenntlich bestraft werden - eine Hinrichtung käme mir demnach nachvollziehbar vor.

Insofern stelle ich mir die Frage, ob man denn tatsächlich so konsequent sein will in der heutigen Zeit mit ihrem anderen Rechts- und Wortempfinden...

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RE: Druiden und Wortbruch

#15 von elHakim , 21.08.2012 22:09

Zitat von Thaddaeus
Insofern stelle ich mir die Frage, ob man denn tatsächlich so konsequent sein will in der heutigen Zeit mit ihrem anderen Rechts- und Wortempfinden...



Es wäre schade, wenn es nicht mehr gelten sollte. Wer etwas verspricht, sollte dazu stehen. Das ist altmodisch. Ist aber alles Altmodische schlecht?

 
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