nur mal eine Geschichte

#1 von Nanny Ogg , 14.09.2008 11:49

Mein erster Sommer mit den Schweinen, oder die Daltons in Miniformat

Die schönste Zeit des Tages liegt für mich zwischen halb Acht und Acht Uhr.
Sämtliche Kinder und Männer haben das Haus verlassen, es kehrt schlagartig Ruhe ein. Zuerst mein Schweinefutter einweichen, dann noch gemütlich eine Tasse Kaffee getrunken und der Tag kann beginnen!
An diesem Morgen, wie an jedem Morgen, ging ich fröhlich piffelnd, vollgepackt mit Fressalien für meine Schweine zum Stall, um vier hungrige Mäulchen zu stopfen. Mit Schwung wird die Tür aufgerissen und ein: “Guten Morgen, meine Süßen“, in die Schweinestube geschmettert.
„Verdammt, wo ist denn der Lichtschalter schon wieder hingekommen?“
Das erste was mir auffiel war die alles durchdringende Stille. Nichts rührte sich. Kein Quiek und Oink, kein Geraschel – rein gar nichts!
Es dauerte ungefähr 10 Sekunden, bis meine Augen die Nachricht ans Gehirn vermitteln konnten = hier sind keine Schweine vorhanden!
So langsam keimte Panik in mir hoch!
Meine Schweinis – weg – gestohlen – geschlachtet – gegessen!
Durch den Paniknebel klopfte ein zaghaftes, aber hartnäckiges, kleines Stimmchen an den Aufmerksamkeits-Bereich in meinem Kopf an und verlangte gehört zu werden.
Klopf, klopf- „He du, sieh dir mal die Tür an! Völlig aus den Angeln.“
„ Na und?“
Nun, ein Dieb hätte doch wohl nicht die Tür so rausgerissen, der hätte sie einfach aufgemacht“
„Ah ja, da ist was dran“.
„ Blöde Kuh, die sind abgehauen, laufen irgendwo über eine Straße und werden just in diesem Moment von einem Lkw überrollt! Also setz dich jetzt endlich in Bewegung!“
„Arrrrrgggggg“!!!!
„Grunz, grunz?“. Diese Anfrage kam aus dem Nebenraum, aus der sogenannten großen Scheune. Sie ist wirklich riesengroß!
Ich lief zur Tür und spähte vorsichtig um die Ecke, könnte ja sein, dass da vielleicht doch noch irgendwo ein Dieb stand. Und dann bekam ich den zweiten Schock des Tages! Meine so schöne, mühsam aufgeräumte Scheune! Alles verwüstet – da, mein Papierlager, säuberlichst aufgeschichtet- ein Schlachtfeld des Grauens! Den Holzstapel gab es auch nicht mehr und überall war mein schönes, neues Stroh verteilt!
Aus diesem Chaos heraus, spähten mich 8 Augenpaare fröhlich an.
„Ihr exorbitanten....... (wurde zensiert).... Schweine!“
Meine Standpauke und Beschimpfungen völlig ignorierend, liefen sie an mir vorbei, stellten sich in ihren Stall und verlangten lautstark nach ihrem Frühstück.
Am liebsten hätte ich ihnen ihr Frühstück sonst wohin gegeben, aber was will man da machen – Schwein bleibt eben Schwein und man kann ihnen nicht wirklich lange böse sein.
So verbrachte ich den Tag im Schweinestall, mit dem Basteln einer neuen, stabileren Tür.
Ein paar Tage später.....
Mein Mann und ich saßen in der Küche, gemütlich bei einer Tasse Kaffee und warteten auf einen angekündigten Besuch. Immer wieder schauten wir abwechselnd aus dem Fenster, damit wir die Ankunft derjenigen nicht verpassten.
Thomas spähte nach draußen und meinte:“ Sie kommen und...., äh, die Schweine tun sie schon mal begrüßen“. Wie von der Tarantel gestochen fuhr ich hoch. “Schweine – oh nein!“ Ich schoss nach draußen und tatsächlich, da standen sie! Alle viere, nebeneinander, in unserer Auffahrt, vor dem Auto unserer Bekannten. Die Rüsselchen nach oben gereckt, neugierig schnüffelnd standen sie da. Unsere Bekannten waren ausgestiegen, hielten sich aber sicherheitshalber hinter den Autotüren versteckt. „Eh, dass ist ja mal eine schöne Begrüßung“, meinten sie.
War mir Wurst. Mit zitternden Knie ging ich auf meine Schweine los! Die sahen mich, legten die Ohren an, drehen wie ein Mann um und liefen zurück in ihr Schlupfloch, aus dem sie gekrochen waren. Schnell war geklärt, was passiert war: Mein Mann hatte die Tore der großen Scheune (die wirklich groß ist) offen gelassen. Die Schweine, nicht faul, haben meine, ach so sorgfältig gebaute, stabile, schöne neue Tür durchbrochen und die Gelegenheit zu einem Ausflug genutzt.
Im Stall erwartete mich der selbe Anblick wie vor ein paar Tagen. Friedlich standen sie in ihrem Gehege, die Unschuld in Person!
Was sollte ich da sagen? Mit Hammer, Bohrmaschine und genügend Schrauben ging ich ans Werk, was blieb mir anderes übrig.
Wieder ein paar Tage später.....
Freigang! Endlich! Nach fast 2 Wochen Wartezeit ist endlich unser neuer E-Zaun geliefert worden. Das Gehege sollte auch gleich den Hühnerstall mit einbeziehen – Hühner und Schweine kommen ja prima miteinander aus. Nach 1 Stunde mühevollen Zaunziehens und Pfosten setzens waren wir soweit – die Schweine konnten raus. Ach, war das ein herrlicher Anblick! Meine vier Kleinen wühlend, schmatzend und grunzend auf der Weide, dazwischen die Hühner, die versuchten ihren Teil der Wühlarbeit abzubekommen. Ich hätte stundenlang zusehen können, aber leider rief die Arbeit mit lauter Stimme nach mir (nachdem sie vorher 2 Stunden lang geflüstert hatte). Ich ging ins Haus und fügte mich meinem Schicksal, spähte aber immer wieder mal aus dem Fenster, um zu sehen, was meine Süßen so machten.
Bei einem dieser Kontrollgänge spähte ich vergebens. Ich schaute und schaute, aber kein Bild von friedlich wühlenden, alles vernichtenden Schweinen wollte sich mir aufdrängen.
Weg – nicht schon wieder!
Langsam drängte sich mir der Verdacht auf, dass sie das mit Absicht machten!
So, nur nicht die Ruhe verlieren, keine Panik, logisches Vorgehen ist gefragt.
Ein markerschüttender Schrei alarmierte den Rest der Familie. Im Sauseschritt schnell ein paar Leckerli eingesteckt und nix wie raus! Ein Blick zur Auffahrt – nein, leider kein Auto, dass meine Ausreißer aufgehalten hätte. Rein in die große Scheune (wie gesagt, sie ist sehr groß) – alles wie es sein sollte, kein Schwein vorhanden. Jetzt bekam ich doch so langsam Panik. Wo sind sie?
Wieder raus aus der Scheune und dann begann ein sinnloses dahingerenne von einer Ecke des Grundstücks, in die andere. Vom vielen Rufen wurde ich schon heißer, mir rauschte das Blut in den Ohren und so langsam wurde mir wirklich schlecht.
Mein super Spürhund Benny war auch keine große Hilfe, statt Schweine brachte er mir nur Bälle und Quietschetierchen.
Also, den ganzen Rundgang von vorne. Vom Haus aus um die große Scheune (echt riesig!), am Hühnerstall vorbei zum Hasengehege und....Halt! Da war doch was! Atemlos blieb ich stehen und lauschte angestrengt. Da, schon wieder! Es hörte sich an wie ein leises „Grumel grumel grumel“. Vorsichtig pirschte ich mich an den Hühnerstall an, lauschte.... und... ja, da war’s schon wieder: „Grumel grumel grumel“!
Mit einem Satz war ich an der Tür und riss sie auf!
Was ich vorfand?
Nichts anderes als vier glückliche Schweine, eine leere Futterraufe, eine umgeworfene Tränke und einen total verwüsteten Hühnerstall!
Ich schloss leise die Tür, sollten sie doch wieder dort raus, wo sie reinkamen, ging ins Haus, kochte mir einen Kaffee und kippte einen doppelten Whisky in mich hinein. Den hatte ich mir redlich verdient.
Danach beschäftigte ich mich eindringlich mit der Frage:
Warum noch wollte ich unbedingt Schweine?

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#2 von Weisser Schatten , 14.09.2008 13:47

hi nanny ogg,

da hast du aber insgesamt "schwein" gehabt, wenn die tierchen doch stets sich wieder einfanden!

ps: da das schwein bei uns kelten ein "heiliges" tier ist, jeden abend in der "anderswelt" verspeist wird und morgends doch wieder gesund und munter auf der weide steht, haben sich deine schweinchen sicherlich daran ein beispiel genommen und sind immer wieder gekommen

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#3 von Serpentia , 14.09.2008 20:16

Ich glaube, meinen lange gehegten Wunsch, ein Schwein als Haustier zu halten, gebe ich besser auf.... ein Sack Flöhe scheint ja besser zu hüten zu sein!

Herrlich, Deine Geschichte - jetzt hinterher können wir natürlich gut darüber lachen!

Ich mag Schweine wirklich sehr, im Stall (mein großer Sohn lernt ja Landwirt) bin ich lieber bei denen als bei den Kühen. Und sie tun mir am meisten leid... *schnüff*, obwohl der Stall ganz okay ist - aber es ist halt ein Stall und eines Tages...

Die am-liebsten-Bio-Fleisch-Esserin

Petra

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#4 von Nanny Ogg , 15.09.2008 11:00

@ian-jonathan
Schweine - vor allen Dingen Minischweine, sind sehr intelligente Tiere. Ich kann gar nicht mehr mitzählen, wie oft sie jetzt schon auf Entdeckungsreise gegangen sind!
Sie sind immer für eine Überraschung gut!

@Petra
Laß Dich bloß nicht abschrecken- ich hab schon die richtigen Schelme erwischt!
Wenn Du Dich wirklich mit dem Gedanken an ein Schwein befaßt, dann werde ich Dich gerne beraten.
Und vorab schon mal eins: ein Schwein ist ein Herdentier, wenn, brauchst Du mindestens 2 von der Sorte.
Minischweine kann man nicht mit "großen Schweinen" vergleichen - sie sind weitaus Intelligenter und man kann sie auch durchaus erziehen, wobei sie aber immer ihren "Kopf" behalten werden!
Das einzig Negative an der Schweinehaltung ist mal wieder unsere Rechtsprechung!
Jedes Schwein muß gemeldet werden, braucht eine Ohrmarke und wenn man einen blöden Amtstierarzt hat, dürfen sie noch nicht mal vor die Tür!
Aber davon, wenns soweit ist

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#5 von Serpentia , 15.09.2008 11:14

Ich weiß, Nanny, das ist nicht einfach mit den Behörden, hab ich bei der letzen Runde Schweinepest oder was das war in der Pfalz miterlebt, die wollten doch echt Minischweine töten, die im Haus lebten!!! Prophylaktisch!!!

Zwei gleich, gut, dass du das sagst. Wir haben ja schon zwei Hunde und der Garten ist auch recht klein, ich glaube, da wären die nicht so glücklich mit. Und dann die vielen Treppen.. tja, ich habe viele Träume, aber die Tierchen müssen ja nachher mit der Realität leben... *grosser Seufzer*

Ich mag Tiere mit ihrem eigenen Kopf, ich hab ja auch einen Terrier *lach*

Petra

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#6 von Nanny Ogg , 15.09.2008 17:19

Hallo Petra,

um Dir die Entscheidung noch etwas leichter zu machen:
Schweine "kann" man in der Wohnung halten, ohne Frage. Es bleibt aber offen, ob es einem gefällt. Gut, für renovierungsarbeiten wie die Tapeten von den Wänden ziehen, oder für Teppichböden in handliche Stücke zu zerlegen, sind sie super zu gebrauchen. Auch können sie den Wunsch nach neuen Möbeln ganz schnell erfüllen, aber im Großen und Ganzen ist es besser, Schweine in einem geeigneten Stall zu halten.
Mit einem Schwein im Garten hast Du ganz schnell keinen Garten mehr! Muß hier irgendwo noch ein Bildchen haben:

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#7 von Brianna , 15.09.2008 18:20

genial geschrieben. Du solltest echt mal überlegen ein Buch zu schreiben. Anektdoten vom Bauernhof - oder so ähnlich.

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#8 von Weisser Schatten , 15.09.2008 18:53

finde ich auch!!!!

ian-jonathan mit großem

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#9 von Nanny Ogg , 15.09.2008 19:03

Oh Danke, Ihr macht mich ja ganz verlegen
aber ein Buch schreiben heißt viel Arbeit und viel Arbeit heißt viel viel Zeit und die hab ich einfach nicht
Aber wenn ich darf, beglück ich Euch immer mal wieder mit meinen in einer Kaffeepause schnell hingeklecksten kleinen Geschichten

 
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RE: nur mal eine Geschichte

#10 von Brianna , 15.09.2008 19:28

Du mußt sogar. Am liebsten würd ich den Brief den du mir nach Schottland geschrieben hast auch eintippen. Das war auch so eine Geschichte. Ich hab mich halbtot gelacht.

Sachu mal ins Überforum "Gedichte, Texte, Kurzgeschichten". Da hast du jetzt dein Unterforum zum Einstellen deiner Geschichten.

Hoffentlich gibts bald die nächste. Wenn genügend drin sind werd ich die einfach Veröffentlichen und du kriegst deine Prozente in Schweinefutter! HAH!

 
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