RE: Das Müll Problem

#16 von Esme , 16.04.2012 19:58

Eine persönliche Einstellung hilft da nicht sehr viel...
wenn du (mein ich jetzt nicht persönlich) deine Kopfschmerztabletten aus der Apotheke holst, erhälst du ein feines Päckchen, dessen Überreste sorgsam getrennt werden können, dieses Päckchen aber wird in der Apotheke sorgsam zu 10er-Packs und mehr, verschweißt in Folie angeliefert, die wiederum in einem Karton angeliefert, der auch mit Folie und ähnlichem ausgestopft ist, in diesem Karton befinden sich "überzählige" Päckchen des Produktes, die nicht in die Bestellung passten, sie sind verdellert, wurden wohl schon so hineingestopft und was macht Apotheke? zurück schicken aber weil es den Aufwand meist nicht Wert ist, wegschmeißen, unsortiert, oder als Eigenbedarf nutzen...dann wird ja wieder sortiert, wenn sie gut drauf sind...
und so ist es in vielen Bereichen, auch in privaten...

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RE: Das Müll Problem

#17 von Sinaris , 16.04.2012 20:45

Wo willst Du anfangen, wo aufhören. Blicke ich in einen Supermarkt enrblöst sich vor mir der Wahnsinn des Überlusses und des damit verbundenen Verpackungswahnsinns. Geld bleibt das Eichmaß aller Dinge. Gut. Solange wir diesem System treu bleiben wird Geld auch alles sein, worum es geht. verpackte Ware ist und bleibt auch sicher weiterhin attraktiver als der "Rammel" aus der Box... Jaja, ich weis... unter uns sind einige die das begriffen haben und anders handhaben. Aber tun wir doch mal einfach so, als würde der Durchschnittsmensch nicht so weit blicken können. DANN haben wir den Punkt erreicht, an dem wir ankommen müssen.

Wie bekomme ich Putchen Brammel dazu nicht den eingeschweisten Mist sondern vom Markt oder aus der Frischetheke zu kaufen? Solange der verpackte Kram paradoxerweise billiger ist als Frischware wird das sowieso schonmal schwer. Ich geb Euch schonmal vorwirkend das Prädikat "KEINE M*****F****** CHANCE!" Eure Kontrahenten sind eine Milliardenschwere Industrie, tausende von Arbeitsplätzen und ein Haufen Lobbieanwälte. Das einzige was Ihr bietet ist gesunder Menschenverstand... Na dann. Viel Spass. Ich mag Euch... Echt... aber hier würd ich auf den Gegner setzen. Tod ist kein abschreckendes Motiv... wenn dem so währe, gäbe es in Staaten mit Todesstrafe weniger Verbrechen. Den Schnellen persönlichen Tod, durch das verenden der ganzen Welt zu ersetzen, wird da sicher auch nicht helfen.

Und nein... bevor Ihr fragt... ich hab auch keine bessere Idee.

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RE: Das Müll Problem

#18 von Solitaire , 17.04.2012 08:21

Hallo Anna,
auch mein Eindruck ist, dass der Müll im Laufe der Zeit mehr geworden ist.

Bei uns gibt es z. B. eine Basicsupermarkt, da kann man Müslizutaten lose kaufen. In einem anderen Forum hatten wir das Thema Müllvermeidung auch, da kamen einige sehr gute Vorschläge zur Müllreduzierung zusammen.

 
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RE: Das Müll Problem

#19 von greenman , 18.04.2012 12:51

Zitat von elHakim
Das Wort Recycling hättet Ihr vor 20 Jahren noch nicht einmal gekannt. Ich finde es gut, dass wir von dem Müll, der entsteht, immerhin einen Großteil wiederverwenden können.

Müllvermeidung ist eine Frage der persönlichen Einstellung.



Al Hakim,

Ich bin bis jetzt der älteste Poster zu diesem Thema. Geboren 1946, habe ich die Kriegsjahre nicht erlebt, aber am Beispiel meiner Eltern habe ich erfahren, wie sich die Lebensmittel-, Textil- und Benzinrationierung das Verhalten der Menschen prägte. (Ich bin in Nordirland geboren, also in einem Teil des am Krieg beteiligten Großbritannien, aber geographisch weit vom Schuss - im Wörtlichen Sinne!)

Zum Beispiel erinnere ich mich an die Lebensmittelmärkchen. Wenn meine Mutter einkaufen ging, war es weniger wichtig, wieviel Gelt sie in der Portemonnaie hatte - sie konnte eh nur so viel einkaufen, wie sie Märkchen hatte. Das ist heute ganz anders - allein der Kontostand diktiert, wieviel wir essen dürfen!

Oder ich denke daran, wie mein Vater Auto fuhr. Bei abschüssigen Landstraßen-Abschnitten schaltete er die Zündung aus, trat die Kupplung durch und ließ den Wagen einfach rollen. Er hatte die Benzinrationierung noch im Hinterkopf. Damals konnte man das - es gab keinen Bremskraftverstärker oder Servolenkung, die nur bei laufendem Motor funktioniert.

Nach dem Krieg war Vieles wie vor dem Krieg. Meine mutter strickte - nicht gern, aber selbstverständlich -Pullis.
Mein Vater war vom Land und ein wahrer Künstler in Sachen Wiederverwenden statt neu Kaufen. Er achtete beim Gehen immer z.B. auf achtlos weggeworfene Schrauben, die noch brauchbar aussahen. Diese verwahrte er in seiner Werkstatt auf - und zwar in wiederverwendeten Marmeladengläser. Deren Deckel nagelte er unter einem Regalbrett und konnte die Gläser mir einem Handgriff daran befestigen oder abnehmen - und man konnte sehen, wo sich die benötigten Kleinteile befanden! Er hat mal eine Schublade für seinen Werkzeugschrank ganz (einschließlich Halteschienen) aus alten Konservendosen gemacht. Die Bleche wurden mit zu Nieten gebogenen Blechstreifen verbunden, die durch Schlitze gingen, die er mit einem alten Schraubenzieher stanzte. Werkzeugbedarf: Flachzange, Blechschere, ausrangierter Schraubenzieher und Hammer. Passte perfekt und hielt Einiges aus! (Man denke an die afrikanischen Dosenblech-Spielzeugautos, die man in Eine-Welt-Läden findet - früher konnten auch wir Europäer sowas!)

Das hat alles nichts mit Verpackungsmüll zu tun, aber ich glaube, der selbe Geist steckt dahinter, wie hinter den Umgang mit Produkten. Wir können es uns finanziell leisten, also her damit!

Ab etwa 1960 fing ich selber an zu basteln. Ob Spielzeughäuser für die Eisenbahn, Spanten von Schiffen, die robusteren Teile von Flugmodellen oder Laubsägearbeiten - Teekistensperrholz war ein gängiges Werkstoff. Denn Tee wurde bei großen Lebensmittelhändlern noch "lose" geliefert. Und dieses Sperrholz (3/16" = 5 mm) war von weitaus besserer Qualität als die Baumarktware von heute.

Unsere Seifenkistenautos wurden selbstverständlich selbstgebaut, und Phase 1 eines solchen Projekts spielte sich auf dem Schrottplatz ab, wo wir Radsätze von alten Kinderwagen "kannibalisierten." In meinem Fall hatte Papa schon genügend gebrauchte Schrauben aufgelesen (siehe oben), und die Holzteile waren z.B. Baustellenabfall. Kostenfaktor 0, Spaßfaktor 10! Natürlich wurden die Seifenkisstenautos irgendwann doch verschrottet - aber erst nachdem wir Kinder die Materialien nochmals ausgiebig verwertet hatten.

A propos Modellbahn: meine Eisenbahn und die der Nachbarjungen verbrauchten weder Netzstrom noch Batterien - die Loks hatten Triebfedern.

Heute bin ich kein Kind mehr, habe ein gesichertes Einkommen und kann mir Sachen kaufen, die ich nicht selber produzieren könnte. Und wenn ich ein Heimwerkerprojekt in Angriff nehme, kaufe ich das Material im Baumarkt und bewahre das Kleinmaterial in gekauften Kunststoffschütten auf.

Aber die alte Einstellung bleibt - vor allem bei der Musik. Musikinstrumente verwenden viele Materialien, die heutzutage nicht unbedenklich sind: Tropenhölzer, Elfenbein, Tierhäute. Ich bin einigermaßen stolz darauf, dass meine besten Instrumente (also die schönsten und wohlklingendsten) allesamt mindestens 50 Jahre alt sind. Meinetwegen wurde kein Ebenholz geschlagen, kein Elefant erschossen!

Vielleicht heißt das Fazit: Nicht wegwerfen - weiterverkaufen! Jedes auf eBay angebotene, ausrangierte Produkt bedeutet ein Produkt weniger, das unter Einsatz von geschützten Tier- und Pflanzenteile und Energie neu gefertigt - und verpackt! - werden muss.
So gesehen haben wir moderne Möglichkeiten, unsere moderne Verschwendungssucht einzudämmen!

Blessings,
Greenman

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RE: Das Müll Problem

#20 von elHakim , 02.05.2012 23:51

Zitat von Sinaris
Wo willst Du anfangen, wo aufhören.



Es hilft die Methode der kleinen Schritte. Du bekommst kaum noch Plastiktüten umsonst im Supermarkt, vielleicht noch welche aus Papier. Das ist doch schon ein großer Fortschritt, finde ich.

 
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RE: Das Müll Problem

#21 von elHakim , 03.05.2012 00:00

Hi Greenman,

dann küre ich mich zum Zweitältesten. Allerdings hatten meine Eltern nach der Kriegszeit, die ich auch nur vom Hörensagen kenne, den Wohlstandsbürger verkörpert. Sicherlich wurde nicht so viel weggeworfen wie heutzutage, aber ein gewisser Wohlstand musste sein.
Es ist doch gut, dass wir in fortgeschrittenem Alter noch darüber nachdenken können, Missstände aufzuzeigen. Ich war vorgestern ganz erschrocken, als ich von einem Plastikmüll-Teppich im Pazifik las, der mehrere hunderttausend m² umfasst. Ich wünsche uns allen, dass wir das Müllproblem irgendwie in den Griff bekommen, ohne uns in die Steinzeit zurückentwickeln zu müssen.

LG

El Hakim

 
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RE: Das Müll Problem

#22 von Solitaire , 03.05.2012 08:20

Wir müssen uns nicht in die Steinzeit zurückentwickeln, es würde z. B. genügen, die Produkte wieder langlebiger zu machen, weniger unnütze Verpackungen zu verwenden, etc.

Ein Teil dieses Plastikmülls, der im Meer rumschwimmt, stammt übrigens von spanischen Tomatenplantagen, die unter Folien herangezüchtet werden, damit die Erträge noch mehr gesteigert werden können. Kauft lokal eure Tomanten dann wenn sie reif sind, damit kann man z. B. solchem Wahn ein Ende setzen.

 
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RE: Das Müll Problem

#23 von Dolben , 04.05.2012 23:07

Zitat von elHakim

Zitat von Sinaris
Wo willst Du anfangen, wo aufhören.



Es hilft die Methode der kleinen Schritte. Du bekommst kaum noch Plastiktüten umsonst im Supermarkt, vielleicht noch welche aus Papier. Das ist doch schon ein großer Fortschritt, finde ich.





Beim Türken gibt`s umsonst Plastiktüten
(ich verwende sie nach dem Einkaufen als Mülltüten)

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RE: Das Müll Problem

#24 von Esme , 06.05.2012 20:07

@elHakim
so verfahre ich auch, falls sich mal eine Tüte nicht vermeiden läßt

@Solitaire
hast du dir schon mal genau angeschaut wo und wie "lokales Gemüse" angebaut wird? überdimensionale Äcker, die mit noch immenseren Plastikgewächshäusern geschützt werden, bewirtschaftet von Arbeitskräften, die minder bezahlt werden, für den Knochenjob, ihren Lohn in ihre Lebenshaltungskosten stecken, in Supermarktketten in denen eben diese Müllprobleme ihren Lauf nehmen...alles ein Kreis, irgendwie ein Teufelskreis...

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RE: Das Müll Problem

#25 von elHakim , 06.05.2012 22:03

Interessant ist vielleicht ein Blick in die Geschichte des Kaufrausches. Vor der Ära der Großkaufhäuser noch Mitte des 19. Jahrhunderts musste der Händler ehrliche Aussagen zum Produkt machen. Wer behauptet hätte, seine fade Gurke wäre das Lebenswundergemüse vom eigenen Acker, wäre von den Kunden aus dem Dorf geprügelt worden. Heute ist Augenwischerei gang und gäbe, ja, die Kunden wollen es sogar. Heißt für die Verkäufer Marketing. Und damit die ganzen künstlich in die Gurke gebohrten E - und H-Vitamine nicht durch das schädliche Sonnenlicht, oder - noch schlimmer - durch den Erzfeind Sauerstoff noch vor dem Erreichen der Haustür zum Platzen gebracht werden, braucht man eine Plastikverpackung. Die hat auch noch den Vorteil, dass man die 100 g Gurke gut in einer 15-Liter-Plastikhülle, die mit de-ionisierter Luft befüllt wurde, strecken kann. Solch Riesengurkenpakete fördern den Umsatz. Aber nur, weil wir glauben, dass wir ohne die vitaminverseuchten Lebensmittel nicht mehr leben können. - Sind Märkte mit offener Ware heutzutage besser? Innerhalb von 5 Minuten begrabbeln mindestens 20 Hände dasselbe Gemüse, wobei Bazillen den Gastgeber wechseln. Aus hygienischen Gründen wird das Ganze nach dem Kauf in eine Plastiktüte gegeben, so dass die Keime nicht mehr entwischen können. Mehrere kleine Plastiktüten wandern schließlich in die große Plastiktragetasche. Kleine und große Tüten teilen schließlich dasselbe Schicksal: Sie treiben als Geistertüten auf dem Ozean.
Das musste mal raus!
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RE: Das Müll Problem

#26 von ZweiRaben , 07.05.2012 11:49

mmh - vielleicht wird demnächst das Plastikmüllproblem dadurch gelöst, dass die Erdölvorräte zu Ende gehen und eben dieses Plastik eingesammelt wird, weil es ja auch eine Art Rohstoff ist ...

 
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RE: Das Müll Problem

#27 von Solitaire , 07.05.2012 12:22

@ Esme: der Obst- und Gemüseanbau sieht in Spanien, Italien, Portugal, etc auch nicht anders aus. In Spanien waren z. B. Marokkaner/innen als Erntehelfer eingesetzt.
In der Türkei werden z. B. Kinder eingesetzt zur Haselnussernte, diese Haselnüsse werden dann zu Nutella verarbeitet.

@elHakim: im Supermarkt fingert auch jede/r das Obst/Gemüse an, um es dann in Plastiktüten zu verpacken.
Ich wasche mein Obst und Gemüse vor dem Verzehr und auf dem hiesigen Wochenmarkt gibt es genug Verkäufer/innen, die die Ware in Papiertüten packen. Außerdem sind die Transportwege von lokalen Anbietern bei weitem kürzer als die Importwaren aus dem Ausland und das schlägt sich auch auf die Umwelt nieder.

 
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RE: Das Müll Problem

#28 von Esme , 07.05.2012 19:02

Danke El Hakim, du sprichst mir aus der Seele

@ZweiRaben
bis das soweit ist wird noch viel Wasser den Berg hinunter fließen

@Solitair
das ist mir bekannt, daher verbrauche ich nur saisonales Obst und Gemüse und wenn ich doch auf anderes zurückgreifen muß, man hat ja schon mal außer der Zeit Lust auf Auberginen oder ähnliches, dann wird es aber gekocht, nach dem Waschen, denn waschen nutzt meist nicht viel, außer man verwendet kochendes Wasser, was ja auch wieder Energieverschwendung wäre, wenn es eh gebacken oder gebraten wird, dann gehe ich zu dem Händler dem ich trauen kann, aber Plastik kommt mir nicht in die Tüte

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RE: Das Müll Problem

#29 von ZweiRaben , 07.05.2012 21:11

Zitat von Esme
...

bis das soweit ist wird noch viel Wasser den Berg hinunter fließen




Dann sage mir, ob ich diese Kraft des Wassers nutze könnte ?

 
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RE: Das Müll Problem

#30 von elHakim , 07.05.2012 23:18

Zitat von ZweiRaben

Dann sage mir, ob ich diese Kraft des Wassers nutzen könnte ?



Ja freilich, da könntest du prima Plastiktüten daraus machen.

 
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