Hoffnung, Segen oder Fluch?

#1 von elHakim , 16.08.2011 21:40

Die druidische Philosophie ist nicht zuletzt darauf angelegt, dem Druiden - und auch seinen Gesprächspartnern - Erkenntnis und Hoffnung zu verleihen. Daneben gilt der Grundsatz der Lauterkeit, Ehrlichkeit. Ist es richtig, immer den "Strahlemann" darzustellen oder auch Hoffnungen eines Mitmenschen, die dieser aus falschem Versständnis an mich heranträgt, zu zerstören? Wie geht ihr mit solchen Konflikten um?

LG

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#2 von Shadow , 16.08.2011 23:12

Hi!

Generell bin ich eher der Typ, der dem Gegenüber die ungeschminkte "Wahrheit" entgegenhält ...
... wenn ich vermuten darf, dass er sie auch ertragen kann. Wenn nicht, dann schweige ich lieber.

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#3 von elHakim , 16.08.2011 23:38

Und wie erkennst du den Unterschied?
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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#4 von Shadow , 17.08.2011 17:25

Gute Frage. *g*
An der Situation - der Verfassung des Gegenüber - der Art der Fragestellung - ...
Um mich dabei nur auf's Gefühl zu verlassen bin ich nicht der Richtige.

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#5 von matodemi , 17.08.2011 22:05

Für mich käme es darauf an, welche Hoffnungen aus welchem Grund von welcher Person an mich herangetragen werden.
Allerdings ist es ja so, wenn die Hoffnung aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllt werden kann, so bedarf es der Klärung. Aber mit dem gebotenen Taktgefühl - man kann Wahrheiten oft auch so vermitteln, dass der Schmerz nicht unnötig groß wird (bei manchen Tatsachen hilft der Takt aber nur in sehr geringem Maße, wenn einem Menschen z. B. eine tödliche Krankheit mitgeteilt werden muss).

Wenn die Hoffnungen sich aber auf mich, bzw. Taten von mir beziehen, dann frage ich mich schon, inwieweit mein Verhalten zu diesen Hoffnungen geführt hat....

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#6 von elHakim , 17.08.2011 22:21

Zitat von matodemi
Für mich käme es darauf an, welche Hoffnungen aus welchem Grund von welcher Person an mich herangetragen werden.
Allerdings ist es ja so, wenn die Hoffnung aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllt werden kann, so bedarf es der Klärung. Aber mit dem gebotenen Taktgefühl - man kann Wahrheiten oft auch so vermitteln, dass der Schmerz nicht unnötig groß wird (bei manchen Tatsachen hilft der Takt aber nur in sehr geringem Maße, wenn einem Menschen z. B. eine tödliche Krankheit mitgeteilt werden muss).

Wenn die Hoffnungen sich aber auf mich, bzw. Taten von mir beziehen, dann frage ich mich schon, inwieweit mein Verhalten zu diesen Hoffnungen geführt hat....



Das sogenannte Taktgefühl scheint mir ziemlich wichtig. Dabei muss man sich bewusst sein, dass Takt eine Frage der jeweiligen Sozialisation ist, also ziemlich subjektiv. Die Frage ist tatsächlich: Ist ein Mmensch tödlich erkrankt, braucht er dann die Wahrheit überhaupt noch? Die wenigsten mögen es, in sechs Monaten zum Madenfutter erklärt zu werden.
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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#7 von matodemi , 17.08.2011 22:51

Zitat von elHakim


Das sogenannte Taktgefühl scheint mir ziemlich wichtig. Dabei muss man sich bewusst sein, dass Takt eine Frage der jeweiligen Sozialisation ist, also ziemlich subjektiv.



Dem stimme ich zu - was es leichter macht ist, wenn man die andere Person und ihre Hintergründe/ihre Geschichte kennt.


Zitat von elHakim
Die Frage ist tatsächlich: Ist ein Mmensch tödlich erkrankt, braucht er dann die Wahrheit überhaupt noch? Die wenigsten mögen es, in sechs Monaten zum Madenfutter erklärt zu werden.
Al Hakim



Es gibt aber Menschen, die auch in dieser Situation die Wahrheit hören wollen. Um vielleicht noch persönliche Angelegenheiten zu klären. Sich zu verabschieden. Sich vorbereiten zu können.
Und bei vielen tödlichen Krankheiten kommt der Punkte, wo es der Betroffene zunächst ohnehin ahnt, dann weiß. Spätestens dann ist m. M. n. meist Klarheit angesagt - es sei dann man weiß oder spürt, dass der Betroffene es dennoch nicht wahrhaben will.
Eine Gradwanderung - die nicht leicht ist. Und die für nahestende Menschen in einer solchen Situation eine große Belastung ist.

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#8 von elHakim , 18.08.2011 21:37

Es scheint wohl ein Naturgesetz zu sein, dass Hoffnung immer dann einsetzt, wenn reale Fakten dagegen sprechen. Es gibt ja nicht nur die Hoffnung auf Besserung bei unheilbarer Krankheit, sondern die irreale Hoffnung auf einen Gewinn im Lotto oder eine Bekanntschaft, die zufällig daherspaziert.
Allerdings, finde ich, ist solcherlei Hoffnung manchmal richtig erfrischend.
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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#9 von matodemi , 18.08.2011 21:58

*lächel*
Ja, es gibt glücklicherweise nicht nur die Hoffnung in lebensbedrohenden Situationen.
Die Hoffnung auf einen Lottogewinn lässt einen ja träumen, ebenso die auf den "Traummann" oder die "Traumfrau". In diesen Fällen halte ich Hoffnung aber dann für gefährlich, wenn man sich zu sehr den Träumereien hingibt anstatt das Leben zu leben.

Aber es ging ja nicht um Hoffnungen generell, sondern um den Umgang damit, falsche Hoffnungen evtl. aufzuklären. Im Fall des Lottogewinns ist das noch vergleichsweise einfach, da man ja nur die Mathematik bemühen muss. Im anderen Fall - nu ja, hängt wieder vom Einzelfall ab, wie man es "verpackt"....

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#10 von elHakim , 21.08.2011 22:24

Dann lassen wir also Hoffnung zu? Denn das Nicht-zulassen würde bedeuten, alles zu wissen. Wer kann das schon von sich behaupten.
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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#11 von matodemi , 22.08.2011 09:32

Hoffnungen zulassen? Ja. Aber eben mit dem richtigen Augenmaß - Gradwanderung eben. Es gibt ja auch Hoffnungen, die nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, oder wo es noch keine Fakten gibt die dagegen sprechen (zum Beispiel hoffe ich auf einigermaßen gutes Wetter während meines Urlaubs, noch gibt es keine Wettervorschau für diese Zeit, die Hoffnung ist also nicht irreal...)

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#12 von matodemi , 22.08.2011 20:44

Igel, Hoffnung mag häufig eine Art Flucht sein - aber nicht immer (siehe mein obiges Beispiel.... - denn ich lebe ja dennoch im jetzt und hier). Ich denke das ist eine Einzelfallentscheidung....

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#13 von elHakim , 24.08.2011 20:27

Hallo Igel,
arm ist, wer keine Hoffnung mehr hat - finde ich. Wie Matodemi beschrieb: Manche Hoffnung hat die Chance, wahr zu werden. Das löst beim Betroffenen Menschen Freude aus. Freude ist nicht schlecht, selbst wenn sie zunächst auf unsicheren Ausgangsdaten basiert. Ich selber neige dazu, mir Dinge zu erhoffen, die manches Mal spinnert erscheinen und manchmal werden sie wahr. Dann bin ich begeistert.Wichtig ist nur, dass man auch mit der Enttäuschung leben können muss, wenn eine Hoffnung sich zerschlägt.
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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#14 von Gobaith , 18.09.2011 09:21

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ich finde die Hoffnung ist eine wichtige moralische Stütze, nicht mehr und nicht weniger.
Die Hände in den Schoß zu legen und nur zu hoffen - das wird definitiv nichts werden.
Wenn man das was man erhofft als Ziel ansieht hilft es aber genausowenig blindlings drauf los zu stürmen.

Hoffnung ist ein fiktives Hilfsmittel, eine moralische Krücke, ein Wunsch(denken). So hilft sie uns als Leitfaden auf unserem Weg, aber eben nicht mehr.

Gruß

Gobaith

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RE: Hoffnung, Segen oder Fluch?

#15 von greenman , 22.09.2011 15:06

Ich sehe es so:

Wer jahrelang auf etwas hofft, was dann doch nicht eintritt, war jahrelang freudig in der Erwartung und einmal unglücklich in der Enttäuschung.
Wer jahrelang etwas befürchtet, was dann doch nicht eintritt, war jahrelang unglücklich in der Erwartung und einmal glücklich in der Erleichterung.

Nach meiner Beobachtung der Mitmenschen sind die Enttäuschung des Optimisten und die Erleichterung des Pessimisten nur von sehr kurzer Dauer. Der Optimist wended sich schnell einer neuen Hoffnung zu, der Pessimist einer neuen Befürchtung.

Man könnte das ganze als eine Variation auf Pascals Wette aufziehen:

Ein Ereignis kann gut ausgehen, oder es kann schlecht ausgehen.
Ich kann hoffen, dass es gut ausgeht, oder ich kann befürchten, dass es schlecht ausgeht.
Somit haben wir folgende Permutationen:

Erwartung .......... Ausgang ............ Gefühle (+ = glücklich; - = unglücklich)

Hoffnung ............. gut ..................+ +
Befürchtung .......... gut ..................- +
Hoffnung ............. schlecht ............ + -
Befürchtung ......... schlecht ............ - -

Der optimistische Weg verspricht also eindeutig mehr Glücksgefühle! Dies spiegelt sich in dem schönen Bobmot: "Der Optimist irrt sich genauso oft, wie der Pessimist, aber er hat mehr Spaß dabei!"

Eins möchte ich wissen: Freut sich ein Pessimist, wenn er Recht hatte, also in der Tabelle ein "- -" bekommt?
Ich denke, die Freude des Optimisten darüber, Recht gehabt zu haben, geht in der Freude über den guten Ausgang unter!

Blessings,
Greenman

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