RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#16 von elHakim , 02.08.2011 20:10

Darin sehe ich den Vorteil des Druidentums in neuer und - soweit es überliefert ist - alter Form, dass es nicht eine böse Schattenfigur, einen Teufel, postuliert, von der ich persönlich den Eindruck habe, dass sie vor Urzeiten, egal ob durch Zoroaster oder die jüdische oder eine andere Religion, als Rechtfertigung (oder aus Machtgelüsten) der "Guten" bzw. "Mächtigen" zum Einschüchtern der anderen erfunden wurde.

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#17 von Shadow , 02.08.2011 20:28

Hi!

Zitat von elHakim
... zum Einschüchtern der anderen erfunden wurde.


Davon gehe ich auch aus.
Zumindest deshalb, weil diese "Bösen" ja ach so sehr kultiviert wurden und immer noch werden.

Shadow

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#18 von Sinnion , 02.08.2011 21:03

Zitat von Shadow
Hi!

Zitat von elHakim
... zum Einschüchtern der anderen erfunden wurde.


Davon gehe ich auch aus.
Zumindest deshalb, weil diese "Bösen" ja ach so sehr kultiviert wurden und immer noch werden.

Shadow




Die Einführung einer Verkörperung des "Bösen", wie z.B. beim Christentum folgt auf eine Philosophie der Spaltung, in der aus den Polaritäten (komplementär) Dualismen (dichotom) werden. Statt eines Sowohl-als-auch ein Entweder-oder. Klar, dass da keiner auf der falschen Seite stehen will. Spannend finde ich, dass zu einer bestimmten historischen Epoche gerade auch im (tibetischen) Buddhismus die Schriften sprechen von Höllen- und Verdammnis-Bildern (obwohl im Buddhismus der Aufenthalt in den heißen und kalten Höllen ja immer nur begrenzt ist - aber immerhin).

Was ich nicht glaube ist, dass die "Erfindung" eines Teufels oder so was alleine auf einem Plan einer herrschenden Priester-Kaste beruht. Ich habe da eher den Eindruck, dass es aufgrund der Spaltung zu Hass- und Gewaltprojektionen kommt, die dann zum Beispiel der arme Teufel abkriegt (der arme gehörnte Gott der Natur). Man muss sich nur religiöse Eiferer wie Savonarola in Florenz oder Heinrich Kramer (Hexenhammer) ansehen: SIcher ging es ihnen auch um Macht. Paranoid waren sie aber sicherlich auch - und Opfer ihres gespaltenen Weltbildes. Dazu passend habe ich eine Sendung über die Psychlogie von Folterern und Diktatoren verfolgt: Spannend fand ich, dass bei Diktatoren häufig paranoide Charakterzüge eine große Rolle in ihrer Politik der Grausamkeit spielen.

Grüße

Johannes

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#19 von elHakim , 03.08.2011 20:00

Hallo Johannes,

im Buddhismus kenne ich mich nicht aus. - Die mittellalterlichen, christlichen Eiferer kann man sicherlich als "Fundamentalisten" einordnen, sowohl Savonarola als auch den Hexenhammer-Erfinder. Das waren die Terroristen von damals, die sich allerdings das bereits existente christliche Weltbild mit Gut und Böse zu Nutze machten, um ihre perversen Freuden zu befriedigen. Vielleicht waren sie auch nur Technokraten, die einer bestehenden Idee endlich ein festes Regelwerk verpassen wollten. So etwas gibt ja heute auch noch. Dennoch glaube ich, dass das Konzept des Bösen als Instrument eingeführt wurde, nämlich um eine unbotmäßige, aber abergläubische Bevölkerung "einzunorden". Die vorchristlichen Religionen hatten dafür in ihrem Pantheon gewalttätige, strafende Götter. Das ging natürlich in einer monotheistischen Religion nicht mehr, also erfand man "das Böse" ohne Gottescharakter als Gegenpol zum "lieben Gott".

LG

Al Hakim

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#20 von Sinnion , 03.08.2011 21:40

Grundsätzlich stimme ich dir zu. Was ich jedoch bezweifle, ist gewissermaßen der Verschwörungscharakter: Wir brauchen ein Machtinstrument, also lasst uns den Teufel ersinnen... Fakt ist, dass eigentlich alle der Übeltäter und Fanatiker selbst den Teufel oder was-auch-immer Supreme-Evil gefürchtet haben.
Mein Punkt ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine rationale Entscheidung war. Dass die Personifikation des Bösen als Projektionsfigur für den Spaltungsmechanismus (nur lieber Gott, also wo ist das Gegenteil???) herhielt, bezweifle ich nicht. Ebensowenig, dass die Folge eine Untermauerung der Herrschaftsverhältnisse war. Nur, die Spaltung war bereits vorher in der christlichen Exegese angelegt - und eben womöglich noch viel früher. Das sehe ich als das eigene Problem: Wir sind wohl dazu verdammt, das zu erfahren, was wir glauben...

Herzliche Grüße

Johannes

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#21 von Shadow , 03.08.2011 22:49

Hi!

Zitat von Sinnion
Was ich jedoch bezweifle, ist gewissermaßen der Verschwörungscharakter: Wir brauchen ein Machtinstrument, also lasst uns den Teufel ersinnen...


Verschwörungscharakter - dieses Wort gefällt mir hier sehr gut. Äusserst passend!

Zitat von Sinnion
Fakt ist, dass eigentlich alle der Übeltäter und Fanatiker selbst den Teufel oder was-auch-immer Supreme-Evil gefürchtet haben.


Da bin ich mir nicht sicher, wenn ich sehe was im Namen dieses speziellen Gottes von seinen geistlichen Führern - oh, "Führer", das Wort hat einen üblen Beigeschmack; ja, passt hervorragend! - alles angerichtet wurde.

Zitat von Sinnion
Mein Punkt ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine rationale Entscheidung war.


Sowohl rational als auch verschwörerisch möchte ich jetzt behaupten. Man denke doch nur mal an das Konzil von Nicea. Bis dahin war Jesu Geburt weder "jungfräulich" noch Jesus JHWH's Sohn. Danach war es Dogma.

Zitat von Sinnion
Dass die Personifikation des Bösen als Projektionsfigur für den Spaltungsmechanismus (nur lieber Gott, also wo ist das Gegenteil???) herhielt, bezweifle ich nicht.


"Lieber Gott"? Das kommt aber nur in Gute-Nacht-Gebeten von Kindern vor. *g*
JHWH wird in der Bibel als so ziemlich alles bezeichnet, am seltensten aber als "lieb". Ja, als liebend, seine Kinder, die er erziehen muss. Aber viel öfter als strafend, rachsüchtig, nachtragend, jähzornig, grausam, und was weiß ich noch alles.

Zitat von Sinnion
Ebensowenig, dass die Folge eine Untermauerung der Herrschaftsverhältnisse war.


Zumindest eine geglückte Einleitung. Zu der Zeit lag die Herrschaft noch in Händen des Adels, der Kleros gewann durch seine Dogmen aber immer mehr Macht.

Zitat von Sinnion
Nur, die Spaltung war bereits vorher in der christlichen Exegese angelegt - und eben womöglich noch viel früher. Das sehe ich als das eigene Problem: Wir sind wohl dazu verdammt, das zu erfahren, was wir glauben...


Na ja, was im Nachhinein alles als "Teufel" übersetzt wurde, kann man getrost dahingestellt lassen. Einige alte Texte sprechen da von ganz genau bezeichneten Wesenheiten. Den Apfel soll Eva beispielsweise von Lilith erhalten haben - ist ja auch naheliegend *g* - und die meisten anderen Teufel-Übersetzungen sind im O-Text auch nur bestimmte Dämonen oder Gottheiten anderer Kulturen. Das gleiche Spiel hat der Kleros ja auch mit den Gottheiten unseres Kulturkreises gemacht, man hat sie ver-Teufel-t. Und um's ja auch jedem verständlich zu machen bekam diese jämmerliche Kunstfigur dann auch möglichst viele Attribute "heidnischer Götter" verpasst.

Ja wenn's schee macht. LOL

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#22 von elHakim , 03.08.2011 23:05

Hallo Shadoww,

das Konsil von Nicäa hat, soweit ich mich erinnere, die Jesusfigur zum Gott erhoben und sich dem Dilemma gestellt, wie man denn nur einen Gott haben könne, wenn doch mehrere Personen als Anwärter warten.
Die Teufelsgestalt würde ich als einen Archetypus bezeichnen, in den wir kraft christlicher Indoktrination alles Schlechte projizieren. Dennoch ist er für mich eine Kunstfigur, die es ganz früher so nicht gegeben hat, weil man in einer polytheistischen Gesellschaft eben andere Möglichkeiten hatte, Schlechtigkeiten zu interpretieren. Dass die Teufelsfigur eine bestimmte Gestalt innehat, ist sicher auf die "heidnischen" Einflüsse zurückzuführen, die die christliche Kirche zu beseitigen hoffte.

Gruß

Al Hakim

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#23 von Shadow , 03.08.2011 23:27

Hi!

Zitat von elHakim
das Konsil von Nicäa hat, soweit ich mich erinnere, die Jesusfigur zum Gott erhoben und sich dem Dilemma gestellt, wie man denn nur einen Gott haben könne, wenn doch mehrere Personen als Anwärter warten.


Thema war ja die Trinität - im Nachhinein betrachtet.
Wobei viele der Klerikalen der nicht von der Hand zu weißenden Meinung waren, dass Jesus als Prophet zu betrachten sei - was der Islam ja auch tut - und Maria einfach nur seine Mutter ist. Da der Kleros aber eine weibliche "Unschuldsfigur" brauchte, um auch Anhängern feminin orientierter "heidnischer" Richtungen gerecht werden zu können, erhob man Maria zur "Gottesmutter".
Ein durchaus geschickter Schachzug.
Die Trinität selbst - Vater, Sohn, heiliger Geist - ist ebenso geschickt erdacht. Passt doch perfekt in viele Vorstellungen der alten Heiden.

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#24 von Sinnion , 05.08.2011 20:54

Hallo Shadow,
vielleicht kannst du nochmals zusammenfassen, wohin deine Argumentation führt?
Knapp betone ich nochmals, dass meiner Meinung nach ein rein rationales Verschwörungsverständnis zu kurz greift - wie letzlich bei so ziemlich allen Verschwörungstheorien. Ob du eine solche vertrittst, ist mir nicht klar geworden. Falls ja, bitte näher erläutern, warum.
Der Punkt ist meines Erachtens, dass uns eine solche kein erweitertes Verständnis von den Prozessen bringt, die zu den grausamen Entwicklungen innerhalb des institutionalisierten Christentums geführt haben (z.B. Kriege, Inquisition, Missionieren usw.). Ohne ein Verstehen könnte es sein, dass sich auch andere spirituelle Richtungen dogmatisieren und letztlich - ohne es zu beabsichtigen - fundamentalistisch werden. Beispiele dafür finden sich ja zuhauf - die Sannyasin-Bewegung, z.B. die sich vom Freigeist zur Diktatur entwickelte. Zustimmen würde ich allerdings, dass es immer AUCH um die Konsolidierung von Machtverhältnissen ging. Wobei für mich die Frage interessanter ist: Warum war und ist das Machtthema, gerade auch in institutionalisierten Religionen so wichtig?

Zitat von Shadow
"Lieber Gott"? Das kommt aber nur in Gute-Nacht-Gebeten von Kindern vor. *g*
JHWH wird in der Bibel als so ziemlich alles bezeichnet, am seltensten aber als "lieb". Ja, als liebend, seine Kinder, die er erziehen muss. Aber viel öfter als strafend, rachsüchtig, nachtragend, jähzornig, grausam, und was weiß ich noch alles.



JHVH - den du zurecht als strafenden Gott bezeichnest, ist der alttestamentarisch-hebräische Gott. Dieses Gottesbild wurde ja im Christentum (zumindest der Theorie nach) durch einen durch und durch guten Gott ersetzt. Damit war die Gefahr der Spaltung gegeben, denn wo war die Projektionsfläche für die aggressiven, mörderischen Impulse geblieben? Die polytheistischen Götter waren ja immer voller Fehler und schillernd, von "guten" und "schlechten" Eigenschaften - meiner Meinung nach eine gesündere Einstellung.
Nun bin ich kein Christ, nicht getauft, und auch nicht christlich sozialisiert, plädiere aber dennoch dafür, eine verstehende (nicht entschuldigende!) Perspektive zu versuchen.

Zitat von Shadow
Sinnion hat geschrieben:Fakt ist, dass eigentlich alle der Übeltäter und Fanatiker selbst den Teufel oder was-auch-immer Supreme-Evil gefürchtet haben.

Da bin ich mir nicht sicher, wenn ich sehe was im Namen dieses speziellen Gottes von seinen geistlichen Führern - oh, "Führer", das Wort hat einen üblen Beigeschmack; ja, passt hervorragend! - alles angerichtet wurde.



Die Übeltaten sind kein Widerspruch, da die Fanatiker sich subjektiv ja als nur gut und gerecht erlebt haben. Im Namen Gottes usw. Kampf gegen den Teufel etc. pp.
Den schwarzen Peter hatten ja die "Anderen" da draußen, die "Gottlosen" und "Ketzer". Die sollten ja stellvertretend für den eigenen Schatten im Innern bekämpft werden... (hat was Don Quijote'sches )

Zum Konzil von Nicea: Mich würde da interessieren, was mit den Beschlüssen bezweckt wurde?

Zitat von Shadow

Na ja, was im Nachhinein alles als "Teufel" übersetzt wurde, kann man getrost dahingestellt lassen. Einige alte Texte sprechen da von ganz genau bezeichneten Wesenheiten. Den Apfel soll Eva beispielsweise von Lilith erhalten haben - ist ja auch naheliegend *g* - und die meisten anderen Teufel-Übersetzungen sind im O-Text auch nur bestimmte Dämonen oder Gottheiten anderer Kulturen. Das gleiche Spiel hat der Kleros ja auch mit den Gottheiten unseres Kulturkreises gemacht, man hat sie ver-Teufel-t. Und um's ja auch jedem verständlich zu machen bekam diese jämmerliche Kunstfigur dann auch möglichst viele Attribute "heidnischer Götter" verpasst.



Da könntest du Recht haben. Machen fast alle Religionen so - die Götter des alten Glaubens werden zu Teufeln. Nein, nicht immer: Im tibetischen Buddhismus beispielsweise, sind die Naturgeister des Bön quasi durch die buddhistischen Meister "gezähmt" worden und fungieren jetzt als "Beschützer der Lehre" Aber dennoch wurden sie in die neue Religion subsummiert.

Herzliche Grüße

Johannes

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#25 von elHakim , 05.08.2011 22:00

Hallo an alle,

übersehen wir nicht, dass wir gerne in Dichotomien denken möchten? Wir lieben einen Weg, der sich in "gut" und "böse" aufspaltet. Das können wir verstehen. Wie kämen wir beispielsweise zurecht, wenn wir mit anderen Formulierungen operierten, wie: nicht gut - nicht böse? Das hat, so denke ich, einen unbefriedigenden Klang. Ich behaupte daher, dass das Schwarz-weiß-Denken dem Menschen immanent ist. Insofern ist er für Religionen, die ein solches Denken fördern, anfällig.
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#26 von Esme , 06.08.2011 19:02

Wir lieben einen Weg, der sich in "gut" und "böse" aufspaltet.

Das ist eine Verallgemeinerung, denn es leben auch genug andere in der grauen Welt, die mit beiden Seiten "können"...

Dichotomie, ist das ein neues Schlagwort? So wie es einmal schwarze Magie und weiße Magie war?...
In der Botanik ist es einfach die Pflanzengabelung, in der Medizin Farbenblindheit oder so
wie ist es entstanden? etwa so wie Devas? aus verschiedenen Kulturen und alten Sprachen zusammen gesetzt?

(meine Bitte an alle: bei Fremd-Wörtern die nicht alle kennen können, bitte gleich die Übersetzung mitliefern, Danke)
(die olle Esme, eine Freundin der einfachen Worte )

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#27 von angelikaherchenbach , 06.08.2011 22:04

das Konsil von Nicäa hat, soweit ich mich erinnere, die Jesusfigur zum Gott erhoben und sich dem Dilemma gestellt, wie man denn nur einen Gott haben könne, wenn doch mehrere Personen als Anwärter warten. [/quote]
[i]Thema war ja die Trinität - im Nachhinein betrachtet.

...
- und Maria einfach nur seine Mutter ist. Da der Kleros aber eine weibliche "Unschuldsfigur" brauchte, um auch Anhängern feminin orientierter "heidnischer" Richtungen gerecht werden zu können, erhob man Maria zur "Gottesmutter".
Ein durchaus geschickter Schachzug.
Die Trinität selbst - Vater, Sohn, heiliger Geist - ist ebenso geschickt erdacht. Passt doch perfekt in viele Vorstellungen der alten Heiden.

Shadow[/quote]


Nicht ganz, bzw. nicht ganz so einfach.
Aber ein geschickter Schachzug, da gebe ich Dir Recht.

Einerseits wurde die heidnisch-weibliche Trinität in eine männliche umgedeutet und damit gleichzeitig die Frage Polytheimus vs. Monotheismus "gelöst" (wirklich gelöst wurde sie natürlich nicht.)
Gleichzeitig besänftigte Konstantin aus politischen Gründen seine christliche Mutter Helena.

(Zu fragen ist, wieso Helena zum Christentum konvertierte; ob sie nicht in der christlichen idiologie die letzte Chance sah, sozusagen weibliche Werte in der Religion aufrecht zu erhalten im patriarchalischen Rom...)
Und durch diesen Akt wurde gleichzeitig die klassische Machtübergabe von der Mutter an den Sohn vollzogen - ein theologisch-philosophisches Thema, das sich in vielen Kulturen und Religionen findet.

Hier liegt m.E. die Wiege der Macht des Christentums:
Der Wandel vom Poly- zum Monotheismus, der Wandel vom matriarchalischen bzw. gleichrangigen zum patriarchalischen Prinzip.

Einen (einzigen und absoluten) Teufel kann es nur in monotheistisch-patriarchalischen Religionen geben.
Mütter (Helena !) können so nicht denken.

Ist irgend jemandem von Euch eine monothestisch-matriarchalische Kultur bekannt?

Angelika

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#28 von Sinnion , 06.08.2011 22:28

Zitat von angelikaherchenbach

[...]
Hier liegt m.E. die Wiege der Macht des Christentums:
Der Wandel vom Poly- zum Monotheismus, der Wandel vom matriarchalischen bzw. gleichrangigen zum patriarchalischen Prinzip.

Einen (einzigen und absoluten) Teufel kann es nur in monotheistisch-patriarchalischen Religionen geben.
Mütter (Helena !) können so nicht denken.

Ist irgend jemandem von Euch eine monothestisch-matriarchalische Kultur bekannt?

Angelika




Vielen Dank für den interessanten Beitrag! Wahrscheinlich hast du Recht, es gibt wohl keine monotheistisch matriarchalische Religion (ich würde hier nicht den Begriff der Kultur nehmen, da damit noch einges Anderes verbunden sein kann, wie z.B. mütterliches oder väterliches Erbrecht, wer bekommt welchen Namen usw.).
Bei Erich Neumann findet sich der Gedanke zum matriarchalen und partiarchalen Bewusstsein. Das muss ich aber erst nochmal nachlesen, weil der mir immer so schwer verdaulich war
Zum Teufel: Den einen und einzigen gibt es vielleicht in den m-p-Religionen. Aber in den anderen Kulturen konnte und kann man sich auch vor so einigen Unterweltsfiguren fürchten! Woruaf ich hinaus will, ist, dass ich eine moderne Entwicklungslinie darin sehe, sich von matriarchal und patriarchal zu lösen, durch eine Integration. Wobei der erste Schritt wohl eine größere Betonung des Matriarchalen sein dürfte

Herzlich Grüße

Johannes

 
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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#29 von Shadow , 07.08.2011 18:26

Hi!

Zitat von Sinnion
vielleicht kannst du nochmals zusammenfassen, wohin deine Argumentation führt?


Gerne:
- Gut und/oder Böse liegen stets im Auge der Betrachters,
- stellen sich erst im Laufe der Zeit heraus und
- liegen dann aber wieder im Auge des Betrachters.
Ergo sind Gut und Böse rein subjektiv.

Zitat von Sinnion
Knapp betone ich nochmals, dass meiner Meinung nach ein rein rationales Verschwörungsverständnis zu kurz greift - wie letzlich bei so ziemlich allen Verschwörungstheorien. Ob du eine solche vertrittst, ist mir nicht klar geworden. Falls ja, bitte näher erläutern, warum.


Nun, Johannes, mir fällt leider kein besseres Wort dafür ein.
Meiner persönlichen unmaßgeblichen Meinung nach hatten sich zu Nicäa Leute getroffen um zu beratschlagen, wie man die "neue" Religion dazu nutzen könnte seine Ziele zu verfolgen ohne sich von den unbequemen Lehren dieses Jesus in's Handwerk pfuschen zu lassen, trotzdem seine Anhänger in ihrem Glauben zu wiegen und gleichzeitig ein Bild dieser Religion zu kreieren, das die "Heiden" ohne großes Murren als das ihre akzeptieren konnten.

Zitat von Sinnion
Der Punkt ist meines Erachtens, dass uns eine solche kein erweitertes Verständnis von den Prozessen bringt, die zu den grausamen Entwicklungen innerhalb des institutionalisierten Christentums geführt haben (z.B. Kriege, Inquisition, Missionieren usw.).


Ich denke da ganz einfach (aber möglicherweise falsch?):
Den Herrschaften ging es gar nicht um Religion sondern nur um Macht.
Warun sonst wäre es so wichtig gewesen einen vorhandenen Glauben in ein derart starres Korsett zu pressen und keinen Spielraum für eigenes Denken zu lassen?

Warum musste Jesus zu "Gott" erhoben werden?
Er sagte von sich nie er sei Gottes alleiniger Sohn - er sprach von den Menschen als Gottes Kindern.

Warum war eine Trinität wichtig?
Nichtmal JHWH sagte von sich der einzige Gott zu sein - er sagte: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir."
Eine obsolete Aussage? Nein, damit bestätigt er quasi die Existenz anderer Gottheiten, von denen er aber nicht will, dass sie neben ihm auch noch verehrt werden. Ganz schlecht wenn man einem Heiden seine eigenen Götter ausreden will, da fehlt ja ein triftiges Argument.

Zitat von Sinnion
Ohne ein Verstehen könnte es sein, dass sich auch andere spirituelle Richtungen dogmatisieren und letztlich - ohne es zu beabsichtigen - fundamentalistisch werden.


Ja sicher.
Man betrachte sich nur mal Celtoi oder Asatru, bei denen es auch Bestrebungen gibt ihren Glauben zu dogmatisieren.
Viele Junge wollen Kirchen abbrennen um alte Kultplätze wiedererstehen zu lassen. Deren Respekt vor anderen Religionen geht fast genau so gegen Null wie der der Kirche.

Zitat von Sinnion
Beispiele dafür finden sich ja zuhauf - die Sannyasin-Bewegung, z.B. die sich vom Freigeist zur Diktatur entwickelte.


Oups? Könntest Du das bitte näher erläutern?

Zitat von Sinnion
Zustimmen würde ich allerdings, dass es immer AUCH um die Konsolidierung von Machtverhältnissen ging.


"AUCH"? Nicht eher vorwiegend?

Zitat von Sinnion
Wobei für mich die Frage interessanter ist: Warum war und ist das Machtthema, gerade auch in institutionalisierten Religionen so wichtig?


Vielleicht, weil es den Führern weniger um die Religion geht?
Das Zitat: "Religion ist Opium für das Volk.", hat für mich, bezogen auf die abrahamischen Religionen, durchaus seine Berechtigung.

Zitat von Sinnion
JHVH - den du zurecht als strafenden Gott bezeichnest, ist der alttestamentarisch-hebräische Gott.


Zumindest ist er ein Teil der Trinität.
Sollte er sich mit dem Erscheinen Jesu etwa geändert haben? *g*

Zitat von Sinnion
Dieses Gottesbild wurde ja im Christentum (zumindest der Theorie nach) durch einen durch und durch guten Gott ersetzt.


Um Dir in diesem Punkt zustimmen zu können müssten die Kirchen erst mal das AT aus ihren Büchern verbannen.

Zitat von Sinnion
Damit war die Gefahr der Spaltung gegeben, denn wo war die Projektionsfläche für die aggressiven, mörderischen Impulse geblieben? Die polytheistischen Götter waren ja immer voller Fehler und schillernd, von "guten" und "schlechten" Eigenschaften - meiner Meinung nach eine gesündere Einstellung.


Die Meinung teile ich gerne mit Dir!

Zitat von Sinnion
Nun bin ich kein Christ, nicht getauft, und auch nicht christlich sozialisiert, plädiere aber dennoch dafür, eine verstehende (nicht entschuldigende!) Perspektive zu versuchen.


Gute Einstellung! Kann ich nur befürworten.

Zitat von Sinnion
Die Übeltaten sind kein Widerspruch, da die Fanatiker sich subjektiv ja als nur gut und gerecht erlebt haben. Im Namen Gottes usw. Kampf gegen den Teufel etc. pp.
Den schwarzen Peter hatten ja die "Anderen" da draußen, die "Gottlosen" und "Ketzer". Die sollten ja stellvertretend für den eigenen Schatten im Innern bekämpft werden... (hat was Don Quijote'sches )


Sag ich doch - subjektiv.

Zitat von Sinnion
Zum Konzil von Nicea: Mich würde da interessieren, was mit den Beschlüssen bezweckt wurde?


Festigung und Ausbau der Machtstrukturen.
Dem Volk einen Glauben geben, der die Machthaber nicht belästigt sondern bestätigt.

Zitat von Sinnion

Zitat von Shadow
..., was im Nachhinein alles als "Teufel" übersetzt wurde, ... viele Attribute "heidnischer Götter" verpasst.


Da könntest du Recht haben. Machen fast alle Religionen so - die Götter des alten Glaubens werden zu Teufeln. Nein, nicht immer: Im tibetischen Buddhismus beispielsweise, sind die Naturgeister des Bön quasi durch die buddhistischen Meister "gezähmt" worden und fungieren jetzt als "Beschützer der Lehre" Aber dennoch wurden sie in die neue Religion subsummiert.



Ich denke es ist zum Teil eine Vereinfachung: EIN Gott - EIN Gegenspieler!
Zum Anderen wollte man die Namen aus den Köpfen verdrängen.
Es wirkt wohl nichts besser um ein neues Konzept einzuführen als das alte in Vergessenheit geraten zu lassen.

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RE: Licht und nicht-Schatten, die Wahrheit?

#30 von Shadow , 07.08.2011 18:48

Hi!

Zitat von angelikaherchenbach
Einerseits wurde die heidnisch-weibliche Trinität in eine männliche umgedeutet und damit gleichzeitig die Frage Polytheimus vs. Monotheismus "gelöst" (wirklich gelöst wurde sie natürlich nicht.)
Gleichzeitig besänftigte Konstantin aus politischen Gründen seine christliche Mutter Helena.


An weiblicher Trinität fällt mir auf Anhieb nur Ceridwen in ihren drei Altern ein.
Worauf bezieht sich Deine Aussage?

Zitat von angelikaherchenbach
Hier liegt m.E. die Wiege der Macht des Christentums:
Der Wandel vom Poly- zum Monotheismus, der Wandel vom matriarchalischen bzw. gleichrangigen zum patriarchalischen Prinzip.


War Rom nicht seit seines Entstehens patriarchal?

Zitat von angelikaherchenbach
Einen (einzigen und absoluten) Teufel kann es nur in monotheistisch-patriarchalischen Religionen geben.
Mütter (Helena !) können so nicht denken.


Hier bitte ich um etwas Nachhilfe. Ich verstehe diese Aussage nicht.

Zitat von angelikaherchenbach
Ist irgend jemandem von Euch eine monothestisch-matriarchalische Kultur bekannt?


Mir ehrlich gesagt nicht.

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