RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#31 von teroon , 18.07.2011 23:20

Hi,
ich persönlich bin auch ein Verfechter der Idee, dass im modernen Druidentum wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden beachtet werden sollten, das schließt aber die Verwendung von Mythen in keiner Weise aus, diese lässt sich nämlich durchaus wissenschaftlich, insbesondere psychologisch, begründen.
Abgesehen davon kann man auch aus alten Mythen Lehren ziehen, die nach wie vor aktuell und gültig sein können.
In der Taliesin-Geschichte geht es z.B. auch um persönliche Entwicklung und Wandel in mehreren Phasen. Ein Konzept, dass nach wie vor aktuelle ist.
Auch eher triviale Aspekte der Geschichte, wie Ceridwens Versuch ihren hässlichen Sohn zumindest über Wissen und Inspiration zu einem gesellschaftlichem Status zu verhelfen, was bei der schönen Tochter eben unnötig war, haben für die moderne Gesellschaft und Wissenschaft noch eine große Bedeutung (Stichwort Gender und Erfolgsforschung).
In diesem Sinne bietet uns die moderne Wissenschaft und Gesellschaft ein neues Framework für die Betrachtung der Mythen.

Ganz abgesehen davon sind und waren Druiden, zumindest in meinem Verständnis, auch Initiatoren und Moderatoren gesellschaftlichen Wandels und das ist nur möglich wenn man sich auch mit der modernen Gesellschaft auseinandersetzt, die eben sehr viel Wert auf wissenschaftliche Methoden setzt (auch wenn sie diese selten korrekt anwendet ^^).

Soweit meine Gedanken dazu,
Michael

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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#32 von elHakim , 19.07.2011 23:00

Hi Reroon,

das ist es eben, was ich als "Entzauberung" verstehe, die Möglichkeit, der Taliesin-Geschichte, die ja aus einem ganz anderen Kontext und Jahrhundert kommt, eine psychologisch plausible moderne Erklärung beizumessen. Wir können zweifelsohne mit unseren neuzeitlichen Kenntnissen der Psychologie und Sozialgeschichte die beschriebenen Hintergründe darstellen. Wir unterstellen dabei aber, dass die Leute damals auch schon so dachten. Vielleicht war es ein Lehrstück zum Thema Gehorsam oder oder ein Bild über den Jahresverlauf. Vielleicht auch einfach nur eine unterhaltsame Short-Story.
Gut, ich denke, es ist richtig, den alten Druiden den Willen und die potenz zum gesellschaftlichen Wandel zuzuschreiben.
Das Unerfreuliche an dem Gedanken ist, dass dann der moderne Druide der Entzauberung der eigenen Mythen zustimmen muss, da er sich ja dem wissenschaftlichen Verhalten verschrieben hat.

Gruß

Al Hakim

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#33 von Inge , 20.07.2011 07:40

..... ich bin mir nicht sicher, ob ich dich (El Hakim) richtig verstanden habe. So wie ich es sehe, ist die Geschichte von Taliesin zeitlos. Michael hat u.a. den Aspekt der persönlichen Entwicklung genannt, der auch mir sehr wichtig ist. Mir fällt bei der Verwandlungs_Geschichte das MedizinRad ein. Beim Medizinrad und bei der Geschichte begegnen uns in bestimmten LebensSituationen, LebensKrisen etc bestimmte Tiere mit ihrer besonderen Kraft und Energie, die wir verinnerlichen (können). Wenn wir unsere bestimmte Lektion mit Hilfe der TierKraft_Energie gelernt haben, gehen wir weiter. Das Ganze wiederholt sich im Laufe unseres Lebens, was ein ständiges Lernen und Wachstum bedeutet und uns letzt_endlich verändert/verwandelt - wir sind nicht mehr die gleichen, wie vor Beginn unserer LebensReise.

Die TaliesinGeschichte ist für mich, wie eben beschrieben, absolut zeitlos und in ihrer Interpretation überhaupt nicht ent- mystifiziert ...

LG Inge

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#34 von elHakim , 20.07.2011 22:20

Hallo Inge,

Die druidische Weltanschauung der Elemente und Jahreszeiten sind der Vision des Medizinrades nicht unähnlich. Beides in sich logische, geschlossene Systeme. Ich bejahe dden Aspekt der Zeitlosigkeit, wenn ich mich auf das Wesen der Jahreszeiten und der Himmelsrichtungen beschränke. Die Schwierigkeit ist nur, diese Philosophie, die sich im wesentlichen auf einen cyclischen Zeitablauf stützt (es wiederholt sich alles und dreht sich im Kreise), nicht mehr in unser modernes Wissenschaftsgebäude passt, in dem die Zeit linear davonschreitet. Wir haben das Jahr 2010, 2011, dann kommt 2012 usw. So ist unser Terminkalender konzipiert, so planen wir unser ganzes Denken. Wir leben nicht mehr von einem Sommer über den Winter zum nächsten Sommer. Wenn es gelänge, die Taliesingeschichte als Teil eines Zeitstrahls zu schreiben, wäre sie nur nocch halb so aussagekräftig; entzaubert eben.

Herzliche Grüße

Al Hakim

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#35 von Sinnion , 21.07.2011 01:17

Zitat von elHakim
Hallo Inge,

Die druidische Weltanschauung der Elemente und Jahreszeiten sind der Vision des Medizinrades nicht unähnlich. Beides in sich logische, geschlossene Systeme. Ich bejahe dden Aspekt der Zeitlosigkeit, wenn ich mich auf das Wesen der Jahreszeiten und der Himmelsrichtungen beschränke. Die Schwierigkeit ist nur, diese Philosophie, die sich im wesentlichen auf einen cyclischen Zeitablauf stützt (es wiederholt sich alles und dreht sich im Kreise), nicht mehr in unser modernes Wissenschaftsgebäude passt, in dem die Zeit linear davonschreitet. Wir haben das Jahr 2010, 2011, dann kommt 2012 usw. So ist unser Terminkalender konzipiert, so planen wir unser ganzes Denken. Wir leben nicht mehr von einem Sommer über den Winter zum nächsten Sommer. Wenn es gelänge, die Taliesingeschichte als Teil eines Zeitstrahls zu schreiben, wäre sie nur nocch halb so aussagekräftig; entzaubert eben.

Herzliche Grüße

Al Hakim



Ich stimme dir zu Al Hakim, und wir leiden in gewisser Weise vielleicht sogar an der Linearität,
aber Ich möchte hinzufügen, dass es eine Aufgabe sein könnte, den Kreis und die Linie zu kombinieren. Versuche finden sich bei Bill Plotkin (Nature and the human Soul) und in den Werken von Ken Wilber (z.B. integrale Spiritualität...Ja, ich weiß das der Wilber in seinem Kopf lebt, find aber trotzdem vieles, was er schreibt, eine gute Denke ).

Der Versuch: Aus Kreis und Bogen (Linie) eine Spirale zu machen. Arbeiten wir daran nicht auch, wenn wir versuchen das alte und Neue zu integrieren? Z.B.: Während wir in der alltäglichen Wirklichkeit ein lineares Zeitempfinden haben, gilt das sehr viel weniger für die Gefilde der inneren Welten (da gibt es meist eine Abfolge, aber Zeiterleben ist oft sehr anders, finde ich).
Ich glaube, dass wir durchaus beides haben könnten, Kreis und Bogen, (Natur-/)Wissenschaft und Spiritualität, das Materielle und das Geistige usw. ... wir müssen es eben noch lernen.

Herzliche Grüße

Johannes

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#36 von elHakim , 21.07.2011 22:40

Hi Johannes,

die Spirale könnte tatsächlich ein geeignetes Lösungsmodell sein; ich hatte noch gar nicht daran gedacht. Man könnte sich boshafterweise auch einen Ausschnitt daraus als Schlaufe vorstellen, ein Looping, bei dem jeder Schritt vermeintlich nach vorne tatsächlich aber zurück führt. Dann würde alle Naturwissenschhaftlichkeit nur Rückschritt bedeuten, bevor es wieder voran geht. Vielleicht erklärt das die vielen fundamentalen Irrtümer der Wissenschaften.

Herzliche Grüße

Al Hakim

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#37 von Sinnion , 21.07.2011 23:07

. Irgendwie ein urkomischer Gedanke! So ein Rückschritt kann ja auch ein Schwung holen für die nächste Umdrehung sein. Immerhin geht es im Looping auch vorwärts - mit Schwung! Noch ein paar ganz subjektive Gedanken dazu:

Das Kreismodell alleine lässt unter Umständen wenig Weiterentwicklung zu: "Das Rad dreht sich, das war schon immer so, ich hoffe auf eine bessere Inkarnation" usw. So ähnliche Aussagen findet sich in der hinduistischen oder buddhistischen Volksgläubigkeit (ohne diese per se be- oder abzuwerten - aber es gibt sie eben).
In dem Buch "das glücklichste Volk" beschreibt Everett (ungefähr), wie er den Piraha-Indios, bei denen er lebte, das Bauen von Booten beibringen wollte, weil sie sich beklagt hatten die immer bei einem anderen Stamm kaufen zu müssen. Begeistert machten sie mit - bis die ersten Boote fertig waren. Dann sagten sie, das passt nicht zu den Piraha, wir waren keine und werden keine Bootsbauer sein - aber es ist schrecklich , immer die Boote woanders kaufen zu müssen. Da war der gute Everett ziemlich frustriert
Das lineare Modell alleine sorgt für Stress - nichts entwickelt sich von selbst, alles müssen wir in die Hand nehmen und selber machen. Unsere Linie ist auch keine Gerade, die sich beiderseits in die Unendlichkeit erstreckt. Für viele ist sie eher eine kurze Strecke, die mit einer rein zufälligen Geburt (abgesehen von der Kausalität des Zeugungsvorgangs und den darauf folgenden Prozessen etc.) beginnt und im Nichts endet. Gefangenschaft in einer messbaren aber sinnentleerten Welt (soo schlimm ist es wahrscheinlich gar nicht...?)...

Also, ich bin grundsätzlich für Wissenschaftlichkeit, aber gegen eine Reduktion auf eine falsch verstandene Natur-Wissenschaftlichkeit, die auf die humanwissenschaftliche Bereiche als einzige Methode angewandt wird. Wo sind die Geisteswissenschaften, die Spiritualität in der Wissenschaft hin?

Das (neue alte) Druidentum hat doch mit der Suche nach Triaden (wo die Dualismen klemmen) wirklich was zu bieten: Nicht ausschließen ist die Devise, sondern Ergänzung zur Synthese!

Jetzt hab ich schon wieder so viel geschrieben, hoffentlich liest das überhaupt jemand...

liche
Grüße
Johannes

 
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RE: Alte Druiden-Neue Druiden

#38 von elHakim , 22.07.2011 22:58

Johannes,

ich habe da mal ein neues Fass aufgemmacht, unter "Wissenschaft und Druiden".
Al Hakim

 
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