feste Offenheit? =)

#1 von puekaw , 18.06.2011 22:18

Ausschnitt aus dem Interview mit Philip Carr-Gomm 2008:
"Ich glaube, dass Du einen Menschen betrachten und dann sagen kannst: wenn dieser Mensch jetzt gar nichts macht, also überhaupt nicht spirituell arbeitet, dann wird sein Weg ihn wahrscheinlich an jenen Ort führen. Wenn er aber jetzt anfängt, mit seiner Spiritualität zu arbeiten, dann ist es möglich, dass sein Weg ihn an diesen Ort führt. Kurz gesagt: je weniger wir unserer selbst bewusst sind, desto festgelegter ist unser Leben."

Wenn ich weiter nachdenke, wird es mir klar, dass mehr Selbstbewusstsein bedeutet, sich mehr in die Unendlichkeit einzutauchen. Denn die Pointe ist: Wenn wir mehr unserer selbst bewusst werden, desto offener ist unser Leben.

Angenommen, die Person arbeitet gar nicht spirituell und lässt sich auf "festgefahrene" Muster, die geschaffen worden sind, dann ist es offensichtlich, dass sie sich nicht auf die Unendlichkeit einlässt. Und das heisst, dass die Herausforderung darin besteht, in dem Leben auf der Erde mit dem Bewusstseinszustand, der der Unendlichkeit näher ist, fertig zu werden.
Natürlich steht es jedem zu, für sich selbst zu entscheiden. Nur ist es schon merkwürdig, sich nicht darauf einzulassen, weil im Grunde befinden wir uns schon in der Unendlichkeit. Und dem entrinnen können wir nicht. Daher kommt bei jedem die Phase, in die Unendlichkeit einzutauchen, quasi. Denken wir an die Berichte unterschiedlicher Menschen, die wie von nichts abrupt mystische Erfahrungen hatten.

Gestalten wir das Leben offener, dann besteht der Reiz darin, trotz der Offenheit eine Geradlinigkeit zu beschreiten. Schaut euch mal das Bild vom dem Guru Rinpoche (Padmasambhava, tibetischer Meister und "Gründer" des tibetischen Buddhismus) an. Seine Augen sprechen für sich. Und zugleich auch ist die Forderung inne, die "irdische Beschränkung" zu meistern als auch sich in die Gesellschaft zu integrieren ohne dabei die Authenzität zu verzerren.

Die Wahrscheinlichkeit und die Möglichkeit...

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#2 von Ceridwen , 19.06.2011 16:30

Das mit dem nicht spirituell arbeiten-mir begegnen immer wieder Menschen, die von sich behaupten, nicht spirituell zu sein , zu arbeiten , ihren Weg zu suchen und doch unbewusst ihren Weg schon gefunden haben und spirituell arbeiten.Und dann sind da die Menschen, die aus ihrer Sicht hoch spirituell sind, die ihren Weg kennen und sehr starr darin sind. Und dann all die Zwischenformen.Ich denke, man kann da gar nicht verallgemeinern.

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#3 von puekaw , 19.06.2011 20:22

Ja, das ist das erstaunliche an der Sache. Du hast es treffend gesagt: UN-bewusst.
Was ist dann das Bewusstsein überhaupt?
Bewusst sein und gar nicht starr sein ist schon eine Herausforderung.

Zudem, durch den Bewusstseinszustand weiss mensch nun von der Wahrscheinlichkeit und von den Möglichkeiten.
Diejenigen, die bewusst leben, hätten theoretisch und praktisch mehr Möglichkeiten und diejenigen, die nicht bewusst leben, sind in Wahrscheinlichkeiten zu finden. Und das Lustige ist, die Bewussten finden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Möglichkeiten. Und jedoch sind sie auch in den Wahrscheinlichkeiten zu finden, solange "die Menschen, die aus ihrer Sicht hoch spirituell sind, die ihren Weg kennen und sehr starr darin sind."

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#4 von elHakim , 24.06.2011 14:51

Schon Seneca hat gewusst, dass "für den, der den Kurs nicht kennt, jeder Hafen der falsche sei". Wer sich UN-bewusst treiben lässt, wird Gelegenheiten verpassen, ja nicht einmal wissen, wann er eigentlich am Ziel ist. Höheres bewusstsein ist anderseits nicht nur angenehm, weil es die Möglichkeit bietet, Ziele zu setzen und zu erreichen. Es hat den Nachteil der Auswahl. Daraus folgt (ketzerisch): Wer nicht gewillt ist, sich zu entscheiden, der braucht kein erweitertes Bewusstsein. Vielmehr würde ihn die Fülle der neuen Möglichkeiten erschrecken, überfordern. Ich habe hier absichtlich offengelassen, ob es wahrscheinlich ist, dass ein "unwissender" Mensch an der Fülle neuen Bewusstseins wächst, ja diesen Zustand braucht, um wachsen zu können.

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#5 von puekaw , 25.06.2011 10:23

Angenommen, dass der unbewusste/unwissende Mensch Wachstum braucht, weil er den Zustand braucht, wie vereinigt es sich mit der freien Wille zur Entscheidung "Entwederoder"?

Die Frage ist auch, wie wollen wir nun als Menschheit zusammen weiterwachsen können und uns entfalten können als Menschen in dem Ganzen? Wo da ja noch "unbewusste" Leute sich rumtreiben... Und da sprach Buddha von der goldenen Mitte, Jesus von dem heiligen Geist und so weiter... Die goldene Mitte zwischen Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit, der heilige Geist ebenfalls dazwischen. Und wenn ich mich nicht irre, ist bei den Druiden von "Imbas/Arwye" die Rede. Das ist ziemlich passend, da Inspiration aus dem Lateinischen Spiritus ist.

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RE: feste Offenheit? =)

#6 von Shade ( Gast ) , 25.06.2011 16:10

Zitat von puekaw
Wo da ja noch "unbewusste" Leute sich rumtreiben...



Hallo,

Mir stellt sich die Frage, warum sich Leute diese Frage stellen, wie wir uns weiterentwickeln sollen.
Ob wir uns weiterentwickeln, hängt doch von uns selbst ab.
Wenn ich es für wichtiger empfinde, mit dem Finger auf jene zu zeigen, die ich als 'unbewusst' verurteile, so konzentriere ich mich nicht mehr auf mich selbst sondern bin mir meiner also 'unbewusst': Gäbe es die 'anderen' nicht, könnten sie mir nicht mein Spiegel sein.

Gruss

Shade

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RE: feste Offenheit? =)

#7 von elHakim , 25.06.2011 16:30

Zitat von puekaw
Angenommen, dass der unbewusste/unwissende Mensch Wachstum braucht, weil er den Zustand braucht, wie vereinigt es sich mit der freien Wille zur Entscheidung "Entwederoder"? [/i][/i]

Die Frage ist auch, wie wollen wir nun als Menschheit zusammen weiterwachsen können und uns entfalten können als Menschen in dem Ganzen? Wo da ja noch "unbewusste" Leute sich rumtreiben... Und da sprach Buddha von der goldenen Mitte, Jesus von dem heiligen Geist und so weiter... Die goldene Mitte zwischen Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit, der heilige Geist ebenfalls dazwischen. Und wenn ich mich nicht irre, ist bei den Druiden von "Imbas/Arwye" die Rede. Das ist ziemlich passend, da Inspiration aus dem Lateinischen Spiritus ist.




Es gibt immer mindestens zwei Möglichkeiten, die Dinge zu betrachten. Ein unwissender Mensch kann zufällig über Erkenntnis stolpern - oder nicht. Er kann spüren, dass er etwas Wichtigem auf der Spur ist - oder nicht. Ein Wissender sollte eigentlich nicht über Erkenntnisse stolpern, sondern in der Lage sein, diese absichtlich herbeizuführen. Um Größenwahn vorzubeugen, sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass der Wissende auch nur über das Wissen seiner Epoche verfügt und sich das, was morgen sein wird, in einer Reihe von Fehlversuchen vor dem Erfolg selbst erabeitet oder spekuliert, vielleicht korrekt. Die eine Herangehensweise ist die Wissenschaft, die andere die Prophezeiung. ---:schwindelig:
Ich leite Inspiration lieber von "inspirare - einhauchen, begeistern" ab und finde das druidische Gedankenmodell des "awen" dazu gut passend. Hier wird ein momentanes Gefühl der Freude (Begeisterung) freigesetzt, wenn man plötzlich einen Hauch Erkenntnis wahrnimmt. Auch im deutschen Wort "Begeisterung" steckt er wieder, jener "Geist", eben dein "Spiritus".

Geistige Grüße

 
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RE: feste Offenheit? =)

#8 von elHakim , 25.06.2011 16:43

Zitat von Shade

Zitat von puekaw
Wo da ja noch "unbewusste" Leute sich rumtreiben...


Mir stellt sich die Frage, warum sich Leute diese Frage stellen, wie wir uns weiterentwickeln sollen.
Ob wir uns weiterentwickeln, hängt doch von uns selbst ab.
Wenn ich es für wichtiger empfinde, mit dem Finger auf jene zu zeigen, die ich als 'unbewusst' verurteile, so konzentriere ich mich nicht mehr auf mich selbst sondern bin mir meiner also 'unbewusst': Gäbe es die 'anderen' nicht, könnten sie mir nicht mein Spiegel sein.




Hallo Shade,

Es ist durchaus richtig, dass der Bewusste die anderen braucht. Sie sind nicht nur der Spiegel, sondern zugleich der Ansporn, etwas anders machen zu wollen. Damit ist keine Abwertung gemeint. Die Vielfalt anderer Lebensformen ist für uns ein Motiv zur Weiterentwicklung. Insofern hängt diese eben nicht nur von mir selber ab. Der Mensch lernt an positiven wie negativen Verhaltensweisen seines Umfeldes. Daher ist der Weise gehalten, sein Umfeld möglich weit auszudehnen.

Liebe Grüße

Al Hakim

 
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RE: feste Offenheit? =)

#9 von Shade ( Gast ) , 25.06.2011 21:05

Hallo Al Hakim,

Wir sollten nicht vergessen, dass die Worte "unbewusst", "rumtreiben", "unwissend", "überfordern" und noch weitere, die hier in den Texten drin sind, nun einmal WERTEND sind - und zwar jedes mal AB-wertend und vergleichend.

Mit einer solchen Wortwahl läuft man Gefahr, abgehoben rüberzukommen oder so gelesen werden, dass der Leser sich selbst als höher auffasst.

Zweifelnde Grüsse

Shade

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RE: feste Offenheit? =)

#10 von momo , 25.06.2011 21:56

Ich denke man kann nicht sagen das ist richtig und das falsch, sschlussendlich weiss das jeder nur für sich selbst. Und wir sind immer frei unsere Entscheidungen zu treffen. Wenn ich nicht selbst entscheide wird es irgendwann jemand anderes für mich tun, wenn ich die Eigenverantwortung nicht übernehme werde ich fremdbestimmt. Ich kenne Leute die sagen das sei doch so bequem, kein risiko usw, es ist ihre entsscheidung und solange sie da bleiben wollen ist es ihre realität über die ich nicht zu urteilen wage.
Vielleicht beginnt die Möglichkeit sobald wir die Normen und regeln hinter uns lassen und somit unseren ureigensten Gesetzen zuhören können, die nur wir selber kennen.
Momo

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RE: feste Offenheit? =)

#11 von elHakim , 25.06.2011 22:38

Normen und Regeln dienen dem leichteren Verkehr untereinander. Auch diese Community hat solche, denke ich, wie: Höflich sein, nicht andere abwerten usw. Insofern werden wir sie, solange wir in einer Gesellschaft leben, nicht abstoßen können oder abstoßen wollen. - Ist es nicht traurig, dass der Entschluss, keine Entscheidung treffen zu wollen, andere dazu einlädt, für mich zu entscheiden? So stellt sich der Status der Entscheidungsfreude als Vakuum dar, das von anderen aufgefüllt wird.- Ich muss an dieser Stelle noch Shade zustimmen, wenn er bestimmte Wörtern mit Wertungen konnotiert. Doch macht es anderseits Sinn, statt der belasteten Begriffe neue zu prägen? Ich denke, man erhöht dann nur das Wortgeklingel, und irgendwann wird irgendwer die neuen Begriffen auch wieder mit irgendetwas assoziieren. Ich ziehe meine Lehre daraus, Begriffe demnächst noch gründlicher auf Misverständlichkeiten hin abzuklopfen und ggf. sauber zu definieren.

In diesem Sinne: Lasst uns zweifeln

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RE: feste Offenheit? =)

#12 von momo , 25.06.2011 23:07

Ja hier gibt es auch Regeln, aber ich befolge diese Regeln weil ich es möchte und weil ich sie als sinnvol und gut betrachte und sie dem Wohle aller dienen. es gibt aber auch Normen die gegen meine Überzeugung sprechen und dann sollte ich etwas tun oder lassen nur weil es so verlangt wird? dann werd ich doch schon wieder fremdbestimmt, dann nimmt mir die Regel die Entscheidung ab. dann wäre ich ja wieder festgefahren, festgefahren an regeln und hätte keine Möglichkeiten mehr...
freundliche Grüsse, momo

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RE: feste Offenheit? =)

#13 von elHakim , 25.06.2011 23:34

Zitat von momo
es gibt aber auch Normen die gegen meine Überzeugung sprechen und dann sollte ich etwas tun oder lassen nur weil es so verlangt wird? dann werd ich doch schon wieder fremdbestimmt, dann nimmt mir die Regel die Entscheidung ab. dann wäre ich ja wieder festgefahren, festgefahren an regeln und hätte keine Möglichkeiten mehr...



Hallo Momo,
ich fühle mich dann nicht fremdbestimmt, wenn ich die Regeln, die andere geschaffen haben, auf meine Weise interpretiere, unterlaufe usw. Wir müssen nur vorsichtig sein, dass wir durch unser Verhalten nicht selber Normen setzen, die andere dann interpretieren und unterlaufen möchten. Das ist ein ziemlich selbstsüchtiger Gedanke, wie ich zugeben muss. Aber es passt zu meinem Baumhoroskop als "Buche".

Al Hakim

 
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RE: feste Offenheit? =)

#14 von momo , 26.06.2011 10:57

Hoi Al Hakim
da kann ich dir zustimmen, wenn du die regeln selbst interpretierst. somit machst du sie ja irgendwie auch zu deinen eigenen und folgst nicht blindlings irgendwelchen vorgaben oder Lehren.
habe heute einen Satz gefunden von Coelho: wenn der Anfänger sich bewusst ist wessen er bedarf, wird er am Ende intelligenter sein als dr zerstreute weise.
Also würde ich sagen dass unser Ziel "fest" sein muss, und der Weg dorthin aber offen. Auf dem Weg lass ich mich führen, aber vom Ziel nicht ver-führen. Oder ich weiss wo ich hin will, aber nicht wie.
gruss momo

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#15 von elHakim , 27.06.2011 20:51

Zitat von momo
habe heute einen Satz gefunden von Coelho: wenn der Anfänger sich bewusst ist wessen er bedarf, wird er am Ende intelligenter sein als dr zerstreute weise.


Wenn der Anfänger weiß, was er braucht, ist er kein Anfänger mehr, sondern ein Meister. Ich halte es aber für richtig und wichtig, ein generelles Ziel zu haben, sonst verliert man sich in überflüssigen Einzelaktionen. Wenn ich das Ziel mir selbst gesetzt habe - und sei es in Überstimmung mit geltenden Normen - werde ich von ihm nicht mehr fremdgesteuert. Wie ich das Ziel erreiche, ist wiederum eine intelligente Aufgabe. Hier muss man auch unübliche Pfade im Auge behalten. Diese Freiheit in der Wahl der Mittel macht Freude und bedeutet "Entwicklung".
Al Hakim

 
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