RE: feste Offenheit? =)

#16 von Sinnion , 28.06.2011 22:30

Ich würde gerne noch eine Anmerkung zum Thema Bewusstheit machen:

Um spirituelle Arroganz zu vermeiden, könnte es hilfreich sein (auch wenn es unangenehm ist, weil ich mich ja gerne als "weiter" als "die Anderen" erlebe), sich daran zu Erinnern, dass das Unbewusste nie vollständig ans Bewusstsein angeschlossen werden kann (na gut, Buddhas und andere Erleuchtete nehme ich mal aus , aber der konnte sich ja immerhin an die Entstehung und Vernichtung mehrerer Universen (?) erinnern ). Wir sind also, auch wenn wir tiefer geblickt haben als Andere (was wir in der Regel nicht wissen können) dann nicht einfach die "Bewussten" versus die "Unbewussten", sondern vielleicht "die-ein-bisschen-Bewussteren".
Wie C.G. Jung sinngemäß mit (Schweizer Akzent) schreibt: Über das Unbewusste kann ich nichts sagen, sonst wäre es ja nicht unbewusst...". Für ihn war die Psyche etwas so gewaltig großes, dass das Bewusstsein davon immer nur ein Ausschnitt sein konnte.

Meistens wird mir das bewusster, wenn ich Opfer spiritueller Arroganz werde oder sie bei den Anderen (im Vergleich dazu, wenn ich in einem Anfall von Größenwahn denke, weiter als meine Mitmenschen zu sein , da merken es wohl eher die Anderen.. ). Ein Beispiel dazu:
Ich war auf einem Seminar zu (Core)-Schamanischem Heilen, Thema Naturgeister. Wir unternahmen mehrere Reisen in der Gruppe, darunter eine Teilnehmerin, die sich nur allzu "bewusst" war, dass sie schon sehr viele Seminare besucht hatte, was sie in ihrer Wahrnehmmung zu einer Expertin machte. Wenn sie von ihren Erfahrungen berichtete, sagte sie immer: "Wisst ihr, die Geister haben gesagt, dass die Menschen..." dieses und jenes falsch gemacht hätten usw. Diese Verallgemeinerung von ihr auf "die Menschen" hat mich sehr irritiert, ging es doch um unsere persönlichen Erfahrungen. Außerdem schien damit eine Haltung verknüpft zu sein, in der sie sich außerhalb der Menschheit stellte, die sie als noch nicht so weit wie sie selbst ansah.
Ich würde dafür plädieren, dass wir da, wo wir uns spirituell "weiter" wahrnehmen als die Anderen, uns selbst sehr genau beobachten, woher dieses Bedürfnis kommt und spirituelle Arroganz zu vermeiden versuchen, weil sie uns von unseren Mitmenschen absondert.

Wenn wir wirklich weiter entwickelt sind, als unser Umfeld, können wir das vielleicht daran merken, dass es uns geht wie als Erwachsene mit Kindern? Wir sehen, wohin sie sich entwickeln können und werden und empfinden Liebe für sie, ohne uns abzusondern oder sonderlich überlegen zu fühlen. Was sagen die Aderen Diskutierer dazu?

Grüße
Johannes

 
Sinnion
Besucher
Beiträge: 62
Registriert am: 01.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#17 von momo , 29.06.2011 19:15

Das mit den Erwachsenen und Kindern finde ich ein gutes Beispiel. Aber weiss denn ein Erwachsener wirklich wohin sich ein Kind entwickeln kann oder wird? Weiss ein Erwachsener wirklich mehr als ein Kind in dieser Hinsicht? Ich glaube wenn du das Kind liebst möchtest du ihm helfen seinen eigenen Weg zu finden , und den kennt es allein. Ich glaube das ist wieder die Offenheit die hier vorausgesetzt wird, die Offenheit dem Kind gegenüber, das Vertrauen dem Kind gegenüber. Und im Gegenzug steht wieder die Festigkeit, dass wir das Beste für das Kind wollen.
Ich glaube auch wir können viel von Kindern lernen...
gruss momo

momo  
momo
Besucher
Beiträge: 73
Registriert am: 01.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#18 von elHakim , 29.06.2011 23:56

Hallo Sinnion/Johannes,
ich finde dein letztes Statement richtig gut. Das Problem ist, dass der Mensch gerne in Kategorien "besser-schlechter" denkt. Wenn ich etwas für besser halte, werte ich dadurch denjenigen, der anders denkt, ab. Davon will ich mich nicht ausschließen. Das Dumme ist nur, dass der andere mich mit dem gleichen Recht für "spinnert" halten kann, weil er einem anderen Wertemaßstab folgt. Wer hat jetzt "rechter"? In diesem Forum bewegen wir uns unter Gleichgesinnten und können daher leicht dahin abrutschen, den, der nicht in unserem Sinne bewusst ist, als kindlich oder inferior zu bezeichnen. Diese Einstellung hat es übrigens zuletzt im Zeitalter des Hochimperialismus gegeben. Sie war eine Triebfeder für den Erwerb unnützer Kolonien. Lassen wir es daher zu, dass uns derjenige, der nicht den Status unseres Bewusstseins erlangt hat, deswegen noch lange nicht doof ist, sondern möglicherweise seinem eigenen Schema, das genauso legitim ist, folgt.

Al Hakim

 
elHakim
Beiträge: 647
Registriert am: 09.08.2010


RE: feste Offenheit? =)

#19 von Shade ( Gast ) , 30.06.2011 23:26

Hallo Johannes,

Stellt sich die Frage nach dem 'spirituell weiter wahrnehmen' überhaupt, wenn man sich bewusst ist, dass JEDER genau da ist, wo er in SEINER Entwicklung hingehört?

Persönlich verstehe ich die Sichtweise nicht.

Zweifelnde Grüsse


Shade

Shade

RE: feste Offenheit? =)

#20 von Sinnion , 03.07.2011 22:58

Liebe Shade,
ich denke ich kann dir von ganzem Herzen zustimmen . Mein Beitrag richtete sich auf die Gefahr der spirituellen Arroganz, wenn man beginnt sich pauschal als jemand Bewusstes versus "die Unbewussten wahrzunehmen". Die Kindmetapher brachte nicht eine andere oder meine Sichtweise zum Ausdruck sondern sollte dazu dienen, zu zeigen dass das Bedürfnis nach wertenden Vergleichen eigentlich aufhören müsste, wenn wir wirklich spirituell fortgeschritten sind (wovon ich mich ausnehme). So stelle ich es mir jedenfalls vor: So lange ich noch das Bedürfnis habe mich in dieser Form zu messen, bin ich noch mit meiner Identität beschäftigt. Und obwohl ich bestimmte Dinge besser kann als meine Kinder, käme ich nicht auf die Idee, mich derart mit ihnen zu vergleichen, weil ich ja weiß, dass sie mich ohnehin überholen werden und noch im Wachstum sind. Statt dem Bedürfnis sich zu Vergleichen empfinden doch die meisten eher Liebe für ihre Kinder (hoffe ich zumindest).
Merh fällt mir dazu nicht ein.

Herzliche Grüße

Johannes

 
Sinnion
Besucher
Beiträge: 62
Registriert am: 01.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#21 von Sinnion , 03.07.2011 23:11

Lieber Al Hakim,

ich kann deinen Ausführungen nur Zustimmen. Interessant finde ich auch die von dir eingebrachte historische Perspektive, eine echte Bereicherung! Der Kolonialismus könnte unter anderem auch auf dem christlichen Gedankengut des "macht euch die ERde untertan" (was sicher ursprünglich anders gemeint war?) basieren. Spannend finde ich, wie allmählich der Ethnozentrismus überwunden wird, der zum Beginn der großen Nationen sicherlich auch der Identitätsbildung diente (und dient). Was hältst du davon?

Liebe Momo,

ich würde sagen der/die Erwachsene weiß es, wo sich das Kind hin entwickeln wird, und zugleich weiß er es nicht. Wir wissen, dass Kinder genährt und versorgt werden müssen, wir bringen ihnen sprechen bei, oder sie lernen es von uns usw. Wir waren alle selbst Kinder, anders wird man ja nicht erwachsen, und wir sind mit vielen Menschen zusammen, die es auch mal waren. Insofern wissen wir viel Kollektives.
Was der individuelle Lebenszweck dieses einen Kindes sein wird, erfahren wir vielleicht mit ihm gemeinsam, wenn wir es so begleiten, wie ich es gerne mit meinen Kindern schaffen würde. Trotzdem erkenne ich an, dass mit Kindern eine "einseitige Umfassung" besteht, wie Martin Buber es in der Dialogphilosophie ausdrückt. Das beinhaltet zum Beispiel, dass ich mich auf ein Kind einstellen kann, dies umgekehrt aber noch nicht gleichermaßen wie von einem Erwachsenen erwarten kann.

Grüße

Johannes

 
Sinnion
Besucher
Beiträge: 62
Registriert am: 01.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#22 von puekaw , 06.07.2011 13:44

So, bin wieder zurück aus der Ostsee. War schön . =)

@Shade: Ja, warum fragst du dich? Es geht nicht um das Finger rumzeigen, lediglich um einen Hinweis.
Und derjenige, der den Hinweis mitbekommen hat, der kann immer entscheiden, ob oder. =) Und
gerade davon rede ich auch, dass das Lustige daran ist, dass wir immer voneinander "abhängig" sind und
jedoch nicht immer voneinander "abhängig" sind. Also von den Entscheidungen sind wir abhängig und jedoch
nicht abhängig. Wie kommen wir überhaupt in den Fluss? Und gerade jetzt, wo wir jetzt zusammen darüber
schreiben, fliesst was zusammen und jedoch kommen unterschiedliche Konglomeraten mit, alles der Entscheidungen
nach. Miteinfliessen oder nicht? Und jedoch ist es entscheidend, dass wir mitfliessen. =D =D =D

Schwierig wirds, dass manche Leute sehen können, dass manche Leute "unbewusst" sein wollen vor Furcht.
Aus der Position eines Erkenntnisses. Ohne zu urteilen. Ganz schlicht durch das urteillose Schauen.
Was machen? Leben und leben lassen, oder doch nicht? Weil aus dem Gegenwart heraus ja die Zukunft gebildet wird.

Und da schreibst du ja treffend: "hängt von uns selbst ab." Ich möchte darauf betonen: SELBST.
Also sei selbst. Das wars eigentlich. Schauen wir nun weiter: Spiegel... Selbstzerrung oder Selbst? Et cetera.

Der Kerngedanke ist: Alles ist so paradox und doch so geordnet ohne Widerspruch. Und gleichzeitig die Fragestellung
über die Herausforderung des Menschseins inmitten der Menschheit, das von der geistigen Kraft herrührt. Was hat das nun
zu bedeuten? Da komme ich zurück zu "Ja, warum fragst du dich?"...


"Stellt sich die Frage nach dem 'spirituell weiter wahrnehmen' überhaupt, wenn man sich bewusst ist, dass JEDER genau da ist, wo er in SEINER Entwicklung hingehört?

Persönlich verstehe ich die Sichtweise nicht."

Faszination, das ist die Sichtweise. Staunen ist ja eine Eigenschaft der Kinder.
Ich bin auch der Meinung, dass JEDER genau da ist, wo er in SEINER Entwicklung hingehört.

Wozu noch Zweifel?

Hm...
@Sinnion: Genau, die Leute, die weiter sind, sind schlicht Leute, die der Sehnsucht nach streben. Ganz natürlich danach streben. Wunderbar ist auch, dass bei der Strebsamkeit nach "oben" Fallen aufgebaut sind, so dass der Hochmütige/der Arrogante vom hohen Ross fällt. Ist das nicht wunderbar? Dass überhaupt Fallen bereits vorhanden sind, obwohl der Bewusste sich ins Unbekannte bestrebt.

@Momo: Momo wie die unendliche Geschichte. =) Kinder in einer unendlichen Geschichte.

@ElHakim: Deine Aussage "schlechter-besser" ist klar. Nur wie lässt es sich mit dem Hand aufs Feuer erklären?
Also, Hand aufs Feuer, das ist schlecht, besser ist Hand nicht aufs Feuer zu legen. Verstehst du, was ich meine?

puekaw  
puekaw
Besucher
Beiträge: 26
Registriert am: 13.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#23 von Shade ( Gast ) , 06.07.2011 21:12

Hallo Puekaw

Nein, ich frage mich nicht 'warum'. Es gibt keinen Grund dazu.

Es ist und bleibt immer derselbe Punkt: Wer dürfe denn Hinweise geben, wenn sie nicht dazu dienen, sich selbst anzustupsen.


Gruss

Shade

Shade

RE: feste Offenheit? =)

#24 von puekaw , 08.07.2011 10:47

@Shade:

"Und da schreibst du ja treffend: "hängt von uns selbst ab." Ich möchte darauf betonen: SELBST.
Also sei selbst. Das wars eigentlich. Schauen wir nun weiter: Spiegel... Selbstzerrung oder Selbst? Et cetera.

Der Kerngedanke ist: Alles ist so paradox und doch so geordnet ohne Widerspruch. Und gleichzeitig die Fragestellung
über die Herausforderung des Menschseins inmitten der Menschheit, das von der geistigen Kraft herrührt. Was hat das nun
zu bedeuten? Da komme ich zurück zu "Ja, warum fragst du dich?""

In so etwa wie dies übersetzt: Ja, warum stupst du dich an?
Einst sagte ein Mann: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen."

Zweifach paradox und komplex jedoch klar und einfach, das Leben auf der Erde.

puekaw  
puekaw
Besucher
Beiträge: 26
Registriert am: 13.06.2011


RE: feste Offenheit? =)

#25 von elHakim , 08.07.2011 17:41

Zitat von puekaw

Da komme ich zurück zu "Ja, warum fragst du dich?""
In so etwa wie dies übersetzt: Ja, warum stupst du dich an?
Einst sagte ein Mann: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen."
Zweifach paradox und komplex jedoch klar und einfach, das Leben auf der Erde.



Ich glaube, der Mann sagte: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" und wollte damit vor "falschen Propheten" warnen. Früchte würde auch besser passen, den sie sind das Ergebnis irgendwelcher Taten. Viele tun etwas, aber es kommt nichts dabei heraus. So lässt sich das Paradoxon auflösen: Wer die Dinge - und sich selber - hinterfragt, erzeugt mehr Output als derjenige, der schlicht (re)agiert. Jede neu gewonnene Idee/Einsicht erfreut mich. Deswegen frage ich mich!

Al Hakim

 
elHakim
Beiträge: 647
Registriert am: 09.08.2010


RE: feste Offenheit? =)

#26 von Shade ( Gast ) , 09.07.2011 13:15

Hallo Puekaw

ZITAT: Zweifach paradox und komplex jedoch klar und einfach, das Leben auf der Erde

DAS unterschreibe ich genau so


Und hallo El Hakim

Nun, vielleicht sagte auch ein Mann, man solle sie an ihren Taten erkennen.
Falsch ist das ja nicht

Schmunzelnde Grüsse

Shade

Shade

RE: feste Offenheit? =)

#27 von elHakim , 10.07.2011 00:57

Zitat von puekaw
@Shade:
Zweifach paradox und komplex jedoch klar und einfach, das Leben auf der Erde.



Gefühlsmäßig kann das Leben auf der Erde nicht klar und einfach sein. Und obwohl ich seit einiger Zeit auf meinem Lieblingsstein (Malachit) herumkaue, fällt mir kein Argument dagegen ein. Wahrscheinlich taugt der Stein nichts...

Al Hakim

 
elHakim
Beiträge: 647
Registriert am: 09.08.2010


RE: feste Offenheit? =)

#28 von Fingayin , 10.07.2011 02:01

Vieleicht ist das nicht die richtige Frage für Deinen Stein.
Oder Du hast sie vieleicht falsch formuliert.

 
Fingayin
Besucher
Beiträge: 2.737
Registriert am: 14.08.2009


RE: feste Offenheit? =)

#29 von Esme , 10.07.2011 07:02

Zitat von Fingayin
Vieleicht ist das nicht die richtige Frage für Deinen Stein.
Oder Du hast sie vieleicht falsch formuliert.



So ähnlich sehe ich das auch, der Stein kann nichts dafür, das du keine Antwort findest.
Das Leben auf der Erde ist meines Erachtens klar und einfach, umständlich wird es erst durch die Menschen, denn: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht...

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


RE: feste Offenheit? =)

#30 von elHakim , 10.07.2011 13:59

Zitat von Esme

Das Leben auf der Erde ist meines Erachtens klar und einfach, umständlich wird es erst durch die Menschen, denn: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht...


Hallo Esme,

Diesmal war es ein Lapiz, der mir zuflüsterte, dass nicht das Leben auf der Erde kompliziert ist, sondern das Leben als solches selbst. Es scheint so, dass der Mensch durch seine besondere Befähigung, Lebensvorgänge teilweise verstehen zu können, sich dieses Dasein auf der Erde künstlich erschwert. Ein Baum denkt nicht darüber nach (soweit ich weiß), warum er auf der Erde ist, er ist es einfach. Das Problem des Menschen ist, dass er versucht, seine mageren Erkenntnisse gleich wieder zur Einflussnahme zu gebrauchen. Dabei kann derzeit keiner überschauen, was er verstellt, wenn er an einem kleinen Rädchen im Räderwerk der Natur dreht. Dieses Nichtwissen von Regelmechanismen der Natur ist m.E. das Hauptproblem der Ökologie. Diese Natur verstehen zu wollen ist für mich genauso un-verständlich wie die philosophische Frage, wohin sich das All denn ausdehnt, wenn doch dahinter nichts mehr ist.

Zur geistigen Erbauung werde ich jetzt erst einmal in Deutschlands Südwesten aufbrechen. Es lebe der Stau!

Al Hakim

 
elHakim
Beiträge: 647
Registriert am: 09.08.2010


   


Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de