Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#1 von Serpentia , 08.06.2011 12:58

Diesen Beitrag von Angelika habe ich hier aus einem anderen Thread reinkopiert und hoffe, der Zusammenhang ist noch verständlich.

Hallo Urs,
und auch von mir noch ein ganz herzliches Willkommen und Dankeschön für das interessante Thema!

Und hallo Leute -
ich gehe selbstverständlich davon aus, dass sich hier niemand rumtreibt, der Kartoffelschälen und Regaleaufbauen (noch) als typischer Weise bestimmten Geschlechtern zugeordneten Arbeiten sieht.
Und ich gehe auch davon aus, dass Druiden im allgemeinen so "modern" und "tolerant" sind, dass ihnen Homosexualität mindestens insofern persönlich bekannt ist, dass sie den/die Einen oder die Andere zum Bekanntenkreis zählt.

Aber ich finde, das Thema ist so bedeutsam und komplex, dass es differenziertere und tiefschichtigere Reflexionen und Antworten verdient.

Gerade unter naturreligiöser Betrachtung ist es interessant, wie wir alle und jede/r Einzelne wirklich mit solchen Fragen umgehen - jenseits von Friede-Freude-piep-piep-piep-Toleranz.

Nur mal 2 Beispiele, die mir gerade einfallen:
Die Drag-Queen: Zelebriert sie den Kult der weiblichen Göttin? Oder persifliert sie diesen? Oder demütigt sie die Gottheit, indem sie sie auf äußere Tribute reduziert?
Oder das lesbische Paar: Ignoriert es das weibliche Prinzip und dient dem männlichen? Oder umgekehrt?

Wie funktioniert die Heilige Hochzeit, wie funktioniert Wertschätzung gegenüber dem eigenen und dem anderen Geschlecht in der "moderenen" Welt, in der Welt der Druiden? Wie funktioniert die Integration von männlichem und weiblichem Prinzip nicht nur in der Theorie, sondern auf der banalen irdischen Alltagsebene?

Ich hoffe, es versteht mich niemand falsch - ich äußere hier keine Meinung, sondern stelle Fragen!!!

Es war scheinbar alles recht einfach und klar in den Zeiten der sexuellen Revolution.
Heute, und zwar zunehmend mehr, je mehr ich mich mit Naturspiritualität befasse, stellen sich mir immer mehr Fragen, die ich mir selbst immer schlechter beantworten kann.
Geht es jemandem ähnlich?

Angelika

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#2 von Urs , 14.06.2011 19:02

Ich hatte ja darauf gehofft, dass sich in den freien Tagen mal jemensch traut, sich zu dem - wie ich finde - spannenden Thema zu äußern. Naja, dann diskutieren wir das aus, Angelika .

Zitat von Serpentia
... ich gehe selbstverständlich davon aus, dass sich hier niemand rumtreibt, der Kartoffelschälen und Regaleaufbauen (noch) als typischer Weise bestimmten Geschlechtern zugeordneten Arbeiten sieht....



Da niemensch was schreibt, weiß ich nicht, wie es in Heidenkreisen ist, aber in der gezähmten Welt machen sich die Leute imho wenig Gedanken darum. Mutti kocht halt und Vati mäht den Rasen.
Psychologische Studien zeigen, dass wir aufgrund unserer Sozialisation schon im Kleinkindalter Mädchen und Jungen tatsächlich immer noch unterschiedlich behandeln, kleiden und fördern. Ein Beispiel: Kleinstkinder, die in Tragetüchern vor dem Bauch von Mutter oder Vater getragen werden, werden (idR unbewusst) gemäß ihrem Geschlecht herumgetragen; idR werden Jungen mit dem Gesicht nach Vorne, der Welt zugewandt und Mädchen mit dem Gsicht zum/zur Tragenden, also abgewandt, getragen. Das macht eine ganze Menge mit der Entwicklung eines Kleinstkindes im Bezug auf die Anlagen zur Informationsverarbeitung und das Zugehen-Können auf neue Situationen. Noch immer werden Mädchen, die in der Schule als "laut und wild" wahrgenommen werden schlechter benotet, als "sittsame" Geschlechtsgenossinnen (genauso, wie es statistisch erwiesen ist, dass unabhängig von der Leistung schöne Mädchen bessere Noten bekommen als weniger schöne und Kinder aus "gutem Hause" bessere als diejenigen aus "sozial herausgeforderten" Elternhäusern) - wobei das gleiche Maß an Lautstärke und Wildheit bei Jungs gern gesehen ist oder zumindest toleriert wird. Ich will jetzt nicht ins Schwafeln kommen ... schaut Euch bei der nächsten Fahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln einfach mal um, wie Männer und Frauen sich in der Öffentlichkeit bewegen. Ich kann jetzt schon sagen, es wird sichtbar, dass Männer idR mit erhobenem Kopf, den Blick geradeaus ihren Weg gehen und Frauen idR mit niedergeschlagenen Augen unterwegs sind und dafür sorgen, dass es nicht zu zusammenstößen kommt, mit denen, die ihren Weg gehen .. sie weichen aus, treten zur Seite, lassen durch. Männer ziehen in solchen Situationen idR maximal mal den Arm ein, nehmen die Schulter zur Seite. Dieser Alltag macht natürlich etwas mit den Menschen und ihrem sonstigen Sozialverhalten und vice versa, ist klar. Spaßfaktor: Sich mal nicht geschlechtskonform verhalten [so man denn für (beinahe) Zusammenstöße Zeit und Nerven hat] .

Zitat von Serpentia
Nur mal 2 Beispiele, die mir gerade einfallen:
Die Drag-Queen: Zelebriert sie den Kult der weiblichen Göttin? Oder persifliert sie diesen? Oder demütigt sie die Gottheit, indem sie sie auf äußere Tribute reduziert?
Oder das lesbische Paar: Ignoriert es das weibliche Prinzip und dient dem männlichen? Oder umgekehrt?



Eine Queen spielt mit Rollenklischees, spielt mit Weiblichkeit und in meiner Glaubenswelt hat die Göttin ihre Freude daran; denn hier wird Weiblichkeit nicht als selbstverständlich oder gar reduziert auf Tätigkeiten oder eine Rolle "hingenommen" .. hier wird Weiblichkeit ersehnt und zelebriert, als Selbstzweck in den Mittelpunkt gestellt, gespiegelt und gefeiert. Für den Kult des Männlichen gilt das imho ebenso für Dragkings. Auch Lesben und Schwule haben sich idR (gezwungenermaßen) aufgrund der ..*eindampf*.. nicht-so-einfach-Umstände intensiv(er) mit ihrem Sein als Mann oder Frau auseinandergesetzt. Was vielleicht zu einer leichteren Annahme der Schönheit beider Aspekte im Mensch-Sein führen kann ... naja, eine These, evtl. ist da auch der Wunsch der Vater des Gedanken (böse verallgemeinert: Lesben haben jedenfalls eher nix gegen laute Frauen und Schwule wenig Probleme mit kreischbunten Tunten ). Ich kenne etwa gleich viele Heteros und Homos diverser Geschlechter, dabei sind die spirituell Aktiven weitaus häufiger auch Homos (dazu kenne ich mal keine Studie - ist bloß eine private Beobachtung). Okay, bisher. Das Forum lerne ich ja gerade erst kennen und ich lasse meine Skala gerne kippen.

Zitat von Serpentia
Wie funktioniert die Heilige Hochzeit, wie funktioniert Wertschätzung gegenüber dem eigenen und dem anderen Geschlecht in der "moderenen" Welt, in der Welt der Druiden? Wie funktioniert die Integration von männlichem und weiblichem Prinzip nicht nur in der Theorie, sondern auf der banalen irdischen Alltagsebene?



Das wüßte ich ja nun auch gerne.
Meine bisher einzige Quelle bezüglich spiritueller Gemeinschaften und nicht-heteronormativen Menschen bezieht sich auf die two-spirit-people in vielen - aber nicht allen - nordamerikanischen und canadischen First-Nation-Völkern -> vor dem Einfall der christlichen Europäer, natürlich.
"Our Elders tell us of people who were gifted among all beings because they carried two spirits, that of male and female. It is told that women engaged in tribal warfare and married other women, as there were men who married other men. These individuals were looked upon as a third and fourth gender in many cases and in almost all cultures they were honoured and revered. Two-spirit people were often the visionaries, the healers, the medicine people, the nannies of orphans, the care givers." (Will Roscoe 1988)


So. Stelle ich jetzt einfach mal in den Raum und harre.

Herzlichen Gruß aus der Mitte
Urs

*Edit: Fehlerteufel

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#3 von elHakim , 14.06.2011 21:19

Hallo Leute!

Die Diskussion um männlich und weiblich wird schon dadurch erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht, dass jeder der Begriffe traditionell und erziehungsmäßig mit bestimmten Features behaftet ist, so wie niemand mit dem Begriff "Wasserfall" eine Tasse Pfefferminztee assoziieren wird. Wesentlich wäre es, sie als bestimmte, mehr oder minder kompatible Eigenschaften anzusehen, so wie die Farben "rot" und "blau" oder "fest" und "weich". Was also wäre eine weibliche oder eine männliche Eigenschaft? Dass es spezifische Eigenschaften geben muss, steht für mich fest, so wie ich in den Farben unterschiedliche Wellenlängen ausmachen kann.
Wer als Druide die Dualität der Dinge und Vorgänge akzeptiert, weiß, dass die beiden Prinzipien in ihrer Reinstform nicht realiter vorkommen. Wir haben es immer mit einer Mischung zu tun. Das entspricht naturwissenschaftlichen Gesetzen, nach denen Extreme zwar mathematisch beschreibbar sind, aber in der Natur nicht vorkommen.
Wenn ich jetzt vermute, dass Extreme nicht existieren, ist die Rolle der Queen nicht als idealweibliches Prinzip oder eine Persiflage darauf zu verstehen, sondern das Produkt aus beiden Komponenten. Wie diese Komponenten ausgestaltet sind, mag jeder für sich entscheiden. Daher wird es auch nie eine allumfassend richtige Antwort geben. Jede Lösung, die die Dualität beachtet, ist (für die betreffende Person) richtig. Daraus ergibt sich die praktische Folgerung, dass ich die jeweils angebotene Lösung als richtig würdigen muss. Eine solche Anschauung verhilft zu friedlichen Debatten, bei denen es somit nur (neudeutsch) win-win-Situationen geben kann.

Aus dem Rhein-Neckar-Raum grüßt

ElHakim

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#4 von Ceridwen , 15.06.2011 05:55

Für mich ist das denken in Schubladen.In meiner Umgebung tapezieren Frauen ,mähen den Rasen und nehmen die Motorsäge auch selbst in die Hand.
Auf einer Ahnenreise bin ich der Urfrau begegnet, die mich erleben lies, was es wirklich heißt eine Frau zu sein.Und dabei habe ich festgestellt, das ich dafür nicht mal Worte kannte.So sehr sind wir davon abgeschnitten.

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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#5 von Serpentia , 15.06.2011 09:04

Zitat
Für mich ist das denken in Schubladen.In meiner Umgebung tapezieren Frauen ,mähen den Rasen und nehmen die Motorsäge auch selbst in die Hand.



Ich zum Beispiel *lach*, aber darum geht es hier ja nicht. Mich würde interessieren, wo - abgesehen von biologischen Unterschieden - wir denn jetzt jenseits des anerzogenen, gesellschaftsbedingten Rollenverständnisses denn wirkliche Unterschiede finden zwischen "weiblich" und "männlich".

Interssanterweise hatte ich das Thema bei meiner Drachenreise auf dem Dryade Camp - und der Mann mir gegenüber auch. Und als er davon sprach, wie schwer es sei, aus einer starken männlichen Konditionierung auszubrechen und die "weibliche" Seite anzunehmen, meinte ich nur, dafür muß man kein Mann sein, um das Problem zu haben.

Vielleicht liegt das Geheimnis ja im Überwinden der Trennung zwischen "weiblich" und "männlich" und im Annehmen des "Menschlich" bzw. des "Ich"?

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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#6 von elHakim , 15.06.2011 20:36

Ich möchte die Praxis in einer klassischen Triade vorstellen:

3 Dinge fördern die Integration: Die Klarheit der Rede, das Ertragen von Fremdem und die Freude auf etwas Neues.
Zur Klarheit der Rede vermeide Begriffe, die sofort trennende Assoziationen mit sich führen. Statt "Mutter Erde" sprich von "Erde", um bestimmte Kraftmuster zu beschreiben. Ertrage, dass andere Menschen anders sind und erkenne die Unterschiede zu deiner Natur. Zugleich freue dich, so etwas Fremdes erfahren zu dürfen.

Ich muss mich also auf eine Art Experiment einlassen, das, wie jeder Versuch, auch schief gehen kann. Wer aber den anderen offen begegnet, wird selten enttäuscht. Jedoch bedeutet nicht jeder neue Kontakt ein "Awen", so wenig wie es Dauertreffer im Lotto gibt. Sie kommen aber vor.

May there be peace with you.

ElHakim

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#7 von angelikaherchenbach , 15.06.2011 22:35

elHakim hat geschrieben:

Statt "Mutter Erde" sprich von "Erde", um bestimmte Kraftmuster zu beschreiben.

Und genau da sind wir am Punkt!

Warum?
Warum sollen wir die Erde nicht Mutter nennen?

"Die" Erde hat - biologisch gesehen - kein Geschlecht. Aber mit der Mütterlichkeit schreiben wir ihr weibliche Symbolik zu.
Und das ist ja keine Erfindung von uns, von heute, sondern alt und tradiert.
Natürlich wissen wir nicht seit wann.

Aber es stellt sich (mir) die Frage, ob diese archetypischen Zuschreibungen von Energien nicht universell sind, unabhängig von heutigen patriarchalisch-kapitalistischen Klischees.

Ich denke, wir müssen aufpassen und sehr fein differenzieren - und das ist nicht immer leicht. Es gilt, von den stereotypen Rollenzuschreibungen wegzukommen, aber nicht, in das gegenteilige Extrem zu fallen im Sinne von "alles egal", alles gleich, alles eins, alles easy.

Es GIBT Männliches und Weibliches in der Biologie.
Und es gibt es im sozial-historischen Kontext.
Und meiner Meinung nach gibt es es auch im Spirituellen.

Entscheidend ist, das eine nicht mit dem anderen gleichzusetzen - aber auch, es nicht zu verwechseln.

Und erst, wenn wir das wirklich können, können wir meiner Meinung nach über Ausdifferenzierungen in den Zwischentönen wirklich urteilen.

Vor 20-30 Jahren dachte ich, "wir" hätten das erreicht.
Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Angelika

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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#8 von Ceridwen , 16.06.2011 04:39

Was mir auffällt ist, das Frauen anscheinend einen einfacherern Zugang zur Spiritualität haben.Sich aber schwer damit tun, ihre männliche Seite anzunehmen.Mäner, die ihre weibliche Seite annehmen wirken auf uns "schwul".
Das was eine Frau wirklich ausmacht, dafür haben wir, nachdem wir über viele Jahrhunderte etwas anders eingetrichtert bekamen, einfach keine Worte mehr.

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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#9 von teroon , 16.06.2011 16:33

Zitat
ich gehe selbstverständlich davon aus, dass sich hier niemand rumtreibt, der Kartoffelschälen und Regaleaufbauen (noch) als typischer Weise bestimmten Geschlechtern zugeordneten Arbeiten sieht.


Grundsätzlich könnte man natürlich auch sagen, dass schon die Auswahl dieser Beispiele dazu führt das heteronomative Prinzip weiter zu stärken
In jedem Fall zeigt es jedoch, dass wir uns unterbewusst eben noch nicht von diesen Vorstellungen getrennt haben und diese uns immer noch beeinflussen. Was ich in diesem Zusammenhang auch immer schwierig finde ist, dass man sich zwar intellektuell von diesen Vorstellungen distanziert hat, diese aber emotional durchaus noch wirksam sind.
Ein weiterer Punkt wäre zudem, dass ein Kernaspekt des Verselbstverständlichungsprozesses des Heteronormativitätsprinzips darin besteht, dass es unseren Alltag vereinfacht indem es klare Richtlinien liefert (wie eigentlich jede Form von Schubladendenken).

Zum Thema Kindererziehung in diesem Zusammenhang:
Hier stellt sich wieder die Frage woran diese Verhaltensweisen liegen. Trage ich das Mädchen mir zugewandt und den Jungen der Welt zugewandt, weil es den tradiotionellen Vorstellungen entspricht oder weil die die Kinder dann weniger oft weinen. Für viele Fragen in diesem Bereich gibt es inzwischen Antworten aus der Wissenschaft für andere leider noch nicht.
Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach aber genauso fatal komplett zu verneinen, dass es biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Ein weiterer Aspekt in diesem Bereich ist die Tatsache, dass Kinder sich in gewisser Weise immer an ihren Eltern orientieren und man diesen, bzw. grundsätzlich niemandem, vorschreiben kann wie er seine Beziehung und sein Leben organisiert. Außerdem denke ich, dass Kinder zu einem gewissen Grad Rollenbilder für ihre Entwicklung benötigen, die natürlich nicht so aussehen müssen wie das seit Jahren der Fall war.

Aber zurück zum eigentlichen Thema:

Zitat
Die Drag-Queen: Zelebriert sie den Kult der weiblichen Göttin? Oder persifliert sie diesen?


Ich denke, dass man diese Frage nicht eindeutig beantworten kann, da es meiner Ansicht nach hier von der individuellen Einstellung der jeweiligen Person abhängt. Wenn man eine allgemeine Aussage machen wollte landet man sehr schnell wieder im Bereich von Klisches.

Zitat
Oder demütigt sie die Gottheit, indem sie sie auf äußere Tribute reduziert?


Ich würde hier grundsätzlich sagen, dass es dann eher ein zelebrieren eines Teilaspektes und keine Demütigung wäre. Grundsätzlich ist es sowieso in den seltensten Fällen möglich alle Aspekte gleichzeitig zu ehren.

Männliches Prinzip?
Interessant in diesem Zusammenhang wäre natürlich auch wie das männliche Prinzip überhaupt aussieht. Man findet relativ viel zum Thema weibliches Prinzip und weibliche Eigenschaften, aber zum männlichem Gegenpart relativ wenig.
Dies ist auch generell ein gesellschaftliches Problem mit dem Männer zu kämpfen haben (was natürlich die selben Probleme bei Frauen nicht ausschließt, bevor mir jemand Einseitigkeit vorwirft ). Als Mann ist es heutzetage relativ schwer Orientierungspunkt für sein männliches Selbstverständnis zu finden. Die "traditionellen" Männlichkeitsideale sind größtenteils gesellschaftlich nicht mehr erwünscht, "weibliche" Kompetenzen werden in der Wirtschaft auch von Männern verlangt, Einfühlsamkeit in Beziehungen, gleichzeitig ist ein "männlicher" Körperbau wünschenswert ...
Im Wesentlichen also ein Mischmasch aus teilweise widersprüchlichen Anforderungen.

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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#10 von Sinnion , 16.06.2011 17:14

Ein paar Gedanken dazu:

Ich finde, es ist wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass mit männlichem und weiblichem Prinzip KEINE Biologismen gemeint sein sollten, sonst ist man schnell wieder bei der traditionellen patriarchalischen Rollenverteilung und ähnlichen Unterdrückungsphilosophien. Gemeint sein "sollten" meinerAnsicht nach intrapsychische (Psyche seehr weit gefasst) Polaritäten.
Damit trage ich sowohl das Männliche, als auch das Weibliche potenziell in mir, und es ist meine Aufgabe, beides zur Geltung zu bringen und zu differenzieren, um mehr und mehr zu einem Erleben eigener Ganzheit zu finden.
Bestimmte Richtungen, darunter auch glaube ich, Neo-Pagans wie Diane Paxon haben deshalb vorgeschlagen, von aktivem und passivem Prinzip zu sprechen, aber ich finde, dass "männlich" und "weiblich" so tief in der kollektiv-Psyche verankert sind, dass wir nicht vom Kopf her einfach darauf verzichten können. Bei der Bildung dieser archetypischen Erfahrung spielt womöglich auch die Biologie ihre Rolle, aber sicher nicht deterministisch - Männer können vielleicht nicht stillen, aber sicher "mütterliche Funktionen" ausüben wie füttern, Halt und Schutz geben usw.

Persönlich mag ich die Vorstellung von Geschlechterpolaritäten, solange ich nicht biologistisch in eine hineingezwängt werde. Mir gefällt auch die Vorstellung der Sehnsucht nach dem Anderen (viell. auch wesensmäßig) sowohl intrapsychisch wie in Beziehung zu meinen Lieben.

Was Kinder angeht teilen unsere Söhne unsere Rollen noch recht klar zwischen action-Papa und Bindungs-Mama auf, obwohl meine Frau beruflich derzeit wesentlich mehr tut, als ich. Dazu gibts in der Forschung aber auch andere Befunde, wo die Hausmänner dann mehr für Bindungsbedürfnisse usw. bevorzugt werden.

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#11 von elHakim , 24.06.2011 23:07

Hallo Freunde,
ich muss mich vermutlich korrigieren. Kann es sein, dass ihr die Quadratur des Kreises versucht? Natürlich ist auch ein Quadrat endlos, läßt sich aber mathematisch anders berechnen. Ist es daher nötig, überhaupt zwischen weiblichem und männlichem Prinzip zu unterscheiden? Was wäre, wenn beide nebeneinander existierten? Unsere Aufgabe könnte es sein, diese Begriffe mit "Fleisch" zu füllen, ohne in die bekannten Rollenschemata zu verfallen.

Al Hakim

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#12 von Sinnion , 25.06.2011 00:26

Ich hab das Gefühl, dass wir es einfach innerlich immer noch schwer haben sowohl das Weibliche wie das Männliche gleichermaßen wertzuschätzen und deshalb vielleicht dazu neigen die Polarität (also eine aus "Gegensätzen" bestehende Ganzheit) leugnen. Ich teile ElHakims Ansicht, dass beides eines ist. Für mich stellt sich das aber auf einer Ebene dar, auf der ich noch lange nicht angekommen bin: nämlich dann, wenn ich beide Polaritäten in mir anerkannt und integriert habe. Das wäre im spirituellen Sinne eine Form der mystischen Vereinigung. Können wir auf die Unterscheidung verzichten? Ich glaube, dass ich mir das, wegen der täglichen Erfahrungen innere dualistischen Welt nicht ohne weiteres aussuchen kann. Ein Beispiel aus der Genderforschung:
Die für ihre minimalistische Position bekannte genderforscherin Sandra Bem spricht sich dafür aus Kindern beizubringen, dass man Männer und Frauen nur an den Genitalien unterscheiden könne. Man soll also nicht merken können, man es mit einer Frau oder einem Mann zu tun hat, es sei denn, man zieht die Person aus. Woher die Notwendigkeit sich so zu verkrampfen. Ich galube wirklich, weil unsere Kultur das Weibliche noch immer nicht wirklich wertschätzt.
Lg
Johannes

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#13 von elHakim , 25.06.2011 22:49

Sinnion beschreibt zutreffend die Schwierigkeiten, männlich und weiblich zu akzeptieren. Ich denke, die Polarität entspringt einer mangelhaften Definition dessen, was weiblich oder männlich ist. Ich glaube - was Nicht-wissen heißt - das wir hier nur zwei Seiten derselben Medaille betrachten und nicht verstehen können, wieso auf demselben Stück Nickel verschiedene Bildr aufgedruckt sein können.

Al Hakim

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#14 von Urs , 26.06.2011 09:06

Ich glaube ja eher, dass es nicht in "unsere" Köpfe will, dass die Medaille zweimal das Gleiche Bild trägt - oder, um uns gleich noch unsere beschränkten physikalischen Kenntnisse vorzuführen - die Medaille sowieso nur eine Seite hat.

Für mein Empfinden beschreiben und definieren wir in unserer Kultur schon viel zu viel auseinander und glauben, Dinge nur Erkennen / Benennen zu können "in Abgrenzung zu". Genau daran kranken wir - persönlich, als Gesellschaft und global - am Getrennt sein.

Einen schönen Sonntag wünscht
Urs

 
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RE: Integration von männlichem und weiblichem Prinzip

#15 von Moondog , 26.06.2011 10:19

...das ist jetzt mal das "Wort zum Sonntag" Urs!



Liebe Grüsse
von Dagmar

 
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