Verschiedene Glaubenspfade

#1 von Caitlin , 28.11.2010 18:30

Ich bin katholisch aufgewachsen und bin immernoch kritisch und auf der Suche der bzw. meiner Wahrheit. Ich hatte allerdings letztes Wochenende gleich zwei (an 2 versch. Tagen) Begegnungen mit Menschen, die mich sehr zum Nachdenken und wieder etwas näher an "unseren" Gott gebracht haben. Es kam mir so vor, als wären diese Begegnungen nicht zufällig gewesen, eher als da wollte jemand, dass wir auf einandertreffen.
Wie auch immer, auf jedenfall kam mir folgender Gedanke:
Laufen nicht alle Religionen irgendwie auf dasselbe hinaus?
Sicher, die einen haben mehrere Götter, die anderen nur einen, aber vllt sind die vielen Götter nur verschiedene Erscheinungsformen und Personifizierungen des einen Gottes, der Energie, des "spirit"s der uns umgibt und der Schuld ist, dass wir existieren.


Und noch ein Spruch, den ich letztens von wem hörte: "Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Urknall (ohne göttliche Hilfe)die Welt entstanden ist, ist dieselbe, wie die, dass bei einer Explosion einer Druckerei ein Duden entsteht."

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#2 von wanderbenny , 28.11.2010 19:06

Ich habe dazu was Interessantes bei Paramahansa Yogananda, einem indischen Yogi, gelesen. Der hat einen schönen Vergleich mit einer Bergbesteigung aufgestellt, nämlch, dass alle Religionen auf den Berg (das gleiche Ziel, die Rückkehr zu Gott) hinauf wollen, dabei aber nur andere Wege benutzen. Doch ich bin der Meinung, dass die heutigen Religionen, die ihre Auslegung des Glaubens quasi selbst bestimmen (z.B. Christentum, Islam) nur noch auf halber Höhe immer um den Berg herum laufen, ohne einen Meter höher zu kommen.

LG Wanderbenny

 
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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#3 von Rabert , 28.11.2010 19:34

Zitat von Caitlin
Und noch ein Spruch, den ich letztens von wem hörte: "Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Urknall (ohne göttliche Hilfe)die Welt entstanden ist, ist dieselbe, wie die, dass bei einer Explosion einer Druckerei ein Duden entsteht."


Hier müsste sich gleich die Gegenfrage anschließen: "Und wie ist dann dieser Gott entstanden, der diese Explosion gesteuert hat?" Wenn Gott nicht entstehen muss (was in der Regel die Antwort auf diese Frage ist), bedeutet dies schlicht, dass es eine Entität, ein Geschehnis in der Geschichte des Universums gibt, das sich außerhalb der Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung stellt. Wenn es eine gibt, warum dann nicht zwei? Wenn dies für das Eine gelten darf, warum dann nicht für das Andere?

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#4 von Caitlin , 28.11.2010 19:37

Zitat von wanderbenny
Doch ich bin der Meinung, dass die heutigen Religionen, die ihre Auslegung des Glaubens quasi selbst bestimmen (z.B. Christentum, Islam) nur noch auf halber Höhe immer um den Berg herum laufen, ohne einen Meter höher zu kommen.


Das mag stimmen, aber jeder ist ja frei, es besser zu machen und den Weg nach oben für sich zu finden...und nicht blind den Leuten seiner Religion zu glauben, die meinen, sie wüssen ach so gut bescheid, was richtig und falsch ist.

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#5 von Caitlin , 28.11.2010 19:43

@Rabert Warum nicht? Wo wir dann allerdings auch bei einer anderen Frage wären: Wenn es Gott gäbe und keiner an ihn glauben würde, existieren würde er ja dann trotzdem.

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#6 von Rabert , 28.11.2010 20:17

Das ist der Gedanke, den Neil Gaiman in seinem Roman "American Gods" ausspinnt: Götter existieren und leben durch Glauben. Wenn an einen Gott / eine Göttin nicht mehr geglaubt wird, wird er/sie machtlos, depressiv und schwindet.

Wenn ich an einen Teekessel glauben würde, der in einer Umlaufbahn um den Mars kreist, existiert er dann? Es kann niemand beweisen, dass er nicht existiert ...

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#7 von Caitlin , 28.11.2010 20:27

Ja eben, das ist es doch. Man weiß nicht ob der Teekessel existiert, aber er existiert (oder er existiert eben nicht) unabhängig davon, ob man dran glaub oder nicht.

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#8 von Ceridwen , 29.11.2010 05:47

Meiner Meinung nach ist jeder Weg gleich wertvoll.
Jeder geht seinen eigenen, den für ihn richtigen Weg, in dem für ihn richtigen Tempo.
Manchmal verirrt man sich etwas, manchmal hinkt man hinter her oder läuft vor weg um dann eine lange Pause zu machen.
Meine Erfahrung ist, das wir die Hilfe bekommen, die wir brauchen, wenn wir darum bitten.

Als ich meinen Weg gesucht habe, ist etwas seltsames passiert.
ich bin in eine sehr kath Familie geboren, eine Tante ist Nonne, und natürlich sehr kath erzogen.
Und doch habe ich schon immer einiges hinterfragt.
Um mir klar zu werden, welcher Weg der Richtige für mich ist, habe ich unseren Hund genommen undbin zu einem kraftort gewandert, eine "Alte Burg" mitten im Wald.
Auf dem Rückweg runter von der Burg verschwand auf einmal unser Hund.
Er lies sich auch nicht rufen, was ungewöhnlich war.
Kurze Zeit später taus´chte er mit einem mann wieder auf.Der arme Kerl hatte in der Sonne gesessen, ein Buch gelesen und leider, ging bei unserem Hund gar nicht, ein Brot gegessen, das er unserem Hund abgetreten hat.
ich war wirklich froh, das dieser Mann keine Angst vor großen Hunden hatte, er hätte mich auch anzeigen können.
Diesen Mann habe ich vorher und nachher nie wieder gesehen, er wusste nicht warum ich dort war, aber wir haben uns über 3 km nur über das Christentum unterhalten. Danach wusste ich jetzt genau, das ich das nicht weiter gehen kann.

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#9 von Sinaris , 29.11.2010 08:27

Also ich denke nicht, das alle Religionen das selbe vermitteln oder das selbe Ziel haben. Allerdings ist mein Blick auf die meisten Glaubensgemeinschaften und Kirchen auch recht kritisch. Es fällt mir schwer eine Religion nicht an Ihren Anhängern zu bemessen, dann würden einige sicher auch in meinen Augen besser abschneiden...

Der Glaube selbst ist ja Dein eigenes Konstrukt. Ich denke die meisten Menschen, selbst wenn sie offiziell der selben Religion angehören, haben trotzdem einen vollkommen unterschiedlich gelagerten Glauben. Ob alle diese Wege gleich "wertvoll" sind? Es fällt mir schwer da einen Wert festzustellen... Das können wir wohl erst wenn aus Glauben irgendwann Wissen oder zumindest Erkenntnis geworden ist.

Was den Teekessel angeht gibt es da ja viele interessante Abhandlungen darüber... Ich errinere immer gerne an Terry Pratchets Gott des Katzenjammers. Ich denke allerdings, dass das Thema Realität & Co. einen eigenen Thread verdient hätte...

Zu dem Gott an den keiner glaubt... Was ist denn überhaupt ein anhängergebundener Gott? Nur der Anfang? Der Schöpfer? Dann gäbe es ein Problem... Wie konnte sie/er gebähren/schaffen, wenn doch noch niemand da war, der hätte an sie/ihn glauben können? Huhn und Ei.

Zum Urknall... Eine typische Krankheit unserer Wissenschaft ist es, dass oftmals das sichtbare Ereignis an sich genügt... Ich hab keine Probleme damit Urknall und Evolution mit einem Schöpfungs"programm" in einen Kessel zu werfen und mir darus eine plausible MÖGLICHKEIT zu kochen. Da ist es sicher Spannend diese Evolutionstherie mit ein paar Zahlen, nem Biologen und einem guten Mathematiker (möglichst Spezialist für Wahrscheinlichkeit) bewaffnet, direkt mal durchzudiskutieren. Darüber hinaus... Da war da also ne Wasserstoffwolke... aha... Und wo kam die her? Jaja... Wo kam Gott/Göttin/Geist her? geht genauso... aber ICH behaupte ja auch nicht, dass ich alles gaaaaanz logisch und wissenschaftlich einwandfrei erklären kann.

Passend rethorisch begabt und mit den passenden Fakten jonglierend kannst Du jeden Glauben oder These konstruieren oder bei Bedarf auch zerlegen, wenn es Dir nur darauf ankommt.

Ich hab inzwischen angefangen vollkommen schamlos meine eigene höchste Warscheinlichkeit zusammenzubauen... und gerade seit dem ich hier gelandet bin und angefangen habe über den spirituellen Tellerand zu blicken, habe ich das Gefühl, das sich mein Glaube und meine Art diese Welt zu sehen, jeden Tag ein kleines Stück verändert... Ich kann auch nicht leugnen, dass das manchmal etwas anstrengend ist.

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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#10 von Nivien , 30.11.2010 09:01

Zur Ausgangsfrage, ob alle Religonen auf dasselbe hinauslaufen oder nicht, würde ich folgendes sagen:

Ich meine, ja und nein.

Ja, indem sie Sinn suchen/vermitteln und wohl auch immer ein ethisches System, also eine Art zu leben vermitteln. Irgendwie scheint der Mensch ein spirituelles Wesen zu sein, d.h. auf der Suche nach "etwas" zu sein.

Nein, weil z.B. nicht alle Religionen ein Konzept eines Gottes brauchen. Ich finde auch die Vorstellung "alles ist eins" nicht unbedingt hilfreich, weil es die Unterschiede glattbügelt. Und es gibt - zum Teil fundamentale - Unterschiede. Monotheismus ist nicht gleich Polytheismus, und Animismus ist nochmal was anderes - ganz zu schweigen vom Atheismus, der auch in einer Religion auftreten kann.

 
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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#11 von Sommerfalke , 30.11.2010 14:53

Zitat von Rabert

Wenn ich an einen Teekessel glauben würde, der in einer Umlaufbahn um den Mars kreist, existiert er dann? Es kann niemand beweisen, dass er nicht existiert ...



Ja, aber nur weil du den Aufenthaltsort des Teekessels dort ansiedelst, wo niemand nachsehen kann. Würdest du daran glauben, dass ein Teekessel sich in deinem Schrank manifestiert, könntest du nachsehen, und höchstwahrscheinlich erkennen, dass das nicht der Fall ist.
Das Beispiel zeigt mir mal wieder, dass wir nur an Dinge glauben können, wenn wir ihre Existenz auf irgendeine andere hypothetische Realitätsebene verschieben, wo wir sie nicht nachprüfen können.

Als einigermaßen klar denkender Mensch muss ich damit rechnen, dass jede Art von Glauben möglicherweise nur Wunschdenken ist. Dass heißt nicht, dass ich nichts glaube, aber ich bin bereit, meinen Glauben als flexible Hypothese zu leben.
Dementsprechend sind Religionen für mich verschiedene "Spielpläne". Ich beschäftige mich mal ganz gerne mit der einen oder anderen, aber richtig ernst nehme ich keine einzige. Ich habe Weisheit in jeder Religion und Weltanschauung gefunden, aber auch viel Schwachsinn, daher kann ich nicht behaupten, mich wirklich voll und ganz einem vorgefertigten Weg zugehörig zu fühlen.

Ich denke auch nicht, dass jede Religion zum gleichen Ziel führt. Manche Religionen fördern Kreativität und Selbstausdruck, andere legen es gezielt darauf an Desinformation zu fördern und den Menschen klein zu halten. Aber auch in denen findet man, individuell betrachtet, sicher etwas Wertvolles, denn die eigene Glaubenspraxis kann einem letztendlich niemand diktieren, wenn man sich selbstbewusst über die angeblichen Autoritäten hinwegsetzt.

LG
Chris

 
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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#12 von wanderbenny , 30.11.2010 15:13

Zitat von Sommerfalke
... andere legen es gezielt darauf an Desinformation zu fördern und den Menschen klein zu halten.



Ich denke nicht, dass es eine Religion an sich ist, die Desinformation fördert um Menschen klein zu halten, sondern es sind andere wortgewandte Menschen, die die ursprünglichen Religionsgedanken zu ihren niederträchtigen Zwecken umwandeln.

LG Wanderbenny

 
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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#13 von Caitlin , 30.11.2010 16:59

Ich wollte keine Unterschiede glattbügeln, die sind mir durchaus bewusst.
Wo es mir eher drum geht ist, dass ja irgendwie viele Religionen sagen, wenn du nicht an das glaubst, das wir glauben, kommst du nicht in den Himmel oder sonst was.
Was ja dann wiederum wegfallen würde, weil es kein richtig gibt.
Und in wie weit eine Glaubensrichtung einen persönlich einschränkt, das hat man zum Teil ja selber in der Hand und kann ja als Mensch freien Willens seinen Weg zum Glück selber bestimmen.

oder vllt doch nicht?

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#14 von Serpentia , 30.11.2010 17:16

Zitat
Und in wie weit eine Glaubensrichtung einen persönlich einschränkt, das hat man zum Teil ja selber in der Hand und kann ja als Mensch freien Willens seinen Weg zum Glück selber bestimmen.



Gesprochen wie ein Mensch, der sich seine Religion ausgesucht hat, Caitlin. Ich denke genauso und ich denke, für den Satz erntest du hier in diesem Forum nur Zustimmung - weil wir alle unser Glück - zumindest in dieser Beziehung - durchaus selbst in die Hand nehmen. Da draußen sieht es leider anders aus und ich sehe leider um mich herum immer wieder Menschen, die sich (für meine Begriffe) sklavisch den Vorgaben und Weisungen "ihrer" Religion unterordnen, ohne diese zu reflektieren. *Ihrer" heißt hier, die in die sie geboren bzw. von ihren Eltern aufgezogen wurden, nicht einer, die sie sich selbst gewählt haben.


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RE: Verschiedene Glaubenspfade

#15 von Sinaris , 30.11.2010 22:14

Zitat von wanderbenny
sondern es sind andere wortgewandte Menschen, die die ursprünglichen Religionsgedanken zu ihren niederträchtigen Zwecken umwandeln.



Religionsgedanke? Was soll das sein? Eine Religion betrachten kann ich doch nur daran, was sie vorgiebt, was ihr Ziel ist (ohne spekulative Möglichkeiten) und wie sie gelebt wird bzw. gelebt werden muss.

Deshalb ist eine "ertrag Dein Leben, im Jenseits wird alles besser und Gott wirds schon richten" Religion für mich nicht akzeptabel. Das soll nicht heissen, das ich anderen diese Religion verweigern würde. Es ist einfach Geschihtlicher Fakt, das Religion auch immer ein Machtinstrument war. Das beschränke ich keinesweg nur auf die jüdisch monotheistischen Religionen.

Religion formt schliesslich auch einen Grossteil unserer Moral und des gesellschaftlichen Umgangs. Oftmals das perfekte Machtinstrument. Tut mir leid... ich gebe keiner Religion die das freie Denken behindert einen Freispruch, dass es sich ja nur um Missbrauch handelt.

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