Wie entstehen Götter?

#1 von Rabert , 28.11.2010 16:00

In einem anderen Thread wurde die Frage aufgeworfen, ob Götter sterben können. Daraus ergibt sich natürlich eine weitere Frage: Können Götter geboren werden? Wo kommen sie denn her?

"Entsteht" ein Waldgott mit dem Wald, und vergeht, wenn der Wald vergeht? Wenn eine Talsperre bricht und aus einer dürren Senke in der Landschaft ein See wird, entsteht dabei auch eine Wassergöttin?

Sind Götter die manifestierten Seelen von regional begrenzten Biotopen? Oder gibt es nur Gaia? Oder nur den einen universalen Gott unseres Universums? Oder den einen Gott der nach Stephen Hawkins unendlichen Vielzahl der Universen?

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RE: Wie entstehen Götter?

#2 von Sinaris , 29.11.2010 09:04

Ich geh jetzt mal von der philosophischen Betrachtungsweise aus...

Wie immer bleibt für mich immer erst die Frage... Was ist denn nun ein Gott?

"Nur" Schöpfer oder eine allwissende allesumspannende Entität? Was ist mit den Pharaonen, die sich haben anbeten lassen? Reicht eine Anhängerschaft?

Aus diesem Blickwinkel betrachtet würde ich sagen... Gott entsteht in unseren Köpfen... in dem Augenblick in dem wir es uns vorstellen betrachten und benennen wollen.

Jede Religion, hat sich ihren Gott geschaffen. Viele Inspirationen waren dafür federführend. Aber ein göttliches Wesen, mit Ego... wie sowas entsteht...

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RE: Wie entstehen Götter?

#3 von Rabert , 29.11.2010 11:50

Allein die Tatsache, dass ich etwas in meinem Kopf entstehen lasse, führt nicht zur dessen Manifestation in unserer Realität. Im Druidentum gibt es ja das Konzept der Anderswelt, was eine sehr elegante Lösung ist, um Manifestationen außerhalb unserer Realität einen Platz zuzuweisen. Nur stellt sich da die Frage der Relevanz: Ist eine Manifestation in einem Universum außerhalb unseres Universums für uns relevant? Können diese Manifestationen einen spürbaren Einfluss auf uns, unser Handeln und unsere Umgebung haben?

Falls dies so sein sollte, würde ich tatsächlich hinterfragen wollen, ob die Anderswelt unserem Planeten gegenüber freundlich gesinnt ist, oder vielleicht doch eher nach dessen Zerstörung trachtet, entweder durch unmittelbare Einwirkung auf unsere Umwelt oder durch mittelbare Einwirkung auf uns Menschen, wenn ich unsere Wirklichkeit betrachte.

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RE: Wie entstehen Götter?

#4 von inis , 29.11.2010 12:50

Zitat von Rabert
Allein die Tatsache, dass ich etwas in meinem Kopf entstehen lasse, führt nicht zur dessen Manifestation in unserer Realität.


Doch, zumindest zur Manifestation in der Realität deines Kopfes... ist halt eine philosophische Frage, ob bereits ein Betrachter reicht, um Realität zu belegen (und umgedreht, ob das Fehlen eines Betrachters dazu führt, daß die Realität von etwas bezweifelt werden kann oder gar muß).

Zitat von Rabert
Im Druidentum gibt es ja das Konzept der Anderswelt, was eine sehr elegante Lösung ist, um Manifestationen außerhalb unserer Realität einen Platz zuzuweisen. Nur stellt sich da die Frage der Relevanz: Ist eine Manifestation in einem Universum außerhalb unseres Universums für uns relevant? Können diese Manifestationen einen spürbaren Einfluss auf uns, unser Handeln und unsere Umgebung haben?


Ahhh... hier kommen ein paar spannende Fragen angeheftet, die sich viele im Druidentum vermutlich so noch gar nicht gestellt haben: wo "verorten" wir denn die Anderswelt?
...ich persönlich sehe die Anderswelt NICHT in "einem Universum außerhalb unseres Universums", ich sehe sie im Gegenteil als sehr nahe an "unserer Welt" (sprich dem, was wir für unsere Realität halten). Im englischsprachigen Druidenforum läuft gerade eine rege Diskussion zum Thema Feen und Feenwelt - da gibt es dann auch sehr wissenschaftlich-skeptische Realisten, die sich (und andere) fragen, warum man die Faeries nicht sehen kann, ob sie z.B. das Licht anders reflektieren als sonstige Erscheinungen unserer Welt... ich denk mir an der Stelle eher - ich muß solche Phänomene nicht naturwissenschaftlich klassifizieren und erklären, weil ich die Naturwissenschaft dazu noch immer für nicht weit genug fortgeschritten halte.
Aber selbst wenn wir oder man die Manifestationen der Anderswelt in einem anderen Universum als dem unseren verorten - natürlich können sie einen spürbaren Einfluß auf uns und unser Handeln haben, nämlich auf jeden Fall dann, wenn wir es bewußt zulassen oder gar erwünschen. Schlichter ausgedrückt: wenn man an etwas glaubt, hat es auch Einfluß auf einen - und selbst Dinge, an die man nicht glaubt (weil man sie z.B. nicht sehen kann - Krankheitserreger konnte man vor Erfindung des Mikroskopes auch nicht "sehen"), können Auswirkungen auf einen haben. Das merkt man dann nur leider nicht, WOHER dieser oder jener Einfluß kommt... (und verbrennt mal eben ein paar Hexen oder Juden, die die letzte verheerende Seuche "verursacht" haben - sorry!)

Zitat von Rabert
Falls dies so sein sollte, würde ich tatsächlich hinterfragen wollen, ob die Anderswelt unserem Planeten gegenüber freundlich gesinnt ist, oder vielleicht doch eher nach dessen Zerstörung trachtet, entweder durch unmittelbare Einwirkung auf unsere Umwelt oder durch mittelbare Einwirkung auf uns Menschen, wenn ich unsere Wirklichkeit betrachte.


Wie gesagt, ist schon eine Frage der Sichtweise... die Anderwelt, wie ich sie erlebe, ist im Gegenteil stark an diesen unseren Planeten gekoppelt. Die Naturgeister wünschen alles andere als eine Zerstörung des Planeten...
Das andere Problem ist unsere ethische Deutung von Verhaltensweisen oder Handlungen der Anderwelt-Bewohner. "Freundlich gesinnt" ist in dem Zusammenhang nicht wirklich eine praktikable Kategorie... ich möchte nur an Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis" erinnern, wo die Vogonen eine Umgehungsstraße bauen und dabei wegen ihrer eigenen Interessen Platz schaffen müssen... unglücklicherweise wird dabei die Erde zerstört (die als so herrlich unwichtig und uninteressant kategorisiert wird, "mostly harmless" halt). Ist das jetzt "böse" oder "feindlich gesinnt"? Meiner Ansicht nach nicht, da die Motive hinter der Zerstörung gänzlich emotionslose sind - es ist in dem Zusammenhang ganz einfach die falsche Fragestellung. Womöglich existieren solche Kategorien in der vogonischen Kultur gar nicht?
Ist zwar jetzt ein fiktionales Beispiel, aber es zeigt hoffentlich, daß wir sehr vorsichtig sein müssen, die Anderwelt und ihre Bewohner zu "vermenschlichen", und auch im Kontakt mit ihnen sollte man sich immer wieder klarmachen, daß unsere Maßstäbe möglicherweise "dort" überhaupt nicht greifen.

Ich fürchte vielmehr, wir Menschen zerstören unsere Umwelt selbst, da müssen wir gar nicht erst irgendwelche bösen Anderwelt-Dämonen auffahren, die uns dazu anstiften...

Schön, das wäre so meine Sichtweise zu dem Thema, es ist sicher nicht die einzige hier... freue mich schon auf weitere Einwürfe, Fragen und Ansichten!

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#5 von wanderbenny , 29.11.2010 14:13

Also meine Ansicht ist die, dass es nur eine alles umfassende göttliche Energie, oder auch Gott gibt und dass die vielen verschiedenen Götter, die im Laufe der Menschheitsgeschichte angebetet wurden oder noch werden, nur verschiedene Erscheinungsformen der einen Gottheit sind, um den so unterschiedlichsten Ansprüchen der einzelnen Völker und Menschengruppen gerecht zu werden. Verschwindet davon ein Volk, durch was auch immer(Krieg, Seuche..), oder ändert das Volk seinen Glauben, wird Gott nicht mehr in dieser Erscheinungsform auftreten. Solange aber auch nur einer an ihn in dieser Form glaubt, wird diese Erscheinungsform auch existieren.

LG Wanderbenny

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#6 von Anna , 29.11.2010 21:14

Prince Philip ist ein Gott.


aber eine spannende Farge....denn wenn neue entstehen können...sollten vielleicht auch ein paar alte gehen...sonst wird der Olymp geschlossen wegen Überfüllung...oder sind alle neuen GÖtter "nur" neu aufgewertete alte Götter?

Einfach mal so ein paar inkohärente Gedanken in die Runde schmeiß..

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RE: Wie entstehen Götter?

#7 von Nivien , 30.11.2010 08:56

Danke, , für diesen wirklich beachtenswerten Hinweis. Es gibt ja (siehe: Cargo Kult) in dieser Richtung einige interessante Bewegungen, wo man sehen kann, wie eine Religion entsteht (oder: entstehen kann).

Ich mach mir über solche Dinge auch gerne Gedanken, stehe aber mittweile einfach gerne auch staunend davor.

Klar, es gibt ja Geschichten darüber, daß Götter geboren werden und sterben. Aber wahrscheinlich nicht gerade so wie wir Menschen. In der Mythologie - Anderswelt, Plasma, Jenseits - gelten wohl andere Gesetze als bei uns.

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#8 von Serpentia , 30.11.2010 09:44

L. Ron Hubbard hatte dazu auch eine faszinierende und erfolgreiche Theorie, die sich heute bei den Scientologen wiederfindet - diese "Religion" hat er nämlich erfunden.

Also prüfe genau, wer sich ewig an einen Gott/Götter binde, wessen Menschen Gedankenkind sie eventuell sind!

Vor 100 Jahren wäre das Internet sicher auch ein Gott gewesen,


P.S. Ich mag Neil Gaiman's Bücher sehr, aber sie als philosophische Grundlage für einen Diskurs über das Werden und Vergehen von Göttern zu verwenden bewertet sie eventuell ein bißchen über...

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#9 von Sommerfalke , 30.11.2010 14:26

Die heidnischen Götter (wie auch alle anderen) sind für mich reine magisch-psychologische Werkzeuge, um mit den damit symbolisierten Qualitäten oder Kräften in Kontakt zu treten. Den eigentlichen Kräften sind die Namen und Gestalten, die wir ihnen geben, wahrscheinlich ziemlich egal, aber der menschliche Geist arbeitet nun mal gern mit Bildern.
Ich sollte noch dazu sagen, dass ich recht wenig auf diese Art praktiziere. Der Kontakt zum Großen Geist ist für mich wichtiger.

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#10 von wolfmagnus , 01.12.2010 00:33

Zitat von Sommerfalke
Die heidnischen Götter (wie auch alle anderen) sind für mich reine magisch-psychologische Werkzeuge, um mit den damit symbolisierten Qualitäten oder Kräften in Kontakt zu treten.



Du meinst, die Götter sind keine Personen, keine fühlenden Wesen? Niemand, der Gebete erhören geschweige denn erfüllen kann? Sondern nur Projetktionen unseres Geistes, um Naturkräfte ansprechbar zu machen?

Prinzipiell denke ich auch so über die Götter - wobei ich dazu auch wirklich wenig Bezug habe.

Für mich ist es praktikabler, mit "Geistern" zu arbeiten, also mit fühlenden, wahrnehmenden Wesen, die einfach anders sind als wir Menschen und sich vielleicht mit bestimmten Energien, Pflanzen, Tieren etc verbunden haben, aber eben nicht unsterblich, allwissend, allmächtig etc sind - also sehr viel "menschlicher" als die Götter, unserer Menschwelt näher, da sich die Erfahrungen ehr gleichen.

...wobei es zugegenermaßen manchmal etwas unbefriedigend ist, vor dem bloßen Nichts zu stehen... - vermutlich bin ich ein atheistischer Druide....

Um nochmal auf die ursprünglich Frage zurückzukommen - entsteht ein Waldgott im oder mit dem Wald? Ich denke, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ein oder mehrere Personen "erschaffen" eine Gottheit, bei der es sich aber um eine unpersönliche Naturkraft handelt, oder ein Nichtmenschliches Wesen mit all seinen Vorzügen und Fehlern verbindet sich mit dem Wald und interagiert mit dem Wald und vielleicht auch mit anderen Wesen - also uns Menschen..

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#11 von Sommerfalke , 01.12.2010 12:39

Zitat von wolfmagnus

Du meinst, die Götter sind keine Personen, keine fühlenden Wesen? Niemand, der Gebete erhören geschweige denn erfüllen kann? Sondern nur Projetktionen unseres Geistes, um Naturkräfte ansprechbar zu machen?


Ja. Allerdings hört sich mein Satz beim erneuten Betrachten etwas zu sachlich an. Ich finde es toll, dass Menschen zu solchen poetischen Fantasien fähig sind. Und als Künstler weiß ich, dass auch Fantasien ihr Eigenleben führen. Das macht sie zu etwas sehr Wertvollem, aber eben noch lange nicht zu wirklichen Göttern. Sie scheinen Personen zu sein, aber das gleiche gilt doch auch für Gestalten aus Romanen oder Träumen. Ich habe in einem Ritual mal Luke Skywalker invoziert, und der war in dem Moment genauso real wie eine Brighid oder ein Apollo. Vielleicht sind die Götter einfach Teile unseres kollektiven Unbewussten. Das soll sie, wie gesagt, nicht entwerten, aber in den richtigen Zusamenhang stellen.
Ich glaube nicht, dass irgendwer mir im klassischen Sinne Gebete erfüllt. Ich glaube dass man das erhält, was man ausstrahlt, deswegen funktionieren Gebete, wenn man nicht gerade das arme Ich spielt (was aber viele tun, sogar in der Magie). Aber das ist ein Mechanismus des Universums, es geht dabei nicht um Belohnung, Strafe oder Mitleid.

Ich glaube an eine höhere Macht, aus der wir stammen, die uns durchdringt und von der wir nicht getrennt sind - die wir aber oft nicht wahrnehmen wie den Wald vor lauter Bäumen. Diese Macht ist (mit)fühlend, aber nicht moralisch. Das macht für mich Sinn, aber diese Kraft muss man nicht unbedingt Gott nennen.

Das Arbeiten mit Geistern mag ich auch. Aber für mich sind sie reale Lebewesen wie Tiere oder Menschen, das hat nichts mit Religion zu tun.

Solange also nicht Odin höchstpersönlich und materiell - denn auf geistiger Ebene kann ich mir alles mögliche zusammenphantasieren - in meinem Wohnzimmer steht, werde ich in Göttern nicht mehr sehen, als den Versuch unpersönlichen Kräften ein niedliches Mützchen überzuziehen. Sorry.

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#12 von wolfmagnus , 01.12.2010 13:47

Zitat von Sommerfalke
Ich habe in einem Ritual mal Luke Skywalker invoziert, und der war in dem Moment genauso real wie eine Brighid oder ein Apollo



Wow, das ist ja echt eine geniale Idee!! Denn in den verschiedenen Götterwelten findet man ja nicht unbedingt ein Bild, daß zur heutigen Zeit, unserer Lebenswelt und Denkweise oder eben auch nur zu uns selbst paßt - sich aus anderen, moderneren Quellen zu bedienen ist dann ja echt schlau! Muß ich bei Gelegenheit mal ausprobieren - nicht mit Luke, aber da fallen mir so einige andere ein...

Interessant wäre, was erscheint, wenn man eine Person invoziert, die auf dieser Welt tatsächlich existiert. Also einen Freund, einen Lehrer oder wen auch immer... Gibt es dann eine Beziehung zwischen der von mir "erschaffenen" Gottheit und der real in dieser Welt existierenden Person? Wie würden diese beiden zusammenhängen? Oder wären sie völlig getrennte Entitäten?

Hmmmm - nachdenklich Grüße von

wolfmagnus

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#13 von Sommerfalke , 02.12.2010 23:57

Zitat von wolfmagnus

Interessant wäre, was erscheint, wenn man eine Person invoziert, die auf dieser Welt tatsächlich existiert.



Damit wäre ich vorsichtig.

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#14 von wolfmagnus , 03.12.2010 00:17

Warum?

 
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RE: Wie entstehen Götter?

#15 von Nivien , 03.12.2010 11:16

Vielleicht aus ethischen Gründen?

 
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