psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#1 von WaldSeele , 23.11.2010 13:50

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Hier haben sich leitende FachÄrzte psychosomatischer Fachrichtungen zusammen getan und möchten auf die besorgniserregende Zunahme seelischer Erkrankungen in dieser unserer Gesellschaft hinweisen. Lt. eigenen Angaben bringen sie damit ihre tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft zum Ausdruck. Sie haben die erschreckende Entwickung der psychosozialen Belastung in D sowie auch in aller Welt diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Ausmaß der Problematik in dieser Gesellschaft nicht ausreichend wahrgenommen wird.

Mit einer Art Memorandum möchten sie einen gesellschaftlichen Dialog darüber anstoßen, wie sie die Problematik verstehen und was getan werden kann. Sie wollen zu einem offenen gesellschaftlichen Dialog über die psychosoziale Lage, ihre möglichen Ursachen und sinnvolle Handlungsansätze aufrufen.

Zitat

Wir möchten zunächst einmal keine bestimmte Zielgruppe ansprechen, sondern alle Menschen, denen die psychosoziale Lage unseres Landes am Herzen liegt.
Der Aufruf möchte unsere Betroffenheit und Erschütterung ausdrücken und geschieht aus Mitgefühl und Mitverantwortung für die Menschen in unserer Gesellschaft.
[...]
Wir wollen zu einem offenen gesellschaftlichen Dialog über die psychosoziale Lage, ihre möglichen Ursachen und sinnvolle Handlungsansätze aufrufen.
[...]

FORDERUNGEN
- Wir benötigen einen gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Subjektiven, des Seelischen, des Geistig-spirituellen, des sozialen Miteinanders und unseres Umgangs mit Problemen und Störungen in diesem Feld.
[...]
- Wir benötigen eine Wirtschaftswelt, in der die Profit- und Leistungsorientierung ergänzt wird durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Tätigen.
- Wir benötigen einen integrierenden, sinnstiftenden und soziale Bezüge erhaltenden Umgang mit dem Alter.
- Wir benötigen eine das Subjektive und Persönliche respektierende, Grenzen achtende und Menschen wertschätzende Medienwelt.
- Wir benötigen ein politisches Handeln, das bei seinen Entscheidungen die Auswirkungen auf das subjektive Erleben und die psychosozialen Bewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen reflektiert und berücksichtigt.
- Wir benötigen mehr Herz für die Menschen.

Quelle: http://www.connection.de/artikel/gesundh...eutschland.html[/size]
der Aufruf ist hier zu finden




Schon seit einigen Jahren ist mir diese Zunahme aufgefallen, da ich mich ja aufgrund eigener Situation mit solchen Dingen recht ausführlich beschäftige. Leider hört man ja auch heutzutage noch solche Sprüche wie "das ist ja nur psychosomatisch, stellen Sie sich nicht so an"
Mir fällt immer wieder auf, dass körperliche Krankheiten oder fehlende Gliedmaßen klares Verständnis der Mitwelt zur Folge haben im Gegensatz zu seelischen Beeinträchtigungen, die meist noch immer als Tabuthema angesehen werden bzw. als fehlende Willensstärke

Potentielle Arbeitgeber bzw. auch der ganz "normale" Mensch heutzutage will sich auf "so etwas" am Liebsten gar nicht einlassen und negiert immer wieder die zusätzlichen seelischen Belastungen solcher Erkrankungen durch gesellschaftliche Ächtung/ Ver-Achtung.


Schon vor einiger Zeit schrieb Storl dazu in den Worten "seelische Hungersnot in apokalyptischen Zeiten" und ich hatte dazu schon eigene Gedanken in meinem Blog geäußert - http://www.myspace.com/waldseele/blog/532651821 und einige interessante Antworten dazu erhalten. Also, wen es interessiert, würde mich freuen, wenn Ihr mal reinschaut.


Sehr gut passen zum Thema auch meine Gedanken zur Aktualität von Erich Fromm.
[size=85][ich zitiere mich hier selbst, d.h. ich bin der Urheber folgender Auszüge, habe sie nur zur besseren Übersicht als 'quote' eingefügt)

Zitat
Erich Fromm schreibt z.B., dass es in erster Linie keine individuelle Angelegenheit sei, ob ein Mensch gesund sei oder nicht, sondern von der Struktur seiner Gesellschaft abhänge. Eine gesunde Gesellschaft fördere die Fähigkeit des Einzelnen, seine Mitmenschen zu lieben, schöpferisch zu arbeiten, seine Vernunft und Objektivität zu entwickeln und ein Selbstgefühl zu besitzen, das sich auf die Erfahrung der eigenen produktiven Kräfte gründe.

Ungesund hingegen sei eine Gesellschaft, die zu gegenseitiger Feindseligkeit und zum Misstrauen führe, wenn sie den Menschen in ein Werkzeug verwandele, das von anderen benutzt und ausgebeutet würde, wenn sie ihn seines Selbstgefühls beraube und es ihm nur insoweit belasse, als er sich anderen unterwerfe und zum Automaten werde.

[...]
1965!! legt er in „Sind wir geistig noch gesund?“ dar, dass nur noch produziert werde, um zu produzieren, nur noch konsumiert werde, um zu konsumieren. Es werde viel über Freiheit, Ideale und Gott gesprochen, aber in der Realität seien die Hauptinteressen rein materieller und selbstsüchtiger Natur und die Menschen seien dabei, zu kleinen Robotern zu werden. Jeder sei nur ein kleines Zahnrädchen in einer riesigen Organisationsmaschinerie von Produkten und Konsum. Das größte Interesse sei, Dinge zu produzieren und Dinge zu konsumieren, und im Zuge dieses Prozesses würden wir selbst zu Dingen. Maschinen, die wie Menschen handeln, würden dabei produziert von Menschen, die wie Maschinen handelten.



Das ist nur ein ganz kleiner Auszug und wen es interessiert, der kann gern mal in den Blog reinklicken, um noch tiefer einzutauchen in die weisen Worte des Erich Fromm, die auf die heutige Gesellschaft passen, als seien sie explizit dafür geschrieben worden obwohl dies etwa 1965 , teilweise früher oder später der Fall war.


Dieses wichtige Thema geht uns alle an und es ist mMn gefährlich, (weiter) die Augen zu verschließen und das Problem zu negieren, denn sehr schnell kann der, der heute noch negiert und verachtet, schon morgen selbst davon betroffen sein Burn-Out u.ä. nimmt ganz klar zu!


Zumindest möchte ich damit einmal Denkanstoß für das Thema geben. Vll lässt sich ja der ein oder andere darauf ein oder fühlt sich davon angesprochen oder zumindest angeregt, sich damit zu beschäftigen und zu mehr Mitgefühl und Verständnis für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen zu kommen.


Fühlt Euch herz-lich(t) gegrüßt

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#2 von Ceridwen , 24.11.2010 02:13

Es fängt doch mit den Kindern schon an.
Schon Babys, , oder vielmerh erst die mütter, stehen unter Druck, wenn die lieben Kleinen sich nicht nach Schema entwickeln.
4 Jährige haben im Kindergarten einen Standart zu erfüllen.
es gibt das Turbo Abi, das den Kids keine Freizeit mehr lässt.

Gefährlich ist es, doch einmal zu seiner kranken Seele zu stehen.
Danach wird man immer wieder in diese Schublade gesteckt, ob man rein passt oder nicht.
Weshalb auch oft ein Heilpraktiker aufgesucht wird, damit es nicht in den Krankenakten steht.

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#3 von Siebenstern , 24.11.2010 22:32

Hi liebe WaldSeele,
danke für den Beitrag, finde den Aufruf bzw. die Initiative sehr gut und wichtig...

Herzliche Grüße
Siebenstern

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#4 von WaldSeele , 01.12.2010 20:40

hallo
hier gibt es ein Interview zum Thema mit dem Arzt, der den Aufruf gestartet hat.
Ist lesenswert mMn.!
schöne Grüße

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#5 von Rhiann , 03.12.2010 19:34

Hallo!

Das Thema ist nicht nur äußerst interessant, sondern auch erschreckend aktuell. Täglich begegne ich Menschen, die unter psychosomatischen Problemen, seelischem Stress und Depressionen leiden. Ich kann jetzt keine wissenschaftlichen Analysen oder ähnliches beitragen, nur, was ich selbst erlebe.
Wir leben -wie bereits gesagt- in einer Konsumgesellschaft, Arbeit statt Freizeit, Anpassung statt freie Entfaltung. Das Maß der Dinge ist längst überschritten. Das Gleichgewicht vollkommen entgleist.
Es ist zum verzweifeln.
Und da das Thema totgeschwiegen wird oder -noch schlimmer- verpöhnt ist, wissen die Betroffenen sich oft selbst nicht mehr zu helfen. Das darf doch nicht sein!

Seid Anfang Oktober mache ich meine Ausbildung zur Ergotherapeutin an einer wunderbaren Schule. Ich bin in eine Gemeinschaft gekommen, wie sie herzlicher gar nicht sein kann.
Jeder wird als Individuum gesehen, man wird ernst genommen und es herrscht ein respektvolles und freundschaftliches Miteinander. Und man merkt, wie sehr einem soetwas gefehlt hat.
Besonders faszinierend fand ich, dass seelische Belastungen, wie beispielsweise Mobbing, komplett wegfallen. Und sobald man ein Problem hat -egal welcher Art-, werden einem ohne zu Zögern viele helfende Hände gereicht.

Es sind diese kleinen Gesten, das Gefühl der Einzigartigkeit und gleichzeitig der Zusammengehörigkeit, die unserer Gesellschaft heutzutage größtenteils fehlen und dieses Fehlen macht krank.
Jedenfalls hate es mir selbst schwer aufs Gemüt gedrückt.

Nun, ich bin froh, dass ich diese Ausbildung mache und ich finde es sehr gut, dass uns unter anderem auch beigebracht wird, wie man mit seinen Mitmenschen richtig umgeht, sie annimmt wie sie sind, auf sie eingeht und sie respektiert. Für einen Therapeuten ist das meiner Meinung nach unerlässlich, aber ist es das nicht eigentlich für jeden Menschen, der in einer Gesellschaft lebt?

Herzliche Grüße,

Rhiann

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#6 von WaldSeele , 03.12.2010 20:32

hey Rhiann,
vielen Dank für Deinen wunderbaren Beitrag. Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich freu mich für Dich, dass Du soooo gute Erfahrungen machst! So sollte es wirklich immer sein, wenn Menschen zusammen kommen und zusammen arbeiten. Da hast Du wirklich einen sehr guten Ausbildungsplatz gefunden. Und was Du schreibst, macht Mut, dass es doch noch menschenfreundliche Arbeitgeber/ -splätze und Kollegen gibt. Das gibt mir Mut, vll doch eines Tages wieder ins Arbeitsleben zurück kehren zu können. Fühl Dich ganz herzlich gegrüßt

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#7 von wanderbenny , 04.12.2010 08:50

Jetzt möchte ich mal als Betroffener ein paar Worte dazu sagen. Ich habe ja vor 14 Jahren in diesem Dilemma gesteckt, dass ich wegen Depressionen ein halbes Jahr krank war und eine Therapie machen mußte. Aber diese hat mich wirklich wieder auf die Beine gebracht und den Umgang mit den gesellschaftlichen Problemen gelehrt. Ich möchte hier nicht auf die einzelnen Bestandteile der Therapie eingehen, aber ich kann nur sagen, in ähnlicher Form sollte sowas schon den Kindern in der Schule beigebracht werden, um gut für die verschiedenen Wege des Lebens gerüstet zu sein. Irgendwo muss ja wieder ein Anfang gemacht werden. Wenn die Eltern es nicht mehr gelernt haben oder es vergessen oder verdrängt haben, wie man ein menschenwürdiges Leben lebt, können sie es auch nicht ihren Kindern beibringen.

LG Wanderbenny

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#8 von Rhiann , 04.12.2010 13:11

@ Waldsee: Ja, den Mut sollte man niemals verlieren. Auch wenn das gar nicht mal so einfach ist. Aber es geht.

@Wanderbenny: Meine Eltern haben noch gelernt wie man respektvoll und freundlich mit seinen Mitmenschen umgeht. Und so haben sie mich auch erzogen.
Aber du hast recht. Wenn man sich die jetztige Generation ansieht, die leider immer seltener Freundlichkeit und Respekt aufbringen kann, fragt man sich natürlich, wie sich dann erst ihre Kinder verhalten.
Allerding würde ich jetzt auch nicht zu schwarz malen. Denn wie man an meinem Beispiel sieht, geht es auch anders.

Ganz liebe Grüße,

Rhiann

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#9 von wanderbenny , 05.12.2010 08:26

Hey Rhiann,

ich wollte damit keineswegs Schwarzmalen und kenne auch einige Kinder, die auf gar keinen Fall so werden wollen wie ihre Eltern. Bei uns auf dem Lande geht es sowieso noch menschlicher zu, habe ich den Eindruck. Da kenne ich jede Menge Familien in denen die Nächstenliebe gelebt wird, auch nach außen.

liebe Adventsgrüße
Wanderbenny

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#10 von Suchende , 20.09.2011 20:01

Hallo zusammen,
das ist eine interessante Diskussion.
Liebe Waldseele,

Zitat von WaldSeele
Potentielle Arbeitgeber bzw. auch der ganz "normale" Mensch heutzutage will sich auf "so etwas" am Liebsten gar nicht einlassen und negiert immer wieder die zusätzlichen seelischen Belastungen solcher Erkrankungen durch gesellschaftliche Ächtung/ Ver-Achtung.


Vor allem bei Arbeitgebern gebe ich dir Recht. Man riskiert nicht nur seinen Arbeitsplatz, sondern auch Mobbing, wenn man offen mit psychischen Beschwerden und Erkrankungen umgeht.
Der "ganz normale Mensch" - der Mitmensch allgemein? - ist meiner Meinung nach aber offener dafür geworden - wenn auch viele Psychisch Kranke als Belastung empfinden. Aber psychische Erkrankungen sind nicht mehr ein solches Tabuthema wie vor einigen Jahren noch. Es ist öffentlich geworden, zumindest ist es möglich darüber zu reden. Auch wenn krankmachende Bedingungen vielleicht weiterhin - in dieser oder in sich verändernden Formen - bestehen.
Im Übrigen glaube ich NICHT, dass es "früher" prozentual gesehen weniger Psychisch Kranke gab, nur da es ein Tabu war, kam das alles nicht an die Öffentlichkeit.

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#11 von Solitaire , 23.04.2012 12:42

Der aktuelle Spiegel beschäftigt sich in seinem Titelthema ausführlich mit dem Thema "Mobbing", dazu gab es in einigen anderen Magazinen Schwerpunktthemen wie "Depression" und "Burnout", alles Anzeichen dafür, dass diese Themen zwar existieren, aber wie sieht heute aktuell in 2012 der Umgang ini Gesellschaft und Arbeitswelt damit aus? Besser / schlechter geworden oder gleich geblieben?

 
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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#12 von Sinaris , 24.04.2012 23:01

Hi,

Warnung vorweg... energieraubender Post! Nur Meinung wenig wahre Information.

Hab Euch gewarnt... Ich gehöre auch zu den Menschen die schon seit lange Zeit unter Depressionen "leiden". Nichts besonderes. Der altbekannte Absturz aus Gutmenschdenken zur Realität und die damit verbundene eigene Dummheit und Naivität. Betroffen seit 16, offengetreten mit 24 und geoutet mit 32. Krasses hoch mit 32 als mein Hausarzt mich akut suizidal an einen Kollegen verweisen sollte. Nach etlichen Anrufen und der Antwort "sorry sind dicht" hat mich sogar irgendwie die Wut über all das gerettet. Vielleicht wars auch nur ne selbstverliebte Hilferufgeschichte, dass kann und will ich heute eigendlich garnichtmehr beurteilen.

Aber darauf folgte ne Suche nach einer Therapie. Muss ja was falsch ticken in meinem Kopp. Nach wieder endlosen Telefonaten, die ich nebenher als tiefschürfend demütigend empfinde, bekam ich in einem Forum den Tipp, einfach hingehen und Alarm schlagen. Eigendlich haben auch die Psychos ne Behandlungspflicht. Auch wenn ich mich schäme und diese Behandelnden schlichtweg aus Belastung nicht regieren können habe ich den Weg genommen. Aktion Reaktion. Du willst es? Dann friss. Ich bekam nen schattig kopierten multipble Choice Fragebogen zu meiner Befindlichkeit. Nach Abgabe dauerte es 20 Minuten zur Diagnose meines Zustandes. Hey, ich bin depressiv. Stop the presses. Aber imemrhin, jetzt konnte ich mich... ach blah... Lange rede kurzer Sinn...

Was ich dachte: In Deutschland gibt es eine umfassende medizinische Versorgung für alle Belange.

Was ich nun weis: Ist's Krebs ist die Behandlung hammermässig. Auf der Psychseite ist die Realität leider deutlich schlimmer. Die Erkenntnis wird schlimmer, wenn man sich mit anderen Betroffenen unterhält. Bibeldicke Wartelisten, überfordertes Personal, Schnelldiagnosen alla Borderline und Depression. Ergebnis... Antidepressiva (keine Wirkung bei mir), Stimmungsaufheller (Smarties) und schliesslich die Traumlande mit Lora und Dia (Toll wenn man im Dämmerzustand existieren will).

Da spüre ich doch das kleine Lächeln im Nacken und ich kann nurnoch nicken. Jepp. Hab's verstanden. Realität.

Was ist denn eine Fehlentwicklung und wer definiert denn den Fehler darin? Ist nicht gerade hier der Ruf zurück zur Natur so eminent? Der Stärkere frisst den Schwachen und letzten Endes ist sich auch im Rudel meist selbst der nächste. Ich fühle mich halt wie das Ergebnis von Wolf und Hirsch. Dummerweise hat der Pflanzenfresser die Kinderstube gehütet und mich dann ins Rudel geworfen.

Ich bin mir nicht sicher in wie weit diese psychologische Entwicklung das Ergebnis von Biegen und Schmieden in falschen Essen ist. Früher war die Metapher der Wolf im Schafspelz, heute tragen sie Anzüge und schreiben Kinderbücher. Meine Sicht der Dinge... meine Realität: Diese Welt ist eine Mischung aus Schlachtfeld, Schlachthaus und der Möglichkeit eines Paradieses. Dummerweise erziehen wir unsere Kinder pazifistisch "Korrekt", tugendhaft und lieb. Wer wundert sich denn bitte dann wenn die Realität zuschlägt und den KO in der ersten Runde erziehlt.

Der nächste Begriff den ich nurnoch für ne Phrase halte ist "Gesellschaft". Welche denn? Der Weltbürger, der sich in Staaten zerteilt hat. Das ist nur ne grobe Trennung... viele weitere warten und jede hat ihre Feindbilder und bruchgarantierten Fraktionen. männlich-weiblich, Arbeiter-Arbeitsloser, reich-arm, links-rechts, Vegetarier-Carnivor, alt-jung, lebemann-couchpotatoe, naturfreak-Internetjunkie. Welche Gesellschaft hat denn da entschieden und beurteilt?

Meine klare Meinung dazu. Die Dinge laufen falsch und vollkommen aus dem Ruder. Wenn ich meine Newsseiten morgens öffne, schlägt mir der pure und völlige Wahnsinn entgegen. Hungerstote, Kriege, willentliche Verwüstungen, unwirklich erscheinende Verbrechen. Dann mach ich den Rechner aus und lebe weiter im Wolkenkuckugsland. Wer genau erwartet das solche Zustände eine gesunde Psyche hinterlassen? Hey, und dabei habe ich die Brutstätte Nr. 1... den familiären Wahnsinn nichtmal beachtet (Betrifft mich nur terziär, da verliert man die Übersicht)

Also statt sich zu bemühen die Spuren zu beseitigen... sollte man da nicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf die Ursachen legen? WARUM kommt es zu soviel Depris, Burn-Outern, Boarderlinern, Schizos und und und... Ich denke wenns keine Fluchtreflexe mehr geben muss, wird der Rest sich früher oder später legen. Aber dann kommt der grosse Sieger im Ring unserer Zeit. Die grösse des Unterfangens.

Sorry für den langen Post... my 5 cent.

Sinaris

PS: Hier sind die Boxhandschuhe!

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#13 von Sinaris , 25.04.2012 01:10

Ups... Aktiv werden Forum...

Also gut. Mal mit dem alten ich überlegen. Aus dem schwarz raus und wieder in den konstruktiven Rahmen.

Ich denke das wichtigste sind die typschen Dinge. soziale verstrickungen schaffen. Netzwerke die einander stützen. Da von oben oder aus der finanzorientierten Medizin keine oder wenig Hilfe zu erwarten ist, wäre eine Eigeninitiative das beste. Betroffene sollen ja angeblich auch gut helfen können. Die Unternehmungen Kombinieren. Seien wir doch ehrlich gerade im Kreativbereich gibt es doch Auffangpotential. Ist sicher nicht umsonst, das Kunst und Irrsin (sorry für die offene Wortwahl) so oft begegnen. Ich glaube Depressionen können auch nutzbar gemacht werden allerdings denke ich, das das sehr Bedacht geschehen muss. Hier müsste ich mich nun ausklinken... weil bedacht und Sinaris. Das ehm... ja.

Es gilt schlicht Unzumutbarkeiten abzubauen. Keines Beispiel... ich als Oldenburgischer Vollpfosten würd schon versuchen zu helfen.

Aber ich kann doch garnicht helfen... ich bin doch nicht ausgebildet. Ich darf auch garnicht helfen... ich könnt ja was kaputt machen. Umschulung? Nö. Nur zur Altenpflege. Sozalbereich ist überbesetzt!!! Bitte Warten, bis Zeitarbeitsfirma X sie anschreibt... MUUUUHHHHH

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#14 von Anna , 25.04.2012 09:03

Ja...im momentanen System darf jemand, der nie sowas erlebt hat, mit Menschen umgehen, die Stimmen hören. Der kann das doch gar nicht nachvollziehen...deshalb ist es sinnvoll, dass betroffene Betroffenen helfen, weil die wirklich Wissen um was es geht.

Aber da kommen wir in die Felder...was ist Heilung...wer darf heilen...und wie gestalten wir dies gesellschaftlich?

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RE: psychosziale Folgen gesellschaftlicher Fehlentwicklung

#15 von Solitaire , 25.04.2012 12:24

@ Sinaris und Anna:
da kommen dann Selbsthilfegruppen ins Spiel, die durchaus unterstützend wirken können.

 
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