Gedanken zur Selbstversorgung

#1 von Eiche , 16.08.2008 20:46

Ich möchte euch hier mal gerne einen Text zur Selbstversorgung zukommen lassen. Dieser Text ist zwar nicht von mir (sondern von der Lichtheimat Familie) aber ich kann ihn nur zu 100% Unterstreichen. Aus diesem Grunde möchte ich ihn euch auch nicht Vorenthalten.

Göttersegen Eiche

Gedanken zur Selbstversorgung

Für uns ist Selbstversorgung weit mehr als nur einen eigenen Garten zu bewirtschaften oder auf dem Land zu leben. Die äußerlich praktizierte Selbstversorgung ist für uns der Ausdruck einer inneren Lebenseinstellung, die der materialistischen Weltanschauung entgegengesetzt ist.
Hast du dich schon einmal gefragt, was dein Glück ausmacht und wie du zu deinem Lebensglück kommst? Das materialistische System mit seiner Werbung versucht dir vorzugaukeln, dass Glück abhängig ist von gesellschaftlicher Position, von Verdienst usw. Nach dieser Philosopie ist Lebensgefühl und Glück nur durch Geld erwerbbar. Um sich ein möglichst großes Stück davon zu sichern, ist Konkurrenzkampf und die Ausbeutung der Natur und anderer Menschen nötig. Dieses unmenschliche System völlig in Frage zu stellen ist wahrscheinlich der erste Schritt zu einem menschlicheren und lebenwerteren Leben.
Wer in der Illusion lebt, dass Glück darin besteht. Sich alles kaufen zu können, der ist gezwungen, in diesem System mitzuarbeiten und sich mehr oder weniger darin zu fügen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ein solcher Mensch rennt von einer Wunschbefriedigung zur anderen, immer auf der Hetze nach mehrGlück und doch am wirklichen Lebensglück vorbeilaufend. Die Gesellschaft bietet alle nur erdenklichen Möglichkeiten für dieses sinnlose und selbstzerstörerische Spiel und die Werbung versucht uns diese schmackhaft zu machen. Als Folge davon quälen sich die meisten Menschen mit einen unbefriedigenden Job herum, um dann in der Freizeit von einem Befriedigungsobjekt zum anderen hetzen zu können. Soll das Sinn und Zweck des menschlichen Lebens sein?
Dieses ganze System funktioniert so gut, weil es gelungen ist, Arbeit und Freizeit völlig voneinander zu trennen und als unvereinbare Gegensätze darzustellen. Eine genaue räumliche und zeitliche Trennung der beiden unterstreicht diesen Gegensatz und ist gleichzeitig typisch dafür. Die Arbeit wird dargestellt als ein notwendiges Übel, als Zwang und Pflicht, die Freizeit jedoch als das Gegenteil davon. Gleichzeitig ist die Arbeit heute größtenteils unmenschlich geworden und vermag kaum noch einen Menschen zu befriedigen. Dadurch erzeugt sie auch den notwendigen Frust für ein einwandfreies Konsumverhalten, der Mensch versucht seinen Frust in der Hetze nach Wunschbefriedigung zu vergessen.
Das von der Gesellschaft gepredigte Glück steht logischerweise im Gegensatz zum Glück des Mitmenschen. Wenn Glück käuflich ist, dann bedingt seine Verwirklichung einen dauernden Kampf gegen alle anderen Menschen, denn diese werden dadurch zu Konkurrenten. Je egoistischer wir sind, umso mehr können wir auf Glück hoffen. Das ist die materialistische Philosophie. Der Krieg ist nur eine konsequente Weiterführung dieses Denkens und in solchen Gesellschaften früher oder später unvermeintlich. Und das soll uns wirklich glücklich machen? Daran dürfen wir wohl zweifeln!
So müssen wir uns also fragen, was für andere Möglichkeiten wir haben, glücklich zu sein. Wir sind glücklich, wenn wir keine Wünsche haben, nicht umsonst gibt es die Redewendung “wunschlos glücklich”. Glück und Wunschfreiheit stehen in enger Beziehung zueinander. Also kann auch die Vermehrung der Wünsche nicht zu mehr Glück führen, sondern sie führt uns im Gegenteil vom Glück weg. Davon gibt uns die heutige Gesellschaft ein gutes Zeugnis. Die entscheidende Frage scheint also zu sein, wie wir unsere Wünsche einschränken können, bzw wie wir verhindern können, dass immer mehr Wünsche entstehen. Wir wollen uns hier nicht in philosophischen Erörterungen verlieren jedoch wird es jedem einleuchten, dass wir umso weniger künstliche Bedürfnisse brauchen, je zufriedener wir mit unserem alltäglichen Leben sind. Die ganzen künstlichen Bedürfnisse sind eigentlich nur Ventile für den Frust. Wenn wir also den täglichen Frust abbauen, dann haben wir schon einen wichtigen Schritt in Richtung Wunschfreiheit getan.
Neben der bereits dargestellten Trennung zwischen Arbeit und Freizeit gibt es noch einen anderen wichtigen Grund für die Frustration des Menschen, und das ist seine Beziehungslosigkeit. Die meisten Menschen haben keine Beziehung mehr zu ihrer Arbeit, sie haben keine Beziehung zu ihrer Nahrung, sie haben keine Beziehung zu der Umwelt, in der sie leben, sie leben praktisch in Isolationshaft.
Die Selbstversorgung ist nun ein Ausweg aus dieser frustrierenden Situation des Menschen. Sie hebt die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit auf und bringt uns wider eine tiefe Beziehung zu unserem täglichen Leben. Das gibt uns ein völlig neues Lebensgefühl und führt zu einer Neuordnung der Werte. Die Gesellschaft versucht uns einzureden, dass der Wert einer Ware gleichbedeutend ist mit ihrem Preis. Dabei scheint es bei kritischer Betrachtung eher umgekehrt zu sein: je wertloser etwas für unser Leben ist, umso teurer wird es verkauft und erstaunlicherweise auch gekauft. Als Selbstversorger erkennen wir den wahren Wert der Waren und lassen uns von der Gesellschaft keine Wertmaßstäbe mehr vorschreiben. Dadurch werden auch solche Auswüchse wie die Lastzugweise Vernichtung von Lebensmitteln unmöglich.

Zwei grundlegende Probleme der heutigen Gesellschaft sind die Spezialisierung und die Zentralisierung, beide werden immer mehr auf die Spitze getrieben. Ohne sie wären die meisten heutigen Probleme gar nicht möglich, zumindest nicht in diesen Größenordnungen.
Eine übertriebene Spezialisierung bedeutet, den Überblick zu verlieren und das Ganze nicht mehr als solches zu erkennen. Das Spezialistentum führt zu einer total beschränkten Sichtweise, durch die der Mensch die Natur und letztlich sich selbst vernichtet. Ein Spezialist kann durch seine Arbeit nicht wirklich erfüllt werden, weil sie viel zu einseitig ist. Er wird im Arbeitsablauf zu einer Maschine, die auf möglichst große Leistungsfähigkeit auf einem ganz speziellen Bereich eingestellt ist. Das hat zwar eine unheimlich schnelle technische Entwicklung zur Folge, aber was nützt diese uns, wenn die Menschheit geistig nicht mithalten kann und sich infolgedessen selbst zerstört?
Eine übertriebene Zentralisierung bedeutet Machtkonzentration und das Bestreben, diese Macht auszunützen und auszubauen. Macht ausbauen bedeutet aber notwendigerweise, alle anderen möglichst schwach und abhängig zu machen. So ist jeder Mensch in der heutigen Gesellschaft davon abhängig, das die E-Werke Strom liefern, dass die Gemeinde Wasser liefert, dass die Oil-Company Benzin liefert, dass das hoch komplizierte Transportsystem funktioniert usw...
Atomkraftwerke sind genauso Ausdruck der übertriebenen Zentralisierung und Machtballung wie Atombomben. Dabei bringt eine Zentralisierung in diesen Größenordnungen gar keinen Vorteil mehr, weil die Organisation, Überwachung und die anderen notwendigen zusätzlichen Aufwände (z.B. Transportwege) einen ungeheuren Mehraufwand bzw Verlust bedeuten. Ei typisches Beispiel dafür: der moderne Bauer verkauft die gesamte Milchmenge an die Molkerei, diese verkauft den Milchüberschuß an die Firma, die Milchpulver daraus herstellt, das Milchpulver wird an die landwirtschaftlichen Genossenschaften verkauft und dort kauft es der selbe Bauer um seinen Kälbern die Milch zu ersetzen die er an die Molkerei verkauft hat, anstatt sie direkt zu verfüttern. Das muß doch für einen gesunden Menschen völlig absurd klingen, aber das wirklich absurde dabei ist, dass der Bauer von der Molkerei für die Milch wesentlich mehr Geld bekommt wie er auslegen muß, um die entsprechende Menge Milchpulver zu kaufen.
Da es sich hierbei kaum ein Perpetuummobile der freien Marktwirtschaft handeln wird, kann es sich nur um eine total absurde Subventionswirtschaft handelt, die natürlich letztendlich wir selbst bezahlen müssen.
Nun können wir nicht erwarten, dass die Machthaber die Spezialisierung und Zentralisierung abbauen werden, selbst wenn wir es verlangen, denn sie sind ja sozusagen ihre Machtmittel. Die einzige Möglichkeit ist, dass möglichst viele Menschen nicht mehr mitspielen. Und diese Möglichkeit bietet uns die Selbstversorgung. Selbstversorgung bedeutet die Spezialisierung und Zentralisierung wieder auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Wie in allen Bereichen ist es auch hier wichtig, ein vernünftiges Maß zu finden. Es ist weder vernünftig, wenn wir uns alles selbst herstellen, noch wenn wir uns überhaupt nichts mehr selbst herstellen. Wir müssen einen Weg in der Mitte zwischen diesen Gegensätzen finden.
Sich sein eigenes Gemüse selbst anzubauen ist sicher ein erster großer Schritt in diese Richtung, den jeder von uns verwirklichen kann. Wir verschaffen uns dadurch nicht nur gesundes und schmackhaftes Gemüse, sondern können auch eine völlig neue Beziehung zu unserer Nahrung und zur Natur aufbauen. Wer diesen Schritt geschafft hat, kann dann an weitere Schritte denken

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#2 von Rhiann , 18.09.2009 07:47

Hallo!

Erst mal vielen Dank, dass du den Text an uns weiter gegeben hast!
Da ich selbst schon öfter mit dem Gedanken Selbstversorgung gespielt habe, allein schon um ein bisschen unabhängiger sein zu können und eine bessere Beziehung zur Natur zu finden, konnte ich mir deinen Beitrag hier natürlich nicht entgehen lassen.
Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass er mir die Augen geöffnet hat. Vieles was hier genannt wurde war mir nicht wirklich bewusst. Vielleicht ahnete ich es im Unterbewusstsein, aber so direkt habe ich über das Thema Abhängigkeit und den schwankenden Wechsel zwischen Wunscherfüllung und Glück und dem daraus resultierenden Frust, gar nicht nachgedacht. Dabei liegt das alles eigentlich auf der Hand!
Ich stimme mit dem Gesagten ebenfalls zu 100% überein und werde meine Bemühungen ein vernünftiges Maß zu finden nun noch verstärken. Und wer weiß, vielleicht findet sich das sogenannte 'Glück' gerade darin.

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#3 von geraldhu , 23.09.2009 12:42

Hallo Eiche,

vielen Dank für das Einstellen des Textes.

Vieles war mir schon klar bevor ich diese Gedanken zur Selbstversorgung gelesen habe, deshalb habe ich schon vor einiger Zeit begonnen das eine oder andere in meinem Leben umzusetzen. Dazu bedarf es, wie in diesen Zeilen zu lesen, einer entsprechenden inneren Lebenseinstellung.

Das kommt nicht von Heute auf Morgen. Manchmal braucht es dazu einen entsprechenden Anstoß, oder das Leben selbst hält es einem unverblümt vor Augen - über den Umweg einer Krankheit oder anderer vielleicht äußerst unangenehmer Lebensumstände, die auf den ersten Blick scheinbar nichts damit zu tun haben. Doch wenn wir gewillt sind, nehmen wir solche Situationen dankbar an.

Dann geschieht eine Wandlung in unserem Bewußtsein. Und aus dieser Wandlung resultiert dann, wie jeder von uns weiß, eine andere Lebenseinstellung und wir betrachten die Welt mit ganz neuen Augen. Und schließlich beginnen wir das eine oder andere in unserem Leben zu ändern.

Letzteres erfordert (meiner Erfahrung nach) oft großen Mut. Auch weht uns in der Folge der eine oder andere (heftige) Wind um die Ohren. Doch wir gehen unbeirrt unseren ureigenen Weg - nicht weil wir gegen etwas sind, sondern weil wir erkennen das wir so frei werden, auch wenn das bedeutet Verantwortung zu übernehmen für alle unsere Belange, für alle unsere Lebensumstände und so wie wir sind.

Gerald

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#4 von Blattregen , 28.01.2010 13:10

Seid gegrüßt,

ich habe mir jetzt den Text durchgelesen und kann ihm nur zustimmen.

Meine Gedanken dazu sind...

Um wirklich glücklich zu werden, brauchen wir nicht unbedingt einen Garten zu haben und uns unabhängiger machen. Sondern glücklich sind wir dann, wenn wir merken was wirklich im Leben zählt. Das ist nicht das Auto, nicht der teure TV, die Arbeit oder sonst für materielle Dinge, sondern die Familie, die Menschen die wir lieben, die Lebewesen die unser Leben begleiten und natürlich auch Gesundheit. Also eigentlich das, was man nicht kaufen und nicht bezahlen kann. Alles wofür wir Geld ausgeben, macht uns nicht glücklich, sondern spielt uns nur Glück vor.

Einen Garten zu haben und etwas anzubauen ist ein schöner Gedanke.
Meine Frau und ich spielen auch mit diesem Gedanken aber mehr in Bezug auf Kräuter. Um sich wirklich unabhängiger zu machen, fehlt wohl jedem der große Garten. Denn allein um genug Kartoffeln anzubauen, um den Winter zu überleben, braucht man schon ein großes Feld. Und das ist nur ein Beispiel. In kleinen Mengen kann man vielleicht einen Wocheneinkauf an Obst und Gemüse einsparen und sich freuen das man selbst etwas angepflanzt hat und kein Geld ausgeben musste aber für Größeres wird es wohl nicht reichen.

Da müsste man schon eine Kolonie errichten oder einfach ein Dorf in dem alle so denken und gemeinsam alles anbauen was man braucht. So wie die Puritaner in den USA. Dann kann man wirklich unabhängig werden was Lebensmittel angeht.

Ansonsten bleibt es einfach ein schöner Traum bzw. ein sehr, sehr kleines Stück Unabhängigkeit. Das ist zumindest meine Meinung dazu.

Blessed be

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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#5 von Solitaire , 28.01.2010 15:00

Meiner Meinung nach liegt die Zukunft in der Permakultur.

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#6 von Moondog , 07.12.2010 01:22

Vielen Dank für den Text... auch wenn man es eigentlich doch schon weis ist es gut ab und an mit gut gesetzten Worten wieder daran erinnert zu werden. (Ich war gerade dabei im großen Einkaufszentrum nach Handys und Laptops zu gucken *grins*)

Ich hatte das gerade für zweieinhalb Jahre... ein kleines Hexen-Hinterhäuschen mit Holzofenheizung, auf dem ich im Winter auch gekocht habe und einem großen Garten. Es ist eine Menge wirklich schwerer Arbeit aber es "erdet" und ist so viel befriedigender als in einem Büro zu sitzen und Abends auf dem Heimweg schnell noch im Supermarkt vorbeizustürzen das es sich kaum in Worte fassen lässt... mich hat es glücklich gemacht... trotz wehem Rücken und vom Holz hacken angschlagenen Schienbeinen.

Lustigerweise haben viele Bekannte mich bemitleidet... bis zum Tag an dem sie bei mir zu Besuch waren... ab dann waren sie nicht mehr so sicher ob eine Zentralheizung wirklich das "Maß aller Dinge" sein kann *lach*.

Liebe Grüsse
von Dagmar

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#7 von wanderbenny , 07.12.2010 11:17

Zitat von Moondog

Lustigerweise haben viele Bekannte mich bemitleidet...



Das kenne ich auch! In meiner Wohnung sind Küchen- und Wohnbereich alles ein großer Raum, wo im Küchenbereich ein Holz/Kohle-Herd steht. Mit dem guten Stück kann ich
1.) die ganze Wohnung heizen (wenn ich Bad- und Schlafzimmertüren offen lasse) - brauch die Heizung nicht aufdrehen
2.) Warmwasser bereiten
3.) Kochen und backen - spart Elektroenergie, brauch den E-Herd nicht anmachen

Da ich das auch meistens alles voll nutze - sogar öfter mal Brot selber backe - sagen einige meiner Bekannten auch, dass ihnen das alles viel zu mühsam sei, wo wir doch jetzt alles viel bequemer haben können. Aber genau diese Bekannten sind es, die dann auch über Wehwehchen an der Wirbelsäule, den Gelenken oder im Herz-Kreislauf-System klagen. Wer rastet der rostet, ein uraltes Sprichwort bewahreitet sich immer wieder.
Naja, und einen Garten habe ich ja auch, wo ich eigenes Obst un Gemüse anbaue. Allerdings bin ich da auch der Meinung, dass wir da nicht alles selber anbauen müssen. Die Biobauern sollen auch leben.
Ja und glücklich macht es mich auf alle Fälle, wenn ich abends im warmen Zimmer sitze, wo ich das Holz selbst für gesägt und gehackt habe und dann selbstgebackenes Brot essen kann und der Teekessel auf dem Herd pfeifft! Und jetzt in der Adventszeit natürlich ein Bratapfel (vom eigenen Baum) in der Röhre brutzelt

LG Wanderbenny

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#8 von Tríona Ní Erc , 07.12.2010 13:08

Bei uns zuhause wird auch vieles selbst angebaut. Wir haben 2 Gärten, einen direkt am Haus(mittlerweile nur noch als Wohlfühloase mit Blumen, Kräutern und Bäumen genutzt) und einen, der etwas weiter außerhalb liegt. Wir bauen alte Gemüsesorten und Kartoffeln selbst an, und dank mir jetzt auch Färbepflanzen
Es ist zwar eine Menge Arbeit...aber wenn am Abend mit prallgefüllten Körben voll leckerem Gemüse zurückkommt, oder die Färbepflanzen schön in Büscheln zum Trocknen aufgehängt hat, gibt einem das doch ein ganz anderes Gefühl, als wenn man den PC ausschaltet und kein greifbares Resultat vor sich hat
Ich steh auf dreckige Hände, die ehrliche Arbeit leisten

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#9 von matodemi , 22.12.2010 09:40

Der Artikel ist interessant, aber:
Er ist mir zu verallgemeinernd.
Es wird noch nicht einmal eingeräumt, dass Arbeit (obwohl hier ohnehin meist nicht Arbeit sondern Erwerbstätigkeit gemeint ist, was schon mal ein großer Unterschied ist), auch Spaß machen kann und befriedigend sein kann.
Und Wunscherfüllung wird zumeist in materialistischer Hinsicht gesehen, auch das greift mir zu kurz.

Dass darüber hinaus das Ganze eine schöne Theorie ist, die sich kaum umsetzen lässt, jedenfalls nicht für eine große Menge Menschen ist ein weiterer Kritikpunkt den ich ansetze.

Dass der Bauer, wenn er die Milch an die Kälber verfüttert, kaum welche zum Verkauf anbieten kann, jedenfalls nicht genug um davon zu leben wird auch übersehen. Er braucht aber Einnahmen, um z. B. seine Kleidung zu kaufen, die er nicht selber herstellen kann, weil er ja mit anderen Dingen (Pflege des Viehs, möglicherweise auch noch Ackerbau) beschäftigt ist....

Was dafür dann gänzlich fehlt sind konkrete Vorschläge, es bleibt alles in einem allgemeinen Denkmodell....

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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#10 von WaldSeele , 24.12.2010 00:28

Zitat von wanderbenny

Ja und glücklich macht es mich auf alle Fälle, wenn ich abends im warmen Zimmer sitze, wo ich das Holz selbst für gesägt und gehackt habe und dann selbstgebackenes Brot essen kann und der Teekessel auf dem Herd pfeifft! Und jetzt in der Adventszeit natürlich ein Bratapfel (vom eigenen Baum) in der Röhre brutzelt


Ach, das hast Du schöööön formuliert
ich erinnere mich.. wie schön das war, als ich noch so gewohnt hab.. ja, es war auch schwer, tagelang selber Holz zu hacken, immer auf der Suche nach Holz, wenig Geld (okay, das hat sich nicht geändert )...
Brot hab ich auch selbst gebacken, selbst gepflanztes Gemüse für viele Freunde gekocht und diese Behaglichkeit des Feuers fehlt mir wirklich sehr.. es war schon eine richtig gute Zeit und ich wünsche mir diese Art zu leben wieder. Vielleicht irgendwann wieder.. ein Traum von mir
Ich hab auch oft gehört, "dass Du Dir das antust!", aber auch, wie gut es ihnen gefiel in meinem nach Flieder duftenden verwilderten Garten mit frisch gepflücktem Salat und Kräutern vom Beet direkt auf den Tisch.

Die Vorstellung, dass Glück und Zufriedenheit von Geld abhängig sei, ist leider sehr verbreitet. Vor kurzem las ich irgendwo, dass jemand schrieb, es sei schade, dass Weisheit und Erkenntnis nur von denen bezahlt/erworben werden könne, die genug Geld für Kurse hätten. Das ist ja im Endeffekt eben gar nicht der Fall, denn zu Weisheit und Erkenntnis kann man durch Lebenserfahrung gelangen, auch mit gaaanz wenig Geld, z.B. durch ein "anderes" Leben, wie es in diesem Strang beschrieben wird. Bestimmt ist es ganz hilfreich, wenn man selbst hier schon "anders" denkt. Und wer der Natur so verbunden ist, wie viele hier, der hat auch schon ein anderes Bewusstsein diesbezüglich, denk ich mal.

Meiner Meinung sollten wir bei uns selbst anfangen und kleine Änderungen bzw. Denkanstöße in die Welt, in das direkte soziale Umfeld oder über Blogs, Foren, wo auch immer in die Welt tragen. Wer sich davon anregen lassen mag, der ist meist schon auf einem "anderen" Weg und hat schon mehr Bewusstsein für diese Dinge. Selbstversorgung ist auf jeden Fall ein spannendes Thema, aber mir persönlich fehlt zur Zeit die Kraft für so etwas, obwohl ich es gerne würde. Ich glaube, solche Dinge lassen sich am Besten in Gemeinschaft leben, allerdings ist es auch dort wiederum schwierig, zusammen zu kommen, da verschiedene Menschen ja verschiedene Ansichten zu den Dingen haben. Und wie matodemi schon schreibt, muss ja irgendwo das Geld herkommen für die Dinge, die man aufgrund der harten Arbeit mit Feldbestellung und Tieren u.ä. nicht bewerkstelligen kann. Wichtig find ich auch, dass diese Art zu leben Freude machen soll, sie soll nicht in Verbitterung oder Zwang ausarten, nur um sich von der Masse abzuheben, was meiner Erfahrung nach leicht passieren kann in solchen Gemeinschaften, die 'um jeden Preis' auf diese Weise leben wollen.

Positiv find ich auch das Umsonstladenkonzept und Tauschgeschäfte, auch diese Dinge gehen weg vom Konsumzwang und materialistischem Denken und öffnen für neue Konzepte. Denn jeder hat was, vll auch mehr, das er nicht mehr braucht, das aber anderen noch sehr von Nutze sein kann. Und jeder kann was, das ein Anderer gut brauchen kann, der auch wieder was anderes kann. Diese Ideen bilden ebenso eine Gegenkultur zur Wegwerfgesellschaft und ihren Nebenwirkungen.

Es ist auf jeden Fall spannend und sollte tiefer gehend bedacht sein, aber ich finde, auch schon im sehr kleinen Rahmen, z.B. auf dem Balkon oder beim Aufsammeln von liegengebliebenen Kartoffeln nach der Ernte oder bei gesammelten Äpfeln, die sonst liegen bleiben und verfaulen würden, auch daraus kann man schöne und nahrhafte Dinge selbst herstellen. Oder man kann sich was schenken lassen von Bauern oder Kleingärtnern, die zuviel haben. Auch all diese "kleinen Dinge" ändern das Bewusstsein. Und das brauchen wir.
Wie in meinem Lieblingszitat: 'Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt' (Gandhi)

In diesem Sinne.. wünsch ich Euch gute Inspirationen für ein "anderes" Leben!

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#11 von WaldSeele , 24.12.2010 02:04

zu meinem Beitrag vor diesem hier sind mir grad noch ein paar aussagekräftige Links eingefallen, hab mich mit dem Thema schon zu anderen Zeiten ausführlich beschäftigt:

anders leben wiki
http://www.autoorganisation.org/...hp/Anders_Leben

Netzwerk für eine zukunftsfähige Lebensweise
http://www.anders-besser-leben.d...w&id=5&Itemid=6

schöne Grüße .. und.. gute Denk-Anstöße!

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#12 von Niels , 19.01.2011 16:40

Mittlerweile gibt es zum Glück haufenweise Konzepte sich aus dem "normalen" Konsum-system aus zu klinken.
Selbstversorgung hat unheimlich viele Aspekte: Medizinische Versorgung, Infrastruktur, Dienstleistungen (unterschiedlichster Art), Nahrung und vieles vieles mehr und fast alles davon könnte ein eigenes Thema sein.
Problematisch das der Austausch von Dienstleistungen, natürlich immer auch als Schwarzarbeit gelten kann (Worauf man ein wenig achten sollte oder sich nicht erwischen läßt).
Glücklicherweise habe ich einen Job, der mir viel Spaß macht und voll befriedigt (auch wenn man natürlich zeitweise auch bereit wäre weniger Zeit damit zu verbringen). Da ich es eben nicht schaffe, mein Essen vollständig selber an zu bauen, bin ich Mitglied in einer Hofgemeinschaft ganz in der Nähe. Dort trage ich (sozusagen) etwas Geld hin, um einen Ernteanteil zu bekommen, der aus definierten Mengen mehrerer Erzeugnisse des Hofes besteht. Das Angebot richtet sich natürlich nach der Saison und ggf. auch dem Wetter, sodass kein Supermarkt-feeling aufkommt. Da geht es ziemlich entspannt zu und ich kenne die Erzeuger meines Essens, die Flächen und die Methoden mit denen sie arbeiten- was will man mehr?
Was ich da nicht bekomme oder unterwegs mal brauche, wird auf herkömmlichem Wege beschafft- wobei mir mein Gewissen nicht so arg zusetzt. So richtige Selbstversorgung ist hier zu Lande nur sehr schwierig zu verwirklichen, schon alleine weil ich meine Jeans nicht selber anbauen kann (die Dinger bewurzeln einfach nicht-egal was ich mache).
Ein bisschen mitspielen muss ja eben doch.
Da ich aber nicht an eine Gruppe von Machthabern glaube, die dieses System geschaffen haben und beherrschen, setzt es mir nicht so zu. Wenn wir alle unseren Teil tun, wird sich das Bewußtsein der Masse früher oder später erweitern und die Gesellschaft sich wieder verändern (in die eine oder andere Richtung- je nachdem was der Masse gut gefällt).

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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#13 von Victoria , 17.06.2011 21:14

Hi
Ich habe eine Frage an alle, die sich mal für eine Zeit lang selbst versorgt haben:
Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch? Kann man da noch gut den Tag mit was anderem zubringen oder hat man keine Zeit mehr für viel anderes?

Denn ich überlege, das auch zu machen, evtll. parallel zu einem Fernuni-Halbzeitstudium. Meint ihr, das könnte Zeitlich hinhauen?

Anbauen, Holzhacken etc. kann ich - dafür brauche ich also keine Lernzeit

Liebe Grüße,
Victoria

 
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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#14 von Moth , 18.10.2011 23:14

Selbstversorgung ganz alleine finde ich ziemlich schwierig. Aber es gibt zum ja z.B. Lebensgemeinschaften, aber eben nicht überall.

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RE: Gedanken zur Selbstversorgung

#15 von Victoria , 26.10.2011 22:28

Dass das in ner Gruppe besser geht, hab ich mir auch schon gedacht - manche Dinge sind einfach schwierig, ganz alleine zu machen, (schwere/große Dinge heben) oder lohnen sich für nur einen gar nicht richtig (Tierhaltung z.B.)

Ich werde einfach mal schauen, was sich ergibt - man muss für den eigenen lebensweg nur offen sein, dann findet man ihn/er einen schon...

Danke aber für die Idee
Victoria

 
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