Eine Frage der Sichtweise

#1 von Siebenstern , 18.07.2010 22:59

Ich mache mir Gedanken über die Sichtweisen bzw. die Gewohnheiten, die jeder so für sich entwickelt.

Also es ist total hilfreich Gewohnheiten zu haben, denn sie geben Sicherheit und machen den Alltag z.B. leichter.
Für Kinder z.B. sehr wichtig, aber auch für Erwachsene.

Nur wir schränken uns auch ein, denn wir machen eine Sache immer so und nicht anders und dadurch nehmen wir uns auch Potenial, Kreativität und Möglichkeiten.

Ich bzw. wir (mein Partner und ich) durchwandern z.B. unseren Wald häufig täglich, mal morgens, meist eher abends, also zu verschiedenen Tageszeiten, wir laufen, sitzen, lauschen, meditieren, reden, schweigen etc. Meist gehen wir die gleiche Runde mit wenigen Abweichungen.

Nun sind wir zur Zeit gezwungen ihn von einer ganz anderen Richtung aus zu bewandern, wegen Straßenarbeiten und keine Zufahrt zu unserem gewohnten Parkplatz. Jetzt durchwandern wir ihn gerade von hinten nach vorne also genau andersherum und es ist wie ein völlig neuer Wald und das macht mich platt, aber glücklich und ich finde es total genial, dass ein und derselbe Wald von einer anderen Richtung aus eine völlig neue Erfahrung ist.

Sollte man alles mal ab und an von einer ganz anderen Seite aus sehen, machen, hören etc.?

Herzliche Grüße
Siebenstern

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#2 von Solitaire , 18.07.2010 23:07

Ja, warum nicht??? Manchmal ist ein Wechsel der Sichtweise doch sehr anregend und bringt neue Inspiration.

 
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RE: Eine Frage der Sichtweise

#3 von Ravenwings , 18.07.2010 23:10

Ich persönlich finde schon man sollte nicht zu sehr in seine Gewohnheiten fallen und auch mal was neues ausprobieren. Das kommt denk ich aber auf die Situation an. Bei extremen Situationen überlegt man sich es gut, was man neues macht (Bsp. Bungee Jumping ). Abwechslung hat dennoch noch nie geschadet, vor allem wenn es sich um die alltäglichen und vergleichsweise banalen Dinge des lebens handelt. Wichtig ist aber doch dass man ein gutes Gefühl dabei hat, egal was man macht. So sei es jedem auf jeden fall überlassen wie er sich am meisten wohl fühlt. Ich für meinen Teil probier gerne mal neues aus, besonders wenn mir die alten Gewohnheiten zu langweilig werden
Die Abwechslung ist die Würze des Lebens!

Gruß

Raven

 
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RE: Eine Frage der Sichtweise

#4 von Qwendan , 18.07.2010 23:19

Für mich sind Rituale sehr wichtig
meist als Grudramen z.B. mein morgentilche Rituale.
Ich bedanke mich bei den Elementen
Es läuft aber selten gleich ab, hat andere Formen, Gedanken, Worte...........
doch ohne wirds ein merkwürdiger Tag.

 
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#5 von Fingayin , 18.07.2010 23:29

Hehe...also entschuldigt das ich so grinse aber das hat einen Hintergrund.
Beim Bardengrad des OBOD gibt es einen Gwers wo man sich mit seinem Kind und seinem Alterego trifft und die beiden unterhalten sich lange.
Sorry das ich wieder damit anfange, aber es läuft immer wieder darauf hinaus und zeigt wie wichtig es ist.
Ich gebe meinem innern Kind sehr oft den Vorzug.
Es ist neugierig,will endecken und deswegen oft einen anderen Weg zum selben Ziel weil der Weg immer anders ist und immer voll mit Überraschungen.

 
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#6 von Oak King , 19.07.2010 00:43

Zitat von Siebenstern
Jetzt durchwandern wir ihn gerade von hinten nach vorne also genau andersherum und es ist wie ein völlig neuer Wald und das macht mich platt, aber glücklich und ich finde es total genial, dass ein und derselbe Wald von einer anderen Richtung aus eine völlig neue Erfahrung ist.



Eine ganz aehnliche Erfahrung habe ich letzten Mittwoch ebenfalls gemacht. Hab naemlich mit der Schmalspurbahn eine Reise durchs Nachbartal gemacht, die trotz der Naehe zur gewohnten Strasse voellig andere Eindruecke hinterlassen hat. Besonders die Strecke zwischen Rhydd Ddu und Beddgelert hat es mir angetan und es ueberrascht mich jetzt ueberhaupt nicht mehr dass die alten Leute dieses Gebiet noch als Gwlad y Tylwyth Teg kannten, auf deutsch Land der Tylwyth Teg, dem sagenhaften walisischen Feenvolk kannten die dort im Sommer unter den Farnen lebten.

Zitat von Fingayin
Ich gebe meinem innern Kind sehr oft den Vorzug.



Nachdem ich vor gar nicht allzu langer Zeit auf einige lokale Legenden und Mythen gestossen bin in denen Feen und Riesen die Hauptcharaktere sind kann ich mich des Gefuehls nicht erwehren dass mein inneres Kind immer mehr zum Vorschein kommt. Und wisst ihr was, ich find's einfach aufregend!
Jauchzende Gruesse aus einem regnerischen Wales,
Holger

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#7 von Fingayin , 19.07.2010 00:52

he,Oak King...Lass Das Kleine Volk Dich wieder endecken.
Schön das Du Dich wieder findest.

 
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#8 von Inge , 19.07.2010 08:31

Es heiß doch so schön :"der Mensch ist ein Gewohnheitstier" ... Ist zwar so, aber nutzen es Menschen all zu oft als Entschuldigung aus, um den bequemeren Weg zu gehen, ohne diesen zu hinterfragen.

Denn auch wenn wir "Gewohnheitstiere" sind, ist es doch wichtig, seine Handlungen des Alltags, seine Verhaltensweisen etc. zu hinterfragen. "Sind sie noch für mich gültig?" "Fühle ich mich damit noch wohl?" "Auf welchen anderen Weg, könnte ich evtl. mein Ziel erreichen?" "Welche anderen Sichtweisen könnte es noch geben und kann ich diese für mich annehemen, sind sie für mich stimmig ?"

Ja, das kann ein spannendes Erlebnis sein, seinen Weg einmal anders zu behen und somit von einer ganz anderen Seite kennenzulernen ...

Achtung, jetzt kommen noch ein paar allzubekannte schlaue Sprüche, die immer gerne gesagt werden : "Jede Medaille hat zwei Seiten", "man sollte immer alles von verschiedenen Seiten betrachten" etc - ihr kennt sichelich auch noch genug ähnliche

Schön und spannend finde ich solche Erlebnisse, da diese so wunderbar auf unser Leben übertragen werden können ... Die Natur als unser Philosoph und Therapeut ?

LG

 
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RE: Eine Frage der Sichtweise

#9 von angelikaherchenbach , 19.07.2010 08:54

Ja, Kinder ("echte" und innere ) sind in dieser Hinsicht wunderbare Lehrmeister!

In den langen harten jahren meines Lebens, in denen ich bei voller Berufstätigkeit 2 Kinder alleine großgezogen habe, waren feste Gewohnheiten und Abläufe überlebenswichtig; sie gaben dem Tag Struktur, um mit der Vielzahl der Notwendigkeiten klar zu kommen. Und Kinder lieben und brauchen Rituale. Und Konstanz (= "Heimat").

Aber irgendwann kam immer ein Moment, wo diese festgefügten Abläufe nicht immer funktionierten, nicht mehr stimmig waren.
Und es dauerte bei mir oft eine Weile, bis ich dann kapierte, dass die Kinder sich einfach weiterentwickelt hatten - und ich nicht hinterherkam.

Leben ist Entwicklung, Veränderung, Wachstum - auf der Basis der ewigen Widerkehr.

Und es tut gut, ab und zu bewußt und gezielt etwas anders zu machen als gewohnt, um die Vielfalt des Lebens wieder war zu nehmen.
Nicht sich im Kreis drehen, sondern die sie sich aufwärts entwickelnde Spirale eben...

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#10 von Inge , 19.07.2010 08:59

ach , das hast du wieder schöööön gesagt

LG

 
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RE: Eine Frage der Sichtweise

#11 von angelikaherchenbach , 19.07.2010 09:03

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RE: Eine Frage der Sichtweise

#12 von Siebenstern , 19.07.2010 11:11

@ Qwendan: Ja, ich hab z.B. auch ein Morgenritual, welches ich schon lange mache, es gab Zeiten, da ging ohne dies Ritual nix am Tag. Ich brauchte das, jetzt ist es so, dass ich das auch locker handhabe, also Tage wo mal viel ist, da fällt es aus, es ist dann ok. Grundsätzlich ist es aber gut Rituale nicht zu viel zu verändern bzw. die Zeiten dafür etc. Denke, die Beständigkeit dabei hat auch ihren Reiz bzw. Wert.

@Fingayin:

Zitat von Fingayin
Beim Bardengrad des OBOD gibt es einen Gwers wo man sich mit seinem Kind und seinem Alterego trifft und die beiden unterhalten sich lange.
Sorry das ich wieder damit anfange, aber es läuft immer wieder darauf hinaus und zeigt wie wichtig es ist.


Das mit dem Inneren Kind find ich total cool. Ich kenn das aus der Traumatherapie, und hab gestern schon was gelesen über Mabon, das mythische Kind und den Haselstrauch. Ich finde das gerade so spannend, denn es scheint in der modernen Traumtherapie z.B. vieles aus natur-schamanischen und buddhistischen Richtungen genommen worden zu sein. Wahrscheinlich hab ich schon länger druidisch-schamanisch praktiziert und ich wusste es nur nicht .

Auf das innere Kind gut und genau zu hören ist sicher richtig, ob man dann immer das tut, was es gerade möchte, ist dann eine andere Frage

@Holger:

Zitat von Oak King
Nachdem ich vor gar nicht allzu langer Zeit auf einige lokale Legenden und Mythen gestossen bin in denen Feen und Riesen die Hauptcharaktere sind kann ich mich des Gefuehls nicht erwehren dass mein inneres Kind immer mehr zum Vorschein kommt. Und wisst ihr was, ich find's einfach aufregend!
Jauchzende Gruesse aus einem regnerischen Wales,



Gib ihm Nahrung!

@Inge: Jo, ich denke auch, in gewissen Lebensphasen ist es dran mal zu schauen, was alt und gut ist oder was man verändern kann. Bei mir fängt sie wohl gerade an.

Zitat von Inge
Schön und spannend finde ich solche Erlebnisse, da diese so wunderbar auf unser Leben übertragen werden können ... Die Natur als unser Philosoph und Therapeut ?


Ja, genau, die Natur kann so vieles. Wird mir gerade mehr und mehr klar
Und ich geh jetzt erstmal Rasen mähen

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RE: Eine Frage der Sichtweise

#13 von Belbara , 19.07.2010 11:58

Hei,

ist schon schön, wenn man Dinge auch immer mal wieder anders machen/denken kann - allerdings ist zumindest ein Teil unseres Gehirns (das "Reptiliengehirn") tatsächlich darauf programmiert, daß bestimmte Dinge immer gleich ablaufen. Das half (und hilft) beim Überleben - Routine in bestimmten Abläufen ist also per se nix Schlimmes

Andererseits hätte sich unser Gehirn niemals weiterentwickelt, wenn unsere Vorfahren nicht immer auch wieder neue Dinge, Wege, Gedanken er- oder gefunden und ausprobiert hätten. Ich denke, es ist eine Frage der Balance - und individuell auch unterschiedlich. Zwischen "ich steh jeden Morgen um Punkt 7.47 auf, putze meine Zähne mit 20 Bewegungen und spüle dreimal aus" und "heute steh ich um 8 auf, morgen um 11 und am Sonntag gar nicht" - ist ja nun einiges an Spielraum, und man kann daraus auch ganz gut charakterliche Tendenzen ablesen: der, der gar keine festen Gewohnheiten hat (was sich in unserer Gesellschaft kaum einer leisten kann) ist vielleicht ein fröhlicher Geselle, der aber kaum je ein Projekt zu Ende kriegt, während der Routinefreak ab einem gewissen Grad wohl eher unlebendig oder wie "von Moskau ferngesteuert wirkt"

Der Dalai Lama hat mal einen hübschen Satz an Ratschlägen veröffentlicht, in dem unter anderem stand, man solle sich mindestens einmal im Jahr an einen Ort begeben, an dem man noch nie vorher war - auch ein Routinebrecher. Das scheint also gut für die spirituelle Entwicklung zu sein - und für das persönliche Glücksempfinden auch

Liebe Grüße,
Belbara

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RE: Eine Frage der Sichtweise

#14 von matodemi , 19.07.2010 18:52

"Der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung ändern kann"

Ich denke, dass gilt z. T. auch für Gewohnheiten.
Einige sind sinnvoll, erleichtern das Leben, zumindest den Alltag. Und sind auch wichtig um ein "Gerüst" zu haben.
Zuviele sind eher hinderlich. Und da kann man ja mal flexibel sein (zum Beispiel auch einfach bei gewohnten Wegen einfach mal die andere Straßenseite nehmen).

Das Problem liegt wohl auch ein wenig darin erst einmal zu erkennen, was wir alles so aus Gewohnheit machen....

Und was das innere Kind angeht - ich find das toll. Aber ich muss meines erstmal finden, bzw. etwas in mir, was "kindlich" ist - auf meine Kindheit kann ich da weniger zurückgreifen, ich war eher eine kleine Erwachsene... (aber ich kann ja üben...)

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RE: Eine Frage der Sichtweise

#15 von Siebenstern , 19.07.2010 19:12

Hi ihr Lieben,

nochmal allgemein Danke an alle für eure Gedanken zu dem Thema.

@Belbara: Reptilengehirn... hab ich gerade drüber gelesen, war sicher irgendetwas mit Gehirnforschung oder so. Im Moment ist in meinem Kopf ein wenig viel zugleich.

Zitat von Belbara
Zwischen "ich steh jeden Morgen um Punkt 7.47 auf, putze meine Zähne mit 20 Bewegungen und spüle dreimal aus" und "heute steh ich um 8 auf, morgen um 11 und am Sonntag gar nicht" - ist ja nun einiges an Spielraum, und man kann daraus auch ganz gut charakterliche Tendenzen ablesen: der, der gar keine festen Gewohnheiten hat (was sich in unserer Gesellschaft kaum einer leisten kann) ist vielleicht ein fröhlicher Geselle, der aber kaum je ein Projekt zu Ende kriegt, während der Routinefreak ab einem gewissen Grad wohl eher unlebendig oder wie "von Moskau ferngesteuert wirkt"


Das ist gut getroffen, die Gefahr könnte bestehen, besonders die Beschreibung mit dem Zähneputzen ist genial. Und gar nicht mehr aufstehen wäre auch ein großes Problem.

@Matadoni:

Zitat von matodemi
"Der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung ändern kann"
Genial auf den Kopf (Punkt) gebracht.

Zitat von matodemi
Und was das innere Kind angeht - ich find das toll. Aber ich muss meines erstmal finden, bzw. etwas in mir, was "kindlich" ist - auf meine Kindheit kann ich da weniger zurückgreifen, ich war eher eine kleine Erwachsene... (aber ich kann ja üben...)



Du, das war bei mir auch so, ich sag dir, pass auf eh du dich versiehst, hast du einen Haufen Kinder an den Hacken und wünscht dir die alte vernünftige Scheinerwachsene zurück Nee, war nur Spaß, im Großen und Ganzen ist es einfach erstrebenswert beides zu haben, ne Große und eine oder mehrere Kleine

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