Was ist Dein Mitmensch für Dich

#1 von Sinaris , 16.07.2010 02:36

Was ist Dein Mitmensch für Dich?

Klingt einfach aber ich denke es ist eine weitaus schwierigere Frage, als die meisten denken. Warum? Ich meine nicht die auf die Du herabsehen magst... noch weniger die, die Du lieben magst. Ich spreche von dem Menschen den Du auf der Stasse triffst. Was ist mit dem Menschen, dessen Gedanken Du nicht einmal vermuten kannst.

Was empfindest Du für DIESEN Menschen? Vertrautheit, Deiner Art? Verbundenheit im Wesen? Ist er Dir egal? Bist Du um seine Zukunft um seinet oder DEINETWILLEN besorgt? Glaubst Du auch an seine Stärke oder fürchtest Du eher seine Schwäche?

Und was ist mit Dir? Willst Du überhaupt mit diesen Menschen verbunden sein? Willst Du lieber weit weit entfernt Du selbst sein oder schätzt Du er als ein Teil unserer Art dein Leben zu führen?

Ich weiß... das sind progressive Fragen... aber es sind die Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Beantwortet sie nur wenn ihr so nen Seelenstrip hinlegen wollt... aber wenn, dann bitte ehrlich und dann IST nicht SOLLTE!!!

Ehre und Stärke
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#2 von Cailleach-Oidhche , 16.07.2010 04:13

Gleichgültig sind mir meine Mitmenschen nicht. Was ich empfinde? Neutralität. Sie sind mir nicht egal, aber sie sind mir auch nicht wichtig. Sie sind da und das ist gut so. Nicht mehr, nicht weniger.

Manchmal fällt mir etwas an ihnen auf. Ein sympathisches Lächeln. Aussagekräftige Augen. Ein herzhaftes Lachen. Aber auch stumme Schreie. Traurigkeit im Blick. Schattenschleier der Vergangenheit.

Wenn ich ihnen begegne, wenn unsere Wege sich kreuzen - so kurz es auch sein mag - sind sie Teil von mir. Kein tief verbundener Teil, aber doch irgendwie Teil. Das ist in Ordnung, das soll so sein. Wege kreuzen sich, Wege trennen sich.

Sie sind mir nicht egal. Sollte ihnen in meiner Gegenwart ein Leid zustoßen, werde ich helfen, wenn es in meiner Macht steht. Ich helfe der Mutter, den Kinderwagen in die Straßenbahn zu tragen. Ich gebe meinen Sitzplatz für ältere Menschen her. Sie sind mir nicht egal. Aber es ist auch nicht schlimm, wenn sie mein Leben wieder verlassen.

Man kann nicht mit allem und jedem verbunden sein und doch gehört man doch irgendwie zusammen.

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#3 von Inge , 16.07.2010 07:29

Oiuiui Sinaris,

da hast du ein Thema angefangen. Ich glaube, das ist ein Thema für ein Gespräch am Lagerfeuer in der Funkenburg

Mir purzeln hier soviele Gedanken im Kopf herum und durcheinander. Schwer zu fassen und schwer auszudrücken. Ich versuche mal einige zu packen, und stichwortartig aufzuschreiben.

- Sie sind auch mir egal, nicht wichtig oder unwichtig

- sie sind mir wichtig, wenn sie mit einem Lächeln herumlaufen (steckt an und schenkt Freude)

- manche sind neutral, manche stechen aus der Menge heraus, ziehen einen an etc, vielleicht da man sich schon kennt (aus einem anderen Leben, Seelenverwandte...)

- manche sind wichtig bei bestimmten Ereignissen, wie z.B. Konzert, StraßenTheater, in einer Wirtschaft ..., hmm wie soll ich es ausdrücken auch wenn man mit Freund/Freunden unterwegs ist, ist es schön, sich weiter nach außen auszutauschen (vielleicht erweitert dies die Welle der positiv erlebten Energien ?)

- manchmal denke ich darüber nach, wieviele verschiedene Schicksale einem begegnen, wieviele unterschiedliche Lebensgeschichten ... (das gleiche erlebe ich bei den vielen Grabsteinen auf Friedhöfen) Doch wenn man sich vergegenwärtigt, wieviele Geschichten einem innerhalb von Sekunden begegnen, dann sprengt dies die Zeit, es wird zu viel ... Ich hoffe, du versehst, was ich damit meine. Fällt mir schwer, die richtigen Worte dafür zu finden ...

- manchmal liebe ich es, mich in ein Straßencafe zu setzen und die Menschen zu beobachten

- manchmal sind sie mir aber auch zu viel und ich will/kann keinen sehen oder ertragen

- ÜberlebensWichtig sind meine Mitmenschen nicht für mich. Doch vielleicht sind sie wichtig als Statisten ? Wenn ich versuche, mir die Welt ohne meine Mitmenschen vorzustellen, dann komme ich mir beinahe verlassen vor (trotz Freund/Freunde/Familie). Ich muß sie nicht immer um mich herum haben, bin eher im Gegenteil oft lieber allein und ziehe die Gesellschaft des Waldes, der Berge, des Wassers, etc. der dort lebenden Tiere und Wesenheiten vor. Doch das Wissen darum, daß die Mitmenschen irgendwo da draußen sind, ist wichtig und auf eine seltsame Art auch beruhigend.

etc. .... da schwirren noch weitere Gedankenfetzen herum, doch erstens kann ich sie schwer halten und verständlich dazulegen und zweitens, sprengt es irgendwann den Rahmen. Und ich möchte keinen hier mit einem ellen langen Roman nerven und überstrapazieren

Ich würde mich aber sehr gerne weiter darüber austauschen, da ich das Thema auch sehr spannend finde.

LG

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#4 von matodemi , 16.07.2010 14:09

Die Mitmenschen:
Sie sind - nicht mehr aber auch nicht weniger.
Und manchmal ist es eine Begegnung die auf irgendeine Art berührt - sei es durch Blicke, Worte o.ä. - und ich weiß, dass zwei Menschen einander beeinflusst haben, auf welche Art auch immer...

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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#5 von Esme , 16.07.2010 19:50

Mitmenschen?
Wie Adenauer schon sagte und in Kalenderweisheiten erwähnt wurde: Man muß die Menschen nehmen wie sie sind, es gibt keine anderen

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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#6 von angelikaherchenbach , 16.07.2010 20:11

Also ich finde Mitmenschen spannend!

Es ist doch so, dass man/frau sich meistens in ganz bestimmten "Kreisen" bewegt - ArbeitskollegInnen, Freund und Freundinnen, Nachbarn, Familie...

Die betrachtet mensch als zugehörig.
Aber es gibt noch so viele andere.
Im Supermarkt, auf der Staße, in der Kneipe - überall.

Manchmal, wenn ich ein bißchen Zeit habe, meist im Urlaub, aber manchmal auch einfach zwischendrin, gucke ich mir Leute, die ich sonst nicht wahrnehme, ganz bewußt an.
Zum Beispiel wenn ich Urlaub habe vormittags im Geschäft die Hausfrauen (eine mir völlig fremde Spezies ); oder die alten Leutchen vom Seniorenheim, die mit ihrem Rollator spazieren gehen; oder der Typ von UPS, der Pakete auf meine Arbeitsstelle liefert; oder oder oder...

Dann denke ich : Aha - so kann mensch also auch leben!
Was er/sie wohl empfindet und denkt?
Wie anders und wie ähnlich ist das meinem Empfinden und Denken?

Und dann irgend eine mehr oder weniger persönliche Bemerkung über die Hitze, das hübsche T-Shirt, die nicht auffindbare Brille - ganz egal; schon ist Verbundenheit da.

Und Dankbarkeit!
Es ist unglaublich, wie dankbar die Menschen reagieren, wenn mensch sie als Personen und nicht nur als Funktionsträger betrachtet!

Als ich Studentin war, gab es eine Pforte an der Uni mit einem ewig muffeligen Pförtner, der sein ganzes (?) Selbstwertgefühl aus der Macht zog, die Schranke zu öffnen oder geschlossen zu halten.
Jed/r war davon genervt und fand ihn doof.
Irgendwann sagte ich mal - ohne groß Nachzudenken - zu einem Kommilitonen: "Dessen Sch...-Job möchte ich nicht machen! Wie öd, den ganzen Tag in diesem Kabuff und nix als Schranke hoch - Schranke runter."
Ich traf den Pförtner ein paar Wochen später auf der Party des Kommilitonen wieder!!!! Ein total netter Typ, hoch gebildet, eloquent und belesen, leider mit einer Behinderung, die seine beruflichen Möglichkeiten stark einschränkte.


Klar, es gibt auch "doofe" Mitmenschen, mit denen ich gar nichts anfangen kann.
Aber Du vielleicht?

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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#7 von Fingayin , 16.07.2010 23:59

Du kommst ja heute mit einer elektrischen Frage nach der anderen.
Eines meiner unterbewußten Hobbys ist Menschen beobachten.
Auf dem nach Hause weg guck ich aus dem Autofenster und neben mir ist ein Kleinwagen mit drei Blondienen die sich unterhalten.
Ich steh rechts also beim Beifahrer.
Sie guckt hoch zu mir und grinst.
Wir grinsen uns die ganze rote Ampelphase an und leider fahren sie gerade aus.
Was ich damit sagen will, ich achte auf meine Mitmenschen,nicht nur auf Blondienen, aber sie gehören nicht zu meinem Leben und man kann nicht alle versuchen zu verstehen.
Dafür sind es einfach zu viele und man hat auch noch sein eigenens Päckchen zu tragen.

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#8 von Siebenstern , 17.07.2010 00:08

Ich liebe die Menschen und ich fürchte die Menschen...

D.h. ich suche sie und ich meide sie.... Herrlich paradox wie so vieles in meinem Leben.

Es gibt Tage, da hab ich für die ganze Welt und jeden meiner Mitmenschen Mitgefühl, das geht aber immer nur, wenn ich auch genauso für mich selber Mitgefühl empfinden kann.

Ich bin dem Buddhismus im Herzen sehr verbunden. Eine Meditationsübung: Stelle dir vor, dass alle Menschen, die dich umgeben und denen du begegnest, erleuchtet sind. Nur du bist es noch nicht. Nimm sie wahr und stell dir vor bzw. frage dich, was du von ihnen lernen kannst. Ich finde das ist ein ziemlich starker Gedanke, gut gegen Hochmut, der auch mich des öfteren packt. Es ist ein Übung, aber sie hilft gegen die eigene Überheblichkeit. Im Grunde weiß ich, ich bin ein Mensch und Menschen brauchen andere Menschen und ich weiß auch, dass jeder mit mir auch gemein ist, also eben auch ein Mensch.

Und es gibt auch Zeiten in meinem Leben, da weiß ich, dass in jedem Menschen etwas sehr Gutes und Liebenswertes steckt, dass man es manchmal eben nur ein wenig suchen muss. Und dann wieder will ich nur meine Ruhe und keinen mehr sehen Herrlich paradox!!!! Aber ich hab gelernt, es gibt im Leben nicht nur schwarz oder weiß sondern es gibt sowohl als auch...also verschiedene Möglichkeiten und Sichtweisen...

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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#9 von Solitaire , 17.07.2010 00:49

Beruflich und privat habe ich tagtäglich mit Menschen der unterschiedlichsten Kulturen und Lebensumständen zu tun. Manchmal gibt es Situationen, wo ich mich oder die anderen ganz weit weg auf den Mond, eine einsame Insel oder in die Steinzeit wünsche - das will ich gar nicht leugnen, einfach will mensch nicht jeden Tag gleich auf die Eigenheiten der einzelnen reagieren kann.

Im Normalfall versuche ich mir Gedanken zu machen, warum reagiert der einzelne in der Situation so und so, wie würde ich reagieren, wenn ich in dieser Lage wäre???

Manchmal gibt es aber auch Situationen, wo ich dem Betreffenden auch glasklar ins Gesicht sage, dass er grade dabei ist, mir eine Lüge zu erzählen und dass er sich diese Lüge sparen kann, eben weil ich sie durchschaut habe und ich keinen Bock habe, mich von jemandem tagtäglich anlügen zu lassen, der z. B. schon seit über 15 Jahren keine Arbeit hat und auch keinen Bock hat arbeiten zu gehen, dann soll derjenige das doch gleich sagen, anstatt mir Märchen aus 1001 Nacht erzählen zu wollen.

Wenn ein Mensch in Not ist, z. B. wenn ein Obdachloser betrunken in der Innenstadt von der Bank gekippt ist oder ein Junkie bewußtlos in einem Hauseingang liegt, dann helfe ich demjenigen trotzdem, auch wenn die Mehrheit nur drumrum steht und nur blöd glotzt (hatte ich vor einigen Monaten in der Innenstadt erlebt), einfach, weil es zum Menschsein dazu gehört, denn zum Handy greifen und den Notdienst arlarmieren und gucken, dass der betreffende in der stabilen Seitenlage ist, das kann jede/r, mensch muss es nur wollen.

Dinge wie in der Straßenbahn aufzustehen für ältere oder behinderte Menschen, etc sind für mich ebenso selbstverständlich wie auch ein ehrenamtliches Engagement oder die Teilnahme an Petitionen etc. Genauso selbstverständlich ist es für mich, einer verwirrten alte Dame, die hilflos in der Straßenbahn rumirrt zu helfen oder eben auch dem Touri, der völlig ratlos vor dem Fahrkartenautomaten steht.

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#10 von Inge , 17.07.2010 07:06

hmmm, das geht jetzt vielleicht über das Thema hinaus. Doch fiel mir gerade das Buch "Celestine" ein. Darin heißt es, daß keine Begegnung zufällig ist. Daß man überlegen soll, warum man dieser oder jener Person begegnet ist etc.

Witzig ist, daß mir ab und zu plötzlich einen bestimmten Menschen wahrnehme, der aus der Menge heraussticht. Und diese Person begegnet mir drei mal am Tag oder in der Woche ...

LG

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#11 von mhinas , 24.10.2010 17:04

Mir ist mein Mitmensch, dem ich begegne zunächst mal ein potentielles Gegenüber, ein Individuum mehr oder minder ausgeprägter Persönlichkeit, mit dem ich in eine wie auch immer geartete Beziehung und Kommunikation zu treten in der Lage bin. Er ist Subjekt, so wie ich es selber bin. Er denkt, handelt, fühlt aus Beweggründen, genau wie ich. Ich sehe in meinem mir begegnenden Mitmenschen auch ein Spiegelbild, manchmal auch das Zerrbild des Göttlichen. In dem einen vermag ich mich selbst zu erkennen, auf den anderen übertrage ich Personen, denen ich zuvor begegnet bin. Damit werde ich ihnen oft nicht gerecht, aber genauso merke ich, dass mit mir eine solche Kategorisierung geschieht...

 
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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#12 von Ceridwen , 25.10.2010 06:34

Zugegeben, es war für mich ein langer Weg bis hierhin und natürlich falle ich immer mal wieder in alte Muster,
ich sehe in meinen Mitmenschen erst einmal jemanden, mit dem ich verbunden bin.
Ob ich will oder nicht, ihn mag oder nicht.
Alleine schon mein Atem verbindet mich mit ihm.
Für mich ist mein Gegenüber ein Lehrer, der mir auch viel über mich selbst lehren kann.
Der wie ich göttlichen Ursprungs ist und den gleichen Weg wie ich geht, auch wenn er mal stehen bleibt oder einen Umweg nimmt.
Das schließt jetzt leider nicht aus, das es manche schaffen, mich zur Weisglut zu bringen oder ich jemanden nicht leiden mag.
Doch dann setzte ich mich damit auseinander, warum das bei mir ausgelöst wurde.
Ich stelle immer wieder fest, das wenn ein Freund mich mal anruft und irgend etwas wissen möchte, bei etwas HIlfe braucht, es auch immer etwas ist, mit dem ich mich mal wieder befassen sollte oder das es mich gerade auch betrifft.

Gerade kommt mir ein Gedanke.
Vielleicht sind wir ja ein großer Körper, wo jeders Teil (Mensch) etwas dazu bei trägt, das der Körper lebt .

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RE: Was ist Dein Mitmensch für Dich

#13 von wanderbenny , 28.10.2010 08:28

Hallo Ceridwen,
Dein Gedanke entspricht auch meiner Auffassung. Wir sind alle ein Teil der selben Energie, sind alle miteinander verbunden. Deshalb sind die Mitmenschen, mit denen man es gerade zu tun hat auch immer ein Spiegelbild von uns selbst.

LG Wanderbenny

 
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