RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#31 von Moondog , 26.07.2011 00:02

Jep...

Mir ist auch schon aufgefallen, dass ich mich mit Zielsetzung und Wegplanung so sehr selber unter Druck setze das ich es gerade dann nicht finde... Das Einzige was man vielleicht nicht tun sollte ist einfach stehen bleiben... loslaufen ist wichtig... der Rest kommt dann schon

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#32 von Inge , 26.07.2011 06:43

... dazu kommt mir spontan in den Kopf : mehr dem BauchGefühl, der Intuition, dem inneren Wissen vertrauen und weniger KopfLastig sein ....

LG Inge

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#33 von elHakim , 26.07.2011 20:34

"Kopfllastigkeit" ist in der Tat ein schlimmer Fehler. Anderseits haben wir den Kopf nicht nur für die Frisur. Ich vergleiche die Situation von Planen und Regeln mit dem Bild eines sinnvoll an allen vier Seiten abgesteckten Claims, der mir das Recht gibt, mich darin frei - auch ungestört von anderen - zu bewegen. Kopflastigkeit führte dazu, dass ich den Freiraum durch immer mehr quere und diagonale Linien zu meinem eigenen Schaden eingrenze. Insofern kann ich am Samstag den Berg hinaufstapfen oder ein Boot Richtung See steuern. Planen heißt dabei beispielsweise nicht ohne Proviant oder geeignete Kleidung loszulegen. Ziel ist es, die mir von mir selbst gewählte Freiheit zu genießen, ein anderer Mensch zu sein, mich selbstzuverwirklichen, inspiriert zu werden usw.

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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#34 von Inge , 26.07.2011 21:00

.... solange man sich mit der Kopf_Last_igkeit nicht selbst im Weg ist ...

LG Inge

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#35 von elHakim , 29.07.2011 21:16

Nun, nicht nur Kopflastigkeit, sondern auch kopfloses Voranstürmen kann einem im Wege stehen.
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#36 von Urs , 29.07.2011 22:54

Zitat von elHakim
Ich vergleiche die Situation von Planen und Regeln mit dem Bild eines sinnvoll an allen vier Seiten abgesteckten Claims, der mir das Recht gibt, mich darin frei - auch ungestört von anderen - zu bewegen. ... Ziel ist es, die mir von mir selbst gewählte Freiheit zu genießen, ein anderer Mensch zu sein, mich selbstzuverwirklichen, inspiriert zu werden usw. ...



Für mich sind das Widersprüche: Abgesteckter Claim und Freiheit/Inspiration.

Ich persönlich glaube nicht, dass mir Grenzen - selbstgesteckte oder fremdgezogene - ein Recht auf Bewegunsgfreiheit gewähren. Im Gegenteil. Innerhalb eines solchen "Claims" kann mensch Impulse nur immer wieder selbst setzen oder vor-definieren, was si_er hinein läßt. Ich hätte das Gefühl, mein Leben zu zensieren. Erst das bisweilen ungestüme Unerwartete und Überraschende bringt mich ganz mit meinem Sein in Kontakt, aktiviert all meine Fähigkeiten und Sinne; pures Leben hat Raum für Wunder.

Und: Ich verstehe gleichzeitig durchaus, dass ein solches "Beanspruchen und Abstecken" für Menschen notwendig sein kann, um überhaupt bewegungsfähig zu sein oder zu werden. Ich denke, dass das Leben in unserer verkopften und normierten Gesellschaft dazu führen kann, dass mensch vor tatsächlicher Freiheit (und ihren Konsequenzen) Ängste entwickelt und sich eher mit einer Illusion / Beschränkung behilft - und damit brav konform bleibt - als Freiheit zu wagen.

Gruss aus der Mitte
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#37 von Rhiannon13 , 30.07.2011 08:31

Gut gesagt Uwe!

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#38 von elHakim , 30.07.2011 22:30

Zitat von Urs

Für mich sind das Widersprüche: Abgesteckter Claim und Freiheit/Inspiration.



Ich verstehe beide Aspekte. Zum einen ist es dir unangenehm, dich irgendwie beschränkt zu fühlen. Da stört ein abgestecktes Areal. Anderseits bietet es eine gewisse Sicherheit.

Mir scheint die Beschränkung nötig, als ich ja nicht alleine in der Welt lebe. Andere Menschen beanspruchen auch ihre Freiräume, die ich nicht verletzen darf, so wie ich möchte, dass andere meine Ecke respektieren. Insofern glaube ich, dass ich mich frei in dieser Nische, die ich mir irgendwie geschaffen habe, bewegen kann. Wir dürfen heutzutage nicht mehr in Einzelschicksalen denken, sondern kybernetisch, vernetzt. Was ich tue, hat Auswirkungen auf andere, und umgekehrt. Das bedeutet auch, dass, wenn ich etwas ändere, vielleicht für mich verbessere, es zugleich Auswirkungen auf mein ganzes Umfeld hat.
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#39 von Urs , 31.07.2011 14:31

Ich glaube nicht, dass die Kasernierung des Einzelnen irgendetwas Positives für die Gemeinschaft bewirkt.
Ich glaube auch nicht, das es nötig ist. Und ich glaube, es ist alles andere als hilfreich.
Ich glaube, nur innerlich freie Menschen, authentische Menschen, sich transparent-machende Menschen, sind Menschen, die in klarem liebevollen Respekt mit sich und anderen umgehen können. Weil sie sich und ihre Bedürnisse kennen und artikulieren können, müssen sie sich nicht hinter Grenzwällen verstecken.

Natürlich hat mein Handeln konsequenzen. Immer. Überall. Auch wenn ich als einziger Mensch auf einer Insel lebe.
Und bin ich mit anderen verbunden, dann wird es Konflikte geben. Immer wieder. Wunderbar! Chancen für Wachstum, für Veränderung. Denn handle ich aus einer wertschätzenden Grundhaltung heraus und lebe ich die o.g. Aspekte, wird es Konflikte immer mir lebbaren Kompromissen geben. Dafür brauche ich keine "Claims", dafür brauche ich eine gesunde Ich-Haltung: Ich handle nach meinen Bedürfnissen (nicht danach, was andere haben oder tun), ich kommuniziere klar und bleibe dabei immer bei mir (ich sage niemals anderen, wie sie sich fühlen oder was sie denken), ich stehe zu meinen Worten und Taten, ich begegne meinen Mitwesen und ihren Anliegen immer auf Augenhöhe und ich lasse Veränderung und Entwicklung zu.

Das führt in unserer Gesellschaft automatisch zu "kreativen Lebenswegen" .

Herzlichen Gruss aus der Mitte
Urs

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#40 von elHakim , 31.07.2011 23:15

Zitat von Urs
...dafür brauche ich eine gesunde Ich-Haltung: Ich handle nach meinen Bedürfnissen (nicht danach, was andere haben oder tun), ich kommuniziere klar und bleibe dabei immer bei mir (ich sage niemals anderen, wie sie sich fühlen oder was sie denken), ich stehe zu meinen Worten und Taten, ich begegne meinen Mitwesen und ihren Anliegen immer auf Augenhöhe und ich lasse Veränderung und Entwicklung zu.
Urs



Dem stimme ich zu. Man sollte nur bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse diejenigen der anderen nicht missachten.
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#41 von Urs , 01.08.2011 22:40

Zitat von elHakim
Dem stimme ich zu. Man sollte nur bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse diejenigen der anderen nicht missachten.



Genau das habe ich ja geschrieben.

Gruss
Urs

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#42 von elHakim , 03.08.2011 20:25

Zitat von Urs

Genau das habe ich ja geschrieben.



Sorry, da habe ich dich nicht richtig verstanden. im folgenden nehme ich Bezug auf deinen Kommentar

Zitat von Urs
Ich glaube nicht, dass die Kasernierung des Einzelnen irgendetwas Positives für die Gemeinschaft bewirkt.
Ich glaube auch nicht, das es nötig ist. Und ich glaube, es ist alles andere als hilfreich.
Ich glaube, nur innerlich freie Menschen, authentische Menschen, sich transparent-machende Menschen, sind Menschen, die in klarem liebevollen Respekt mit sich und anderen umgehen können. Weil sie sich und ihre Bedürnisse kennen und artikulieren können, müssen sie sich nicht hinter Grenzwällen verstecken.



Wenn wir uns einig sind, dass dem anderen Respekt zu zollen, ihm auf Augeshöhe zu begegnen ist, muss man sich selbstkritisch fragen, ob es sich bei dem Weltbild nicht um eine Illusion handelt. Zur Begegnung auf Augeshöhe gehören immer zwei. Was ist, wenn der andere das gar nicht will ooder kann?

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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#43 von Urs , 04.08.2011 10:22

Zitat von elHakim
Wenn wir uns einig sind, dass dem anderen Respekt zu zollen, ihm auf Augeshöhe zu begegnen ist, muss man sich selbstkritisch fragen, ob es sich bei dem Weltbild nicht um eine Illusion handelt. Zur Begegnung auf Augeshöhe gehören immer zwei. Was ist, wenn der andere das gar nicht will ooder kann?



Noch ist dieses Verhalten nicht immer schmerzfrei lebbar. Noch befindet sich (obacht, Verallgemeinerung!) die Menschen in der Mehrheitsgesellschaft in ihren Begrenzungen - immer mit dem Bild im Kopf, dass "der Andere" nicht will oder kann.
Die Herausforderung ist: Ich bin ja in 100% der Fälle der Andere! Entscheidend ist doch, ob ich will oder kann.

Und in den allermeisten Fällen wird mich mein Gegenüber positiv überraschen .
Meine Erfahrung ist, dass Menschen auf einen menschlichen, zugewandten, respektvollen Umgang erfreut und sich-öffnend reagieren und in kürzester Zeit in dieser Konstellation ebenso agieren. Häufig versuchen sie sogar diesen neuen Umgang in andere Beziehungen zu tragen. Hätten sie früher gewußt, dass Menschen "so" miteinander umgehen können, hätten sie es früher getan! Ich glaube nicht, dass Menschen grundsätzlich aggressiv oder unfähig sind - ich glaube, dass Angst und Unwissenheit die Gründe für a-soziales Verhalten sind.

Und was das Nicht-Wollen betrifft: Es ist jedes Menschen Recht, etwas nicht zu wollen. Da bleibe ich bei mir und respektiere diese Haltung. Dann schaue ich, wie ich mich dazu Verhalten will, was mein Bedürfnis ist -> Bleibe ich in der Situation und akzeptiere oder löse ich mich aus der Situation, weil ich das nicht mittrage? Alle Beteiligten haben immer die Wahl. In jedem Fall würde ich meine Wahrnehmung benennen und meine Entscheidung artikulieren. [Oft stellt sich ja auch heraus, dass wir etwas gründlich mißverstanden haben oder die andere Person sich ihrer Wirkung gar nicht bewußt ist.]

Die Gesellschaft, in der ich leben will und an der ich mit-baue, befähigt Menschen zu genau diesem selbstbestimmten und damit höchst sozialen Verhalten.

Gruss aus der Mitte
Urs

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#44 von Sinnion , 06.08.2011 20:16

Zitat von Urs

[...]
Und in den allermeisten Fällen wird mich mein Gegenüber positiv überraschen .
Meine Erfahrung ist, dass Menschen auf einen menschlichen, zugewandten, respektvollen Umgang erfreut und sich-öffnend reagieren und in kürzester Zeit in dieser Konstellation ebenso agieren. Häufig versuchen sie sogar diesen neuen Umgang in andere Beziehungen zu tragen. Hätten sie früher gewußt, dass Menschen "so" miteinander umgehen können, hätten sie es früher getan! Ich glaube nicht, dass Menschen grundsätzlich aggressiv oder unfähig sind - ich glaube, dass Angst und Unwissenheit die Gründe für a-soziales Verhalten sind.

[...]



Ich stimme dir zu. Aggression ist sekundär. Ich habs mir mal so gedacht, vielleicht regt es ja eine Diskussion an:
Primär: Mangel an Liebe (das was fließt, nicht unbedingt, was man bekommt) --> resultiert Angst --> führt zum Gefühl bedroht zu sein --> Gegenüber wird als "Gegner" gesehen...

Grüße

Johannes

 
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RE: Lebensweg = Umweg = Lebensweg ?

#45 von elHakim , 07.08.2011 21:36

Zitat von Sinnion

Zitat von Urs

[...]
Und in den allermeisten Fällen wird mich mein Gegenüber positiv überraschen .




Ich habe heute eine ganze Bahnfahrt lang das Gespräch zwischen zwei Handwerkern, z.Z. Bunderswehr-Aktive, mithören dürfen, da beide schon gut dem Gerstensaft zugesprochen hatten. Da fragte ich mich, ob wir nicht vielleicht im stillen Kämmerlein über Dinge, die die Welt nicht braucht, diskutieren. Das Mischmasch an Vorurteilen, guten Ideen und Handlungsanweisungen der jungen Menschen an die Mächtigen war jedenfalls ein erfrischendes Potpourri. Es vermittelte mir aber das Gefühl, wir sprächen manchmal über die Mitmenschen in der Art, wie Biologen über seltene Käfer räsonieren. Bin ich überempfindlich?

Gruß

Al Hakim

 
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