mal ne Frage

#1 von Anna , 27.06.2010 12:01

Auf einer Märchen CD von meinem Sohn kommt in einem Indianermärchen ein Ritual zur Erhaltung der Welt vor.

Das hat mich nachdenklich gestimmt. In unserer wissenschaftlich geprägten westlichen Kultur gibt es ja sowas nicht. Die Welt dreht sich und fertig. Für die Indianer und andere Naturvölker ist es aber eine Lebensrealität, dass die Welt am laufen gehalten werden muss, durch bestimmte Rituale.

Wie seht ihr das? Wie real sind Rituale, Elfen doer Götter für euch?

Ich dachte ich mach mal ne Umfrage, und mit Absicht mal nur die ankreuz möglichkeiten.

und auf eure Gedanken dazu bin ich auch gespannt.

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RE: mal ne Frage

#2 von Inge , 27.06.2010 12:31

Zitat von Anna
Das hat mich nachdenklich gestimmt. In unserer wissenschaftlich geprägten westlichen Kultur gibt es ja sowas nicht. Die Welt dreht sich und fertig. Für die Indianer und andere Naturvölker ist es aber eine Lebensrealität, dass die Welt am laufen gehalten werden muss, durch bestimmte Rituale. ...



Ich bin mir sicher, daß es solche Rituale auch in unserer Kultur gegeben hat, bevor sie "ausgetrieben/verbrannt/verbannt" wurden und somit in Vergessenheit geraten sind.

Solche Rituale empfinde ich auch als sehr wichtig!!! Schon allein, um Mutter Erde zu ehren und sich bewußt zu machen, woher unsere lebenserhaltenden Nahrungsmittel kommen.

Letztens hatte ich mir auch Gedanken darüber gemacht. Wir fuhren an einem Maisfeld vorbei, wo die Pflänzchen - logischer weise- noch klein sind. Ich dachte daran, wie wenig Gedanken sich einige Menschen machen- Achtung, die Betonung liegt auf "einige", also bitte nicht angesprochen fühlen - woher das Essen kommt. Nahrungsmittel egal welcher Art, sind jederzeit verfügbar. Egal welche Jahreszeit ist, kann alles im Supermarkt gekauft werden. Ich glaube es gibt diesbezüglich zu wenig Menschen, die Bewußt den Zyklus der Natur erleben und somit das Wachstum der Nahrungsmittel miterleben, die derzeit wachsen und die sie ab Herbst oder im nächsten Jahr kaufen und essen werden.

Vielen Menschen ist leider zu wenig bewußt, wie wichtig die unterschiedlichen Abschnitte des Jahreszyklus sind- vom Aussäen über das Keimen, das Reifen und Früchte austreiben, bis zur Ernte .... Daher feiern wir ja unsere Jahreskreisfeste. Eigentlich kann man sagen, daß jedes Jahreskreisfest ein DankRitual an Mutter Erde ist. Es wird geschaut, in welcher "Phase" sich Mutter Erde (die Trinität) befindet und Ehren diese diesbezüglich. Ebenfalls wird geschaut, wie wir das für unser Leben nutzen um umsetzen können ...

LG

 
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RE: mal ne Frage

#3 von Inge , 27.06.2010 12:48

falls ihr euch fragt, was mein obiger langer Text mit der Erhaltung von unserer Erde zu tun hat und damit, wie die Welt am laufen gehalten wird ....

Wenn wir erkennen, wie wichtig Mutter Erde für unser ÜberLeben ist, wenn wir sie lieben, achten und respektieren, dann gehen wir auch bewußter und achtsamer mit ihr um. (auch in und durch unsere Rituale). Dies beinhaltet für mich den Schutz von Mutter Erde und dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben, damit auch diese einen achtsamen Umgang mit Mutter Erde lernt ....

das ist, so meine ich, eine gute Art, die Welt am laufen zu halten ...

LG

 
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RE: mal ne Frage

#4 von Anna , 27.06.2010 18:20

Ich weiß gerade nicht wie ich es genau sagen soll...
also ich meinte schon, dass man ein Ritual abhalten muss, zB zu Mittwinter, dass am nächsten Tag auch wieder die Sonne aufgeht. Wenn das nicht passiert, also auch keine Zeremonie abgehalten wird, geht die Sonne nicht mehr auf (sondern nur einfach ein glühender Stern für die Pratchett Fans ) also scho mehr wie einfach nur sich einen stillen Moment nehmen und daran zu denken. Was ja als besondere Ehrung reichen kann.



und es gibt wohl bei den Indianern eine Zeremonie, wenn die nicht einmal im Jahr abgehalten wird, dann hört die Erde auf sich zu drehen. Wie real ist dieser Gedanke für euch? Also dass es auch abhängig ist von einem RItual und nicht einfach nur einer besonders ehrenvollen Behandlung. Wir haben ja trotzdem unseren Mais auf dem Teller, auch wenn kein Bauer die Maisgöttin vorher anruft. Klappt das dann nicht auch mit der WElt? dass sie sich einfach weiterdreht, obwohl niemand eine spezielle Zeremonis abhält?

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RE: mal ne Frage

#5 von matodemi , 27.06.2010 18:24

Ich kann leider nix ankreuzen, wobei die letzte Antwort meiner Meinung noch am nächsten kommt.
Ich weiß nicht, ob die Welt ohne Rituale gleich aus den Fugen gerät - aber sie kann dadurch besser werden.

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RE: mal ne Frage

#6 von Ravenwings , 27.06.2010 18:51

ich denke nicht, dass sich die welt gleich aufhört zu drehen nur weil wir z.b. ein bestimmtes Ritual nicht abgehalten haben. (Müsste sich für mich dann ja nicht mehr drehen weil ich schonmal das eine oder andere Jahreskreisfest aus Zeitgründen nicht feiern konnte)
Aber ich denke auf jeden fall auch, dass solche dinge langsam aber sicher der welt nur gut tun können. Im gegenzug denke ich, dass ohne unser Zutun durch Glaube, Rituale, Opfer oder Einsatz die Welt sich dadurch verschlechtert. Zwar langsam aber stetig. Sieht man ja z.b. auch am Klimawandel oder der Rodung des Regenwaldes. So wie wir praktisch was dagegen tun können, z.b. durch Energiesparen oder Bäume pflanzen, können wir auch durch mentale Dinge, wie Rituale die Welt schützen und verbessern.
(das ist meine meinung dazu )

Gruß

Raven

 
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RE: mal ne Frage

#7 von Inge , 27.06.2010 20:09

.... daß die Welt aufhört, sich zu drehen, nur weil an einem bestimmten Tag kein Ritual abgehalten wird Ich bin mir gar nicht so sicher, ob dies wirklich WortWörtlich gemeint ist. Viele Geschichten, Märchen, Legenden sind doch eher symbolisch zu verstehen- auch die Märchen der Indianer.

Ich habe diesbeügl. die "unendliche Geschichte" im Kopf. Wenn niemand mehr an das Land der kindlichen Kaiserin und die Bewohner dieses Landes glaubt, dann wird dieses vom Nichts verschlungen, dann existiert es nicht mehr. Die gleiche Botschaft enthält die Geschichte von Peter Pan.

So könnte dies im übertragenem Sinn mit deiner Frage bedeuten, daß, wenn wir uns die Erde/Welt/Mutter Erde nicht wenigstens an einem Tag bewußt machen, in ihrer Bedeutung und Wichtigkeit für uns , dann stirbt sie. D.h. dann ist sie in dem Maß nicht für uns existend, sondern besteht nur noch aus Kontinenten, Ländern, Städten etc -ohne weiteren Inhalt. Die "beseelte Natur", die für uns- für meine Begriffe wichtig ist- gibt es dann nicht mehr.

Ich hoffe, mich einigermaßen verständlich ausgedrückt zu haben

LG

 
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RE: mal ne Frage

#8 von angelikaherchenbach , 27.06.2010 20:15

Ich finde, hat sich völlig verständlich und richtig ausgedrückt, und dem ist von meiner Sicht aus nichts hinzuzufügen.

Auch ich kann nichts ankreuzen, weil die Definition von Realität so simpel für mich nicht ist. (Undebenso die Definition von Ritualene)

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RE: mal ne Frage

#9 von elrowiel , 27.06.2010 21:10

Danke . Ich hab die ganze Zeit um Worte für mein Empfinden gerungen.
Und du hast das so schön einfach ausgedrückt.

Ich hätte ja gerne was angekreuzt, aber meine Antwortmöglichkeit war leider nicht dabei.

Liebe Grüße,
Yvonne

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RE: mal ne Frage

#10 von Fingayin , 27.06.2010 23:48

@Inge,wie schön.
Mein Peter ist immer da, hehe, auch oft wenn er völlig fehl am Platze ist...

 
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RE: mal ne Frage

#11 von Belbara , 28.06.2010 11:07

Hallo,

meine Meinung dazu: der Glaube, daß "die Erde sich nicht weiterdreht", wenn nicht ein bestimmtes Ritual durchgeführt wird, kann zwangsläufig nur symbolisch aufgefaßt werden - denn andernfalls wäre ja dann die Frage, welches denn nun das richtige Ritual ist: Räuchern und im Kreis tanzen, den Göttern danken, auf der Spitze einer Pyramide täglich 30 Leuten das Herz rausschneiden und der Sonne entgegenhalten (?!) - Das hört sich kraß an, aber gerade dieses atztekische Opferritual war ein "Ich-halte-die-Welt-am-Laufen"-Ritual - man wollte damit die Sonne dazu bewegen, nicht stehen zu bleiben, sich nicht zu verdunkeln (wie es bei einer Sonnenfinsternis geschah) und damit das Leben weitergehen zu lassen. Dafür war man bereit, Leben zu opfern. So gesehen, eine "faire Sache" - zumal die Atzteken ja auch fest daran glaubten, daß ihr Opfertod ihnen - auf der anderen Seite des Lebens - hohe Ehren einbringen würde. Mein Leben für das Leben der Welt.

Das zeigt aber auch, daß bestimmte Sachen immer nur innerhalb eines gemeinsamen Paradigmas (=Welterklärungsschema) funktionieren. Wenn einige "vom Glauben abweichen", oder Andersgläubige sich einmischen (die Spanier, die fanden, daß Menschenopfer eine furchtbare Barbarei waren), hört das Ganze auf, zu funktionieren. Andererseits hatten die Spanier nichts dagegen, Abweichler vom eigenen Glauben zu foltern und - widerum aus Glaubensgründen - auf Arten zu Tode zu bringen, gegen die der Tod auf der Spitze einer Pyramide zu Ehren der Götter vergleichsweise gnädig gewesen wäre. Ein ähnliches Problem hatten die Römer übrigens mit den Druiden. Tod als Strafe und gleichzeitig Volksbelustigung, wenn man im Zirkus Löwen auf Verbrecher hetzte? Ja, gerne. Menschenopfer für die Götter? Wie fürchterlich grausam! (...) Tatsächlich kamen Menschenopfer bei den keltischen Völkern recht selten vor, die Römer hingegen sorgten immer für reichlich Nachschub für den Zirkus. Panem et circenses (Brot und Spiele) - damit das Volk nicht unruhig wurde.

Das sind extreme Beispiele, die - meiner Meinung nach - zeigen, was aus einem Glauben werden kann, wenn man ihn allzu wörtlich nimmt, denn extreme Bedrohungen (Tod der Welt) lassen dann eventuell extreme Maßnahmen (Tod von Menschen, Opfertieren etc.) angebracht erscheinen. Es ist also, wie immer, die Frage, ob "Angst machen" eigentlich hilft. Die Religion meiner Kindheit war eine, die recht häufig gedroht hat (wenn nicht... dann...!)

Das Problem heute ist wohl weniger "Drohung", sondern eher "Gleichgültigkeit", teils auch Ignoranz (nicht wissen wollen). Vielleicht muß die Menschheit (und damit die einzelnen Menschen, jeder für sich), einfach reifer werden und erkennen, daß das beste Opfer Zeit, Liebe und manchmal der Verzicht auf Bequemlichkeit sein kann. Rituale können ein guter Weg dahin sein, weil sie ein Bewußtsein schaffen und dadurch die Wahrnehmung ändern.

Rituale verändern nicht die Welt, sie verändern uns - und damit einen Teil der Welt, der sich für sie statt gegen sie einsetzen kann.

Liebe Grüße,
Belbara

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RE: mal ne Frage

#12 von Qwendan , 28.06.2010 12:41

Moin

Mir fällt is schwer es in worte zufassen

Zitat von Belbara

Rituale verändern nicht die Welt, sie verändern uns - und damit einen Teil der Welt, der sich für sie statt gegen sie einsetzen kann.



daher danke Belbara

so fühle ich es auch!

Rituale veränder mich und damit meine Welt
ich denke ich kann "im kleine" viel bewegen für meine Welt

@ Uthar
ich werde leider aus finanzillen und zeitlichen Gründen nicht nach Silbertal, Vorarlberg kommen.
doch werde ich von hieraus mit euch das Heilritual feiern.

Herzlich Grüße Qwen

 
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RE: mal ne Frage

#13 von Esme , 28.06.2010 19:44

Ankreuzen kann ich auch nichts, finde aber trotzdem das Rituale sehr wichtig sind, für uns und für die Welt in der wir leben, auch wenn ich schon einige Feste auslassen mußte, so führe ich meine Dankesrituale durch wann immer ich kann.
Erst gestern durfte ich in einem Ritual zusammen mit einem Gleichgesinnten einfach nur dankbar sein, für das was uns geschenkt wurde.

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