Hebammen für Deutschland

#1 von Solitaire , 21.04.2010 16:56

Hallo Leute,

anbei mal eine Info, die vielleicht für einige von euch (egal, ob ihr Mütter/Väter, Opa oder Oma seid), interessant sein dürfte:


"Will Deutschland eine Geburtshilfe ohne Hebammen???

Freiberuflichen Hebammen droht indirektes Berufsverbot für die Geburtshilfe!

Erneuter Anstieg der Haftpflichtprämien beendet die Möglichkeit der Frauen auf freie Wahl des Geburtsortes und auf individuelle Hebammenunterstützung während der Geburt!

Geburtshaus-, Hausgeburtshebammen wie auch Hebammen und GynäkologInnen, die Belegbetten in Geburtskliniken haben, sie alle sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet und können unter diesen neuen Vorrausetzungen Geburtshilfe nicht weiter anbieten.

Die Politik muss dringend tätig werden! Es gibt kaum Versicherer, die noch bereit sind, für Geburtshilfe zu haften. Unsere Berufsgruppe ist mit 4.500 freiberuflichen Hebammen zu klein, um weiter die Haftpflichtabsicherung für ca. 160.000 Geburten zu leisten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtgeburtenzahl Deutschlands. Daher brauchen wir Ihre Unterstützung.

Zeichnen Sie die E-Mail-Petition an den Deutschen Bundestag vom 05.05. - 26.05.2010!
(Ausfüllhilfe zur Petitionszeichnung ab 05.05.2010 hier auf unserer Seite)

https://epetitionen.bundestag.de

Die Situation der Beleg-, Geburtshaus-, und Hausgeburtshebammen:

Seit 2008 wurden die Versicherungsprämien bereits um 80% auf 2.400,- EUR jährlich angehoben. Zum 01.07.2010 steht eine weitere massive Prämienerhöhung bis zu 4.600,- EUR an. Dem gegenüber steht das zu versteuernde Durchschnittseinkommen der geburtshilflich, in Vollzeit tätigen Hebamme bei ca. 1.180,- EUR monatlich, was einem Stundenlohn von 7,50 EUR entspricht.

All diese Hebammen leisten 7 Tage pro Woche eine 24h Rufbereitschaft, für die es in der Gebührenordnung noch nicht mal eine Abrechnungsziffer gibt!!! Diese Kosten werden von den betreuten Frauen selbst getragen (umgerechnet 8,50 EUR/Tag).

Seit einigen Jahren ist in der Geburtshilfe ein anhaltender Trend zur Zentralisierung zu beobachten. Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit werden kleinere Abteilungen geschlossen, zusammen gelegt, privatisiert oder ins Belegsystem umgestellt, um Personalkosten einzusparen. Jetzt werden sogar weitere kleine Belegabteilungen zusätzlich wegen der zu hohen Versicherungskosten der Hebammen und Ärzte schließen.

Besonders die Schwangeren auf dem Land leiden darunter, denn sie müssen weite Wege fahren, und bringen ggf. ihre Kinder im Auto auf die Welt, da es keine Hausgeburtshebammen mehr geben wird, die ihnen bei der Geburt in den eigenen vier Wänden zur Seite stehen könnten.

Die außerklinische Geburt stellt gerade heute, bei eklatanter Personalunterbesetzung in den Kreißsälen, dem Trend zu großen anonymen Perinatalzentren mit eingriffsreicher Massenabfertigung, einer Kaiserschnittrate über 30%, Tendenz steigend, eine wahrhaft sichere Alternative dar, belegt auch eine umfassende Studie aus dem Jahr 2009, veröffentlicht im deutschen Ärzteblatt:
Deutsches Ärzteblatt: Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinik (Studienergebnis 2009)

Die obige Studie zeigt eindrücklich, dass Technik niemals menschliche Zuwendung ersetzen kann.

Hebammengeleitete Geburtshilfe ist sicher, interventionsärmer und kostengünstiger!!!

Wir wollen Frauen in dem verwundbarsten und wunderbarsten Augenblick ihres Lebens kompetent, liebevoll und geduldig begleiten. Die professionelle Unterstützung durch Hebammenarbeit bewirkt nennenswerte Unterschiede, in dem sie Frauen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in ihre eigene Kraft vermittelt und vielen kleinen Erdenbürgern so einen gesunden, komplikationsarmen Start ins neue Leben ermöglicht.

Frauen, die sich für eine eigene Hebamme zur persönlichen Geburtsbegleitung entschieden haben (ob im Krankenhaus, Geburtshaus oder zur Hausgeburt), erleben die geringste Rate an Komplikationen während der Geburt. 92,8% der Schwangeren, die sich für eine außerklinische Geburt entschieden haben, gebären ihre Kinder auch wirklich natürlich und nur 2,5% aus diesem Klientel bekommen eine Saugglocke und nur 4,7% einen Kaiserschnitt! http://www.quag.de
Demgegenüber liegt die allgemeine Kaiserschnittrate in Deutschland über 30%, im Saarland bereits über 40%, Tendenz steigend und vor 15 Jahren noch bei 18%! Dies hat NICHTS mehr mit Entscheidungen zum Wohle von Mutter und Kind zu tun, sondern mit unnötigen pathologieschaffenden Manipulationen, haftungsrechtlichen und finanziellen Gründen!

Die daraus resultierenden Folgekosten werden die Allgemeinheit in Zukunft noch mit horrenden Summen belasten. Wir fordern den Staat auf, in eine menschliche, zugewandte und kostengünstige Geburtshilfe zu investieren, die unterstützt, dass Frauen wieder in die natürlichste Sache der Welt, ein Kind zu gebären, vertrauen lernen. Hebammen unterstützen Frauen, ihre Reise durch die Schwangerschaft mit gesundem Optimismus anzugehen, statt der heute größtenteils üblichen Pauschalbehandlungen in Schwangerschaft und Geburt, die am Ende verängstigte Risikopatientinnen hinterlassen.

In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob Frauen auch in Zukunft noch die Wahl haben, Geburtsort und Begleitung für sich optimal auszuwählen oder ob sie in einem der wichtigsten Momente ihres Lebens allein gelassen und Opfer einer hochtechnisierten, interventionsreichen, anonymen Geburtshilfe werden.

Das Recht der Frauen auf persönliche Unterstützung bei der Geburt darf nicht weiter ausgehöhlt werden. Einsparungen im Gesundheitswesen dürfen nicht dazu führen, dass Frauen finanziell belastet, während der Geburt über lange Zeiträume allein gelassen werden und Hebammen die Berufsausübung unmöglich gemacht wird.

Auch wenn wir Hebammen zahlenmäßig nur eine kleine Berufsgruppe in diesem Land sind, ist unsere Arbeit extrem wichtig, denn sie spiegelt wieder, ob es in dieser Gesellschaft noch Platz für ethische Werte wie Menschlichkeit, Mitgefühl, Geduld und Liebe gibt.

Lisa von Reiche, Nitya Runte, Ulla Cremer, Sonja Langner,
Jana Langensiepen, Linda Franke, Ulrike Pauls, Verena Zuszek

Bitte unterstützen Sie unsere Initiative! Tragen Sie sich ein!

Mit dem Absenden der Daten willigen Sie gleichzeitig ein, dass wir Sie bis Ende 2010 über weitere Entwicklungen zu diesem Thema per E-Mail informieren dürfen.
Unterschriftenlisten
ausdrucken, viele Emailadressen sammeln und möglichst schnell an uns zurückschicken!
Wussten Sie schon, dass Hebammen...
... bei Übelkeit in der Schwangerschaft Hilfe wissen.
... eine Geburt alleine leiten dürfen.
... Ärzte aber eine Hebamme hinzuziehen müssen!
... auch Blut abnehmen dürfen!
... einen Dammriss nähen können!
... auch heute noch Hausgeburten durchführen!
... CTG’s schreiben können!
... einen Mutterpass ausstellen.
... Akupunktur in der Schwangerschaft geben.
... Sie im Wochenbett betreuen.
... Stillberatung machen.
... Vorsorgeuntersuchungen durchführen.
... Sie auf die Geburt vorbereiten.
Hintergrundinformationen

* Deutsches Ärzteblatt: Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinik (Studienergebnis 2009)
* WDR, Servicezeit Gesundheit (08.03.2010)
* Pressemitteilung DHV Haftpflicht IV 2010
* WHO Empfehlungen zur normalen Geburt
* WDR5, Bericht aus Krankenhaus Weyertal (Klinikalltag in Köln)
* Stellungnahme von Bremer Fachärzten zur Kaiserschnittrate
* eine Facharbeit, zum Thema: „Einfluß der Hormone in der Schwangerschaft, während der Geburt, in der Wochenbettphase und Stillzeit“
* http://www.daserste.de/wwiewissen/

Schließungen gebursthilflicher Institutionen

* Schließungen I. Quartal 2010
* Schließungen IV. Quartal 2009
* Schließungen Mai 2009
* Schließungen April 2009

Infos für Hebammen

* Brief an Kolleginnen
* Protestaktionen am 05.05.2010

Netzwerk

* Monika Hauser - medica mondiale
* Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD)
* GreenBirth e.V.
* Netmoms - Das Portal für Mütter
* http://www.stillen-und-tragen.de - Das Forum
* Luxus Privatgeburt"

Quelle: http://www.hebammenfuerdeutschland.de/imprint.html

 
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RE: Hebammen für Deutschland

#2 von Inge , 21.04.2010 17:35

Tja, das ist auch eine dezente Art, sich von den Hebammen zu trennen und die (schwangeren) Frauen wieder in die Obhut der Ärzte in "gemütliche" Krankenhäuser zurück zu bringen ...

LG

 
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RE: Hebammen für Deutschland

#3 von Solitaire , 21.04.2010 17:37

Ja, vor allem, wenn mensch dann noch die WHO-Empfehlungen für natürliche Geburt liest, die mit Sicherheit von den meisten Ärzten auch genauso umgesetzt werden

 
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RE: Hebammen für Deutschland

#4 von angelikaherchenbach , 21.04.2010 20:07

(Nicht nur) beruflich habe ich ja ständig mit jungen Müttern zu tun, und ich stelle schon seit ein paar Jahren fest, dass der Trend wieder rückwärts geht, was Geburtsvorbreitung und - begleitung betrifft.

Bloß noch schlimmer als früher, da es mittlerweile viel mehr hochraffinierte Diagnosemöglichkeiten gibt, mit denen MANN die jungen Frauen verunsichern und unter Druck setzen kann - und ihnen das Geld aus der Tasche ziehen; denn nix davon bezahlt die Krankenkasse - und die Frauen bezahlen noch dazu mit einem schlechten Gewissen, wenn sie ablehnen und auf ihren Instinkt vertrauen!


Wofür, verdammt noch mal, haben wir Alt-Hexen denn bitteschön in den 70ger und 80ger Jahren gekämpft???

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RE: Hebammen für Deutschland

#5 von Weisser Schatten , 21.04.2010 22:07

ihr lieben holden,

aber angelika, warum denn dieses"...mit denen MANN ..."?
diese politik vertreten doch nicht nur männer, denke ich!

nun ernsthaft zum text:
ich sehe diese problematik noch von einer anderen seite und ihr werdet mir sicherlich zustimmen können,

so, wie die industrielle gesellschaft das sterben aus dem sichtkreis der meisten menschen herausgebracht hat, in dem dieses in "alten heimen", in krankenhäusern, seltenst aber noch im kreise der anverwandten geschehen kann,
so wird seit jahrzehnten auch der geburtsvorgang, ein natürlicher und wundervoller vorgang (abgesehen von den dabei auszuhaltenden "leiden"), immer stärker aus dem erlebensbereich der menschen heraus genommen,
eine der wirkungen ist dann, daß das zusammengehörigkeitsgefühl von mutter, vater und dem neuen kind schon im anfange des jungen lebens
eine, vielleicht nicht wieder gutzumachende brechung erfährt,
das basse erstaunen des vaters vor/hinter der glasscheibe des cleanromms zeigt eigentlich kein positives erlebnis, oftmals nur den schock,

wenn sich frauen entschließen, ihr kind zu hause oder wieder zu hause, auch im kreise der familie zu entbinden, dann finde ich das groß und ich glaube auch, daß die weitere wegstrecke der ungebrochenen gemeinsamkeit von mutter und kind und vater auch, dadurch einen guten start erfährt,
bindungen, bindungen, bindungen werden nicht nur aufgebaut sondern auch stärker erhalten als beim gebähren im klinisch sauberen, oftmals auch seelisch sterilen raum unter fremden menschern,
die in der studie kurz umrissenen fälle der steigenden anzahl der zum teil unnötigen "aufschnippelungen" (ja, so böse formuliere ich es) setzen, wie vieles andere im KH auch, den müttern insgesamt zu,

alle, politiker, versicherungsfirmen und auch wir selbst sollten die aus dieser zukünftigen situation entstehende möglichkeit ins calkül ziehen, daß die bindungen, die die jungen menschen benötigen, erst gar nicht oder nur spärlicher ausgebildet werden oder auch gesamtgesellschaftlich zu zerbrechen drohen,
ergo: es ist die ungute variante jederzeit offen, daß die verrohung der gesellschaft auch durch diese pekuniäre maßnahme (vorerst unbemerkt, aber dann drastisch) fortschreiten könnte,

ich werde diese petition gerne unterschreiben

ian-jonathan der weiße schatten

 
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RE: Hebammen für Deutschland

#6 von Rainer , 22.04.2010 06:24

Ich werde diese Petition ebenfalls unterschreiben und auch unterstützen. Das was da unsere Politikbastler vorhaben, ist für mich eine Fortsetzung der Hexenverfolgung und der Verfolgung der weißen Frauen auf anderer Art.

@ es ist halt leider so, das die Politik und die damit verbundenen Gesetze mehrheitlich von Männern gemacht werden - insofern gebe ich der recht. Und wenn Männer über die Art und Weise von Geburten abstimmen ist das ungefähr so als ob der Vatikan einem was über Sexualität erzählen will (und hier meine ich ausschließlich eine "gesunde" Sexualität ).

Tja , für was haben die "Hexen" der 70er und der Frauenbewegung überhaupt gekämpft? Für die Lady Gaga´s dieser Welt, für die GirlieGeneration?..... Sarkasmus beiseite, die Gagas gibt es genau so wie die aufgeklärte, im lebenstehende, selbstbewußte und selbstbestimmende Frau. Nur in den Medien ist halt momentan ein anderer Schwerpunkt - so sehe ich´s jedefalls.

Freiheitliche Grüße


)O(

 
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RE: Hebammen für Deutschland

#7 von angelikaherchenbach , 22.04.2010 08:51

Danke, !

Mein lieber Schatten,

Du hast Recht, wenn Du sagst, dass auch Frauen diese Politik vertreten - das ist ja das Entsetzliche, dass Frauen den Zugang zu ihren ureigensten Geheimnissen und Fähigkeiten - und dazu gehört neben dem Gebären auch das Wissen um den Tod - (wieder) verloren haben bzw. an eine Politik, Technik, Industrie übergeben, die nun mal in Männerhänden liegt.

Und der geht es nicht um das Leben von seinem Anfang bis zu seinem Ende, (und seinem eben Nicht-Enden!) sondern ausschließlich um Profit.

Wir leben nach wie vor in einer patriarchalisch-hierarchischen Gesellschaft , die das Leben unter der Vorgabe, es zu schützen, letztlich mißachtet. Daran ändern auch alle Girlies, Lady-Gagas und "Powerfrauen" nichts, auch nicht die "gut erhaltenen" Omis von heute, wie ich selbst eine bin.

Das ist meine Meinung, und das ist ein ureigenstes Thema von mir, und ich weiß, ich bin da radikal und wenig objektiv.
"Man" möge mir das Verzeihen - obwohl ich es schon sympthomatisch finde, dass diese Zusammenhänge als persönliche, individuelle, zu entschuldigende "Meinung" dargestellt werden ...

grrr!

angelikaherchenbach  
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