RE: Schatten der Vergangenheit

#31 von Blattregen , 20.04.2010 21:48

Laut christlicher Lehre, soll jeder Mensch durch die Erbsünde (Adam und Eva) von getrennt sein. Jesus ist das Bindeglied und gab seinen Jüngern die Vollmacht zu binden, zu vergeben oder es jemandem zu verweigern. So entstand die Beichte.

Vorwiegendes Ziel der Beichte ist es, die Beziehung zu Gott wieder gerade zu rücken und somit auch die eigene Erlösung zu sichern. Ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Menschen, bleibt natürlich aber nicht mehr gegenüber Gott. Und das ist das Ziel der Beichte.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#32 von Anna , 20.04.2010 22:56


ich dachte die Beichte haben die Irischen Mönche in die Kirche einfliessen lassen, weil sie es für die Psyche als sehr wichtig empfanden, dass man seinen Mist mal in allem vertrauen los wird...also ein Überbleibsel aus Druidischen Zeiten...

Aber die Quelle kann ich dir nicht mehr anbieten, ich habe damals in einer Bibliothek gearbeitet und in den Pausen alles verschlungen, was in den Regalen stand...

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RE: Schatten der Vergangenheit

#33 von Blattregen , 21.04.2010 09:45

In der Bibel stand halt das Jesus Petrus die "Schlüssel zum Himmelreich" übergeben hat. Was er bzw. sie (die Jünger) auf Erden binden, soll auch im Himmel gebunden sein und was sie nicht binden, soll auch im Himmel nicht gebunden sein. Daraus entwickelte sich dann die Beichte der Kirche.

Ob es davor schon soetwas gab, weiß ich leider nicht.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#34 von Elrued , 21.04.2010 10:27

Das Bild vom christlichen Glauben als Kartenhaus finde ich sehr gut. Die Anzahl und die Art der Karten mag je nach Auspägung unterschiedlich sein, ob nun katholisch, evangelisch oder freikirchlich. Alles in allem ist es ein System von Lehrmeinungen/Glaubensgrundsätzen, die alle miteinander verwoben und verschachtelt sind.

Eine der tragenden Karten ist der Absolutheitsanspruch, den Jesus selbst stellt (sofern man das glaubt). „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ Johannes 14, Vers 6 … ich kann das immer noch auswendig

Ob das Kartenhaus zusammenfällt, wenn etwas entfernt wird, ist für mich auch eine Frage der Persönlichkeit, wie man den christlichen Glauben auffasst. Für den einen ist dieser Glaube noch lebbar, wenn manche Karten wegfallen. Da ist dann z.B. Druidentum mit christlichem Glauben vereinbar. Das gibt dann einen Umbau des Kartenhauses, um in diesem Bild zu bleiben. Einige Karten aus der Bibel, andere Karten aus dem Druidentum. Als Endergebnis gibt es einen individuellen Glauben mit christlichen Einflüssen

Für jemand anders fällt dieses Kartenhaus aber grundsätzlich zusammen, sobald einzelne Karten entfernt werden: Ein christlicher Glaube ohne den Zusammenhalt aller Karten ist nicht mehr möglich. Bei mir war es jedenfalls so – und das verbunden mit einer heftigen Lebenskrise. Für mich wurde dieses Kartenhaus durch die Bibel festgelegt (Freikirchliche Gemeinde). Alles, was in der Bibel stand, sollte mein Leben bestimmen. Und dazu gehörte, dass nichts daraus entfernt werden durfte. Die dazu passende Bibelstelle weiß ich nicht mehr auswendig Eine Mischung aus biblischen Inhalten und anderen Religionen/Meinungen war/ist für mich auf grund meiner Auffassuntg vom christlichen Glauben nicht möglich.

Ich glaube, so etwas ist für Leute, die von der Persönlichkeit her „freier“ gestrickt sind und die selber nicht in einem solchen System gesteckt haben, nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Für mich war es wie der Ausbruch aus einer Sekte.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#35 von inis , 22.04.2010 09:22

Zitat von Elrued

Ich glaube, so etwas ist für Leute, die von der Persönlichkeit her „freier“ gestrickt sind und die selber nicht in einem solchen System gesteckt haben, nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Für mich war es wie der Ausbruch aus einer Sekte.


Danke, Elrued, das macht es etwas klarer, worauf ich mit meinem vorherigen Post rauswollte.
Eine Organisation, die ihren Anhängern das Selberdenken verbietet?!?

Es gibt übrigens einen Kriterienkatalog (von irgendnem schlauen Soziologen aufgestellt) dafür, wie stark eine Organisation sektenartige Züge aufweist... muß ich noch hinzufügen, daß "die Kirche" (eben egal, welche christliche Kirche) da ziemlich hohe Punktzahlen erreicht?

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#36 von Elrued , 23.04.2010 10:01

schreibt: „Eine Organisation, die ihren Anhängern das Selberdenken verbietet?!?“

Das Denken ist durchaus erlaubt, aber nur innerhalb der vorgegebenen Glaubens-Strukturen. Das Ergebnis, wohin das Denken führen darf ist damit meist im Voraus festgelegt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Schöpfungsgeschichte. In vielen fundamentalistisch-christlichen Kreisen gehört der wortwörtliche Glaube daran zum Kartenhaus des Glaubens (s.o.).

Ich glaube, das menschliche Denken ist enorm flexibel. Man meint, tatsächlich selber zu denken, dabei ist man in Wirklichkeit (für einen objektiven Betrachter) fast so etwas wie ferngesteuert. Jemand, der in diesen sektenähnlichen Strukturen steckt, bemerkt gar nicht mal selber, dass das eigene Denken in Wirklichkeit ausgeschaltet ist. So wie jemand, der seine eigenen Bedürfnisse teilweise gar nicht kennt, sie nicht oder nur sehr schwierig artikulieren kann.

Ich stand irgendwann im Pfälzer Wald und sah an meiner liebsten Stelle meinen Engel. In dem Moment hatte ich das Gefühl, die Göttin hätte meine Seele gestreichelt. Ich sehe jetzt noch das Licht und spüre die Wärme. Danach wusste ich, dass ich den Glauben an den in meinen Augen rachsüchtigen Gott der Bibel nicht mehr haben will. Fast 10 Jahre hat es dann noch gedauert, bis ich diesen Glauben endgültig los war. Vor etwa drei Jahren erzählte ich meiner Freundin ganz selbstverständlich etwas von „GOTT“. Sie sah mich nur an und fragte „Welchen Gott meinst du?“ Da musste ich grinsen. Ich hatte immer noch in meinen alten Glaubensstrukturen gedacht….

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#37 von angelikaherchenbach , 23.04.2010 19:55

Aber genau da wird es spannend!

Wir sind alle in diesen Strukturen aufgewachsen, mehr oder weniger, aber wir leben nun mal in einer Gesellschaft, die Jahrhunderte vom Christentum geprägt war.
Und das wirkt sich ganz simpel auch im Sprachgebrauch aus.

Wer von uns seufzt nicht spontan, wenn etwas schwierig oder erschreckned ist: "Oh Gott!" ?

Welchen Gott meinen wir?
Gute Frage!

Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der immer (wirklich immer!) spontan gesagt hat: "Oh Göttin!"
War vielleicht anbiedernd und Masche, aber ich fand es wunderbar, weil er die Leute zum Stutzen, zum Staunen, zum Nachdenken gebracht hat.

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RE: Schatten der Vergangenheit

#38 von inis , 24.04.2010 15:23

Zitat von angelikaherchenbach

Und das wirkt sich ganz simpel auch im Sprachgebrauch aus.
Wer von uns seufzt nicht spontan, wenn etwas schwierig oder erschreckned ist: "Oh Gott!" ?
Welchen Gott meinen wir?
Gute Frage!



...ich sag inzwischen immer "oh weh!".
Hab aber auch festgestellt, daß sich der Sprachgebrauch regional unterscheidet. Hier oben würde kaum jemand "Allmächtiger" oder "Himmel hilf" oder dergleichen sagen, selbst als Nicht-Heide ist es unüblich.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#39 von Tree , 24.04.2010 17:23

"Ach Du grüne Neune!" sage ich in solchen Situationen.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#40 von Serpentia , 24.04.2010 20:48

... und den unentschiedenen rettet der Plural: "Kind der Götter" oder "was in aller Götter Namen ist jetzt schon wieder lost" oder auch gerne mal "Ihr Götter *großer Seufzer*

Aber um aufs Thema ein bisschen zurückzukommen, mir sagte ein Pfarrer letztens (wohl wissend, mit wessen Geistes Kind er sprach): die (evangelische Amts) Kirche ist ein Ort, der allen ein zuhause bieten möchte, die dort wohnen wollen.

Liest sich ein bißchen wie die Gwersi, von wegen "wenn es sich für dich richtig anfühlt..."

Also, Kirche ist auch oft das, was mann oder frau daraus macht.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#41 von Blattregen , 25.04.2010 07:19

Fakt ist aber leider, das man zwar als Druide, Hexer oder wie man sich bezeichnen mag, christliche Elemente in seine eigene Glaubenswelt integrieren kann aber ein Christ, wie es das Christentum versteht, ist man dann nicht mehr. Noch schlimmer ist es bei einem Christen. Der darf nichts von anderen Religionen oder Glaubenswelten integrieren, da laut Christentum alles außerhalb dieses Glaubens "falsch", "teufelswerk" und "ins Verderben führend" ist. Es gibt da halt nur die "eine Wahrheit" und die ist wie ein Kartenhaus in sich geschlossen.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#42 von inis , 25.04.2010 14:23

Na siehst du, Blattregen, das ist das, was ich mit "Denken verbieten" meine. Kannst du nicht einfach mal für dich selbst definieren, was ein echter Christ ist?
Im Grunde genommen doch jemand, der sich nach den Lehren Christi zu richten versucht, oder? Wofür braucht man den ganzen Quatsch, den Machtpolitiker in den Jahrhunderten danach hinzugefügt haben?

Und ich find gerade diesen Alleinanspruch, diese Schwarzweißmalerei, ganz besonders... sagen wir mal freundlich: bedenklich.
Diese ewigen Verbote nerven mich am Christentum schon immer... es ist wie mit der alten Geschichte von der Schlange und dem Apfel! Da ist einer, der sich Chef nennt, und sagt den andern, sie sollen vom Apfel nicht essen. Die schlaueste Person denkt sich, "he, da gibt es doch bestimmt einen Grund, warum wir den nicht essen sollen... vielleicht ist der besonders lecker?". Und sie probieren den Apfel, und bingo! sind sie tatsächlich alle viel schlauer.
Da sieht man doch von Anfang an, daß Unwissen und blinder Gehorsam wichtige christliche Grundtugenden sind...

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#43 von Blattregen , 25.04.2010 17:16

Das "Problem" ist allerdings, das auch ohne die Organisationen der Anspruch auf die alleinige Wahrheit nicht wegfällt. Jesus selbst soll gesagt haben das er der einzige Weg ist. Demnach wären trotzdem alle verloren, die nicht an ihn glauben.

Das macht es nicht besser, ob mit oder ohne Kirche.

 
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RE: Schatten der Vergangenheit

#44 von Oak King , 25.04.2010 18:03

@Blattregen: Du sprichst vom Christentum in der Allgemeinform doch scheint es mir das du hier lediglich die roemische Kirche meinst. Zugegeben, sie ist die bei weitem dominierdende Macht doch hat Christentum auch andere Gesichter.
In der heutigen Zeit sind z.B. Quaeker da extrem liberal und ueberlassem es jedem selbst sich ein persoenliches Bild von Gott zu machen. Deren Hauptunterschied zum Mainstream-Christentum ist dass sie die Ansicht verteten dass jeder Mensch direkten Zugang zu Gott hat, ohne Priester als Vermittler/Uebersetzer und eine persoenliche intime Verbindung zu Gott ermutigen. Leider ist deren Zahl eher gering, aber es gibt schon welche in Deutschland. Das Bedauerliche ist dass viel zu viele Menschen trotz allem 'Fortschritt' immer noch lieber einem Anfuehrer, weltlich oder religioes, hinterher rennen und damit alle Verantwortung, selbst fuer deren ureigenste, persoenliche Angelegenheiten, auf diese abschieben.
Vor der Synode von Whitby, mit der im Jahre 633 (wenn ich mich recht errinnere) die roemische als Staatskirche offiziel in Britannien eingefuehrt wurde, war keltisches Christentum dominierend die sich wesentlich von der roemischen Variante unterschied. Waehrend Rom sich sehr um das Missionieren und Bekehren Andersdenkender bemuehte (leider mit fast allen Mitteln) war der Schwerpunkt keltischen Christentums das kloesterliche Leben wo Moenche nicht nur studierten, sondern auch Pflanzen anbauten, Tierzucht betrieben und aus Heilkrauetern Medikamente herstellten. Deren Zeremonien enthielten fuer lange Zeit starke Elemente druidischer Rituale und sie hielten genau die gleichen Wasserquellen fuer heilig wie die Druiden bevor ihnen. Im Gegensatz dazu hatten die 'Heiligen' der neuen religioesen Supermacht - wie z.B. Martin und Bonfazius - keine Skrupel die heiligen Haine abzuhauen wo fuer Jahrhunderte Menschen mit ihren Goettern/Goettinnen kommuniziert hatten.
Heutige Exponenten keltischen Christentums finden sich noch im Orden der Ceile De auf der Insel Iona an der schottischen Westkueste, den ich in einem aehnlichen Thread ja schon vor geraumer Zeit mal als Beispiel dafuer angefuehrt hatte. Sie zeugen davon dass man Christentum sehr wohl mit druidischen Bekenntnissen verschmelzen kann. Hier nochmal der Link, leider nur in Englisch verfuegbar:
http://www.ceilede.co.uk/tradition.htm
Die Culdees sind sogar auf der britschen OBOD Webseite repraesentiert, guck dich dochmal um!
http://druidry.org/modules.php?op=modloa...d=1&page_id=106
Hoffe ich bin jetzt hier nicht zu sehr Off Topic gegengen. Was ich nur sagen wollte ist dass es durchaus Alternativen gibt und nicht alles Christentum in den Kessel der Verdammung geschmissen werden muss!!
Holger

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RE: Schatten der Vergangenheit

#45 von inis , 26.04.2010 09:54

Zitat von Blattregen
Jesus selbst soll gesagt haben das er der einzige Weg ist. Demnach wären trotzdem alle verloren, die nicht an ihn glauben.


...verloren...?!? glaubst du denn an Hölle und Fegefeuer? bzw. ist es dir ein Bedürfnis, deine Seele gerettet zu wissen?
Wirklich nur eine interessierte Frage.

 
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