Widerspruch gegen "Street View"

#1 von Solitaire , 01.03.2010 19:58

Hallo zusammen,
m. E. nach stellt "street view" eine gravierende Verletzung der Priavspähre dar, der unbedingt widersprochen werden sollte - Näheres dazu findet ihr hier:

"Widerspruch gegen Google Street View ? Verbraucherschutzministerin Margit Conrad rät: informieren und prüfen

24.02.2010 15:19 | Mainz
Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad (SPD) rät dazu, sich zu informieren und gegebenenfalls schon jetzt von Widerspruchsmöglichkeiten für Fotos, die zum Jahresende in "Google Street View" veröffentlicht werden sollen, Gebrauch zu machen. "Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte sind ein hohes Gut. Diese gilt es zu schützen", so Conrad.

Verbraucherinnen und Verbrauchern in Rheinland-Pfalz können - mit und ohne Internetanschluss - der Veröffentlichung von Bildern widersprechen. Einen Grund für den Widerspruch müssen Betroffene nicht nennen.

Unerwünschte Bilder, auf denen das eigene Wohnhaus, Auto, man selbst oder die eigenen Kinder zu sehen sind, sind widerspruchsfähig. Da Gesichter und Fahrzeuge unkenntlich gemacht werden sollen, spielen vor allem Bilder von Wohnhäusern eine Rolle. Im Widerspruch sollte das konkret betroffene Grundstück oder Gebäude näher beschrieben werden (z.B. Angabe der Farbe, von Balkonen oder markanten Gebäude in der Umgebung), damit es auch unabhängig von der Hausnummer identifiziert werden kann.

Das Internetunternehmen Google hatte am gestrigen 23. Februar zugesagt, die Widerspruchsmöglichkeiten für seinen Dienst "Street View" in Deutschland zu erweitern und Gesichter oder Autokennzeichen unkenntlich zu machen sowie die Rohdaten zu löschen. Google Street View soll in Deutschland Ende 2010 starten.

"Das ersetzt keine klaren rechtlichen Regelungen darüber, was erlaubt und was im Interesse der Persönlichkeitsrechte nicht erlaubt werden soll", so Conrad. "Es geht nicht darum, solche Angebote insgesamt infrage zu stellen, aber doch Grenzen zu setzen, um Privatsphäre, Persönlichkeitsrechte und Sicherheitsaspekte zu schützen."

Widerspruchsmöglichkeiten gegen Google Street View

* Der Widerspruch muss an
Google Germany GmbH,
Betr. Street View,
ABC-Straße 19,
20354 Hamburg,
E-Mail: streetviewdeutschland@google.com
gerichtet werden.
* Weitere Informationen sowie ein Musterschreiben zum Widerspruch finden Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Internetseite des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz unter http://www.mufv.rlp.de, Stichwort Verbraucherschutz/Datenschutz.
* Wer über keinen Internetanschluss verfügt, kann ein Infoblatt und das Musterschreiben beim
Landesbeauftragten für Datenschutz Rheinland-Pfalz,
Hintere Bleiche 34,
55116 Mainz,
Telefon: 06131/208-2449,
Telefax: 06131/208-2497 anfordern.

Quelle: Pressemeldung Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz

Quelle: http://www.doppelklicker.de/Widerspruch_...ad.10279.0.html

 
Solitaire
Besucher
Beiträge: 1.823
Registriert am: 26.09.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#2 von Esme , 02.03.2010 19:27

Street View gibt auch Verbrechern förmlich einen Schlüssel in die Hand, ob es Einbrecher, Vergewaltiger oder gar Kinderschänder sind.

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#3 von Solitaire , 02.03.2010 20:31

Das, liebe , sehe ich auch so und meine deshalb, dass es gar nicht erst zu "Street view" kommen sollte - eigentlich gehört da noch gleich eine Protestbriefaktion an "unsere" Kanzlerin, die sich ja zum Wohle von street view ausgesprochen hat - warum wohl

 
Solitaire
Besucher
Beiträge: 1.823
Registriert am: 26.09.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#4 von Esme , 20.05.2010 12:42

Dank der Initiative unserer Landrätin können nun die Südpfälzer auch direkt Einspruch erheben. Man kann sich auf der Homepage des Verbraucherschutzministeriums http://www.bmelv.de
einen Musterwiderspruch herunterladen.
Zudem gibt es für alle Städte und Gemeinden Möglichkeiten Sammelwidersprüche zu starten. Google hat zugesagt, diese zu akzeptieren und die Bundesverbraucherschutzministerin hat mit Google vereinbart, das der Dienst im i-net erst gestartet wird, wenn alle Widersprüche vollständig umgesetzt sind.
Das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#5 von Inge , 20.05.2010 13:19

, ist doch mal was Possitives !!!

LG

 
Inge
Besucher
Beiträge: 5.127
Registriert am: 28.09.2008


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#6 von Solitaire , 20.05.2010 20:53

Moment mal, dass heißt doch dann aber trotzdem, dass "Street View" weiter umgesetzt wird - trotz der Widersprüche

 
Solitaire
Besucher
Beiträge: 1.823
Registriert am: 26.09.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#7 von Esme , 21.05.2010 12:31

Nun mach mal nicht die Pferde scheu, noch ist gar nichts entschieden. Es geht schließlich um Persönlichkeitsrechte und die Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes, der Entwurf liegt dem Bundesrat in Hamburg schon vor, weißt ja wie langsam die Gestzesmühlen malen.
Jedenfalls geht es landespolitisch ganz schön ab hier, jeder will wieder der erste gewesen sein, der schon immer darauf hin gewiesen hat, das es so nicht gehen kann, typisch.
Also harren wir weiter der Dinge die da kommen.

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#8 von Solitaire , 23.05.2010 15:59

Wir wissen aber auch, wie mit Persönlichkeitsrechten umgegangen wird in "diesem unserem Lande".

 
Solitaire
Besucher
Beiträge: 1.823
Registriert am: 26.09.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#9 von Roidsear , 23.05.2010 19:08

Hm, also mal so betrachtet:

Es existiert in Deutschland die sogenannte Panoramafreiheit, was grob gesagt der Grund ist, warum Fotografen frei auf öffentlicher Straße fotografieren dürfen.
Grob gesagt macht Google nichts anderes, als diese Freiheit zu nutzen. Rein theoretisch könnte auch jede Privatperson die von Google gesammelten Daten zusammentragen. Das Problem ist dabei jedoch, daß Google das geordnet und im großen Stil macht - das wurde bei der Panoramafreiheit nicht bedacht, und es stellt sich nun die Frage, wie man mit dieser Sachlage umgeht.

Vielleicht mal ein paar erklärende Fakten, grad weil ich hier im Thread schon wieder von der angeblich potentiellen Gefahr von Einbrechern & Co gelesen habe.

Mir erschließt sich bis jetzt noch nicht wirklich, welche wirklich verwertbaren Daten ein potentieller Einbrecher durch StreetView erhalten könnte, die er nicht anders in viel besserer Qualität und aktueller beziehen könnte?
Nehmen wir mal an, jemand plant einen Einbruch. Dann wird er sich sicherlich das Haus vorher näher ansehen, Fenster etc. näher in Augenschein nehmen.
Jedoch ist es unwahrscheinlich, daß er das via StreetView tut, da er ja nicht genau weiß von wann die Daten sind (die in Deutschland gesammelten Daten stammen aus den letzten 1,5 Jahren).
Weiterhin sind die gesammelten Informationen über Drahtlos-Netzwerke auch nicht in irgendeiner kriminellen Art und Weise verwendbar. Sollte jemand irgendwas versuchen wollen, was das Hacking von WLANs angeht, so muß er sich in Reichweite des betreffenden Netzwerks begeben. Und in dem Moment liefert ihm sein Notebook oder Handy mehr Informationen über die dort vorhandenen Netzwerke, als Google da jemals gesammelt hat.
Nicht zu vergessen: Es sind lediglich Momentaufnahmen eines Ortes, wer also grad sein WLAN nicht aktiv hatte, ist z.B. gar nicht erfasst worden.
Und daß Google mit der Kartografierung der Netzwerke einen Beitrag zur besseren Navigation und Positionsbestimmung liefert ist eigentlich recht positiv, denke ich.

Was das unkenntlich machen der Gesichter angeht, so ist es schon richtig, daß da der Sachverhalt genau geprüft wird, und dem "Endverbraucher", der sich z.B. auf Aufnahmen wiedererkennt, muß die Möglichkeit gegeben werden, dies anzuzeigen.
Das funktioniert jedoch auch momentan schon sehr gut: Ein Freund von mir aus der Schweiz hat sein Autokennzeichen entdeckt, es über die "Melden" Funktion an Google gemeldet, und keine Stunde später was es schon korrigiert. Hinzu kommt, daß Google das automatische Erkennungsverfahren auch bereits weiter verbessert hat, um solche Fehler von vornherein zu reduzieren.

Um es noch mal ganz klar zu sagen: Ich bin kein absoluter Befürworter von StreetView, allerdings auch kein Gegner. Ich finde, die Umstände und Verfahrensweise bei der Datenverwertung sollten klar geprüft werden, alle Bedenken sollten gehört werden. Die StreetView-Idee an sich finde ich in Ordnung.

Allerdings ist es bei allem Protest gegen StreetView auch nicht unbedingt toll, daß da teilweise eine regelrechte Panikmache betrieben wird.
Bild.de leistete sich beispielsweise einen Fauxpas, indem ein Bild, das gar nicht aus StreetView war, als Beispiel für erkennbare Personen angegeben wurde: http://www.bildblog.de/18581/boeses-stre...reet-view-bild/
Auch beim Thema WLAN und Hacking wird viel Wind gemacht. Gut, ich persönlich kenne mich zufälligerweise recht gut damit aus, und wüsste theoretisch, wie ich mich in ein unzureichend gesichertes Netzwerks einhacken könnte. Und genau deshalb weiß ich auch, daß mir die von Google gesammelten Daten dabei überhaupt nichts bringen. Wenn ich mich irgendwo einhacken wollen würde, bräuchte ich aktuelle Daten, ca. keine Minute alt - StreetView bringt da also gar nichts.

Viel brisanter sind meines Erachtens eher die Datensammlungen hinter ELENA, die Vorratsdatenspeicherung oder das SWIFT-Abkommen. Da sollte man sich viel mehr Gedanken drum machen - das öffentliche Interesse scheint hier im Gegensatz zu Google StreetView eher klein zu sein.

Hier ist ein - zugegebener Weise - recht provokanter Artikel, der aber einige Kernfakten nennt:
http://deppenalarm.de/archives/108-Die-p...auf-Google.html

Verschiedene öffentliche Stimmen kritisierten beispielsweise die potentielle Möglichkeit, daß Google unter Umständen Fragmente von E-Mails aufgeschnappt haben könnte. "Fragmente" sind hier aber nicht z.B. einzelne Sätze oder Wörter, sondern Fragmente des Netzwerk-Datenverkehrs generell. Hier (falls er denn überhaupt unverschlüsselt war) würde man Ewigkeiten brauchen um vielleicht auch nur eine zusammenhängende Buchstabenfolge zu erhaschen. Daß E-Mails generell unverschlüsselt im Netz übertragen werden, und theoretisch jeder Mailserverbetreiber alle Mails mitlesen könnte, stört anscheinend keinen.

Und dafür, daß Google über unser Surfverhalten bestens Bescheid weiß, dafür tragen z.B. die Leute Sorge, die Internetadressen nicht in die Browser-Adresszeile eingeben, sonder eher z.B. nach "ebay" googlen und dann das erste Ergebnis anklicken.

Fazit: StreetView wirft neue Fragen auf. Nämliche die Fragen danach, in wie fern Google sich auf das in Deutschland geltende Recht der Panoramafreiheit, das nicht für eine Datensammlung in diesem Umfang geplant war, berufen darf. Und weiterhin, wie die Verwertung nachvollziehbar bleibt und die Einspruchsmöglichkeiten gegeben sind.
Argumente wie potentielle Informationsquelle für Einbrecher oder Vergewaltiger sind nicht wirklich relevant, da alle durch StreetView erhältlichen Informationen auch in viel detaillierterer und vor allem aktuellerer Ausführung jedem zugänglich sind, wenn er sich in natura an den gezeigten Ort begibt. Darüber hinaus zeigen Studien in den USA (wo StreetView bereits seit fast 4 Jahren aktiv ist), daß kein Anstieg an Kriminalität zu verzeichnen ist - stellenweise war die crime rate bei Einbrüchen sogar rückläufig.

So, ich hoffe ich habe jetzt mit dem Artikel niemandem auf die Füße getreten, sondern vielleicht zu etwas mehr Information zu dem Thema beigetragen.
Falls jemand noch Fragen hat, bitte gerne!! Ich persönlich finde eine umfassende Informiertheit bei sowas mindestens genau so wichtig, wie das soziale und persönliche Engagement, was hinter solchen Petitionen und Widerspruchsaktionen steht.

 
Roidsear
Besucher
Beiträge: 185
Registriert am: 08.12.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#10 von Esme , 23.05.2010 20:18

Vielen Dank für deine Infos, die auch alle klar sind, Google hat ja schon vor zwei jahren damit begonnen alles fest zu halten und es ist einfach alles im Kasten, wartet nur noch auf die Klappe, Szene 1. sozusagen.
Dennoch muß ich sagen, das potentielle Mörder, Vergewaltiger und andere Verbrecher in streetview ihren Hunger stillen könnten, sich ihre Opfer in der Nachbarschaft heraus picken können, Google zieht mittlerweile ganz schön den Schwanz ein und das ist auch gut so, meines Erachtens.

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#11 von Solitaire , 23.05.2010 20:53

Auch dir, Roidesear, vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Vielen Dank auch, dass du ELENA und SWIFT mit erwähnt hast, ich denke aber mal, dass gerade deren Datensammlung deshalb nicht so in den allgemeinen Fokus rücken, weil "Otto Normalverbraucher" sich ihre nicht so bewußt ist, wie z. B. der Präsenz von Google, denn letzteres wird von Millionen oder Milliarden Usern tagtäglich genutzt.

Ganz ehrlich, mir geht Street View deshalb so auf den Zeiger, weil immer mehr die Privatsphäre des Einzelnen beschnitten wird: Kameras auf öffentlichen Plätzen, in Einrichtungen des tägl. Lebens (Ämter, Supermärkte, etc), am Arbeitsplatz (inklusive Überwachung der Firmencomputer - und das alles wohlgemerkt oft genug hinter dem Rücken von Mitarbeitern), in Bussen und Bahnen (doch bitte glaubt nicht, dass diese dazu dienen sollen, die Passagiere vor Übergriffen zu schützen, haben wir ja oft genug mitbekommen, dass trotzdem was passiert und keiner will es mitbekommen haben oder die Kameras waren "defekt"), track und trace-systeme, Nacktscanner an Flughäfen, Biopics im Ausweis, Satellitenaufzeichnungen, kurz: der einzelne (Staats)bürger wird einerseits immer gläserner, doch zu welchem Sinn und Zweck???? Wer oder was verwendet all diese gesammelten Daten???

 
Solitaire
Besucher
Beiträge: 1.823
Registriert am: 26.09.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#12 von Anna , 23.05.2010 21:36

Provokant gesagt, nützen diese ganzen Kameras von Big Brother nichts...denn sie haben keine Leute, die sich das ganez Filmmaterial anschauen können.....und es sitzt auch in den seltensten Fällen jemand live an den Kameras...das ist ein großes Problem...weil es nämlich das Leben nicht sicherer macht, wie es uns verkauft wird, sondern einfach gar nichts bringt....wenn es sich niemand ansieht...




(kam gestern nicht ne Meldung, dass in zwei Bundesländern Streetview erstmal ausgesetzt wird )

Anna  
Anna
Besucher
Beiträge: 3.277
Registriert am: 09.01.2009


RE: Widerspruch gegen "Street View"

#13 von Esme , 24.05.2010 11:45

Jepp

Esme  
Esme
Besucher
Beiträge: 3.833
Registriert am: 07.09.2008


   

Auch wenn ich für jedem seine Religion bin...
Die Möglichkeit anonymer Geburten in Deutschland

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz