Toleranz

#1 von Inge , 23.02.2010 09:13

ich versuche hier einmal meine Gedanken zu dem Thema "Toleranz" zu ordnen und aufzuschreiben ...

Zu Beginn > ich sehe mich als sehr toleranten Menschen an- was allerdings im Alter nachläßt - doch sehe ich wirklich rot, wenn immer wieder an die Toleranz appeliert wird.

Sei es, wenn man bei einer Diskussion oder bei einem bestimmten Thema eine feste Meinung vertritt, dann heißt es oft "no dogma", doch sollte man- so denke ich- einen festen Standpunkt im Leben haben ... Festen Standpunkt aber bitte nicht mit "Starr" verwechseln ... Aber darauf will ich eigentlich nicht raus. Das wäre ein extra Thema.

Ich will auf den anderen Punkt hinaus, der nach meinem Verständnis die Toleranz betrifft.

Ich habe schon kurz in einem anderen thread erwähnt, daß man sich bei aller Toleranz auch einmal einen Spaß erlauben kann - so darf ich doch mal über die Avatar-Spielgruppe herzhaft lachen, kann sie in ihrem Tun aber trotzdem akzeptieren. Ich denke Mensch braucht das auch für die Seele und die geistige Gesundheit, daß er über bestimmtes seine Witzchen macht (ich lieeeebe Schwarzen Humor ), aber nur, wenn diese nicht unter die Gürtellinie gehen und ins geschmacklose abtriften.

Am Anfang meiner KinderladenZeit machten gerade die KinderWitze/Sprüche die Runde. Nach dem Kinderladentag schütteten wir uns aus vor lachen, z.B. über : "allen Kindern steht das Wasser bis zum Hals, nur nicht , der ist kleiner" - und da gibt es noch boshaftere. Uns hat es gut getan, um den angesammelten Streß abzuschütteln, wären aber nie auf die Idee gekommen, den Kindern etwas böses zu wünschen ...

Für mich steht die "Prämisse": Ich muß nicht jeden und alles tolerieren, sollte sie aber akzeptieren.

Beim durchlesen von meinen Gedanken stellte ich fest, daß der Punkt mit dem "festen Standpunkt" doch für mich zu dem Thema gehört. Denn der "eigene Standpunkt" ist der Ausgangspunkt für all meine Gedanken, Einstellungen und mein Handeln.

So, mal schauen ob ihr meine Ausführungen "toleriert oder akzetiert"

LG

 
Inge
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RE: Toleranz

#2 von ute R , 23.02.2010 09:36

Liebe !

Ein sehr spannendes Thema, daß mich seit langer Zeit beschäftigt-

Bei meiner "Duftarbeit" (Ennearom) stellt sich ständig die Frage der Akzeptanz.
Einem Duft oder Geruch kann ich nur kurzfristig ausweichen, indem ich mir mal die Nase zuhalte.
Das Atmen - also die zwingende Auseinandersetzung mit dem was mir begegnet - kann ich nicht
endgültig einstellen. (oder doch?)
Also, vielleicht vorsichtige Annäherung und Beschäftigung mit dem "Duft" und langsames "Integrieren".

Dann kann man trainieren alles zu erkennen und/oder anerkennen, ohne dass es mich gleich aus
meiner (schwer erarbeiteten) Balance wirft.
Ich nehme dann die Dinge in ihrem "SOSEIN", ohne sie zu bewerten.
Niemand hat gesagt, dass das leicht ist.
Aber das macht's halt auch so spannend und ich kann hier auch mal auf etwas antworten.


...Nebel und Blumen und südlichder Wind
Ute R

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RE: Toleranz

#3 von Rainer , 23.02.2010 09:43

Es gibt Dinge die ich nicht mag und es gibt Dinge die ich nicht toleriere - dazwischen gibt es für mich einen Unterschied. Ich mag z.B. nicht bestimmte Gerüche - hier angeführt bestimmte Parfums, literweise verwendet, diese drücken sämtliche andere Gerüche an die Wand. Gut das mag ich nicht, ich kann aber damit leben und kann das anderssein akzeptieren. Was ich nich toleriere ist z.B. der Kindesmißbrauch durch jesuitische Geistliche....etc.

Das macht halt für mich den Unterschied zwischen nicht "mögen" und nicht "tolerieren" aus.

LG


)O(

 
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RE: Toleranz

#4 von Inge , 23.02.2010 10:02

Hallo Ute,

da hast du sicherlich Recht. Mit den Pflanzendüften ist das, denke ich mal, eine einfachere Geschichte. Klar, man sollte seinem Mißmut über einen bestimmten Geruch Stand halten und schauen woher diese Ablehnung kommt. Dem Gefühl in die Tiefen des Selbst nachzutauchen, ist sicherlich auch ein Stück Arbeit, doch helfen in deinem Beispiel auch Bilder (Symbole des tiefen Unbewußten) = bitte nicht mißverstehen- Ich möchte die Arbeit mit den Düften nicht verniedlichen. Ich denke schon, daß dies ein schweres Stück arbeit ist ... ) > ich denke mal, du arbeitest mit den Karten von Kinkele, oder ? Super tolle Karten und auch das Buch total interessant und Spannend !!!!

Mehr Toleranz und Akzeptanz in unser Leben zu integrieren ist eine wichtige Aufgabe- gehört auch zu unserem Weg, den wir hier beschreiben. Dies schließt ein, bewußt zu leben, sein Verhalten und Reaktionen zu reflektieren ...., was nicht sehr einfach ist.

Ich habe schon den Anspruch für mich, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Das heißt aber nicht, daß ich alles akzeptieren will und muß. Ein Beispiel ist Vergewaltigung und Kindesmißbrauch. (die traurige Lebensgeschichte des Täters mag zwar traurig sein, aber deswegen kann ich dessen Verhalten nicht entschuldigen und akzeptieren- ich kann und will es noch nicht einmal tolerieren ...). Sorry, dies war jetzt eher ein heftiges Beispiel. Es gibt aber noch andere Bereiche, in denen ich nicht bereit bin zu tolerieren.

Das mit der Toleranz und Akzeptanz liegt natürlich noch tiefer, als von mir beschrieben. Ich habe erst einmal meine spontanen Gedanken zusammengekratzt. Jetzt müßte man noch tiefer in das Philosophische, jedoch auch in das Psychologische eintauchen, um das Thema richtig abzurunden.


Vielleicht fällt euch ja noch etwas dazu ein...

LG

 
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RE: Toleranz

#5 von ute R , 23.02.2010 10:33

Zur "Duftarbeit" gehören die Pflanzenduftstoffe als ätherische Öle genauso wie als Räucherwerk.
Parfums aus der Industrie haben nichts damit zu tun.

Wie die einzelnen Düfte der Pflanzen über unseres limbisches System (den Verstand umgehend) wirken,
arbeiten und was aus unserem Inneren an Resonanz kommt, mutet sehr schlicht an. In der Theorie.

Was durch bereits konditioniertes Verhalten Menschen einander zuzufügen in der Lage sind,
kann sehr erschreckend sein.
Geschehen solche Sache in meiner Umgeben, kann ich eindeutig "Stellung" beziehen und diese nicht tolerieren
im Sinnen von hinnehmen.

Die Möglichkeit, daß übelste Dinge geschehen können (meist ohne mein Wissen oder Kennen)
bin ich gezwungen in dieser Dimension zu akzeptieren.

Bei der "Duftarbeit" geht es um das Kennenlernen unseres Innersten, und unserer Reaktionen darauf.
Jeder reagiert und akzeptiert auf seine Weise!

Vielleicht ist das an Deinem Thema "Toleranz" vorbei. Ich finde gerade diesen Zugang.

Ute

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RE: Toleranz

#6 von Rainer , 23.02.2010 10:49

Hi Ute, das mit dem Parfum meinte ich im übertragenen Sinne Duftarbeit/Räucherstoffe etc. sind für mich ein sehr spannendes Thema mit dem ich mich auch etwas beschäftige. Feine Schwingungen sind´s.... aber sie wirken doch

LG


)O(

 
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RE: Toleranz

#7 von Solitaire , 23.02.2010 11:46

Ich differenziere ebenfalls sehr genau zwischen "mögen", "nicht mögen", "akzeptieren (können)", "tolerieren" und absoluten "no-go's".

Ich mag Schokolade *yummy*, ich mag keinen Patchouliduft, akzeptiere es aber, dass eine Freundin ganz verrückt nach Patchouli ist (und deshalb bringe ich ihr eben diese eine bestimmte Patchouliseife von diesem einen bestimmten MA-Markt mit, auch wenn dann meine Tasche eben ein ganzes WE nach Patchouli riecht ), es juckt mich nicht, ob mein Nachbar Moslem, schwul oder was auch immer ist....aber: ein absolutes "no-go" sind für mich Vergewaltiger, Pädophile, Zoophile und sonstige Perverslinge: die muss ich nicht mögen, nicht akzeptieren und nicht tolerieren (und es soll mir keine/r mit der "schweren Kindheit" von solchen Gestalten kommen, Millionen anderer Menschen auf der Welt haben mit Sicherheit auch eine schwere Kindheit gehabt und trotzdem wurde kein Jeffrey Dahmer, John W. Gacy oder Ted Bundy aus ihnen).

 
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RE: Toleranz

#8 von geraldhu , 23.02.2010 11:47

Hallo ,

interessante Fragestellung.

Habe mich, nachdem ich Deine Gedanken dazu gelesen habe, zu allererst gefragt was denn das Wort Toleranz von seiner Herkunft her bedeutet. Im KLUGE, einem etymologischen Wörterbuch, steht dazu: tolerieren - entlehnt aus dem lateinischen Wort tolerare "erdulden".

In wieweit den Einzelnen das bei einer Diskussion zur Sprache kommende Thema berührt ist sicherlich eine individuelle Angelegenheit und hat mit seiner/ihrer Erfahrung bzw. kulturellen Prägung zu tun. Natürlich spielen ethische Grundsätze und Moralvorstellungen eine Rolle, daß der Mensch nicht alles erdulden/ertragen kann, so wie dies mit dem Thema Mißbrauch als anschauliches Beispiel gebracht hat.

Letzteres Thema mal außer Acht lassend finde ich es Fragwürdig wenn bei einer Diskussion, in der man eine klare Position einnimmt bzw. was Du als festen Standpunkt bezeichnet hast, von seinem Gegenüber mit dem Argument "no dogma" versucht wird einen ins Abseits zu drängen. Steht nicht (manchmal) hinter so einer Argumentation fehlende Toleranz? Ist es Eitelkeit, verletzter Stolz der einem im Weg steht die Meinung des Anderen zu akzeptieren? Oder blickt der/die so argumentiert in seinem/ihren Gegenüber nur in einen Spiegel und kann sich selber im Moment nicht sehen?

Was auch immer. Wenn wir gegenseitige Achtung haben, den Freiraum des Anderen achten und respektieren, Letzterer beginnt ja bekanntlich dort wo unserer endet, dann wird alles gut - wenn, das gebe ich gerne zu, dies nicht immer einfach ist.

Liebe Grüße
Gerald

 
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RE: Toleranz

#9 von Inge , 23.02.2010 11:48

Der Geruch der Räucherungen und ätherischen Öle und deren Pflanzenbotschafter zeigen uns auf eine sehr schöne Art und Weise unser Unbewußtes, Ängste, Unsicherheiten, Abneigung.... und man kann sich "bewußt" sehr schön damit auseinander setzen. Das mit den "Abneigungen" bzgl. bestimmter Gerüche ist ein gutes Beispiel dafür, daß man sich mit dem (Hinter)Grund auseinandersetzen sollte. Auch TarotKarten helfen uns dabei. - da war ich nie anderer Meinung, wollte mich aber nicht in die Pflanzendüfte verrennen

Um bei dem Beispiel zu bleiben, bzw. bei der Botschaft, dann bedeutet dies, daß wir uns mit negativen Gefühlen, Empfindungen, Reaktionen ... auseinander setzen sollten um diese Verstehen zu können . Um zu merken, daß diese oft Spiegelungen eigener Gefühle, Unsicherheiten ... sind. Das hat seine Richtigkeit und ich versuche auch, mich daran zu halten

Auch andere Einstellungen, Meinungen etc. versuche ich zu akzeptieren - jeder hat sein Recht auf seine einge Wahrheit. Aber dies akzeptiere ich nur begrenzt. Sobald ich von anderen nicht in Frieden gelassen werde, wenn meine Freiheit eingeschnitten wird .... dann hört für mich der Spaß auf. Ich bin nicht der Mensch, der immer versucht zu verstehen, dementsprechen Kompromisse eingeht und dadurch Gefahr läuft, sein individuelles Ich zu verlieren. Ich versuche zu verstehen, gehe auch Kompromisse ein, aber alles hat seine Grenzen. Zum Verstehen, tolerieren und akzeptieren gehören zwei Seiten und es darf nie einseitig werden. Ich muß nicht immer alles Tun und Denken der anderen verstehen und tolerieren. Aber ich kann es akzeptieren....

Tu was du willst, solange es keinem schadet. Nach diesem Kodex leben, jeden in seiner Einmaligkeit annehmen, leben und leben lassen, offen und neugierig für andere sein ....!!!!

Eine Freundin von mir hat sich immer schon anders gekleidet als ich, gehört politisch zu einer anderen Partei, ist eher konservativer ..., doch selbst sie sagte vor sehr vielen Jahren zu mir, daß sie nie wie ich rumlaufen würde (Klamotten-mäßig) und daß auch meine politische Lebensanschauung für sie nicht nachvollziehbar sei, daß dies aber nichts an unserer Freundschaft ändern würde .... Ich war sprachlos und begeistert und so sollte es sein.

LG

 
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RE: Toleranz

#10 von angelikaherchenbach , 23.02.2010 18:42

Ich finde, hat das ziemlich gut ausgedrückt mit dem Unterschied zwischen (nich mögen und (nicht) tolerieren.
Und auch die (scheinbar) abnehmende Intoleranz mit dem Älterwerden, die angesprochen hat, kann ich gut nachvollziehen.

Ich denke, letztlich hat es einerseits mit dem festen Standpunkt, der klaren und auch klar geäußerten Überzeugung zu tun, und andererseits mit Gelassenheit.
Je klarer ich mir selbst werde, desto gelassener werde ich auch und kann Dinge tolerieren, die für mich persönlich nicht in Frage kommen, aber für andere ok sein können.
Leben und leben lassen - und dort deutlich Position beziehen, wo (aus meiner Sicht) das Leben nicht wertgeschätzt wird.

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RE: Toleranz

#11 von Esme , 23.02.2010 19:37

Mich regt fast nichts mehr auf, ich habe Kinder und Katzen.

Muß es hinnehmen wenn der handgetöpferte Zimmerbrunnen in die Brüche geht (Kind), muß es hinnehmen wenn einer Elfe der Flügel fehlt (Katze)
Was ich aber überhaupt nicht leiden kann und nicht hinnehme sind Ungerechtigkeiten, Unfairnis, Arroganz, Intoleranz und alles was noch so aufgezählt hat, da sehe ich rot.
In einer Kneipe, selbst in einem Philosophen-Club, sollte jeder Spaß haben dürfen wenn niemand dabei verletzt wird, wenn er sich verletzt fühlt kann er es sagen. Man kann über alles sprechen, wenn man will.

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RE: Toleranz

#12 von Inge , 23.02.2010 20:40

Zitat von Esme
... In einer Kneipe, selbst in einem Philosophen-Club, sollte jeder Spaß haben dürfen wenn niemand dabei verletzt wird, wenn er sich verletzt fühlt kann er es sagen. Man kann über alles sprechen, wenn man will.





LG

 
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RE: Toleranz

#13 von Anna , 23.02.2010 22:05

Ich merke, dass ich häufig ganz nach Wassermann art , auch mal den gegenüberliegenden Standpunkt einnehmen kann (auch wenn es nicht meiner ist), wenn mir der gegenüber zu wenig einen freien Raum läßt für andere Meinungen. Es gibt da einen berühmt berüchtigten Abend auf den man die Gastgeberin nicht ansprechen sollte.

und da steckt schon ganz viel drin, ich finde es wichtig, anderen ihren Raum in der Meinungsäußerung zu lassen. und ich muß selten einen Standpunkt so ausdrücken, dass wenig Raum für mehr bleibt. Da merke ich, dass ich an dem Punkt gerne intolerant werde

und was mir auch noch wichtig zu sagen ist, dass ich beides ein Totschlagargument halte, sowohl das Argument des "no dogmas", wie auch das andere, das man mit dem Argument alles schlagen kann. Meistens ist das Leben viel bunter als so einfach schwarz oder weiß. hat beides für mich wenig Raum für Toleranz

Gelassenheit in dem umgang mit den standpunkten der Menschen ist ein guter Punkt. und nur weil ich meine Meinung nicht sage, heißt es nicht, dass ich keinen Standpunkt habe, nur ist es nicht immer wichtig ihn klarzustellen.

Raum für jeden Standpunkt, das ist meine Vorstellung von Toleranz

Anna

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