Die Vier Zweige des Mabinogi - Lektüre

#1 von Nivien , 27.07.2008 13:51

Die Vier Zweige des Mabinogi

Das Buch„ Die Vier Zweige des Mabinogi“ ist in folgende Erzählungen unterteilt:
1. Pwyll, Fürst von Dyfed
2. Branwen, die Tochter Llyrs
3. Manawydan, der Sohn Llyrs und
4. Math, der Sohn Mathonwys.

Es wurde wohl im 11. oder 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in mittelkymrischer Sprache niedergeschrieben. Der Verfasser ist unbekannt. Das kymrische (walisische) ist eine noch heute lebendige keltische Sprache.

Die Vier Zweige enthalten Elemente vorchristlicher Mythologie der britischen Inseln, europäischer Volksmärchen sowie Motive der höfischen Literatur des Mittelalters. Diese besondere Zusammenfügung der verschiedenen Elemente bilden die besondere Eigenart und Stimmung, die die Vier Zweige auszeichnet.

Obwohl die vier Erzählungen in sich abgeschlossen sind, bilden sie doch auch als Ganzes eine Geschichte, in denen die handelnden Personen zum Teil wieder erscheinen.

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Heute fange ich mit der Lektüre an, natürlich am Anfang der ersten Geschichte, die mit

Pwyll, Fürst von Dyfed

überschrieben ist.

Hier trifft Pwyll mit Arawn, dem Fürsten von Annwn, zusammen.

Es wird berichtet, dass Pwyll mit seinen Gefährten und seiner Hundemeute auf der Jagd ist. Er folgt seinen Hunden und findet sich plötzlich allein, ohne seine Gefährten, auf einer Waldlichtung. Ein Hirsch ist dort, der von einer fremden Hundemeute gestellt und gerissen wird. Die fremden Hunde sehen seltsam aus: ihr Fell leuchtet weiß, ihre Ohren rot. Pwyll vertreibt die fremde Meute und überläßt den getöteten Hirsch seinen eigenen Hunden. Da erscheint ein Reiter auf einem Apfelschimmel, der wegen des Geschehens auf der Lichtung zornig auf Pwyll ist. Pwyll gesteht das Vergehen und willig ein, dem Fremden Wiedergutmachung zu leisten. Der Fremde stellt sich als Arawn, Fürst von Annwn vor. Er schlägt vor, dass beide für ein Jahr und einen Tag ihre Plätze im Leben tauschen. Pwyll soll außerdem König Hafgan von Annwn besiegen, um Wiedergutmachung zu leisten. In genau einem Jahr steht ein Zweikampf mit Hafgan an. Arawn verlangt, dass Pwyll seinem Gegner nur einen einzigen Schlag versetzen solle.

Da sie auch ihre äußere Erscheinung tauschen, bemerkt niemand, dass Pwyll es ist, der an Arawns Hof erscheint. Er nimmt Arawns Stellung ein, aber obwohl Arawns Gemahlin die schönste Frau ist, die er je gesehen hat, schläft er nicht mit ihr. Nach einem Jahr kommt es zum Zweikampf mit Hafgan: wie versprochen, führt Pwyll nur einen Schlag gegen den König und läßt den tödlich getroffenen dann ziehen. Hafgans Gefolgsleute bezeugen daraufhin Pwyll ihren Gehorsam und der nimmt, an Arawns statt, das Land Hafgans in Besitz und vereinigt so die beiden Reiche von Annwn.

Nachdem die verabredete Zeit vorbei ist, treffen sich Pwyll und Arawn wieder und jeder nimmt seine eigene Gestalt an. Als Arawn zurück in sein Reich kommt, erkennt er, dass Pwyll nicht nur alles erfüllt hat, was ihm aufgetragen wurde, sondern dass er darüberhinaus auch Arawns Gattin unberührt ließ. Pwyll wiederum sieht, dass Arawns Herrschaft vortrefflich war.

Seitdem wird Pwyll nicht mehr „Fürst von Dyfed“, sondern „Oberhaupt von Annwn“ genannt.

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Was sind Eure Gedanken bei der Lektüre?
Was geschieht hier?
Welche Elemente dieser Geschichte sind mythologisch oder märchenhaft, welche entstammen dem Rittertum?
Was erscheint euch seltsam, was unverständlich?
Welcher Sinn liegt hinter der Geschichte?

Ich freue mich schon auf unseren Gedankanaustausch.
liebe Grüße
Nivien

 
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RE: Die Vier Zweige des Mabinogi - Lektüre

#2 von Brianna , 07.09.2008 11:00

Also Annwn ist ja denke ich die Anderswelt und Arawn ist sozusagen der Herrscher der Anderswelt. Ihre Seelen tauschen Plätze, das heißt ja das Pwyll in gewisser weise für ein Jahr stirbt. In dem Jahr vollbringt er aber gute und große Taten, die ihm Ehre erweisen und wird dann sozusagen als 'besserer' oder (wage ich es mich sagen) erleuchteter Mensch wiedergeboren, aber in sein altes Leben, das er dann aber besser meistern kann, bis zu einem Grad wo er unsterblichen Ruhm erlangt.

Es gibt ja sehr viele Geschichten wo sich die Anderswelt und unsere berühren, die bekannteste ist denke ich die Nebel von Avalon. Auch wenn das Fiction ist, so ist der Teil jedoch wahr insofern als er aus den alten Sagen übernommen wurde.

Wenn ein Thema so häufig auftaucht, dann ist oft viel Wahrheit dran und ich glaube tatsächlich das unsere Vorfahren (die ja noch keine Wissenschaftlichen Erklärungen für nichts hatten) sehr intensiv an die Anderswelt glaubten und sich mit dem Thema Tod-Wiedergeburt beschäftigt haben (schließlich ging das mit dem Tod damals noch viel schneller als heute), und ihr dadurch evtl. auch Substanz verliehen haben.

Glaube versetzt ja Berge. Und das ist nicht nur so ein Sprichwort.

 
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RE: Die Vier Zweige des Mabinogi - Lektüre

#3 von Nivien , 11.09.2008 12:45

Ja, ich würde auch einfach mal Annwn mit der Anderswelt gleichsetzen.

Was mich gleich am Anfang der Geschichte fasziniert hat, sind die Jagdhunde von Arawn: weiß mit roten Ohren. Weiß als Farbe der Anderswelt taucht glaube ich in vielen Geschichten auf. Weiße Tiere gelten als Boten (aus) der Anderswelt. Die roten Ohren erinnern mich an Albinos (auch wenn es statt der Augen hier die Ohren sind...). Oder sind es *weiß* und *rot*, zwei der drei Farben der großen Göttin?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass unsere Farbsymbolik ursprünglich umgekehrt gesehen wurde: schwarz, die Farbe der fruchtbaren Erde, galt als Zeichen für Fruchtbarkeit, die dunkle Mutter (schwarze Madonna!). Weiß dagegen war die Farbe der Knochen, also des Todes. (Wo hab ich das nur gelesen? Ich muss das nochmal suchen.)

Diese Symbolik vorausgesetzt, passt die weiße Farbe der Hunde auch: sie sind Boten aus dem Jenseits (für mich nur ein anderes Wort für die Anderswelt).

Wie ist die Anderswelt mit dem Tod verbunden?

Nivien

 
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RE: Die Vier Zweige des Mabinogi - Lektüre

#4 von Brianna , 12.09.2008 19:30

Stimmt, das mit den Hunden ist eigentlich ziemlich seltsam. Und warum grad die Ohren muß man sich fragen!

Ich denke wenn man stirbt kommt man ja in die Anderswelt bis man wiedergeboren wird. Andere Namen sind meines Wissens nach auch "Summerland" und eben Avalon.

 
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Lady of the fountain
http://www.mabinogistudy.co.uk/ (leider englisch)

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