das besondere wahrnehmen

#1 von Anna , 09.02.2010 15:08

Hallo

Damh hatte als kleine Einlietung zu einem Lied, die Geschichte, dass er im Dartmoor unterwegs war und langsam fuhr, und ein Fohlen so nett am Wegesreand graste und die Landschaft so wunderschön war, dass er sich wegträumte am Steuer und dann machte es
vrooooooooooooooooommmmmmmmmmmmmm und ein Eingeborener führ mit 100 Sachen an ihm vorbei, ohne auf das Fohlen oder die Landschaft zuachten....
und er fragte sich, wie lange muß man dort wohnen um den Zauber nicht mehr wahrzunehmen.

Da ich in der Gegend viele Kindheitsurlaube machen durfte, war mein erster Gerdanke, das war ich, die da mit 100 Sachen an ihm vorbeifuhr
und bei den nachwehen jetzt im Auto bei seiner Musik war ich am weiter denken.

Ich glaube, und weiß das sich viel zuviel Cornishmen sich nur westlich vom Tamar richtig wohlfühlen, von daher wissen sie schon was sie haben.

Aber ab wann nehmen wir etwas für selbstverständlich und was nehmen wir alles als selbstverständlich?

Anna

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RE: das besondere wahrnehmen

#2 von Inge , 09.02.2010 15:18

Das gleiche Phänomen erlebst du auch an anderen Orten, z.B. in den Bergen. Wenn ich vor Begeisterung schwelge, werde ich von vielen Einheimischen verständnislos angeschaut. Sicher mögen sie ihre Heimat und auch speziell den Ort, wo sie leben- doch der Zauber und die Faszination sind nicht so ausgeprägt, wie bei den Urlauben. - Das betrifft natürlich nicht alle Einheimischen, es gibt da auch andere Spezies

Viele sind von dem Anderen, "Fremdartigen" fasziniert. Von dem, was man nicht jeden Tag haben kann. Das ist wie mit der Kuh auf der Weide, die sich verrenkt, damit sie das Gras auf der anderen Seite des Zauns kommt. Oder wie mit mir mit dem Spargel und der grünen Soße

Aber wer weiß. Der besagt "AutoRaser" ist/war vielleicht in seinem Alltagsleben gefangen, hatte einen Termin etc An einem anderen Tag fährt er vielleicht auch träumerisch und bewundert die Landschaft

LG

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#3 von Fingayin , 09.02.2010 15:49

Mit Sicherheit gibt es Menschen die nichr wahrnehmen wie schön und magisch Ihre Umgebung ist. Aber ich denke der Großteil schon.
Man denkt ja nun nicht jeden Tag darüber nach. Zumindest geht es mir so.
Und dann gibt es wieder Momente die man ganz intensiv fühlt und spürt.
Ich hatte das einmal bei einer Heimfahrt von der Arbeit. Nachts, und daraus ein Gedicht gemacht.


Nachtlicht

Ich komme müde von der Arbeit.
Mein Weg,Autobahnabfahrt,Landstraße durch den Wald.
Der Mond leuchtet tagell.
Die Sterne funkeln.
Es ist zwei Uhr nachts.
Kein Verkehr.
Ich genieße diesen Moment.
Und dann,schmunzelnd schalte ich das Licht aus.
Silbrig dringt das Nachtlicht zu mir.
Geister und Götter leiten mich weiter.
Der Mond leuchtet mir den Weg.
Magie,greifbar, durchdringt meinen Körper.
Ich verschmelze mit dem Licht der Nacht.
Gefühle, unbeschreiblich.
Die nächste Ampel ist in Sicht.
Langsam zurück kommend in diese Welt.
Der Griff zum Schalter.
Scheinwerferkegel erleuchten wieder die Straße.
Was bleibt...
Das Wissen für einen Moment eins zu sein...
...und das Licht der Nacht...

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#4 von Nebelweib , 09.02.2010 17:31

Also ich kann die Überlegung von Damh zu 100% nachvollziehen. Ich habe bis zum meinem 16. Lebensjahr in einem Dorf gewohnt das an ein Naturschutzgebiet grenzt. Aus meinem Zimmer konnte ich immer den Wald sehen und in klaren, kalten Nächten könnte ich sogar den Fluß hören, der durch dieses Naturschutzgebiet fließt. Klar fand ich es toll durch die Wälder zu streifen und dem ein oder anderen Tier zu begegnen. Aber die eigentliche Schönheit meiner Umhebung habe ich nie wahrgenommen. Ich glaube wenn man jeden Tag den Wald vor der Tür hat verfällt man schnell dem Denken "Wald? Ist morgen auch noch da - ich hab jetzt besseres zu tun". So zumindest ging es mir immer. Ich hatte den direkten Kontakt mit der Natur nie gebraucht weil sie ja direkt vor meiner Haustür und jederzeit greifbar war.
Mit 16 habe ich dann ja meine Ausbildung angefangen und musste auf einmal in einer ganz anderen Welt leben: Leipzig, eine "kleine Großstadt". Damals hatte ich sogar ein neues Tagebuch angefangen dem ich einen Titel gegeben habe: "Dorf vs. Stadt - mein Leben in 2 Welten". In Leipzig habe ich dann einen regelrechten Kulturschock erlebt. Nachts war es nie ruhig, geschweige denn dunkel. Ich habe mich eingesperrt zwischen all den großen Häusern gefühlt. Platzangst habe ich in überfüllten Straßenbahnen entwickelt. Wenn mir jemand zu nahe kommt werde ich panisch und bekomm keine Luft mehr. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich meiner "Freiheit" beraubt wurde. Alles war auf einmal so hektisch, so klar geregelt. Eine ganz andere Welt eben.

Jetzt lebe ich seit 3 1/2 Jahren in Leipzig und fahre so oft es geht nach Hause zu meiner Familie. Merkwürdiger Weise sage ich immer noch "Zuhause", obwohl ich ja schon längst ausgezogen bin. Aber ich fühle mich mit diesem Ort immer noch unglaublich verbunden. Ich musste nach Leipzig gehen um die Natur wieder voll und ganz schätzen zu lernen. In Leipzig sauge ich jedes Vogelgezwitscher regelrecht in mich ein. "Zuhause" bin ich viel draußen, liege rum, rede mit Bäumen oder mit den Göttern. Ich verbringe meine Zeit mit Tieren und mit meiner Familie.

Ich denke wenn man die Schönheit der Natur ständig vor Augen hat und vielleicht gar nichts anderes kennt, dann sieht man diese Schönheit irgendwann nicht mehr. Es ist eben alles da. Dieser Baum, der Felsen da drüben und die Vögel zwitschern dich auch jeden Morgen aus dem Schlaf. Erst wenn man das krasse Gegenteil der Wirklichkeit kennen lernt, ich denke erst dann sieht man diese 2 völlig verschiedenen Welten mit anderen Augen. Und man lernt das zu schätzen, was einem unendlich gut tut.

Alles Liebe!

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#5 von Sinaris , 09.02.2010 18:25

Viele von uns leben rastlos in viel rastloseren Zeiten und ich behaupte es gelingt nur wenigen sich mal einwenig Zeit für das jetzt zu nehmen. Noch weniger Zeit bleibt da für das hier. Aber wenn ich Dich richtig verstanden habe Anna, geht es dir weniger um den Moment des betrachtens als darum zu erkennen welcher Schatz einen umgibt?

Ich denke das kann man zum einen, sehr unromantisch auf die Funktionen unseres Gehirns reduzieren oder damit in Verbindung bringen, das wir von so vielen Wundern umgeben sind das man hier warscheinlich schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Vielleicht liegt es auch daran das viele Menschen garnicht mehr soviel sehen wollen. Ich kenne einige Menschen die schnell bei einem inspirierenden Anblick auf völlig abwegige Gedanken kommen. Manche hängen aber auch wie bereits erwähnt im Alltagsstress.

Ich für meinen Teil hab früher im Bereich der Tierkunde immer die Menschen in fernen Ländern beneidet. Besonders die grossen Raubkatzen hatten es mir sehr angetan. Dabei hätte ich nur neben mich zu dem lauten Schnurren auf meinem Schreibtisch greifen müssen. Mein kleiner Ganove ist vielleicht nicht so imposant aber ein ebenso grosses Wunder und dafür bei weitem nicht so gefährlich beim wilden rumtoben. Einige würden jetzt vom Spatz in der Hand sprechen aber das halte ich für genau die falsche Betrachtungsweise. Was den Mensch mit den 100 km/h angeht habe ich mich gefragt... vielleicht hat der gute gerade ein schönes Lied im Radio und die dazu rasch vorbeiziehende Landschaft genossen.

Das besondere jedezeit zu sehen? Was macht es dann zu etwas besonderen? Ist es nicht auch irgendwie schön diese Momente in denen wir in der Lage sind inne zu halten etwas schönes? Ich beneide Menschen die dazu in der Lage sind, jederzeit in allem seine volle Pracht zu erkennen, nur denke ich, das es dann sehr schwer wäre alles entsprechend zu würdigen.

Das Maß der Dinge. Eigendlich sollten wir das wohl immer selbst festlegen aber vielen von uns wird das von der Umwelt diktiert. Ist es nicht auch eine der "Auf"-Gaben eines Barden, die Menschen wieder für eine gewisse Zeit aus Ihrem Trott zu befreien?

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RE: das besondere wahrnehmen

#6 von yannik ( Gast ) , 09.02.2010 18:36

Vielleicht war es aber eine Hebamme auf dem Weg zu einer Entbindung, oder ein Arzt...

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RE: das besondere wahrnehmen

#7 von Solitaire , 09.02.2010 18:58

Fragt mich nicht, wie oft ich bislang in meinem Leben mit Auto oder Bahn durchs Neckartal gefahren bin und ich nehme mir immer noch die Zeit aus dem Fenster zu schauen und den Blick auf die Neckarschleife bei Hirschhorn zu genießen oder auf Stift Neuburg oder auf die Apfelbäume oder den Heiligenberg oder, oder, oder.....

Umgekehrt suche ich so oft wie möglich "meine" Ritualplätze auf oder geh' durch die Rosenbögen....wenn ich anfange, dies zu "vergessen", dann stimmt etwas nicht mehr mit der Balance in meinem Leben.

Mensch neigt dazu, sich von der Eintönigkeit des Alltags einfangen zu lassen oder zu glauben, dass er die "Wunder" dieser Welt nur an fernen Orten entdeckt, dabei haben wir auch so schöne Ecken in unserem Land: die wunderschönen Heiden oder Moorlandschaften, die Wälder, Seen, etc. - Mensch muss nur wieder lernen (hin)zusehen.

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#8 von Esme , 09.02.2010 19:20

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Wenn du in einem Land aufwächst das sprichwörtlich für seine Schönheiten bekannt ist, dann ist das für dich kalter Kaffee. Als Ex-Norddeutsche, dort geboren und bis 1983 dort gelebt, hat es mich angeödet Montags schon zu sehen wer mich am Samstag besucht.
Ganz anders in der Pfalz, immer wieder neue erfreuliche Wahrnehmungen, zum inne halten, durch schnaufen. Auch wenn ich on Tour bin, gibt es viele Gebiete die mich dazu verführen mal durch zu schnaufen und das tut gut. Ob das der Rems/Murr Kreis ist oder die Wälder um Neustadt.
Allerdings denke ich auch, das der Mensch mit dem Alter, der Reife für solche Wahrnehmungen sensibler wird. Sicher würde ich heute verschiedene Ecken, Wälder, Situationen in ND ganz anders sehen.

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RE: das besondere wahrnehmen

#9 von matodemi , 10.02.2010 20:57

Danke für das Gedicht.
Auch wenn ich nicht Auto fahre - ich kanns nachvollziehen, diesen zauberhaften Moment (kann man auch zu Fuß schon mal erleben, leider selten).

Generell nimmt das Gewohnte wohl wirklich meist als selbstverständlich hin. Ist auch gut so, denn wenn immer alles Besonders wäre - dann gäbe es nichts besonderes mehr....

Nur ab und zu sollte man wirklich inne halten....

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RE: das besondere wahrnehmen

#10 von Anna , 12.02.2010 23:34

Ich denke, die eingeborenen wissen auch um die ganze Mühsal die damit verbudnen ist, in so einer Gegend zu wohnen. Cornwall hatte im Jahr 200 noch kein eigenes Gefängis, besuch mal deine Angehörigen die 5 h autofhart von dir weg sind, falls du ein Auto hast. Und das ist nur ein Punkt. So ländliche GEgenden...wir haben Jahre miterlebt, da war der Schafsscherer teurer als der Erlös der Wolle DAs muß man aushalten können. Da entschödigt die LAndschaft und ist wahrscheinlich noch der einzige Grund wieso man bleibt, aber wieviele gehen udn vermissen es für immer?

Ich habe mal weitergesponnen...wieweit sitzen wir nicht auch in einem Paradies, essen wann immer wir wollen, die meisten haben eien guten Job, im Gegensatz zu anderen Ländern der westlichen Welt haben wir eine gute medizinische Versorgung, und reicht es uns? sind wir zufrieden? was machen wir mit dem Paradies in dem wir leben? und jetzt gleite ich ab ins predigen und höre lieber auf...

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RE: das besondere wahrnehmen

#11 von matodemi , 12.02.2010 23:37

Du hast ja Recht Anna - die meisten von uns jammern auf hohem Niveau (nicht alle, bitte nicht missverstehen)....

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RE: das besondere wahrnehmen

#12 von Emrys , 17.02.2010 21:24

Das Besondere wahrnehmen ist so unglaublich wichtig, grade in der heutigen Zeit.
Da kann ich auch einige Beispiele zu nennen:

Wir hatten irgendwie die Diskussion, wieso wir Schnee toll finden. Ich finde es wunderschön, wenn es ganz still ist während es schneit. Man hört, wie die Schneeflocken auftreffen ... ein ganz leises, beruhigendes und mystisches Knistern.
Die Antwort darauf kam sofort: "Schnee macht Geräusche???????"

Anderes Beispiel:
Habt ihr schonmal eine Reihe von Kerzen aufgestellt und dann langsam die Augen zugekniffen? Dabei kann man toll beobachten, wie je nach Blickwinkel die Strahlen nach oben oder nach unten hin länger werden. Und an einem Bestimmten Punkt sieht man die Kerzen kurz doppelt.
Banal, aber spannend und eine der "Besonderheiten", die es sich meiner Meinung nach lohnt wahrzunehmen.

Abschließend noch ein paar Besonderheiten, die ich gerne mit euch teilen möchte

[album]228[/album]

[album]229[/album]

[album]230[/album]

Das rote Blatt habe ich vor einigen Jahren entdeckt, als wir von einem Museumsbesucht zurück gekommen sind.
Die anderen beiden Bilder sind an einem kleinen Bächlein in Wales entstanden (hoch lebe der "public footpath" über die Schafsweiden )

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#13 von Solitaire , 17.02.2010 22:01

Ja, ich kann "Versuche" bestätigen.

, lass deine Leutchen doch mal "mit einer Hand klatschen" -> das geht tatsächlich, siehe hier:
http://www.youtube.com/watch?v=AWQSOvchcOM

und wie das in slow motion funktioniert, siehe hier:

http://www.youtube.com/watch?v=_VC9hbibesY&NR=1

 
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RE: das besondere wahrnehmen

#14 von Cailleach-Oidhche , 17.02.2010 23:01

Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass Leute solche "alltäglichen Wunder" nicht mehr wahrnehmen. Mein Irlandaufenthalt ist das beste Beispiel. Ich war vorher nur einmal wirklich im Ausland, erst einmal am Meer. Ich könnte stundenlang einfach nur am Strand stehen, den Wellen zuschauen, dem Meeresrauschen zuhören und mir vom Wind die Haare verwuscheln lassen. Einheimische sieht man dort nur selten. Wenn man ihnen begegnet, dann nur, weil sie einen Hund haben und sich der Strand für einen Spaziergang anbietet. Als ich im September am Ring of Kerry war, konnte ich auch nicht verstehen, wie die Ansässigen diese atemberaubende Strecke einfach entlang brettern können, ohne die Schönheit Landschaft zu bewundern. Auf der anderen Seite... ich hatte auch eine Zeit, in der der Blick auf das Heidelberger Schloss und den Neckar für mich Selbstverständlichkeit war. Heute kann ich es wieder schätzen.

 
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