RE: Archeologie vs Totenruhe

#16 von Rowena , 29.01.2010 12:57

persöndlich finde ich die archeologie toll, nur ja man sollte manierlich und respektvoll mit sterblichen überresten umgehen.

hm.... totenruhe, wei lange haben den tote ein recht auf ruhe? ich weiss das in der schweiz auf normalen fridhöfen (ehrenfridhöfe haben ja sonderregelungen) gräber all 10 jahre "geräumt" werden.. was bis dann nicht völlig verwest ist landet in der verbrennung oder weis der gaier wo....

 
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RE: Archeologie vs Totenruhe

#17 von Weisser Schatten , 29.01.2010 13:47

zu diesem thema habe ich KEIN gespaltenes verhältnis
denn es geht doch streng um die unterscheidungen zwischen:
a) störungen der totenruhe durch vandalismus, rassissmus, völkischen und anderem querdenken, voyeurismus, abenteuertum und auch reiner zerstörungswut, schatzsuche und bereicherung und
b) störungen der totenruhe durch zb. exhumirungen und auflassung von friedhöfen uä, wegen verseuchung des grundwassers, der steten beengung der friedhöfe und ablaufender "ruhezeit" (bezahlter!) und der ausgrabungen, um historische sichten zu verfeinern,

was wäre denn mit unseren (dürftigen) kenntnissen über unsere germanischen, keltischen und anderen vorfahren, wenn die ausgräber nur die metallenen und anderen reste genommen hätten und fein säuberlich alles knochene liegengelassen hätten?

eine meiner töchter hat mehrer jahre im kurgan, ägypten und auch in hessen und mecklenburg prähistorisches ausgraben und katalogisieren helfen, sie sprach stets von achtsamer tätigkeit!
andererseits: wenn in wien zur zeit der großen pest 1345-1348 über 100 000 tote in großen gruben zusammengerafft wurden, in den weltkriegen hundertausende leichen KEINE "ordentliche" bestattung fanden und verscharrt wurden und auch heute nach massakern in krisengebieten die toten keine gebührliche achtung finden - was ist damit?
als ein beispiel der exhumierung und neu-bestattung hänge ich das foto vom BEINHAUS in hallstatt dran,
dort werden NUR hallstätter mangels platzes am schmalen uferstreifen des hallstätter sees nach 10 jahren exhumiert und entbeint und die schädel und knochen in diesem beinhaus aufgefleit - mit namen und geb.- und todesdatum versehen, das ist hier eine jahrhunderte alte tradition,
ich stimme euch insofern zu, daß es eine große rolle spielt, unter welchem paradigma diese "ruhestörung" geschieht.

wenden wir lieber die kraft unserer diskussionen auf die erhaltung der lebendigen menschen auf dieser welt und auf die erhaltung der natur,
ehe wir unsere kräfte auf das zetern gegen die archäologie richten,
ich nächtigte auf meinen wanderung oftmals auf und an uralten hügelgräbern, welche zt. auch schon ausgegraben waren und niemals verspürte ich, daß die urahnen mir garstige, rächende träume sandten

euer ian-jonathan als

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 Beinhaus-Hallstatt.JPG 
 
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RE: Archeologie vs Totenruhe

#18 von Sinaris , 30.01.2010 15:54

Ich grüsse Euch...

Also ich sehe das anders .

1. Denke ich, dass man eine Diskussion niemals meiden sollte.

2. Denke ich nicht, dass irgendeine Wissenschaft über dem ethischen Gedanken steht. Weder die Archeologie mit der störung der Totenruhe, noch der Biologe oder Mediziner der Tiere und Menschen für den Fortschritt opfert. Gerade wenn man eine Grenze ziehen will muss man ziehmlich genau darüber nachdenken, wo die eigene geistige Sollbruchstelle liegt.

3. Haben Archeologen doch nicht nur Gräber als Quelle für ihre Vermutungen. Etwas das mich schon seit langer langer Zeit stört ist der Gedanke, das viele VERMUTUNGEN die aus den Ausgrabungen der Gräber resultieren im Handumdrehen zu Fakten mutieren.

4. Viele Gräber wurden so aufwendig verborgen oder so sicher verschlossen... Wer sind wir, das wir uns über den offenkundigen Willen, der Antrieb dieser Bemühungen war, hinwegsetzen dürfen?

5. Es mag sein das es Ausgrabungen gibt, die die Toten mit Ehre behandeln aber ebenso gibt es die Ausgrabungen die für die Begrabenen als Schauobjekt in Museen enden oder bei denen die Grabbeigaben bei Sammlern enden. Wenn man sich die moderne Archeologie ansieht so muss man doch eingestehen, dass es bei vielen inzwischen zu einem Geschäft verkommen ist. Das merkwürdige daran... Viele Archeologen haben ja scheinbar auch kaum eine andere Wahl... keine Ergebnisse, keine Gelder, keine weiteren Ausgrabungen.

Aber allein die aktuellere Sensationsberichte alla Terra X zeigen doch, was da noch alles unter dem Wappen reinen Forschergeistes abläuft.

Auf einem vollkommen anderen Blatt steht dann allerdings die Frage... wieviel Ehre verdienen unsere Toten? Hat eine Leiche zu erhaltende Würde oder ist es nur das übriggebliebene Habitat unseres Bewustseins, das bereits anderorts aktiv ist?

Ich weis es nicht aber man sollte sich doch wirklich langsam entscheiden... Ehre den Toten? oder können wir demnächst Kirchennah ein paar neue Spielplätze errichten und Omas Körper zur Tierfutterverwertung freigeben?

Ehre und Stärke
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