Glaub' doch, was Du willst

#1 von Belbara , 20.01.2010 15:04

Hallo zusammen,

vor einiger Zeit fiel in einer Diskussion in einem anderen Forum über Religion(en) mal ein Satz, der mich verblüfft hat.

Ich weiß leider den genauen Zusammenhang nicht mehr, da beschrieb jemand seinen Glauben, der mir in einigen Teilen ganz schön eigenwillig erschien. Ein anderer Disputant fragte daraufhin: "Glaubst Du das wirklich?" und der ursprüngliche Schreiber antwortete daraufhin:

"Ja sicher, schließlich kann ich doch glauben, was ich will!"

Das zielt natürlich auf die Wahlfreiheit des Glaubens ab (man kann sich für eine Religion seiner Wahl bewußt entscheiden, das ist schon klar) - aber mir kam spontan der Gedanke, daß es immer auch Glaubensinhalte oder Überzeugungen gibt, für die man sich nicht (bewußt) entschieden hat.

Wie seht Ihr das? Kann man sich für alles, für jede Einzelheit im Glauben, entscheiden? Beruht nicht vieles auf Erfahrungen, auf unbewußten Überzeugungen, auf "organisch gewachsenen" Glaubensinhalten? Und welche Konsequenzen hat das für den Glauben?

Ich bin neugierig auf Eure Gedanken und Ansichten zum Thema.

Herzliche Grüße,
Belbara

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RE: Glaub' doch, was Du willst

#2 von inis , 20.01.2010 19:39

Hallo Belbara,

sehr interessante Frage das...

...im Bereich des Heidentums aber sicher nicht ganz so einfach zu beantworten, weil es eben (zum Glück) keine Instanz gibt, die den Glaubensinhalt klar definiert.

Aber mal weitergedacht: könnte sich jemand Druide nennen, der beispielsweise nicht an Seelenwanderung / Wiedergeburt glaubt? - Ich denke schon.
Aber wie sieht es aus mit der Naturverehrung? Könnte jemand seinen Weg als druidisch beschreiben, dem seine Umgebung und der Zyklus der Jahreszeiten am A... vorbeigeht? Wohl nicht... oder?

Genauso wird oder würde es aber kaum jemanden geben, der wirklich alle Ansichten seines Glaubenssystem völlig mitträgt, oder?

Vielleicht sollten wir mal versuchen, Beispiele zu sammeln - oder uns gar an einer Definition von Druidentum versuchen... (im englischen OBOD-Forum haben sie das mal versucht - die "core values", also Grundwerte zu definieren, aber leider kam nicht mal ansatzweise sowas wie eine Einigung zustande! )

 
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RE: Glaub' doch, was Du willst

#3 von Sinaris , 21.01.2010 00:44

Interessant und wieder einmal das berühmte Spiel mit den Definitionen.

Was ist denn Glaube überhaupt und wie wurde er für Dich geprägt. Einige Menschen haben ja einen fast durch Tradition geprägten Glauben, andere suchen nach Erkenntnis und und und. Welcher Weg ist der Richtige, um seinen Glauben zu finden kann und will ich auch garnicht beurteilen. Ich denke Glauben kann auch aus den Erfahrungen und den Gefühlen des eigenen Empfindens entstehen.

Aber hier denke ich beginnt die Frage schon bei dem was willst Du? Glaube hat traurigerweise auch in vielen Fällen mit Maniupulation zu tun. Der Beinflussung von aussen und von innen. Das ist auch sowas wie ein gedankliches Perpedomobile.

Ich denke für viele Menschen ist es schwer den Glauben in Ihrem Herzen wahrzunehmen. Ich zum Beispiel wandel meinen Glauben in jedem Moment. Ich bin vollkommen unstetig. Ich sauge ersteinmal jede Aussage in mich auf. Betrachte sie von allen Seiten und wenn es dem Ansturm von Zweifel und anderen Möglichkeiten wiedersteht kommt das Fühlen dazu. Und wenn das Fühlen den Gedanken umschmeichelt wird Glaube geboren.

Meine Ethik und Moral bilden dabei eine gewisse Grundlage dafür, was ich mir für mich wünsche. Also wird mein Glaube zu einem Grossteil durch die Akzeptanz meines Willens gesteuert. Wenn mir etwas wiederstrebt, weil meine Moral einen Aspekt nicht akzeptiert, kann ich schwer daran glauben. Also gewissermassen Glaube ich woran ich will.

Mich verblüfft Nur, das einige Menschen sich auf entgegengesetzte Werte stürzen. Aber das ist wohl ein Bestandteil der Polarität. Gerade Heutzutage verwenden Menschen doch den Glauben kaum noch in der hergebrachten Form. Entweder der lapidare Glaube als Schmuckstück, der angepasste Glaube zur Verschmelzung oder der radikale Glaube als Flucht oder Machtinstrument. Wenn ich das betrachte sehe ich Glaube vielerorts vollkommen dem Willen unterworfen.

Glauben und Glauben folgen... das ist es was ich versuchen will.

Meine Herren... ich hoffe es kommt einigermassen gut rüber, was ich damit meine.

Ehre und Stärke
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RE: Glaub' doch, was Du willst

#4 von Sommerfalke , 21.01.2010 01:38

Zitat von inis

Vielleicht sollten wir mal versuchen, Beispiele zu sammeln - oder uns gar an einer Definition von Druidentum versuchen... (im englischen OBOD-Forum haben sie das mal versucht - die "core values", also Grundwerte zu definieren, aber leider kam nicht mal ansatzweise sowas wie eine Einigung zustande! )



Damit hast du schon die Antwort darauf, was in DIESEM Forum passieren würde, ... dasselbe!
Wie du schon sagst, kaum jemand wird alle Doktrinen, Werte und Kriterien seiner Religion teilen. Den Göttern sei dank, denn so bleibt es lebendig!

Ich denke ebenfalls, man kann sich nicht für das entscheiden, was man glaubt. Ich hab's versucht, z.B. mit der Reinkarnation, musste aber einsehen, dass mich bisher nichts überzeugt hat (ich bleibe aber weiter offen dieser Lehre gegenüber, denn vom Gegenteil hat mich auch noch nichts überzeugt), auch wenn ich mir noch so gern wünsche, dass es so abläuft. Das ist die Sache mit dem Glauben. Ich will eigentlich lieber wissen. Und wenn ich merke, dass ich mich selbst damit belüge, dann war's das mit dem jeweiligen Glaubensinhalt. Ab über Bord damit! Offen sein für neue Erkenntnisse...

 
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RE: Glaub' doch, was Du willst

#5 von kerstin , 21.01.2010 15:26

Hallo Belbara,
ich finde diese Frage auch sehr interessant. Und sie kommt mir bekannt vor...:

Als ich noch jung war , war ich recht "gläubige" Christin, und genau diese Frage ist eine derer, die mich davon weggebracht hat.
Auf der einen Seite heißt es "nur wer glaubt [an besagten Christengott...] wird gerettet werden", auf der anderen Seite "der Glaube muss Dir [eben von jenem Gott] gegeben werden!"
(Bitte nicht falsch verstehen, mir liegt es fern jemanden zu bekehren oder seinen Glauben madig zu machen...)
Ich denke, dass Glaube mit vielem zu tun hat: Mit den Erfahrungen, die man gemacht hat glaubensmäßig und allgemein, mit tiefenpsychologischen, emotionalen Grundbedürfnissen, mit der Bereitschaft, sich mit Glauben auseinanderzusetzen, mit Erziehung, mit der persönlichen Art und Weise, mit der man der Welt begegnet und und und...
Am wenigsten hat Glaube meiner Meinung nach mit einer willentlichen Entscheidung zu tun. Ich finde, man kann sich entscheiden, zu welcher Kirche, Vereinigung... man gehören möchte, aber nicht für seine innere Überzeugung!

Bei mir ist es derzeit so, dass ich von einigen Dingen wirklich überzeugt bin, andere kann ich nicht glauben. Und dann gibt es noch die große dritte Kategorie der Dinge, wo ich einfach passen muss und sage weissnicht. Da es aber eine meiner Überzeugungen ist, dass ich als Mensch Teil des großen "Systems" bin und als solcher schon rein theoretisch nicht das Große Ganze begreifen kann - muss ich auch nicht alles wissen/kennen/glauben.

Daher halte ich es für möglich, dass letztendlich alle Glaubens (mehrzahl von Glaube) "richtig" sein könnten, auch wenn ich das nicht begreifen kann.

Ich glaube, langsam wirds unverständlich....

Liebe Grüße
kerstin

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RE: Glaub' doch, was Du willst

#6 von Belbara , 21.01.2010 16:30

Zitat von kerstin
Am wenigsten hat Glaube meiner Meinung nach mit einer willentlichen Entscheidung zu tun. Ich finde, man kann sich entscheiden, zu welcher Kirche, Vereinigung... man gehören möchte, aber nicht für seine innere Überzeugung!



schön ausgedrückt.

Ich habe eine Weile versucht, zu glauben, was ich (nach Wunsch meiner Mutter) glauben "sollte", hab festgestellt, daß das nicht klappt, Glaube ad acta gelegt und mich lange nicht mehr damit beschäftigt. Irgendwann kam die Frage wieder auf - im Zusammenhang mit existentiellen Erfahrungen (Tod nahestehender Menschen). Was passiert denn jetzt? Was glaube ich? So habe ich angefangen, mich zu beobachten. Und andere. Man begegnet vielen Leuten, die (beispielsweise) sagen: "Ich glaube an Treue" - und dann fremd gehen. (Na klar, bei ihnen ist es was anderes. Der Partner soll treu sein!) Glauben die, was sie glauben

Wenn man die eigenen Handlungen beobachtet und überlegt, was das über einen selbst aussagt, dann bekommt man (oft erstmals wieder) Zugang zum Glauben - falls man bis dahin in Unklarheit darüber verblieben ist, wie ich. Geglaubt habe ich aber die ganze Zeit trotzdem irgendwas.

Zitat von kerstin
Daher halte ich es für möglich, dass letztendlich alle Glaubens (mehrzahl von Glaube) "richtig" sein könnten, auch wenn ich das nicht begreifen kann.

Ich glaube, langsam wirds unverständlich....



Aber ganz und gar nicht, ich versteh' genau, was Du meinst

Liebe Grüße,
Belbara

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RE: Glaub' doch, was Du willst

#7 von matodemi , 21.01.2010 20:26

Abesehen davon, dass ich den Begriff Glauben nicht richtig definieren kann, und es somit für mich schwierig wäre darüber zu befinden, ob der Glaube nun eine bewusste, zum Teil bewusste oder wie auch immer geartete Entscheidung ist - die Glaubensfreiheit als solche ist mir wichtig. Und für mich sind alle Glaubensrichtungen gleichwertig und gleichermaßen richtig - eben für diejenigen, die daran glauben.
(Was auch eines meiner Probleme mit meinem christlichen, bzw. dem katholischen Glauben ist, denn ich glaube eben nicht, dass dies der einzig wahre und richtige Glauben ist).

Ich sehe die unterschiedlichen Glaubensrichtungen mehr als die unterschiedlichen Wege zum gleichen Ziel an (wobei in den unterschiedlichen Glaubensrichtungen die Ziele unterschiedlich zu sein scheinen.... - aber dann bei genauer Betrachtung doch wieder nicht)

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RE: Glaub' doch, was Du willst

#8 von natascha , 22.01.2010 22:39

Ich denke, dass sich Menschen davor fürchten im Bezug auf das Thema Glauben etwas Falsches zu sagen, denn die meisten Kriege entstanden aus solchen "Ansichtsverschiedenheiten". Ebenfalls wird vermieden ganz konkret zu werden - vielleicht weil Glauben auch wie ein Geheimnis ist - für einen persönlich und etwas persönliches. Doch ich finde die Welt sollte ein solcher Ort sein an dem jeder glauben kann und darf was er will und seine Ansichten auch mitteilen darf.
Meiner Meinung nach ist Glauben so individuell wie jeder Mensch, denn alle Menschen oder Wesenheiten sind verschiedene Wege gegangen und haben Verschiedenes erlebt und kennengelernt. Ich wünsche mir, dass es eines Tages so ist, dass wir einander von unseren verschiedenen Wegen und den daraus resultierenden Ansichten, ungezwungen erzählen können und von einander lernen können.

Lieber Gruss Natascha

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RE: Glaub' doch, was Du willst

#9 von Solitaire , 24.01.2010 18:29

Zitat von natascha
Ich denke, dass sich Menschen davor fürchten im Bezug auf das Thema Glauben etwas Falsches zu sagen, denn die meisten Kriege entstanden aus solchen "Ansichtsverschiedenheiten". Ebenfalls wird vermieden ganz konkret zu werden - vielleicht weil Glauben auch wie ein Geheimnis ist - für einen persönlich und etwas persönliches. Doch ich finde die Welt sollte ein solcher Ort sein an dem jeder glauben kann und darf was er will und seine Ansichten auch mitteilen darf.
Meiner Meinung nach ist Glauben so individuell wie jeder Mensch, denn alle Menschen oder Wesenheiten sind verschiedene Wege gegangen und haben Verschiedenes erlebt und kennengelernt. Ich wünsche mir, dass es eines Tages so ist, dass wir einander von unseren verschiedenen Wegen und den daraus resultierenden Ansichten, ungezwungen erzählen können und von einander lernen können.

Lieber Gruss Natascha



super, natascha, gut gesprochen!!!

 
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