Brauchtum und (christliche) Traditionen

#1 von angelikaherchenbach , 09.01.2010 19:01

Habe lange überlegt, wo ich den Beitrag reinstelle.
Irgendie hängt er für mich auch mit "Aberglauben" zusammen...


Hatte heute morgen Besuch von den Sternsingern / 3 Königen - und habe mich gefreut
1. weil ich es einfach schön finde, dass jemand mein Haus segnet und
2. weil ich solche traditionellen Bräuche einfach mag und es gut finde, wenn sie fortgeführt werden.

Klar wird auch gesammelt für eine "gute Sache" - Missionsarbeit in Bolivien oder so - und da hapert es dann natürlich schon. Nicht dass ich nicht helfen will, sondern wegen dem "Missions"aspekt der kirchlichen Organisationen.

Obwohl ich absolut gegen eine Religions-Anerkennung dessen bin, was ich glaubensmäßig (teilweise) mit (vielen von) Euch teile (was meine Position in der Angelegenheit betrifft, verweise ich bequemerweise einfach auf den Artikel vom Weißen Schatten ) denke ich, dass gerade solche Brauchtümer das sind, was uns fehlt, gerade was die Außenwirkung in der "Gemeinde" und die Einbeziehung der Kinder betrifft.

In meiem Alltag und meiner Arbeit in der Kita verweise ich bei solchen Sachen immer auch auf die zu Grunde liegenden "heidnischen" Wurzeln. So ist der 3-Königs-Tag im Christentum auch der Tag der Epifanie, und in Italien werden dann die Kinder beschenkt von der "Befana", einer vorchristlichen "Hexe".
Und auch die "fête des rois" in Frankreich hat eigentlich nichts mehr mit dem christlichen Mythos zu tun.

Wie haltet Ihr das?
Ist der Segen der heiligen 3 Könige für Euch christlicher "Aberglaube", den ihr verweigert?
Spielt Ihr - des lieben Friedens willen - mit?
Oder freut Ihr Euch auch?

Angelika

P.S.: Das Thema betrifft auch andere Bräuche wie das "Johannis"-Feuer, den Adventskranz etc.
Wo könnte man ihn sinnvoller Weise unterbringen?

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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#2 von Alchemilla , 09.01.2010 19:33

Super Thema! Ich habe meinen Uni-Abschluss in Kulturantropologie/Volkskunde ueber den Adventskranz gemacht. Ich weiss nicht, wie ich es hier im Faden einbringen soll, da es ja doch ein ganz anderes Thema ist. Vielleicht mache ich noch mal einen anderen Faden dafuer auf .

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#3 von matodemi , 09.01.2010 19:37

Da ich arg selten in die Kirche gehen kommen die Sternsinger nicht zu mir, denn das muss man hier anmelden. Und ich vergess dann immer, mich bei der Gemeinde zu melden - schade eigentlich.

Ich mag die alten Bräuche, gerade weil es ein Mix aus vorchristlichen Zeiten gemischt mit christlichen Inhalten ist - und bin immer an den Hintergründen interessiert. (Alchemilla - auch der Adventskranz interessiert mich )

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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#4 von Inge , 09.01.2010 19:42

Das hängt für mein Befinden davon ab, wie ich es angehe.... Bei mir in der Stadt werden sicherlich keine Sternsinger klingeln. Finde ich auch nicht besonders traurig. Für mich ist zu dem Zeitpunkt wichtig, die Wohnung zu räuchern- alles Alte und Belastende wird somit vertrieben und für positive Kräfte wird Platz gemacht und die Pforten geöffnet ... Das ist für mich der wesentliche und wichtige Aspekt an diesem Tag. Auch, daß "magische Zeichen" zum Schutz angebracht wurden. Ach ja, der Zeitpunkt ist für mich insofern wichtig und passend, da er nach den Rauhnächten/ den Nächten zwischen den Zeiten ist.


LG Inge

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#5 von Esme , 09.01.2010 19:53

Dieser Brauch ist ein sehr schöner und bislang haben wir die Sternensinger immer herein gelassen, warum auch nicht, nur heute nicht, Klingel kapuut nach diesem massiven Schneeeinbruch. Wir leben auf einem Dorf und da ist jeder für jeden da, bis auf ein paar wenige Ausnahmen natürlich. Die Kinder hier engagieren sich sehr, bei Wind und Wetter, sie wissen wofür. Das eingesammelte Geld wird persönlich von einer kleinen Abordnung in ein Dorf nach Westafrika gebracht, es kommt nicht in den großen Topf und es wird nicht missioniert, man will einfach nur helfen und wer kein Geld übrig hat, sie freuen sich auch über Schokolade, Gebäck etc.
Es bricht mir kein Zacken aus der Krone wenn ich so ein "Projekt" unterstütze.

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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#6 von Inge , 09.01.2010 20:06

Ach ja, damit wir uns nicht mißverstehen. Ich würde auch keinen Sternsänger von meiner Türschwelle stoßen Generell finde ich es gut, wenn Traditionen erhalten bleiben. Genial und Klasse finde ich es, wenn dahinter geschaut wird, d,h, nachvollzogen werden kann, woher sie ursprünglich kommen

LG Inge

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#7 von Weisser Schatten , 09.01.2010 20:17

selbst wenn die "heiligen drei könige" vor meiner verschneiten waldestür gestanden hätten, ich hätte sie auf meine, unsere weise fröhlich willkommen geheißen und mein brot und meinen glühwein mit ihnen geteilt - und gesprochen hätten wir sicherlich auch miteinander und uns ausgetauscht zu dem woher und dem warum und dem wohin,
wir hätten uns in die augen geschaut und jeder von uns wäre sicher mit achtung im herzen voneinander geschieden und mit segenswüschen für die kommende zeit auch!
aber sie waren nicht da,
freuen wir uns doch über die noch unverkauften freuden der kinder, welche das sternensingen mit so viel liebe, quirligkeit, freude und engagement bertreiben,
und so wie diese, so engagieren sich Viele - ob sie den christlichen hintergrund oder die "heidnischen ursprünge" wirklich realisieren, soll doch letztendich nicht sooo von bedeutung sein
sie alle, wie wir alle, bringen sich ein in ein wirken zum und für Gutes

meine meinung, nachdem keine sänger bei mir waren

ian-jonathan der weiße schatten

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#8 von Solitaire , 10.01.2010 17:14

Hier ist es inzwischen nicht mehr üblich, dass die Sternsinger unangemeldet kommen. Habe auch groß auf der Straße nichts mitbekommen, dass sie am 06.01. (oder auch früher) unterwegs waren. Muß wohl im Jahr zuvor noch anders gewesen sein, denn da erinnere ich mich noch an die CMB-Markierung neben der Haustür, da hatte sie dann wohl entweder jemand bestellt oder es war noch zu der Zeit, als sie von Haus zu Haus gingen.

Vor 3 Jahren bin ich mal zu einem Zeitpunkt in Speyer unterwegs gewesen, als dort das Sternsingertreffen stattfand - die ganze Innenstadt von Speyer stand unter einer dicken Weihrauchglocke vermischt mit dem Rauch der Räucherkohle (doch, ehrlich, die Schwaden waren so dicht, wie wenn Nebel wäre!!) - müssen ein paar Hundert Kids gewesen sein.

Prinzipiell finde ich es gut, wenn sich kids in ihrer Freizeit für etwas Sinnvolles engagieren.

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#9 von inis , 10.01.2010 21:11

Hallo ihr Lieben,

ich muß bei dem Thema immer eine gewisse Willenskraft aufbringen, um sachlich zu bleiben...

Eine meiner Schwierigkeiten ist die Ignoranz, also wörtlich das Nicht-Wissen, der meisten Christen. Viele scheinen ihren Glauben nicht nur für den einzig wahren, sondern auch für den ursprünglichen zu halten, und das gemeinsam mit der großzügigen Einvernahmung vieler alter Traditionen durch die christliche Kirche ärgert mich ganz enorm. Es ist einfach ungerecht, mißachtend.

Eine zweite, daraus resultierende Schwierigkeit ist das offene Zur-Schau-Stellen ihres christlichen Glaubens - auch hier wieder so halb in der Annahme, daß das der Glaube von allen hier ist. Was würden Außenstehende sagen und denken, wenn "wir Heiden" einen unserer Bräuche so penetrant ausleben würden?
Ich lauf doch auch nicht rum, klingel an Haustüren, singe ein Lied über die Große Göttin und das ewige Jahresrad, male den Leuten ein Pentagramm auf die Haustür und drehe ihnen dann noch ein Amulett an, wobei der Erlös für die Verbreitung des Heidentums bestimmt ist!
[sollte ich vielleicht mal machen... ]

So gesehen ist es ein Glück für die Sternsinger hier, daß sie noch nie aus Versehen an unserer Haustür geklingelt haben... je nach meiner Stimmung würden sie entweder in eine glaubensgrundsätzliche Diskussion verwickelt oder nur mit einem antichristlichen Fauchen davongejagt.

Auch allgemein gesprochen führt diese Gefühlslage bei mir dazu, daß ich viele Bräuche nicht mehr mag, nicht mehr mitmachen mag oder alles versuche, um sie von ihrer christlichen Vereinnahmung zu "reinigen" (ui, wenn ich mir meine Wortwahl so angucke - ich hör am besten jetzt auf der Stelle mit diesem Beitrag auf).

Sorry, no offense anyone - aber die Christen haben angefangen mit Hexenverbrennen...

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#10 von Serpentia , 10.01.2010 21:44

Hihi, Inis, so hätte ich früher auch reagiert..

Frau wird weiser und abgeklärter; inzwischen reagiere ich auf derlei christliche Übergriffsversuche mit einem "Danke, aber ich bin keine Christin." Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich und oft sehr amüsant (die Kurve müssen die Leute erstmal kriegen, ich sehe ja nicht "ausländisch" aus), aber ich bleibe neutral. Ich will einfach nur meine Ruhe und die krieg ich in der Regel auch.

Ich suche mir meine Schlachten aus und sicher sind ein Haufen singende Jugendliche kein erfolgversprechender Sparringspartner, vor allem nicht in der Situation.

Dann schon lieber den Ethiklehrer meines Sohnes in der 7. Klasse!

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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#11 von inis , 10.01.2010 21:51

Mhm... komischerweise kriegt mein Söhnchen auch ständig von wohlmeinenden Nonnen oder Laienchristinnen irgendwelche ganz herzlichen Segenswünsche ab. Und weil ich da wirklich sehen kann, daß es echt nur lieb gemeint ist, springe ich den betreffenden Ladies dann auch nicht mit dem Hintern ins Gesicht... meist bin ich dann vor allem verblüfft.
Aber du hast schon recht, Moony - nicht den Ärger über Leuten ausgießen, die "nix dafür können"... beim Ethik-Lehrer wirds schon brenzlig. Ich hoffe nur, daß unser Kleiner nicht später einen Biologie-Lehrer erwischt, dem man erstmal ein paar erdhistorische Fakten beibringen muß, damit er keine Schöpfungslehre unterrichtet - in so einem Fall würde ich wahrscheinlich wirklich rot sehen!

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#12 von Serpentia , 10.01.2010 21:56

Soweit ich weiß, ist der Blödsinn in Deutschland noch nicht (wieder) angekommen - also wenn Du den Lütten nicht nach USA auf die Schule schickst, bist du relativ sicher davor.

Ethik-Lehrer sind doch klasse! Denen ist vollkommen egal, welche Position du einnimmst - du musst sie nur verteidigen können *lach*

MoonDancer
ehemals Abi mdl. Prüfung 13 Punke in Ethik *lol*

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#13 von matodemi , 10.01.2010 22:19

Eine solche Toleranz gibts aber nicht nur unter Ethik-Lehrern - ich hatte meist gute Religionslehrer, die gerne mit mir diskutiert haben. Von einer Lehrerin weiß ich sogar, dass sie später die Diskussionen vermisst hat - als sie nur noch "brave Schafe" vor sich sitzen hatte, die vor allem wissen wollten, was sie denkt damit sie die Klausuren entsprechend gut schreiben (hat wohl nicht geholfen )

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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#14 von Solitaire , 10.01.2010 22:30

[quote="inis"]Ich lauf doch auch nicht rum, klingel an Haustüren, singe ein Lied über die Große Göttin und das ewige Jahresrad, male den Leuten ein Pentagramm auf die Haustür und drehe ihnen dann noch ein Amulett an, wobei der Erlös für die Verbreitung des Heidentums bestimmt ist!/quote]

Oh, DAS wäre doch mal was anderes!!!!!! Aber dann bitte nur zünftig gekleidet mit Hexenhut, Umhang und Hexenbesen!!!!!!

 
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RE: Brauchtum und (christliche) Traditionen

#15 von yannik ( Gast ) , 11.01.2010 00:33

Geile Idee!
Ein Freund von mir hat sich mal Tick, Trick & Track über die Tür geschrieben, die wurden richtig grantig...

"Wir kommen von den Zeugen Odins, kennen sie die Edda?"

Yannik

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