Tierquälerei und Ohnmacht

#1 von Emrys , 08.01.2010 15:22

Schönes Wochenende euch allen

Ich habe heute bei mir in der Schule etwas erlebt, was mich als erstes stark betroffen, dann ziemlich wütend gemacht hat.
Die Klasse unter uns hatte heute (scheinbar für den Biounterricht) eine kleine Box mit Feldgrillen dabei (so um die 6 Grillen).
Was machen die dümmsten und *arghs* Trottel der Klasse?! Treten von zwei Seiten gleichzeitig gegen die Box, so dass die Grillen in alle Richtungen verteilt werden.
Als nächstes wurden die armen Tierchen dann mit Stiefeln und Turnschuhen durch die gegend getreten und geschossen!!!!!!!
Dabei sind sich die Typen am bekringeln und brüllen durch den Flur "Kakerlakenalaaaarm!!!"

Da bringt nicht mal mehr anschreien was! (und das an einer Waldorfschule!)

Was meint ihr dazu? Wie kann man sich selbst in so einer Situation verhalten ohne auszurasten, wenn man auf Unverständnis und ... ich kenne kein passendes Wort dafür ... geballte Dummheit ... trifft?

blessings
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#2 von Inge , 08.01.2010 15:45

.... dazu fällt mir momentan keine vernünftige Antwort ein. Ich würde wahrscheinlich/vielleicht auch erst einmal ausrasten , obwohl ich weiß, daß ich damit nur das Gegenteil erreiche. (Aber Denken und Diplomatie sind momentan eh nicht meine hervorragenden Eigenschaften .... )

LG Inge

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#3 von Solitaire , 08.01.2010 16:36

Mal so nebenbei gefragt: eure Lehrkräfte haben den Radau nicht mitbekommen???? Also, ich bin ja vor x-Jahrzehnten an ganz normalen öffentlichen Schulen gewesen, aber da stand dann schon ziemlich schnell eine Lehrkraft auf der Matte, wenn's mal irgendwo lauter wurde und hat solche Aktionen dann schon sehr schnell unterbunden oder in den Griff bekommen.

Außerdem hatte ich immer geglaubt, dass man an einer Waldorfschule doch einen etwas anderen Umgang pflegen würde, scheint aber heute nicht mehr so ganz zuzutreffen.

Also, ich greife mir in solchen Situationen immer sehr gerne den/die Rädelsführer und hätte ihnen freundlich angeboten, ob sie mal meine Stiefel spüren möchten, damit sie einen Eindruck bekommen, wie sich die Tiere fühlen.

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#4 von Emrys , 08.01.2010 17:50

Nunja, das Lehrerzimmer ist zwei Etagen entfernt und in einem anderen Gebäude, da fällt sowas nicht so schnell auf.

Der Umgang an Waldorfschulen ist normal sehr gut, nur leider fällt das hier komplett aus dem Muster!

Bringt es denn im Endeffekt etwas, Gewalt mit Gegengewalt (wenn auch nur theoretischer) zu begegnen? Ich bin für einen friedlicheren Weg, auch wenn ich grade auch keine andere Lösung weiß.

nachdenkliche Grüße
Emrys

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#5 von Esme , 08.01.2010 19:52

Auch ein Muster ist immer nur Theorie und Praxis.

Das war wirklich eine schwierige Situation, denn allein hättest du wahrscheinlich wenig ausgerichtet. Aber du siehst das kein Mensch vor solchen Ausbrüchen gefeit ist. Vielleicht kannst du im nachhinein noch ein Gespräch mit dieser Qlique führen, frage sie mal was der Auslöser war und ob schon mal Tyrannus Saurus Rex mit ihnen Fußball gespielt hat ...

Diese Situation wäre jedenfalls für mich wichtig genug um Mediatoren ein zuschalten, falls es die bei euch gibt.

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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#6 von Fingayin , 08.01.2010 20:36

Ich hätte sie auch lauter als normal angesprochen, und gefragt ob sie noch alle Latten auf dem Zaun haben, und sie sollten sich vorstellen das das jemand mit Ihnen machen würde.
Gewalt nein, aber manchmal ist es verblüffend wenn man die richtige Wortwahl findet und dabei lauter wird und die Stimme dunkler klingt. Noch nicht mal brüllen.
Mir geht das so wenn ich mit Kollegen unterwegs bin und die Zigaretten aus den Autos fliegen. Dann werde ich verbal zum...ok...Ihr könnt es Euch denken. Und das hilft.

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#7 von Solitaire , 09.01.2010 13:26

@ Emrys: du hast durchaus recht, dass Gewalt Gegengewalt erzeugen kann. Leider gibt es aber Menschen und/oder Situationen, die es auf dem friedlichen Wege nicht verstehen (wollen).

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#8 von Sinaris , 09.01.2010 14:57

Patentantworten sind da wohl schwierig. Grössere Menschenmengen gehorchen da einer anderen Dynamik. Das gilt schon für eine Klasse. Man könnte versuchen einen der "Leithengste", meist der, der der Gruppe aum lautesten mitteilt, wie toll er doch gerade ist, ausfindig zu machen und diesen gezielt konfrontieren. Wenn der rest nicht schon zu euphorisch ist könnte es klappen.

Oft hat man ja auch am Rand des geschehens Leute stehen, die ebenfalls die Situation Veruteilen und nur den nötigen Stein des Anstosses benötigen. Da kann dann schon ein missbillingder Kommentar reichen, um zumindest zu erkennen, wer Deine Meinung teilt.

Aber das ist alles sehr theoretisch. Ich weis ja jetzt nicht wie alt die Schüler waren aber der Ausdruck, das Kinder grausam sein können ist ja nicht von ungefähr. Das Bewustsein für das Leid anderer muss erst erwachen aber dass ist zum Glück nicht Deine Aufgabe. Ich würde Dir sicher keinen Vorwurf machen, wenn Du in einer solchen Situation laut werden würdest, doch das mit der erhobenen Stimme klingt auch sehr gut. Bleibt halt die Frage, wie Aufnahmebereit die Meute in einer solchen Situation ist. Auch wenn Argumente in einem Solchen Moment abprallen, kann es passieren, dass sie viel später, wenn der Trotz abgefallen ist, wieder durchdringen.

Ich persönlich kenne das Konzept einer Waldorfschule überhaupt nicht und habe nur mal ein paar Eigenarten aus einem Kindergarten solcher Art gehört. Allerdings denke ich, dass die Lehrkräfte irgendwann später reagiert haben werden.

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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#9 von inis , 09.01.2010 18:18

Huhu!

Ich hab den Eindruck, das Problem fängt schon viel eher an... wenn die Tiere wirklich für den Bio-Unterricht bestimmt waren, was sind sie dann? Genau, Unterrichtsmaterial. Kommt leider keiner mehr drauf, daß es sich um Lebewesen handelt... ganz besonders, wenn sie kein flauschiges Fell und treuen Kulleraugen haben.

Ich weiß also nicht, ob in der gegebenen Situation irgendeine Chance bestanden hätte, die Sichtweise auf das "Material" zu ändern.

Alle Versuche, in solchen Situationen an das Herz der Rowdys zu appellieren ("stell dir vor, das macht jemand mit deinem Hamster" oder "stell dir vor, wie sich die Familienangehörigen der Grillen fühlen"), führen meist nur zu noch größerem Gelächter, und man selbst macht sich peinlich.
Am ehesten erfolgsversprechend wäre noch, die Betreffenden peinlich zu machen - "seid ihr doch erst fünf?" oder "hat deine Freundin Schluß gemacht, daß du dich so abregen mußt?", am besten vor ihren Kumpels (peer group pressure heißt sowas wohl auf Pädagogen-Neudeutsch). Das muß natürlich auch mit entsprechender "Coolness" geäußert werden, was halt schwer ist, wenn man selbst vor Wut schäumt.

Aber wie gesagt: ich fürchte, die von der Gesellschaft oder dem Kontext vorgegebene Sichtweise auf die Tiere ließ sich in der Situation einfach nicht ändern. Vielleicht sind wir Menschen über die Jahrtausende auch zu sehr daran gewöhnt, daß Tiere nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Rohmaterial darstellen...?

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#10 von angelikaherchenbach , 09.01.2010 18:37

Danke Inis!
ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass an der Sache irgend etwas nicht stimmig ist - und Du hast es erkannt:
Es ist die Ausgangsbasis, dass in einer (Waldorf!))Schule die Tiere als Unterrichtsmaterial verwendet werden.

Wäre der Bio-Lehrer (in der passenden jahreszeit!) mit den Kindern rausgegangen und hätte die Tiere in ihrem Lebensraum beobachten lassen, wäre das m.E. so nicht passiert.
Ansonsten gibts es (meines Wissens auch in Waldorfschulen) heutzutage das Internet, wenn man mal was betrachten will, was so in natürlichem Umfeld nicht möglich ist.

Ein klärendes Gespräch wäre daher mit den Lehrkräften zu führen; und deren Aufgabe ist es dann, es an die SchülerInnen entsprechend weiterzuvermitteln.
So etwas unter den Kindern/Jugendlichen zu klären kann nur zu weiteren Auswüchsen führen.
Pädagogik ist in erster Linie Vorbild!

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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#11 von Inge , 09.01.2010 20:19

Inis und Angelika,

Jepp, daß Tiere als "Unterrichtsmaterial" benutzt werden ist mir auch von Anfang an aufgstoßen, ist bei mir dann allerdings wegen dem Ärger über das Verhalten der Schüler untergegangen. Das hat mich doch sehr an die armen Frösche unter dem Messer erinnert und das in einer Waldorfschule ...

LG Inge

 
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RE: Tierquälerei und Ohnmacht

#12 von Brianna , 11.01.2010 15:57

Ok, habe auf Wunsch den Teil der mehr um Walddorfschulen und andere Schulkonzepte geht abgetrennt und verschoben:
f24t2540-walddorfschule-und-andere-alternative-schulkonzepte.html

Nun zurück zum Thema.

 
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