Die Schlacht der Bäume

#1 von Fingayin , 22.11.2009 21:49

Aus dem 6. Jahrhundert stammt das in walisischer Schrift verfasste Gedicht Cad Goddeu aus dem Llyfr Taliesin (Buch von Taliesin), was übersetzt soviel wie "Schlacht der Bäume" oder "Kampf der Bäume" bedeutet.

Das Gedicht erzählt den Kampf zwischen Gwydion mit Amaethon gegen Bran mit Arawn, dem König der Unterwelt in der walisischen Mythologie. Mit der magischen Belebung der Bäume zu Kriegern durch Gwydion entstand der "Kampf der Bäume", in dem Arawn letztendlich der Unterlegene war.

Es existieren verschiedene Versionen über das Cad Goddeu und auch bei den Übersetz- ungen sind mehrere Fassungen im Umlauf. Nachfolgend eine davon.


Cad Goddeu - Die Schlacht der Bäume
(eine Übersetzung aus dem Englischen von AMP)

Seht, die Wipfel der Buche
haben gerade Knospen geschlagen
wirken verändert, so jung...
frei von ihrem welken Sein

Seht weiter, die Buche lebt wohl,
Trotz aller Flüche und Litanei
und die Eichen verbinden einander
es ist wieder Hoffnung für Bäume

Ich erkundete den alten Farn
um Wissen zu ergründen
doch der Alte Math ap Mathonwy
war noch viel weiser als ich...

Doch mit neun guten Gaben
hat das Göttliche mich gesegnet
Als die Frucht unter den Früchten
geboren von neun Bäumen

Pflaume, Quitte, Heidelbeere, Maulbeere,
Himbeere und Birne
Schwarze und weiße Kirsche
und die Elsbeere (oder Eberesche) sind ein Teil meiner Selbst
Von meiner Feste in Fefynedd,
der so stark bewehrten Stadt,
sah ich die Bäume und Sträucher
hinfort eilen irgendwohin

Bescheiden vor dem Glück
wurden sie von Gott gegeben
in die Form der Buchstaben
unseres Alphabets...

Wanderer staunten nicht schlecht,
Krieger wurden aufgeschreckt
über die Rückkkehr des Krieges
von Gwydion wohl geplant

Unter der Zungenwurzel tobt
ein höchst schrecklicher Kampf
und ein anderer gibt nimmer Ruh.
hoch droben im hinteren Kopf

Doch die Erlen waren in der ersten Reihe,
beginnen mit dem Gemetzel
Weide und Eberesche
treten verspätet in die Schlachtreihe.
Die Steineiche, so dunkelgrün,
Hält entschlossen stand,
ist doch bewaffnet mit vielen Speerspitzen
die verwunden die törichte Hand

Unter den stampfenden Füßen der raschen Eiche
dröhnen nun Himmel, Hölle und Erde
Mannhafter Hüter der Pforte,
so heißt ihr Name in allen Sprachen

Groß ist der Stechginster in der Schlacht
und der Efeu streut giftige Blüte,
der Haselstrach ist der Richter
in einer verzauberten Zeit.

Ungestüm und so wild bleibt die Tanne,
Grausam gar der Eschenstamm,
weicht doch keinen Fuß beiseite
und zielt direkt auf das Herz.

Die Birke, zwar sehr edel,
wappnet sich dennoch erst spät:
Dies ist zwar keinerlei Feigheit
sondern zeigt hohen Stand...

Das Heidekraut spendet doch Trost
dem erschöpften Volke im Kampf
und die nimmermüden Pappeln
brechen oft in der endlosen Schlacht.

Etliche werden so verworfen
auf dem Felde der Ehre
auch wegen der Breschen, die ihnen
des Feindes große Macht schlägt

Und so zürt allen der Weinstock,
dessen Knappen die Ulmen sind.
Ich Unwürdiger preise sie vor allen
den Herrschern der Reiche.

Starke Häuptlinge sind der Schwarzdorn
dessen üble Frucht tötet
und der unbeliebte (Bruder) Weißdorn
in seiner ähnlichen Brünne....

Das rasche Feinde verfolgende Schilf
und der Besenginster mit seiner Brut
samt dem Stechginster benehmen sich wüst,
biss sie gezähmt waren

Gaben verschenkt die edle Eibe
und steht finster am Rande der Schlacht
und der Holunder brennt nur langsam
in sengenden Feuern des Feindes zur Nacht

Voller Segen bleibt immer der wilde Apfel
lachend vor Stärke und Stolz
geboren aus dem Gorchan des Maeldrew
neben der felsigen Wand.

Und im Verborgenen blühen
Liguster und Geißblatt,
noch Laien in der Schlacht
bewacht von der ritterlichen Kiefer....

Aber ich, wenngleich von allen verachtet,
weil ich nimmer groß war
ich kämpfe ihr Bäume, in Euren Reihen
auf dem Feld von Goddeu Brig.

© by André M. Pfromm

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#2 von Solitaire , 22.11.2009 23:13

Was mir jetzt in der "Schlacht der Bäume" auffällt, sind die Erwähnung der Maulbeere und der Weinrebe, die beiden können doch eigentlich nur im Gepäck der Römer auf inselkeltisches Gebiet gelangt sein oder gab es irgendwo bei diesem Text einen Einfluss durch die Galater, denn bei denen kann ich mir den Anbau von Wein und Maulbeeren (Feigenart) noch vorstellen, aber in Wales?

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#3 von Solitaire , 22.11.2009 23:14

Gleich noch eine Frage hinterher: wieso wird der Weißdorn als "unbeliebter Bruder" bezeichnet? Ist doch schließlich auch eine alte Heilpflanze?

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#4 von Sirona , 23.11.2009 05:55

Hallo Solitaire,

der Weißdorn als unbeliebter Bruder?

Früher wurden die Häuser und Anwesen häufig durch Weißdornhecken geschützt, damit keine wildlebenden Tiere den Hausgarten umpflügen konnten. Unter Umständen ist es damit gemeint. Und hast Du schon mal versucht Weißdornbeeren zu essen? Sie schmecken nicht allzugut.

BB
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RE: Die Schlacht der Bäume

#5 von Gelöschtes Mitglied , 23.11.2009 07:29

Hi Sirona,
habe am Wochenende Weißdornsorbet mit Holundersoße gegessen.
War einfach göttlich.
Kann also auch nicht ganz stimmen.
Liebe Grüße
Siochanta


RE: Die Schlacht der Bäume

#6 von Rainer , 23.11.2009 08:22

Weißdornsorbet mit Holundersoße wow, hört sich spannend an!

Cad Goddeu ist eine wunderbare Geschichte voller Zauber, glücklich ist, wer zwischen den Zeilen lesen kann.... jaja unsere Altvorderen...

LG

Rainer
)O(

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#7 von Fingayin , 23.11.2009 09:14

Ich finde das Gedicht auch super schön.
Ich habe versucht etwas genaueres darüber heraus zu finden, aber es ist sehr schwer und ich bin bis jetzt nicht fündig geworden.

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#8 von Sirona , 23.11.2009 10:10

Hallo Siochanta,

ich habe auch roh gekostet. Wenn es gekocht ist, schmeckt es wieder ganz anders.
Und dann noch Zucker dazu....Hast Du das Rezept?

BB
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RE: Die Schlacht der Bäume

#9 von Solitaire , 23.11.2009 11:19

Zitat von Sirona
der Weißdorn als unbeliebter Bruder? Früher wurden die Häuser und Anwesen häufig durch Weißdornhecken geschützt, damit keine wildlebenden Tiere den Hausgarten umpflügen konnten.



@ Sirona: grade deshalb meine ich ja, dass der Weißdorn eher als Helfer anzusehen ist ,man muss halt mit ihm umzugehen wissen, und das wußten unsere Altvorderen mit Sicherheit.

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#10 von Gelöschtes Mitglied , 23.11.2009 13:39

Hi Sirona,
leider habe ich das Rezept nicht.
War im Rahmen eines 7-Gänge Kräutermenüs mit dem Motto Wurzeln und Würzsamen und letzte Früchte
Ist bei uns in einem kleinen Hugenottendörfchen 1x im Monat mit den jeweiligen Erklärungen zu den verschiedenen Gängen und Kräutern und zog sich über 4 Stunden hin.
Ist jedesmal ein Erlebnis.
Noch eine wunderschöne Woche
Siochanta


RE: Die Schlacht der Bäume

#11 von Emrys , 01.12.2009 20:23

Einen wunderschönen Abend euch allen.

Zur Frage des "ungeliebten" Weißdorns

Die Cad Goddeu, die wir hier haben, wurde zu einer Zeit niedergeschrieben, in der das Christentum schon auf der Insel der Mächtigen war, also ist zumindest diese Version christlich geprägt.
Nun zum Weißdorn.
Zum einen soll Josef von Arimathäa in Glastonbury einen Weißdornstab in die Erde gesteckt haben, der jeweils zu Weihnachten und zu Ostern blühen soll (eine sehr interessante Verbindung zum "ungeliebten Weißdorn", wie ich finde)
Zum anderen soll auch Jesus' Dornenkrone aus Weißdornästen geflochten worden sein, was die Ungeliebtheit im christlichen Gedanken darstellen kann.

Zwei grundlegend andere Gedanken, wobei ich mich mit ersterer besser anfreunden kann

blessed be
Emrys

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#12 von Fingayin , 01.12.2009 21:11

Hi Emrys.
Danke Dir für die Nachhilfe.
Mal sehen ob ich noch andere Versionen finde. Momentan ist es was schlecht,aber das wird wieder und dann geh ich noch einmal schnüffeln.

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#13 von Solitaire , 01.12.2009 21:19

Zitat von Emrys
Zum einen soll Josef von Arimathäa in Glastonbury einen Weißdornstab in die Erde gesteckt haben, der jeweils zu Weihnachten und zu Ostern blühen soll



Angeblich bekommt die Queen jedes Jahr tatsächlich zu Weihnachten einen blühenden Weissdornzweig, der von dem Weißdornbusch des Joseph von Arimathäa stammen soll.

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#14 von Emrys , 01.12.2009 21:37

Faszinierend. Ob das der Queen wichtig ist?

Der Weißdorn kommt in der englischen Version des Cad Goddeu nur folgendermaßen vor:
"The hawthorn, surrounded by prickles,
With pain at his hand."

Also nichts ungeliebtes, höchstens durch seine Dornen.

Für die walisische Originalfassung müsste uns der liebe Oak King helfen;
ich habe als übersetzung für Weißdorn nur "Draenen Wen"/"Ddraenen Wen" gefunden, was aber in keinster Weise in der Schlacht der Bäume vorkommt.

Spannend, spannend.

blessed be

 
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RE: Die Schlacht der Bäume

#15 von Oak King , 02.12.2009 00:20

Will schon seit Tages meine Fuehler in Richtung Cad Goddau ausstrecken, ist aber immer nicht genug Zeit geblieben. Ich bleib dran und lass euch wissen ob ich da etwas finde was die Sachlage erhellen kann.
Fuer heute aber erstmal Gute Nacht/Nos da,
Holger

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