Jainismus

#1 von Anna , 17.11.2009 22:19

Nachdem das Thema jetzt schon ein paar mal auftauchte, dachte ich, ich schreib mal n'e Kleinigkeit dazu.

Philip erzählte im Mai, dass Nuinn Verbindungen zum Jainismus und dem Druidentum sah und auch Kontakte zum Jainismus knüpfte. Philip pflegt diese Kontakte immer noch.


Der Jainismus ist eine indische Religion die im ca. 6. Jahrhundert entstand. Sie hat ca. 4, 4 Millionen Anhänger und teilt sich in eine Südindische Tradition auf und eine nordindische Tradition, der Unterschied liegt in der Strenge der Regelauslegungen.

Der Jainismus sieht Geistiges und Ungeistiges als zwei unterschiedliche Prinzipien. Das Geistige sind eine unendliche Anzahl individueller Seelen (Jiva).
Das Ungeistige umfasst : Bewegung, Ruhe, Raum, Stoff und Zeit. Alles Stoffliche ist beseelt, nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen und Wasser.

Der Jainismus wird häufig als atheistisch bezeichnet, da er lehrt , dass es keinen erschaffenden Gott gibt. Das Universum ist unendlich, Geistiges und Ungeistiges sind beide nicht erschaffen. Sondern existieren.
Das Universum beinhaltet Götter, die asu verschiedenen Gründen vereehrt werden können, aber es gibt kein Wesen außerhalb, das darüber Kontrolle ausübt. Götter und andere übermenschliche Wesen unterliegen auch dem Karma und der Wiedergeburt, wie die Menschen. Durch ihre Aktionen passiert Karma, und dies bedingt die Wiedergeburt. Erlösung erreicht man, indem man die Seele von allem Karma, gut und böse reinigt. Dies geschieht im Jainismus durch eine sittliche Lebensweise und strenge Askese. .

[quote=Wiki]
Die drei ethischen Grundprinzipien des Jainismus sind Ahimsa (Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen), Aparigraha (Unabhängigkeit von unnötigem Besitz) und Satya (Wahrhaftigkeit). Wegen des Ideals der Nichtverletzung von Lebewesen ernähren sich Jainas ausschließlich so, dass weder Tier noch Pflanze dafür sterben müssen. Bedingt durch diese Prinzipien, üben Anhänger des Jainismus nicht jeden Beruf aus, weshalb sie beispielsweise oft im Handel und im Bankgewerbe arbeiten. Wegen der Strenge der Lebensführung war die Gemeinde nie sehr groß. Die Laien konnten wegen des Gewaltlosigkeitgebots weder in der Landwirtschaft arbeiten (beim Pflügen könnten Lebewesen verletzt werden), noch konnten sie sich dem Kriegshandwerk widmen. Die Jainas spenden oft Gelder für prächtige Tempelbauten oder soziale Zwecke. Sie verfügen über mehr Einfluss innerhalb der indischen Gesellschaft als es ihrer Anzahl entspräche.
[/quote]

Quellen:
Wikipedia
Internet Encyclopedia of philosophy

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RE: Jainismus

#2 von Solitaire , 18.11.2009 10:43

Zitat von Anna
Wegen des Ideals der Nichtverletzung von Lebewesen ernähren sich Jainas ausschließlich so, dass weder Tier noch Pflanze dafür sterben müssen.



Hallo Anna,
hast du irgendwas gefunden, wovon sich die Jainas dann ernähren??? Ich versuche mir grade vorzustellen, was das sein könnte, mir kommen da aber nur Früchte in den Sinn, weil beim Reis ja die Pflanze geerntet wird, also würde der schon mal aussscheiden.

Soweit ich mich erinnnern kann, konnte sich der Jainismus nach Buddhas Ableben nie in ganz Indien durchsetzten, weil die Schüler Buddhas, die dann den Buddhismus weiter verbreiteten, stärker waren.

 
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RE: Jainismus

#3 von Anna , 18.11.2009 12:06

Hallo

nein ich weiß es leider nicht. Würde mich aber auch interessieren. Aber ich glaube schon das die Frutianer oder wie sie heißen, daher ihre Überzeugung ableiten.

Aber in der Encyclopdia of Philosophy habe ich gefunden, dass einige besondere Meister, die die Gewaltlosigkeit bis zur letzten Konsequenz gelebt habe, nur noch da sassen, und auch nichts mehr zu sich genommen haben. Komplett der Kontakt zu anderen Lebewesen entsagt, weil man sich ja Karma auflädt, positiv oder negativ, sobald man mit jemand anderem in Kontkat kommt. Sei es ein Lächeln schenken oder einem Vogel was zu essen geben oder selber essen.


Spannend ist es auch, das es wohl einen Tag im Jahr gibt, an dem du dich bei jedem entschuldigst, dass deine Worten und Taten im letzten Jahr den anderen Menschen ohne es zu wollen verletzt haben. Ist natürlich im Zeitalter des Computers um einiges einfacher.

Ich finde das Prinzip der Ahimsa spannend. Einfach sich mal vorzustellen, was das für das eigene Leben bedeuten würde, und wie es sich anfühlen kann, wenn man diesen Frieden in sich findet.

Meine Frage ist dabei, wieweit es überhaupt in unserer Kultur lebbar ist. Allein von den Grenzen die uns unsere Kultur setzt. Andere Kulturen bieten da andere Möglichkeiten, oder Grenzen.

Anna

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RE: Jainismus

#4 von Nivien , 18.11.2009 12:13

Hallo Anna,

danke für das Thema. Sehr interessant, ich bin bei der Lektüre auch mal darüber gestolpert, habe das aber nie weiterverfolgt.

Mich würden auch die konkreten Verbindungen, die Nuinn sah, interessieren. Sind sie hisorisch? Oder inhaltlich, d.h. geistig? Auf den ersten Blick erscheint der Jainismus als eine so typisch indische Erscheinung, dass es mir schwer fällt, ausgerechnet da eine Verbindung zum Druidentum festzumachen. In der Praxis hat der Jainismus ja auch einen gewissen Hang zum Extremen, der wohl auch verhindert hat, dass diese Religion einen dem Buddhismus vergleichbaren Aufschwung nehmen konnte.

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich da gerne mehr einlesen.

herzliche Grüße
Nivien

 
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RE: Jainismus

#5 von Anna , 18.11.2009 12:20

Hallo Nivien

da fragst du mich was. Ich kann ja mal im DHP FOrum nachfragen.

Da es mich auch interessieren würde.

Vielleicht kann uns ja aber auch Heruka weiterhelfen...

Anna

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RE: Jainismus

#6 von Inge , 18.11.2009 13:46

... neben der Frage, was sie nun essen, frage ich mich, wie sie überhaupt existieren können.

Kein Kontakt zu anderen Lebewesen, kein Lächeln etc. - normaler weise dürften sie, wenn man den Gedanken weiterspinnt, auch nicht atmen, da sie anderen Lebewesen somit die Luft zum atmen nehmen und durch das Ausatmen Kohlendioxyd in die Luft setzen ... ( = negatives Karma ?)

Für mich leben diese Menschen nicht in dieser, unserer äußerlichen Welt (dadurch, daß sie nicht nach außen leben , d.h. keinen Kontakt mit der äußeren Umwelt aufnehmen). Ihre Welt befindet sich somit nur in ihrem Inneren. Wie kann ein Mensch so existieren ? Menschen in Isoationshaft verkümmern und sterben ...

LG Inge

 
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RE: Jainismus

#7 von Serpentia , 18.11.2009 13:51

Inge, so ist das ja nun nicht. Die Jains, die ich in Indien kennengelernt habe - wie Anna schrieb, sind viele davon im Handel tätig - erkennt man hauptsächlich an ihren Essgewohnheiten. Der Rest ist ein Streben nach vielem, aber nur wenige davon verschreiben sich auch total dem Erreichen dieser Ziele in diesem Leben, hier und jetzt.

Allerdings entgeht mir jeglicher Bezug, der zwischen Jains und Druiden bestehen sollte, immer noch. Philipp hat ja darüber einiges geschrieben, aber ich muss zugeben... da kann ich nicht folgen.

Bin halt nur ein kleines Heidenmädchen

MoonDancerchen

 
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RE: Jainismus

#8 von Inge , 18.11.2009 14:37

Aha, das ist mir halt doch ein bischen zu hoch. Dem kann ich leider nicht folgen ....

U.a. eingeschränke Ernährung- wegen dem Karma (und Pflanzen, Tiere, Wasser ... sind beseelt) und dann gibt es die Extreme, die, wie Anna schrieb, "... nur noch da sassen, und auch nichts mehr zu sich genommen haben. Komplett der Kontakt zu anderen Lebewesen entsagt, weil man sich ja Karma auflädt, positiv oder negativ, sobald man mit jemand anderem in Kontkat kommt. Sei es ein Lächeln schenken oder einem Vogel was zu essen geben oder selber essen. ..."

Wenn sie es können und schaffen und den inneren, friedlichen Weg der Vollendung so finden- , dann ist das für sie sicherlich eine gute Sache. Ich frage mich jedoch nach wie vor, wie man das schaffen und erreichen kann. Für mich beseutet dies eine soziale Isolation. Innenschau, um sich zu verstehen und zu kennen, ist wichtig. Auch die innere Reflektion der "Ausenwelt", des gesehenen, gespürten, gerochenen, gelernten etc.. Doch dann kommt für mich, mit dieser Erkenntnis, das "nach außen gehen", der Kontakt zur Umwelt (sei es die Natur, Tier, Mensch, Stein ...).

LG Inge

 
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RE: Jainismus

#9 von Hjördis ( Gast ) , 18.11.2009 14:45

Das ist der große Unterschied zur mitteleuropäischen Naturreligion. Unser Weg ist der des Auseinandersetzens, des Lernens innerhalb der Natur, nicht der des "Ausklinkens".
Ich persönlich denke, dass ich in dieser Welt lebe, um in ihr Erfüllung/Weisheit/etc. zu finden, nicht, um mich ihr zu verweigern.
Was diese Verweigerung mit dem Druidentum verbindet? Keine Ahnung, ich sehe da keine Verbindung .

Hjördis

RE: Jainismus

#10 von Anna , 18.11.2009 22:55

Huhu Nivien

Moony war so nett und gab mir einen link zu einem Artikel von Philip.

Ich arbeite mich gerade da durch.

Ist ganz interessant.

Verbindungen sah Nuinn wohl vor allem in der Zeit so 600 vor unserer Zeitrechnung...
Über die Weisen von Persien/Ägypten. und noch welche, wo er sogar die Überlegung der Ableitung des Wortes "Druide" macht.

Und dann ist wohl die Verbindung zur Natur ein gemeinsamer Punkt.
"Lufgekleidet" im Süden, und Nuinns Begeisterung für FKK ist ein Punkt. Oder das Bedürfniss von vielen heute, Naturmaterialien zu tragen.
Auch das es doch viele Vegetarier gibt, und Druiden einfach mehr auf die Welt (Nautr, Lebewesen etc) um sich achten.
Das wir so viel Wert auf den Frieden legen, Paßt zu Ideen von der Idee von Ahimsa.

Das ist was ich bis jetzt rausgezogen habe.

Ich denke Ahimsa ist fast einen eigenen thread wert...

Anna

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RE: Jainismus

#11 von Nivien , 19.11.2009 13:37

Danke für die Info, Anna.
Ich werd auch mal reinschauen.

liebe Grüße
Nivien

 
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RE: Jainismus

#12 von Anna , 19.11.2009 15:07

Halt durch bis zum Schluß, da wird es dann richtig spannend!

Und vielleicht können wir ja seine Gedankengänge hier reinstellen und mal weiter sehen...

Anna

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RE: Jainismus

#13 von Nivien , 19.11.2009 17:44

Jetzt brauch ich nur noch ein paar ruhige...Minuten/Stunden/...

 
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RE: Jainismus

#14 von Ruath , 19.11.2009 22:42

Also, aus dem hier gelesenen sehe ich nur zusammenhänge in meiner anschauung zu den Göttern und das eben alles beseelt ist.
Es gibt keinen übergeordneten erschaffenden Geist, sondern ein "alles ist".

Persönlich sehe ich jedoch keine Möglichkeit zu "Leben" ohne dabei andere zu verletzen oder zu essen. Sicherlich sollte man dann das Essen und Kleiden unter einem gewissen respektsmäßigen Gesichtspunkt angehen, aber das Thema hatten wir ja schon in anderen Threads.
Klingt auf jeden Fall recht spannend, ich glaube ich arbeite mich da mal grob rein, danke .

 
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RE: Jainismus

#15 von Solitaire , 19.11.2009 23:46

Ich habe jetzt nochmal ein wenig über Jainismus recherchiert und bin auf folgende interessante ergänzende Infos gestoßen: http://www.inder-nett-reisen.com/Indien-...-religionen.htm

"Ein Digambara (Sanskrit, m., दिगम्बर, digambara, übersetzt: „im Luftkleid“, „im Himmelskleid“ oder „in die Weltweite gekleidet“) ist ein Angehöriger einer überwiegend aus Mönchen bestehenden religiösen Gruppe, die dem Jainismus angehört.

Digambaras legen die Gebote des Jainismus strenger aus als die Shvetambaras, die ebenfalls Gläubige des Jainismus sind. Digambaras sind strenge Asketen und Verfechter des uneingeschränkten Existenzrechtes eines jeden Lebewesens. Sie praktizieren die Gewaltlosigkeit (Ahimsa) deshalb sehr konsequent. In ihrem Alltag treffen sie Vorkehrungen um ein versehentliches Töten oder Verletzen anderer Lebewesen zu vermeiden. So tragen sie z. B. einen Mundschutz um ein versehentliches Einatmen von Insekten zu verhindern.

Digambaras lehnen materiellen Besitz ab und sind meist nur mit einem Lendentuch bekleidet. Sie leben teilweise oder vollständig nackt; daher die Bezeichnung Digambara – die Luftgekleideten. Das Heiligtum in Shravanabelagola bei Mysore stellt einen nach Digambara-Sitte unbekleideten Jaina-Asketen (Gommata) dar."
Quelle: Wiki

--> somit scheint wohl von den Digambaras das "skyclad" bei Gardner, Leland, etc übernommen worden zu sein.

"Die Shvetambaras (Sanskrit, m., श्वेताम्बर, śvetāmbara, Weißgekleideter) sind eine Gruppe innerhalb des Jainismus.

Im Vergleich zu den Digambaras vertreten sie eher gemäßigtere Standpunkte. So lehnen sie nicht unbedingt jeglichen materiellen Besitz ab und legen die Gebote des Jainismus allgemein liberaler aus. Die Shvetambaras bilden die große Gruppe der Laien innerhalb der Jaina-Gemeinde. Die Shvetambaras genießen den Ruf überdurchschnittlich erfolgreiche Geschäftsleute zu sein." Quelle: Wiki

Hm, wie kann man erfolgreich Geschäfte tätigen, ohne dabei anderen weh zu tun??? Ich meine, nehmt mal das Wort "Profit" es bedeutet durchaus auch im Lat. "Vorteil" und wenn einer einen Vorteil hat, dann muss zwangsläufig ein anderer einen Nachteil haben, oder??

 
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