RE: Licht und Dunkelheit

#16 von Riven , 03.11.2009 23:03

Wenn mal man vo Freudschen Ansatz ausgeht von, Ich, Über-Ich und Es, so steht am Anfang des Lebens auch das Es, das Unterbewusste, das Triebhafte. Viele Leute bezeichnen diese Seite des Menschen auch als seine dunkle Seite. Anfangs reagieren Kinder rein nach Instinktprogrammen und haben von Regeln und Moral noch keine Ahnung. Diese werden erst von den Eltern, den Freunden, dem Umfeld weitergegeben und formen das Über-Ich, die Kontrollinstanz, das Gewissen. Ich hab leider vergessen wer es war, aber ich kann mich erinnern mal gelesen zu haben, dass jemand das Über-Ich auch als Licht im Geist des Menschen bezeichnet hat, weil es sich der Dunkelheit des Es entgegenstellt. Das Ich ist also der Filter, der entscheidet, wieviel Licht bzw Dunkelheit aus uns nach außen dringt.
Ich will jetzt mal dahingestellt lassen, ob dieser Ansatz richtig ist, oder nicht. Da haben sich schon genug andere Geister daran gestritten.
Jedoch merkt man, dass die Leute, die einen großen Schwerpunkt auf dem Über-Ich haben, also sich sehr an Regeln halten und teilweise maßlos übertriebene Moralvorstellungen haben, große Ansprüche an sich und andere stellen. Das dieses Verhalten aber irgendwann mal zu massiven psychischen Problemen führen kann, hat mir meine Arbeit in der Psychiatrie schon öfter gezeigt. Da bleibt mir nur selbst die Rückfolgerung, dass wenn man versucht die eigene Dunkelheit zu unterdrücken und sich selbst nur mit Licht auszufüllen (zumindest nach dem Freudschen Modell), dass mensch daran zu grunde geht.
Auch das reine Hingeben ins Es, ins Triebhafte, ins Dunkle hat meistens wenig Erfolg, weil hier meistens Gefängnis am Ende der Reise steht.
So bleibt für mich wieder nur über mir meiner beider Seiten bewusst sein und versuchen sie beide im Gleichgewicht zu halten. Das bedeutet aber durchaus auch arbeit, weil sich seinen dunklen Gedanken stellen sicher nicht immer angenehm ist. Aber auch hier gebe ich wieder Jung recht siehe meine Signatur

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#17 von angelikaherchenbach , 03.11.2009 23:32

Lieber Riven, Deine Analyse ist sicherlich korrekt; aber auch hier kommt wieder die Wertung rein:
Das Dunkle als das Triebhafte, Abgelehnte - das Helle als das Anzustrebende, gerne nach außen Gezeigte.

Für mich sind BEIDE Qualitäten jeweils (gleichwertig) der Schatten der anderen.

Diese Positiv-Negativ-Wertungen sind für mich Konzepte, die es zu hinterfragen gilt.
Wer stellt diese Norm, diese Wertung auf?
Und vor allem: Warum?

Um es zu verdeutlichen:
Wieso scheint ein Konsens zu bestehen, alles "Gute", Vorzeigbare, Konstruktive im Licht zu sehen und im Dunkeln nur das Destruktive, Triebhafte, zu Überwindende?
Wieso fokussieren wir die jeweils anderen Aspekte in den beiden Kräften nicht?
Wann und durch wen ist diese Polarisierung entstanden?

Angelika

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RE: Licht und Dunkelheit

#18 von Riven , 04.11.2009 01:54

ich will hiermit ja auch eigentlich keiner wertung vornehmen, da man ja auch licht negatives und der dunkelheit positives abgewinnen kann. ich wollte damit eher zum nachdenken anregen

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#19 von geraldhu , 04.11.2009 10:44

Zitat von Riven
ich will hiermit ja auch eigentlich keiner wertung vornehmen …



Die beide Begriffe - Licht und Dunkelheit - wecken in uns eine Reihe von Assoziationen (welche durch individuelle Erfahrung geprägt sind und gefärbt ist durch die jeweilige Kultur in der wir leben). Insofern ist auch nicht verwunderlich, daß in uns die eine oder andere Bewertung hochkommt.

Wenn wir es in der Folge allerdings schaffen statt etwas zu bewerten es als Gelegenheit wahrnehmen etwas zu unterscheiden - im Grunde ein "Ur-Teil" zu fällen - eröffnen sich daraus eine Fülle von neuen Erkenntnissen - und nur die bringen uns meines Erachtens weiter …

Zitat von Riven
... ich wollte damit eher zum nachdenken anregen



Ich weiß nicht ob das "nachdenken" alleine genügt um zu neuem Verständnis zu gelangen. Ich plädiere (quasi als notwendige Ergänzung) für ein nachsinnen, kontemplieren, meditieren, oder wie immer wir das bezeichnen, was uns aus dem Reich der Intellektualität heraus führt in eine Welt jenseits der Dualität - dort wo auch Licht und Dunkelheit ihren "Ursprung" haben …

Gerald

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#20 von inis , 04.11.2009 11:11

Zitat von angelikaherchenbach

Wieso scheint ein Konsens zu bestehen, alles "Gute", Vorzeigbare, Konstruktive im Licht zu sehen und im Dunkeln nur das Destruktive, Triebhafte, zu Überwindende?
Wieso fokussieren wir die jeweils anderen Aspekte in den beiden Kräften nicht?
Wann und durch wen ist diese Polarisierung entstanden?


Der Mensch ist ja bekanntlich in seinen wahrnehmenden Sinnen nicht so besonders gut bestückt - mit den schwachen Augen kann er nur bei Licht sehen. Vermutlich war der Hell-Dunkel-Rezeptor auf der Stirn (heute sprechen wir vom dritten Auge) vor Urzeiten noch besser ausgeprägt - aber in dem Maße, in dem die Menschen sich im Dunkel hilflos fühlten, wuchs vermutlich die Angst. Ja, man kann Feuer anzünden - aber flackerndes, tanzendes Feuer erzeugt hüpfende und springende Schatten; die Angst vor wilden Tieren, speziell Wölfen, trug vermutlich ebenfalls zur Positivbesetzung des Lichtes bei.
Zudem braucht der menschliche Organismus und auch die Psyche das Licht (z.B. Sonneneinstrahlung zur Vitamin-D-Bildung - oder eben UV-Strahlung für ein seelisches Gleichgewicht, vgl. die Polarregionen)... jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir aber auch die Notwendigkeit der Dunkelheit auf.
In manchen totalitären Systemen wurde es als Folter angewandt, einen Menschen in eine Gefängniszelle zu stecken und Tag und Nacht helles Licht brennen zu lassen... wie du schon schreibst, Angelika, brauchen wir die Dunkelheit zur Regeneration.

Ein Teil der heutigen Festschreibung scheint mir allerdings stark von den Vorstellungen der christlichen Kirche geprägt... ich will nicht sagen, daß die Christen an allem schuld sind, aber es ist eine ausgeprägte Lichtreligion mit ausgeprägter Abneigung und Leugnung der Dunkelheit.
Ich denke, wir müssen uns klarwerden, daß das eine nicht ohne das andere gedacht werden kann (und es damit kein "zuerst" gibt): wo Licht ist, entstehen immer auch Schatten und damit Dunkelheit; wo aber kein Licht ist und nie war, können wir nicht sein Fehlen bemerken, aber auch die Dunkelheit nicht als solche benennen, da es neben der Dunkelheit kein zweites gäbe. Die Dunkelheit wäre also nicht "die Dunkelheit", sondern der Zustand oder das Sein.

hab wohl zuviel meditiert übers Wochenende...

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#21 von Melaphia , 04.11.2009 14:24

Tja ich vemute mal, dass zum Anbeginn der Zeit soetwas wie Zwielicht bestand, sich die göttliche Kraft quasi noch nicht entschieden hatte was ihr besser gefiel. Da sowohl Dunkelheit als auch Licht ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellten, war der Kompromiss des zyklischen Abwechselns beider geboren!

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#22 von Chiroptera , 07.11.2009 19:09

Mir fällt dazu ein:

Yin/Yang

Keine Einheit ohne das jeweils andere.

Spricht man nicht in manchen Kreisen davon, die Seelen gingen ins Licht?
(Fragt sich, wo wir dann vorher waren...)?

Und ein Zitat von Laotse zum Tao in Bezug auf die Einheit der Dinge:

"Alle Dinge haben im Rücken das Dunkle und streben nach dem Licht, und die strömende Kraft gibt ihnen Harmonie".

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#23 von Salix , 07.11.2009 22:41

"Spricht man nicht in manchen Kreisen davon, die Seelen gingen ins Licht?
(Fragt sich, wo wir dann vorher waren...)?"

Sehr gut nachgedacht Chrioptera
Allerdings gab es zum Anfang keine Seelen der Lebewesen weil es kein materielles Leben gab.
Alles was ich dazu sagen kann ist, dass meiner Überzeugung nach Alles aus dem Nichts entstand und dass alles nur eine Illusion ist. Wenn wir also nach dem Licht streben, sehnen wir uns nach der Dunkelheit.
Mehr gibt es eigentlich dazu nichts zu sagen.

LG
*Salix*

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#24 von Chiroptera , 08.11.2009 10:25

Habe hier noch einen "Gedankengang" Goethes hinzuzufügen.

Aus Mephisto:

„Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,
Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
Und doch gelingt’s ihm nicht, da es, soviel es strebt,
Verhaftet an den Körpern klebt (...)"

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#25 von angelikaherchenbach , 30.11.2009 19:54

Wie geht es Euch?
Im Moment nervt mich die Dunkelheit ziemlich.
Bin kaum noch bei Tageslicht zu Hause und warte so intensiv wie seit jahren nicht mehr auf das Wiederkommen des Lichts.
Und die vielen Advents- oder Weihnachtslichter überall, die ich sonst immer belächelt habe, finde ich regelrecht tröstlich.

Es wäre schön, wenn man mit der Natur leben könnte: ausschlafen, das knapp bemessene Tageslicht draußen nutzen, abends dann Rückzug ins gemütliche Heim mit Kerzenlicht.
Stattdessen wird man zu einem Alltag gezwungen, der so tut, als gäbe es keine jahreszeiten. Und die Hektik wird in der "Vorweihnachtszeit" , kurz vor "Jahresende" ja in allen Branchen nur noch größer.

Was tut ihr , um dem etwas entgegenzusetzen?

Angeika

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RE: Licht und Dunkelheit

#26 von Inge , 30.11.2009 20:10

Viele Kerzen, leckere Gerüche (Räuchern) und ein gutes Buch ...

Ansonsten baut es mich auf, daß die Tage bald wieder länger werden - nur noch 3 Wochen

LG Inge

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#27 von RabenStern , 30.11.2009 21:31

Schönen Guten Abend
also ich geniesse die "dunkle" Jahreszeit richtig
Ist für mich eine wahre Erholung zum heissen, sauerstoffarmen ( zumindest hier in Köln) Sommer
Endlich wieder viele Kerzen anzünden und kuschelig auf dem Sofa lesen - zudem liebe ich die Novemberstürme,
überhaupt den Wind
LG Birgit

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#28 von matodemi , 30.11.2009 22:29

Mir sind die schönen Winde, die meine Gedanken durchpusten, im Herbst und klirrende Kälte im Winter (leider ist es meist nur nasskalt) auch lieber, als die drückende Hitze des Sommers (ist halt in Düsseldorf nicht anders als in Köln *vermut*)

Und ich komme in dieser dunkleren Zeit eher dazu, in mich zu gehen - was ich auch genieße

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RE: Licht und Dunkelheit

#29 von petitsorciere , 30.11.2009 22:51

Jedes Jahr im November stelle ich fest, dass ich anfange regelrecht auf (das) Licht zu warten, weil mir die Dunkelheit gerade im November zu schaffen macht. Wenn mich dann noch der "November - Blues" packt ...
Dieses Jahr ist es ganz extrem, wahrscheinlich weil das Leben mit mir Achterbahn fährt im Moment.
Im Moment habe ich immer eine brennende Kerze stehen ... - ab dem ersten Advent wirds dann wieder besser

Zitat
zudem liebe ich die Novemberstürme, überhaupt den Wind



Ja, ich auch - der Wind weht hier den Nebel weg, dann wird es gleich deutlich heller ...

LG

Gabi

 
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RE: Licht und Dunkelheit

#30 von Solitaire , 30.11.2009 23:16

Zitat von angelikaherchenbach
Und die Hektik wird in der "Vorweihnachtszeit" , kurz vor "Jahresende" ja in allen Branchen nur noch größer.Was tut ihr , um dem etwas entgegenzusetzen?



Die Innenstadt in der Vorweihnachtszeit großräumig meiden - da bin ich dann lieber zuhause, Kerze an, Kater auf dem Schoß, ein gutes Buch und eine große Kanne leckeren Tee, dazu noch der summende Samowar, eventuell noch eine leicht jazzige CD im Hintergrund....das ist doch viel besser als das Gerenne, Geschiebe und die Hektik in einer überfüllten Innenstadt.

 
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