Das Totem-Klischee

#1 von Alchemilla , 06.08.2009 11:11

Hallo ihr Lieben,

ich bin durch Lesen heute morgen auf ein Thema gekommen, das mich schon seit einigen Jahren stoert.
Und zwar geht es um die Totems, die Sippentiere, die einem sozusagen im Blut liegen, die einem das Leben lang nicht von der Seite weichen, eben das persoenliche Sippentier.

Es gibt Sippentiere wie Sand am Meer, klein, gross, gewoehnlich und ungewoehnlich.
Es gibt einige Totems, die meiner Meinung nach mit Klischees belegt sind, dank Film und Fernsehen und Buechern. Dazu gehoeren unter anderem der Baer, der Adler, Fuchs, Wolf etc.

Nun ist es so, dass mein Sippentier der sehr typische Totem ist. Das ist so und ich kann und will das vor allen Dingen auch nicht aendern (was auch nicht ginge, aber das sei mal nebensaechlich). Ich kenne mein Sippentier seit ich 15 Jahre alt bin und es ist seitdem immer bei mir, in jeder Lage, ich lerne von ihm, ich rede mit ihm, ich vertraue ihm blind. Leider kam es in den letzten Jahren schon oft vor, dass man mir sagte "Na was klischee-behafteteres haettest du dir nicht aussuchen koennen, das kann doch nicht stimmen". Und solche und andere Aussagen aergern mich enorm.

Ich frage mich wieso das so ist? Wieso kann man nicht einfach akzeptieren, dass ein Mensch vielleicht ein "typisches" Totem hat? Wieso werden Leute mit Sippentieren wie Baer, Wolf, Adler, Fuchs, Eule auch unter Schamanen oft nicht ernst genommen?

Andersrum geht es aber auch. Ich kenne jemanden, gross, breit gebaut ein echter "Baer" wie ich sagen wuerde, dessen Sippentier ein Frosch ist. Ein kleiner gruener Frosch. Dem sagte man auch schon oft: "Das kann nicht sein, da musst du was falsch gemacht haben".

Es ist nicht, dass mich solche Leute ungemein nerven wuerden, ich verstehe es einfach nicht.

Als mir mein Partner von seinem Sippentier erzaehlte, war ich auch erst erstaunt, denn er ist der erste Mensch, den ich kennengelernt habe, der ein solches Totem hat. Aber deswegen habe ich doch nicht gesagt "Nee kann nicht sein".

Was meint ihr? Was sind eure Erfahrungen?

 
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RE: Das Totem-Klischee

#2 von Alchemilla , 06.08.2009 11:46

Ein Sippentier oder Totem ist das Tier, dass dir durch Abstammung und Geburt sozusagen in die Wiege gelegt wird. Es bleibt dein Leben lang bei dir. Durch das Sippentier haben sich frueher die Sippen erkannt.

Anders ein Krafttier, das temporaer bei dir bleibt, manchmal nur fuer Wochen, manchmal fuer Jahre.

 
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RE: Das Totem-Klischee

#3 von Serpentia , 06.08.2009 11:53

Meines ist mir in meiner ersten Schwitzhütte begegnet. Sie war wohl schon immer da, aber ich wusste es nicht.

Der Unterschied zu einem Krafttier ist wahrscheinlich ein gefühlter; jedenfalls wusste ich sofort, dass sie mehr ist als ein Krafttier - ein Teil von mir eben.

Allerdings habe ich kein Krafttier - dafür habe ich kräftige Tiere zuhause

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RE: Das Totem-Klischee

#4 von Alchemilla , 06.08.2009 12:04

Man kann das Totem kennenlernen, durch Meditation, durch schamanische Reisen, oder wie Moondancer sagte in Schwitzhuetten. Meines ist mir waehrend einer "Wiedergeburtsreise" begegnet. Ich verbrachte einen Tag und eine Nacht in einem Wald, dort ist es mir begegnet, nicht buchstaeblich, sondern im Geiste. Und wie Moondancer sagte, du spuerst, ob es ein Krafttier ist, oder ein Sippentier, denn du wirst dich mit deinem Sippentier auf hoeherer Ebene tief verbunden fuehlen, als waere es ein Teil von dir.

Krafttiere hatte ich schon ein paar, doch sie wechseln, je nach der Lebenssituation in der ich mich befinde.

Ob dein Sippentier der Biber ist kann ich dir so nicht sagen, ich schlage vor, dass du mal ueber dem Biber meditierst, mit ihm sprichst und ihn fragst. Achte darauf wie du dich in seiner Naehe fuehlst.

Viele Menschen halten ihr Sippentier auch geheim. Ich habe das nie gemacht, wieso sollte ich auch. Meines gehoert zu mir und wenn ich es mir so ueberlege, hat sich das auch schon frueh unbewusst abgezeichnet.

 
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RE: Das Totem-Klischee

#5 von KleinerFliegenpilz , 06.08.2009 12:12

Ich mag jetzt nicht auf die Unterscheidung Totem / Krafttier eingehen, da das alleine schon wieder ein Thread für sich werden könnte aber eine kleine Begründung kann ich vielleicht doch geben.
Ich glaube nicht, dass Menschen mit einem solch "klassischen" Tier generell belächelt werden. Nur ist es so, dass viele andere, die ich jetzt mal ganz wertend in die Kategorie "möchtegern" stecken würde, sich eben immer dieser Tiere bedienen, wenn sie über ihr persönliches Krafttier sprechen. Da wäre eine Maus o.ä. völlig inakzeptabel, weil man ja auch nach außen hin die persönliche Macht und das Auserwähltsein präsentieren will. Ob jetzt bewusst oder vielleicht sogar unbewusst stell ich einfach mal dahin.
Außerdem gibt es in der indianisch geprägten Literatur auch gar nicht so wenige Bücher, die eben solche Dinge verbreiten wie: ein besonders mächtiger Schamane hat als Totem / Krafttier ein ... Das kann ja schon beeinflussen.
Wichtig zu wissen, in dem Zusammenhang ist (und vielleicht kann man das denn Spöttern auch klar machen), dass JEDES Tier über seine ganz eigene Lebensstrategie verfügt und dass diese auch wirklich erfolgreich ist, denn sonst wäre die Art schon lange ausgestorben. Und dass es eben nicht auf die Größe, das Gewicht, die Gefährlichkeit für den Menschen o.ä. ankommt.

Ich umgehe dieses Problem dadurch, dass ich Menschen, zu denen ich nicht sowieso eine enge Verbundenheit spüre, nichts über mein Krafttier oder andere Verbündete erzähle. Genausowenig, wie ich über meine persönliche Eigenheiten und Schwachstellen ggü. einem Jedermann von der Straße sprechen würde.

Übrigens kann sich die Sippenzugehörigkeit in einigen Traditionen auch auf Nicht-Tiere beziehen. Z.B. Wind, Gras, Berge, ...

 
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RE: Das Totem-Klischee

#6 von Sinaris , 06.08.2009 12:25

Ich kenne das noch von den chinesischen Sternzeichen. Damals die enttäuschten Gesichter in der Schule , von den Leuten die im Jahr des Schweins oder Affen gebohren sind, während Drachen und Schlange wohlgefällig grinsten.

Ich als Drache vorne weg, bis ich hörte das das Chinesische Jahr 1976 erst im Februar begann... Arrrr...

Das waren Kindereien. Aber auch heute begleiten uns zu bestimmten Tieren auch bestimmte Vorstellungen. Mich würde ja mal interessieren, in wie weit die Menschen, die sowas zu Dir sagen überhaupt mit dem Konzept der Sippen- / Totemtiere vertraut sind. Schlimmer die Frage, in wie weit andere eine Akzeptanz dafür aufbringen können, ohne es als Hirngespinnst abzutun. Ich habe in den vergangenen Monaten gelernt, daß oft Menschen intollerant denken die selbst einen alternativen Weg eingeschlagen haben. Wärend für die eigene Sache offenheit eingefordert wird regiert dann selbst eine fast arrogante Art von Engstirnigkeit. Vielleicht solltest Du, so unangenehm das klingen mag, darüber nachdenken, mit wem Du die Erfahrungen über Dein Totemtier teilst. Zumindest, wenn Dich die reaktionen beginnen in Rage zu bringen oder sogar verletzen.

Ich bin ehrlich gesagt eher neugierig geworden. Verkneif mir nun aber lieber das offtopic ausquetschen. Vielleicht magst Du ja einen erläuternden Thread aufmachen. Einen Leser kann ich Dir schonmal garantieren.

Ehre und Stärke
Sinaris... der auch gerne den klischeehaften Wolf als Totemtier hätte

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RE: Das Totem-Klischee

#7 von Alchemilla , 06.08.2009 12:35

Zitat von Sinaris
Das waren Kindereien. Aber auch heute begleiten uns zu bestimmten Tieren auch bestimmte Vorstellungen. Mich würde ja mal interessieren, in wie weit die Menschen, die sowas zu Dir sagen überhaupt mit dem Konzept der Sippen- / Totemtiere vertraut sind.



Ehm... der Gedanke kam mir durchaus schon, aber ich habe mich dann geschimpft und meinte "Milla, sei nicht eine so arrogante Ziege" (uebrigens im Chinesischen Horoskop bin ich tatsaechlich eine Ziege und stolz drauf, ich hab Hoerner *lach* ) .

 
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RE: Das Totem-Klischee

#8 von Anna , 06.08.2009 13:27

spannend!

ich hatte mich neulich auch gefragt, warum es einige große Clans gibt, also Tiere die einfach häufig vorkommen und wieso es welche gibt die nicht so häufig vorkommen. Oder um es nicht an der Quantität festzumachen: es gibt berühmte Clans, zu denen viele gehören wollen, oder welche wo man sich fragt, ob die Tiere überhaupt einen Clan haben...


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RE: Das Totem-Klischee

#9 von Alchemilla , 06.08.2009 13:57

Ich glaube die "beruehmten" Totems resultieren aus der Dominanz der damals vorherrschenden Menschengruppen. Ich weiss nicht, ob jedes Tier ein Clantier ist.. ich weiss nur, dass es Clantiere gab, deren Familie ausgestorben ist, weil die Leute sie mieden. Es gab z.B. Spinnen-Familien. Doch die wurden gemieden und starben schliesslich aus. Inwiefern das stimmt, kann ich dir nicht sagen, denn es gibt nur wenige Quellen.

Was viele auch vergessen ist genau zu unterscheiden, zwischen den Tierarten. Viele sagen "Ich bin Adler"... ja aber welcher?

 
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RE: Das Totem-Klischee

#10 von Anna , 06.08.2009 14:37

ich glaube nicht das die Spinnen ausgestorben sind. Sie sind nur vorsichtig udn achtsam geworden.

Es gitb immer noch Menschen die super mit Spinnen können.

Dieses Aussterben von Dingen seien es Totems oder SPrachen oder so, da bin ich sehr vorsichtig geworden. Nur weil wir keinen Vertreter direkt vor den Augen haben, heißt es noch lange nicht das sie nicht mehr da sind.

(das beste BSP: Bei der Französisch Magisterprüfung braucht man eine zweite lebende romanische Sprache. Mein Linguistprof erzählte, er hätte eine gehabt die wollte in einer selten Inselsprache geprüft werden die laut Akademikern seit über 200 Jahren ausgestorben sei. Nach Nachfrage gab die Geprüfte an, sie hätte die Sprache von ihrer Oma gelernt, die ncihts anderes gesprochen hätte...)


Aber es ist schon spannend, welche keine mehr haben, oder nie welche hatten...

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RE: Das Totem-Klischee

#11 von Alchemilla , 06.08.2009 14:47

Da hast du recht, Anna, das haette ich anders formulieren sollen. Und nur weil man etwas nicht mehr direkt vor Augen hat, heisst das nicht, dass es nicht (mehr) existiert.

 
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RE: Das Totem-Klischee

#12 von Anna , 06.08.2009 17:47

du meinst also eher Tiere die mal große Clans hatten und jetzt in der bedeutungslosigkeit verschwinden, weil niemand mehr zur Gruppe gehören will, oder weil sogar das Tier ausstirbt....

Das ist auch ein interessantes Thema in dem Bereich. es gibt doch relativ viele, die den asiatischen Tiger als Totem haben...also man trifft mehr als Spinnen...

Anna

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RE: Das Totem-Klischee

#13 von angelikaherchenbach , 06.08.2009 19:32

Und genau da setzt meine Skepsis ein (auch mir selbst gegenüber!!!):
WIESO haben in unseren Breitengraden mehr Leute den Tiger als Krafttier / Totem (was denn nun?) als z.B. Spinnen?

Angelika

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RE: Das Totem-Klischee

#14 von Alchemilla , 06.08.2009 22:32

@Anna: Genau das meinte ich .


@Angelika: Wenn du dir mal ueberlegst was der Tiger symbolisiert und was die Spinne symbolisiert...

Tiger sind in der allgemeinen Sicht stark, mutig, anmutig, toedlich, stolz.
Spinnen sind kleine, krabbelig, schnell, eklig und fies.

So sieht die Gesellschaft das doch (wenn ich mir ueberlege, dass ich wie eine Dusselige auf meine Schwiegermutter einrede, damit sie keine Spinnen toetet). Und genau diese Sicht auf Tiere resultiert darin, dass einige Totems verschwinden. Wer gibt heute schon gerne zu "Mein Totem ist eine Kakerlake" (nur als Beispiel). Aber sich bruesten mit "Mein Totem ist der Loewe" ist einfach. Daher glaube ich nicht, dass es weniger Spinnen-Familien gibt als Tiger, sie halten es nur bedeckt, weil es peinlich ist, weil es nicht in den sozialen Kontext passt. Die Stellung des Tieres in unseren Koepfen haengt unmittelbar auch mit der Akzeptanz dieses Tieres - auch als Totem - zusammen. So ist ein Baer aufgrund seiner in der Gesellschaft bekannten Eigenschaften einfacher zu akzeptieren als beispielsweise eine Raupe.

 
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RE: Das Totem-Klischee

#15 von angelikaherchenbach , 06.08.2009 22:51

Aber Totem-Tier und Kraft-Tier müssen nicht das Gleiche sein?
Du kannst zu einem Totem-Clan gehören und ein ganz anderes Krafttier haben.
Oder?

Angelika

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