...das Feuer der Wut

#1 von inis , 28.06.2009 23:05

Guten Abend ihr Lieben,


hab kurz überlegt, ob der Thread in das Elemente-Forum gehört... oder eine Fortsetzung des Kampf-Threads hier im selben Forum ist?


Also, wie kriegen wir und ihr das denn hin, die Sache mit dem Temperament? Was tut ihr und was kann druid tun, um nicht so furchtbar in Flammen aufzugehen?

Und vor allen Dingen würden mich eure Tipps für die konkrete Situation interessieren... ich hatte heute einen richtigen Blackout, als es bei uns zuhause knallte, und mußte mir hinterher von meinem Mann den genauen Ablauf der ganzen Szene schildern lassen ("ehrlich? dann sind wir erst zu Boden gegangen kurz vor der Tür?")


Und wie krieg ich die Trümmer der Wut am besten wieder aufgeräumt? Eine Freundin von mir hat auch noch Teile der Szene mitbekommen...


Danke,

und bin auch gespannt, wie ihr das Thema allgemein-philosophisch aus Sicht der Druiden einordnet: ist man am Ende der Weisheit so abgeklärt, daß man nicht mehr wütend wird, oder kann man sich einfach besser kontrollieren?

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#2 von Anna , 28.06.2009 23:13

ich kann da nur empfehlen:

T.A. Barron: Merlin, wie alles begann...

da geht der juge Merlin in Flammen auf, und ein anderer verbrennt dabei böse. und er behält auch eine heftige Wunde zurück und muß lernen damit zu leben. aber ich will dir den Spaß bei lesen nicht verderben.

auch druidisch sehr inspirierend.

Schön das du Wut so rauslassen kannst, und dein Partner drauf eingeht....meiner läßt mich eiskalt stehen ...da komme ich mir mindestens genauso blöd vor, wie jemand der einfach in Flammen aufgeht

Anna

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RE: ...das Feuer der Wut

#3 von Brianna , 29.06.2009 08:29

Hi Inis,

was für eine Situation war das denn?

Also ich weiß genau was du meinst. Es gibt verschiedene Level von Feuer/Wut. Die niedrigen/mittleren kriegt man noch mit kontrollierter Atmung, Mediation und eiserner geistiger Kontrolle in Griff.
Dabei habe ich mir eine kurze Mediationsroutine ausgedacht - sowas ähnliches wie von 10 bis 1 zählen, nur unterstützt mit einem bestimmten Atmungsrythmus und einer Visualisation. Funktioniert sehr gut und ist programmiert für nur einen Zweck, um runter zu kommen.

Dann gibt es aber noch die hohen Level. Die kennen meiner Meinung nach nicht viele Menschen. Mein Vater war Choleriker, ich denke ich habe viel von ihm geerbt. Die höchste Wut ist schwer zu kontrollieren, das Feuer ist außer Kontrolle und verbrennt von innen. Der Stier sieht 'rot' - was für ein passender Ausdruck.
Erste Taktik: Abstand von der Ursache nehmen. Wenn es eine Person ist, so schnell wie möglich das Weite suchen, zum Schutz dieser Person.
Dann muß diese Wut, diese überschüssige Energie irgendwie raus. Denn von allein geht die nicht weg. Und wenn man versucht sie lange in sich zu halten schadet man sich selber.
Manchmal hilft noch schreien. Einfach alles rausschreien. Wenn das nicht mehr hilft - Kissen, Sofa - vorzugshalber was weiches, damit man die Handknöchel danach noch verwenden kann.

Mein Tipp: Boxsack. Kostet viel weniger wie in allen Läden wo man einen kaufen kann. Der EK ist ein Witz, also ich kann jedem interessierten einen für viel weniger Geld besorgen.
Nebeneffekt: Tai Bo oder eine Box-Fitness (also kein Kampfsport sondern Fitness mit Bewegungen aus dem Kampfsport) ist super für die Figur und zum abnehmen.

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#4 von Esme , 29.06.2009 16:14

Hallo Inis,
ich bin zwar keine Druidin aber eine Stierfrau mit einer Engelsgeduld, bis zu einer gewissen Grenze...dann sehe ich tatsächlich rot aber laut werden oder gar schreien war noch nie mein Ding.
Es gab Zeiten da hatte ich meine menthalen Kräfte überhaupt nicht unter Kontrolle, was mir damals aber noch nicht bewußt war, mein Feuer traf so manchen den es früher oder später aber sowieso getroffen hätte, von ganz anderen Seiten.
Mittlerweile kann ich sehr gut mit: In der Ruhe liegt die Kraft., leben.
Mit Meditation, ganz bewußt über viele Alltagssituationen nachdenken die einen ärgern, oder ärgern könnten, angefangen bei den Kindern bis hin zu den Angetrauten, Nachbarn usw. Auch wen-doo trägt viel dazu bei sich selber zu kontrollieren, sich nicht provozieren zu lassen, manchmal reicht es schon den Kontrahenten nur anzuschauen und er ist der unterlegene weil du mit deiner Sicherheit und Stärke "über" ihm stehst. Da gehört natürlich ein bißchen Übung dazu, aber Übung macht den Meister und so mancher verliert die Lust zu Streiten und alles wird wieder schön grün

Wenn es sich lohnt die Trümmer zu kleben, wieder aufzubauen, dann tue es, wenn nicht, ab in den Müll. Dann ist es Zeit neues "Mobiliar" anzuschaffen.

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RE: ...das Feuer der Wut

#5 von Sinaris , 09.07.2009 09:49

Salve Inis,

na, wiedermal ein Thema, das mich persönlich sehr berührt. Und hier muss ich mal einen Seelenstrip hinlegen.

Jahre, ich kann sogar schon sagen jahrzehntelang, haben mir Leute immerwieder ein Kompliment gemacht. Egal wie stürmisch eine Situation war, ich wäre immer der Fels in der Brandung geblieben. Ich habe nur einmal in meinem Leben, als sechsjähriger meine Fassung verloren. Ich weis nicht ob das mein Wesen geprägt hat. Inzwischen kommt es mir soweit weg wie eine Lüge vor, dass es überhaupt passsiert ist.

Viel entscheidender ist jedoch etwas anderes. In meinem ganzen Leben war ich ruhig und beherrscht. Nur in sehr wenigen Momenten habe ich die Fassung verloren und wenn, dann richtete sich der Zorn immer gegen mich selbst. Ich war sogar stolz auf diese Tatsache. Aber jetzt, gerade heute habe ich das Gefühl den Preis dafür zu zahlen. Meine Wut nicht gezeigt zu haben, bedeutet doch auch irgendwie, nicht offenzulegen wie sehr mich etwas stört.

Schreien ist schwäche. Das war immer meine Art. Was das angeht, bin ich das perfekte negative Beispiel. Mein Schwiegervater und ich konnten uns niemals aufs Fell gucken. Wenn er geschrien hat, blieb ich ruhig. Das war keine Vernunft. Das war dummer Stolz. Ruhig zu bleiben, bedeutete für mich Überlegenheit aber das ist Bullshit, würde ich heute sagen. Das war keine Überlegenheit, das war sich selbst verkrüppeln.

Was habe ich davon? Mein Erbe aus diesen Tagen ist eine permanente Unausgeglichenheit. Jedes Aufbegehren meines Herzenz im Zorn werte ich als Schwäche, jedes grobe Wort eines Anderen als Babarentum und es ist verdammt schwer, davon loszukommen. Früher hatte ich Ideale, die diese Ruhe symbolisierten. Aber all diese Ideale sind mit weiterem Wissen verbrannt und untergegangen. Ich lernte jeden Tag das all diese Geschichten, die ich gehört habe Lüge und Kindermärchen sind und heute ist nichts übrig. Ich habe geschwiegen um einer Idee zu folgen, die es nicht gibt. Der Preis den ich exakt heute zahle kommt mir teuer vor.

Wenn ich die Dinge wahrnehme, die mich umgeben, dann spüre ich wie mein innerstes, Feuer speien und Verderben bringen will. Ich merke wie in mir eine Wut entbrennt die vollkommen unverhältnismässig lodert. Ich denke Zorn und Hilflosigkeit, werden irgendwann zu Wahnsinn, wenn wir es nicht irgendwie loslassen. Jeden Tag an dem ich die Nachrichten sehe wächst diese Wut in mir. Einer der Gründe, warum ich nach den Druiden gesucht habe. Wofür das alles?

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RE: ...das Feuer der Wut

#6 von Rainer , 09.07.2009 12:48

Hi Sinaris,

Du fragst nach den warum? Ich würde sagen um zu lernen. Es ist wohl ein Teil Deiner Lebensaufgaben um mit diesen unterdrückten Gefühlen fertig zu werden. Bevor sie sich zu sehr gegen Dich selber oder evtl. irgendwann gegen andere richten.

Eingefahrene Gleise zu verlassen ist nicht leicht, dass weiß ich selber. Aber es ist ein Versuch wert. Was hast Du zu verlieren? Der Anfang ist das schwerste und wenn Du den geschafft hast ist der "Stein" im rollen. Wenn Dein Schwiegervater Dir auf die N---e geht, dann sagt ihm das doch halt mal. Und wenn er schreit, dann schrei zurück!

Kontrolliertes Umgehen mit Agression lernt man u.a. auch im Kampfsport oder im klassischen Boxen. Es hilft einem gut seinen Standpunkt zu finden und den auch mit der nötigen Effektivität darzustellen. Außerdem ist´s gut gegen Übergewicht

Es gibt auch andere Methoden des "Agressionsrauslaßtrainings". Schau Dir doch mal was an. Vielleicht haben da andere hier im Board noch einen Tip für Dich.

LG

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RE: ...das Feuer der Wut

#7 von Sinaris , 09.07.2009 13:06

Danke Rainer,

allerdings ist das mit meinem Schwiegervater inzwischen kalter Kaffee. ich leb ja nun inzwischen mehr als ein Jahrzehnt in meinen eigenen vuier Wänden und um das Verlassen diese Pfades geht es ja. Ich hab es über das Reenactment mit historischem Schwertkampf versucht, aber irgendwie hat das mit dem Agressionen ablassen nicht so gelingen wollen.

Hier ging es ja auch eher darum zu zeigen, dass ich am eigenen Leib gespürt habe, dass langes zurückhalten nicht funktioniert. Tapetenwechsel liegt ja in extremen Maße (Job gekündigt, Umzug in fremde Stadt) vor mir.

Die Suche nach dem Warum wird aber immer bleiben. Aber das steht ja bereit im Philosophiforum.

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RE: ...das Feuer der Wut

#8 von angelikaherchenbach , 09.07.2009 19:05

Spannend.
Und eine zweischneidige Sache.

Auch ich habe das Gefühl "Wut" erst sehr spät kennengelernt.
Davor hatte mich das, was eigentlich Zorn herausfordern sollte, traurig und depressiv gemacht, mich verletzt.

Wut zeigen zu können hat etwas mit Selbstwertgefühl zu tun: Du verletzt mich, das steht dir nicht zu - das macht mich wütend.
Wenn du davon ausgehst, DASS es dem anderen zusteht, weil du weniger Wert bist als er, zeigt sich die Wut nicht.

Aber es gibt auch die Choleriker, die Wutanfälle bei Nichtigkeiten kriegen, sich nicht im Griff haben und immer gleich loslegen. Das sieht nach Selbstbewußtsein aus (und ist deshalb so erfolgreich), ist aber das Gegenteil: Null Frustrationstoleranz aus mangelnder Selbstsicherheit.

Das Ideal liegt m.E. irgendwo dazwischen: "gerechten" Zorn zeigen können, aber auch ruhig bleiben, wenn es "die Sache nicht wert ist", also aus einer Position der Stärke, der Selbstsicherheit heraus den Anderen verstehen können und
SOUVERÄN
bleiben,
das heißt HERR der Situation, selbstbeherrscht..

Angelika

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RE: ...das Feuer der Wut

#9 von Weisser Schatten , 09.07.2009 21:36

liebe tree,
das ist eine sehr gute einschätzung,
alwin hat dich durchschaut,
wunderbare begebenheit und so wunderbar erzählt
danke

ian-jonathan

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#10 von Solitaire , 09.11.2009 22:55

...ist ein Feuer, das sehr heiß brennen (und auch sehr leicht außer Kontrolle geraten) kann. Als Kind/Teeny war ich wesentlich impulsiver als heute, aber da muss ich sagen, konnte ich damals auch weniger Schaden anrichten.

Heute braucht es sehr lange, bis ich in Wut gerate, ich habe gelernt, gut zu argumentieren und andere durchaus mit der Waffe des Wortes zu schlagen, aber wenn ich dann mal in Wut gerate, dann äußert sich das nicht in sinnlosen Tobsuchtsanfällen, sondern dann wird Energie auf einer anderen Ebene freigesetzt und zwar in einem Maße, die schon auf andere (und durchaus auch noch auf mich) erschreckend wirken kann. Da können dann auch durchaus merkwürdige Dinge passieren, die ich bei den ersten paar Malen noch für "Zufall" gehalten habe, bis ich dann den wahren Sinn hinter dem Spruch von "Hüte deine Gedanken...." verstanden habe (theoretisch hatte ich den auch schon vorher verstanden, bloß praktisch nicht daran glauben wollen).

Andererseits kenne ich genug Leute, die ihre Wut nicht herauslassen und sich dann mit Krankheiten wie Neurodermitis u. a. herumärgern müssen.

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#11 von Timo , 10.11.2009 17:47

Agressionsrauslaßtraining... Klingt gut.

Hatte ne Zeitlang nen recht bescheidenen PC und der hat sich regelmäßig aufgehangen. Und damit meine ich alle 1-3 Stunden. Wenn man den jetzt aber benutzen will/muss ist das mehr als frustrierend. und irgendwann kotzt einen dass so an (Das ding hat verdammt noch mal zu funktionieren) dass ich doch ganz schön aggresiv dadurch wurde.

Irgendwann hats mir gelangt und ich hab mich über den PC lustig gemacht xD Ich hatte mir ein Klemmbrett neben den PC gehängt und immer wenn er sich abgeschaltet hat hab ich nen Strich auf dem Klemmbrett gemacht. Keine Wut, kein Stress, keine Agression, nur friede. ^^


Wenn ich heutzutage aprubt wegen irghendwas wütend werde nehme ich meine rechte Hand (Handfläche flach und Fingerspitzen zusammen) mit der Handkante des Zeigefingers ganz nah an den Mund und atme ganz tief aus, so dass die Luft durch meine Hand gezweiteilt wird. Ich habe keinen blassen schimmer warum, aber dann bin ich nicht mehr wütend. O_o'

Abgesehen davon hab ich nun angefangen Taiji zu machen. ^^

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#12 von Rainer , 10.11.2009 19:19

wenn mir meine Agressionsgefühle zu viel werden gibt es ein einfaches Mittel diese aufzulösen: mit den Zähnen knirschen oder Kaugummi kauen... versucht´s mal es hilft. Es ist ein kleiner "Rückkopplungstrick" der hilft. Oder eben wenn´s angebracht ist, diese welche jene auszuleben

LG

Rainer
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RE: ...das Feuer der Wut

#13 von Emrys , 10.11.2009 19:29

Auch eine sehr schöne Methode zur Ruhe zu kommen habe ich vor ein paar Tagen von meiner Mutter gehört.

Stellt euch eine Flamme vor, die ruhig, aufrecht und wärmend in euch ist. Sobald ihr wütend werdet oder irgendwie anders aus der Fassung geratet, besinnt euch auf die Flamme, und bringt sie wieder zur Ruhe.
Also ausnahmsweise mal Feuer mit Feuer bekämpfen

blessed be
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RE: ...das Feuer der Wut

#14 von RabenStern , 10.11.2009 20:36

Hello,
ich habe oft bei mir erlebt das hinter der Wut sich die Traurigkeit versteckt ....
LG Birgit

 
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RE: ...das Feuer der Wut

#15 von angelikaherchenbach , 10.11.2009 20:57

Zitat von RabenStern
Hello,
ich habe oft bei mir erlebt das hinter der Wut sich die Traurigkeit versteckt ....
LG Birgit



Das hast Du wunderschön gesagt!

Ich denke auch, dass Wut und Traurigkeit 2 Seiten der gleichen Emotions-Medaille sind: Aggression und Depression.
Es ist wichtig, beide zu spüren und zuzulassen.
Aber ich glaube nicht, dass eine durch die andere aufzuheben ist - unterdrückt man die eine, wird die andere umso stärker.

Und die Heilung kann nur ganzheitlich erfolgen.
Ebefalls wunderschön: Das Bild von der Flamme @ Emrys


Angelika

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