Das Lächeln der Sphinx

#1 von Dahyo Sakati , 07.06.2009 11:50

Das Lächeln der Sphinx

Versteinert und starr stand sie da,
als ewiges Standbild des Unbewegten, Rätselhaften...
Feuer, Wasser, Luft und Erde in sich enthaltend,
mächtige Hüterin des Tores zur Ewigkeit.

Und jedem, der es wagte, einen Schritt zur Schwelle zu tun,
stellte sie sich in den Weg
mit dem Buchstaben Q , der unerschöpflichen Frage:


Sage mir, woher Du kommst,
wer Du bist
wohin Du gehst !


Löse das Rätsel Deiner Existenz !
Erst dann kann ich Dir das Tor öffnen
zum Eingang des unendlichen Raumes
zwischen Tag und Nacht,
Tod und Leben, Ende und Anfang...

"So will ich des Rätsels Lösung geben,"
antwortete ich.
"Höre, was ich auf meiner großen Reise erfahren habe:

Eins war ich
dann zwei - und doch eins
oben und unten
Yin und Yang
die eine Linie...
bis ich erkannte der Einheit Doppelgesicht.
... Und plötzlich wurde mir die Trennung bewusst ...

Ich fiel und fiel,
fiel in einen unendlichen Traum...
erblickte das trennende Schwert
und eine gewaltige Kraft hieb auf mich ein...

Aus zwei wurden drei ... vier ... acht ...sechzehn ... tausende ...

Ich wurde so mächtig groß
und so winzig klein.
Ein Heer von Splittern, in die Einsamkeit geschleudert.

Doch jeder Splitter enthielt
den einen,
Leben spendenden Tropfen,
der alles und nichts enthielt...

So wanderte ich einsam
Von Ort zu Ort,
von Zeit zu Zeit,
suchend nach all dem,
was ich nicht war,
vergessend dessen, was in mir schlummerte.

Ich wurde klein und groß,
jung und alt, gut und böse...
...Und immer zwischendurch
wachte das Schlafende auf,
reckte sich, blickte um sich,
staunte,
schloss die Augen und schlief seufzend wieder ein.

So wandelte ich zwischen wach und Schlaf,
ewig wechselnd, ewig suchend und findend,
verlierend und gewinnend...
...bis meine Sehnsucht zu wachsen begann
und die zwei Seiten sich annähern ließ.

Ich war müde vom langen Weg,
den ich umsonst hin und her gelaufen war.

Ich begann mich zu sammeln
und wurde immer schwerer
und immer leichter,
denn ich befand mich mitten im Raum
von Kraft und Gegenkraft.

Es war herrlich, dort zu wandeln -
...Doch der Fall war lang und der Aufprall ins Endliche
hart und schmerzhaft.

Doch nun klopfe ich wieder ans gleiche Tor
und sage dir:

Ich weiß von vier,
zwei und drei
und
meine Bitte ist
...EINS UND NUR EINS...


Da lächelte die Sphinx, gab den Weg frei und löste sich langsam auf...

...EIN SCHRITT NOCH TRENNTE MICH...

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