Am Leben erhalten...

#1 von Anna , 05.05.2009 08:41

In meiner Verwandschaft ist gerade jemand am gehen. Und für den PArtner ist es nicht möglich loszulassen, also wird medizinisch alles getan, anstatt loszulassen. Ist ja heute möglich. Wir müssen nicht mehr einfach loslassen, sondern können festhalten, bis es so weh tut, das nichts mehr geht. Sei es beim Sterbenden, sei es bei den Hinterbleibenden...

Ich habe gestern aus einem anderen Anlass ein Ritual gefeiert, mit Richtungen anrufen und allem drum und dran, und mittendrin war ich aufeinmal klar und wach und wußte, jetzt ist es passiert, er ist gegangen. als ich heute morgen anrief, ist es aber leider noch so, das vond er Lebenspartnerin dran festgehalten wird, dass alles gut wird. Er also am Leben erhalten wird.

Kann es sein, weil es mir so klar war, dass wir (als Geselschaft) da ein Sterben auf Zeit uns fabrizieren, dass die Seele schon gehen kann, und den Lebensfaden kappen will, aber die Verbindung von den Angehörigen noch so stark ist, dass der LEbensfaden nicht ganz kappbar ist. Und was ist dann der Todeszeitpunkt? Wenn die Seele geht, oder wenn die Verwandten loslassen?

Mir schwirrt da gerade der Kopf und es ist auch blöd drüber nachzudenken, weil das Thema Tod auch mit vielen tabus besetzt ist, was darf ich denken, ohne als Gefühllos oder sonstwas angesehen zu werden...

Anna

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RE: Am Leben erhalten...

#2 von Hjördis ( Gast ) , 05.05.2009 10:29

Gefühllos? Blödsinn!
Loslassen ist schwer, aber festhalten um jeden Preis ist falsch!!!
ich finde es zum Kotzen, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo ein kranker Mensch nicht einmal einfach so selbst bestimmen darf, wann er/sie gehen will.

Ich hoffe, dass mir jemand den Stecker rauszieht, sollte ich jemals in diese Situation geraten....

Es ist schlimm, dass in dieser Gesellschaft der Tod so tabuisiert ist. Dass der Tod als Feind gesehen wird und nicht als Befreiung, als ein Tor, dass uns einen weiteren Weg öffnet.
Mir tun diese Menschen, die nicht loslassen können, unendlich leid, weil sie so gar keine Perspektive haben. Oder den Sterbenden so wenig als eigenständige Person betrachten, als Teil ihrer selbst...
Wen ich wirklich liebe, den muss ich auch loslassen können, aus Respekt...

Mir gehen da gerade so viele Gedanken durch den Kopf, dass ich den Überblick verliere...sorry....

Hjördis

RE: Am Leben erhalten...

#3 von inis , 05.05.2009 14:56

Huhu!

Hjördis hat, denke ich, sehr recht mit der Einschätzung: der Tod wird heutzutage und hierzulande meist als "Feind" gesehen. Sowohl vom Sterbenden selbst - jetzt kommt der Sensenmann und holt mich, sehr schön übrigens bei Terry Pratchett, wie der Tod die unwilligen Zauberer holen kommt - als auch von den Angehörigen - jetzt wird mir mein Liebstes geraubt.
Das ist natürlich besonders schlimm, wenn man keine Perspektive für sich entwickelt hat: kommt nach dem Tod wirklich "nichts"? Wie ist das mit der Seele und dem Absterben des Körpers? (death is just the beginning...)

Und damit kommen wir auch wieder zu einigen deiner Fragen, Anna: was und wann ist eigentlich der Todeszeitpunkt? Wenn keine Gedanken mehr durchs Hirn schießen? Wenn der Körper seine letzten Zuckungen getan hat? Gerade bei Menschen, die im Sterben ihren eigenen Rhythmus, äh, "ausleben" dürfen, sieht man ja manchmal, daß das Gehen auch ein Prozeß ist. Vielleicht kommen zuerst wirklcih Rückblicke auf das eigene Leben und auch eigene Erfahrungen von Todesnähe und -ängsten; man versucht noch, die Angehörigen zu trösten, dann schweifen die Gedanken immer weiter ins Jenseitige ab, die Sprache verstummt, weil es nichts mehr zu sagen gibt. Und ganz zum Schluß werden auch die Atemzüge immer unregelmäßiger und unmerklicher. Wo ist also da der Zeitpunkt des Absprungs?
Es ist für uns von außen so schlecht festzustellen oder festzulegen (außer halt nach technisch-medizinischen Kriterien). Aber ich habe auch ganz deutlich das Gefühl, die Seele kann sich schon davonmachen, auch wenn der Körper noch "lebt" oder am Leben erhalten wird. Umgedreht kann auch die Seele noch deutlich spürbar für die Angehörigen sein, auch wenn die leibliche Hülle schon kalt und regungslos daliegt.

Ich glaube einfach, für viele Menschen ist heutzutage ein Verlust noch schwerer zu verarbeiten - auch, weil wir Verluste kaum gewöhnt sind. Und deswegen klammert man sich an den geliebten sterbenden Menschen und will es nicht wahrhaben, daß er gehen muß. Man kann ein solches Verhalten egoistisch finden; ich glaube, es kommt aber eben mehr aus der Ratlosigkeit und Hilflosigkeit.
Ich denke und hoffe, daß es in Familien, die ein Konzept von Weiterleben, Seelenwanderung, Geistwesen oder Ähnlichem haben, leichter geht... ne Zeitlang hatte ich sogar Angst davor, daß meine Mutter plötzlich stirbt, weil sie mich dann bestimmt als Geist heimgesucht hätte!

Aber alles Gute für deine Verwandten und deine Familie!

 
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RE: Am Leben erhalten...

#4 von Alfhir , 05.05.2009 17:01

Hi….anna….,

freude und trauer stehen halt oft seite an seite in unserem leben…… der eine teil am anfang unseres irdischen lebens,….der andere am ende des selbigen. Beides seiten der selben medalie. Aber so ist es halt in einer polarität…….. zwei seiten…….

Die trauer um einen menschen,-….oder besser gesagt die damit verbundene angst loszulassen lässt einem manchmal dinge tun die man(n) oder frau nicht gedacht hätten.
Und das auch auf spiritueller mensch.
Beim sterben ist es meines erachtens ebenso wie im geburtsvorgang möglich das es komplikationen gibt. Wo bei einer geburt z.b. frühzeitig die gebut eingeleitet werden kann (wird)….finden wir im sterben oft noch den versuch etwas durch lebensverlängernde maßnahmen zu erreichen wo die zeit einfach abgelaufen ist.

Nach meiner erfahrung,… ist es oft sinnvoll den verwanten, partnern und/oder eltern………. liebe und das gefühl aufgefangen zu sein zu schenken. Dies nimmt dann oft die starke aufmerksamkeit vom sterbenden und gibt diesen dann die möglichkeit zu gehen.
Ist es nicht möglich direkt in deren nähe zu sein,… ist es natürlich möglich geistig mit diesen kontakt aufzunehmen.

v.l.g. ……alfhir...

 
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RE: Am Leben erhalten...

#5 von Anna , 05.05.2009 17:25

Danke für eure Worte...

Wenn es nicht in einem Ritual gewesen wäre, das ich so klar gefühlt habe, das er jetzt gegangen ist, hätte ich auch später gedacht, ok, kam dir ein Wunschdenken dazwischen...aber ich war mit was ganz anderem beschäftigt, und dann auf einmal...klack, time out, das Gefühl und dann konnte ich weiter rmachen. Und als ich dann vorsichtig nachfragte, wie es denn aussieht, hieß es halt er lebt noch...

Da ist also ein Diskrepanz da, die ich spannend finde, zum einordnen...

Aber ihr habt mir schon geholfen..danke.

Und ansonsten kann ich nur Liebe und Licht in die Situation selbst geben.

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