trägheit im april

#1 von Weisser Schatten , 07.04.2009 21:30

trägheit, wunderliche trägheit

einige tage vor ostern ist's; und im grunde genommen ist es schon abend,
des tages arbeit war verrichtet, die wenigen handgriffe im kleinen haushalte längst getan
und ich saß im schaukelstuhl neben dem äolsharfenbaum,
neben mir das schon halbleere glas wein und meine hand hielt die glimmende tabakspfeife,
aus welcher ein duftiger rauch in den garten wallte,
ruhe war um mich und wenn ich ruhe verspürte, dann war es die ruhe vor der einkommenden nacht –
rundherum noch hummelflug, rundherum noch die gesänge der vögel in den ästen der bäume,
eine meise zupfte kopfunter am frisch aufgeblühten weidenaste, ein kleiner zaunkönig
(wars vielleicht nur ein -herzog) hüpfte durch die hecke aus hainbuchen,
welche einen teil meines grundstückes umgibt,
träge glitt mein blick über den rasen, welcher versponnen ist mit moosen und durchbrochen
von verwelkenden krokussen, von nunmehr kraftlosen schneeglöckchen und an vielen stellen
schon durch kraftvoll aufstrebende schlüsselblumen,
die kaiserkronen hoben ihr grün schon bis an die blüten heran und der alant begann,
seine sprossen aus der erde heraus zu drängen,
träge schaute mein auge über die sich mit hellgrünem flor bedeckenden schneebeerensträucher
und auch über die leise aufknospenden apfel- und birnenbäume hinweg – träge, nur träge,
aus dem süden trieben ebenso träge dunkle wolkenwände herauf,
deren vorderseiten noch durch die untergehende abendsonne in goldenen glanz gebettet waren –
träge eben, und ebenso träge und voll lauer wärme trafen mich die ersten,
vielleicht die einzigen tropfen eines heutigen aprilregens,
der mich doch daran denken ließ, wieder ins haus einzukehren,
einige kräftige züge aus meiner pfeife nahm ich,
einige rauchkringel stellte ich in die luft,
darein, in den kräftigsten kringel setzte ich mich hinein
und ich begann nochmals eine reise durch das soeben geschaute,
durch das wunderbare land eines jungen, immer dunkler werdenden aprilabends....

....und finde mich nun sitzend vor dem neumodischen schreibgerät,
welches ohne tinte und ohne feder auskommt und welches dennoch alles in sich aufnimmt,
was mein, ach so träger, geist heute freudig und dankbar in sich aufnehmen durfte,
und daran wollte ich euch teilhaben lassen -
in einer wunderlichen trägheit eben

ian-jonathan der träge im weißen schatten schrieb

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