Umgang mit Trauer

#1 von Anna , 05.03.2009 22:46

Hallo

mir ist es wichtig, dass mit Trauer offen umgegangen wird. Deshalb gehe ich auch so offen mit meinem toten Kind um.
Einmal hat ein totes Kind ein gutes Potential eine Leiche im keller zu werden, worauf ich keine Lust habe.

dann gehoert es einfach zu mir, und einige schraege Dinge an mir, kann man durch die Trauer besser annehmen, weil ich ab und zu dadurch "komisch" bin. Gedankenspruenge, abbrechen der Gedanenkette, und vieles mehr.

Und ab und zu kommen mir Gedanken, die damit zusammenhaengen und ich moechte sie gerne aussprechen und nicht runter schlucken muessen. Dann ist es auch noch zu kurz her, als das ich schon wieder eine Erfahrungswelt habe, aus der ich schoepfen kann, wo es lang genug her ist, dass ich es "verheimlichen" koennte.

Und ich erfahre fuer mich, wie wichtig der "Galgenhumor" ist, dass es wichtig ist, Witze drum herum machen zu koennen und lachen zu koennen. Das ist mit das wichtigste am Tod. das Lachen.


Man muss nicht betreten wegschauen. EInfach da bleiben.

Ich leide auch nicht daran, es ist nicht toll, aber ich lebe damit. Die Welt hat mir nicht den gefallen getan und ist stehen geblieben, sondern sie dreht sich weiter und ich mit ihr.

Anna

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RE: Umgang mit Trauer

#2 von Serpentia , 06.03.2009 00:48

Liebe Anna, ich glaube dass, bevor die Christen - oder war es die fortschreitende Zivilisation? Schwer zu trennen - uns quasi das Erleben des Todes genommen haben, die Sache mit der Trauer viel einfacher war.

Ich habe das Glück, den Tod bisher nur von seiner positiven Seite erlebt zu haben - will sagen, ich habe erlebt, wie die Seele dieser Menschen einmal friedlich und einmal sogar richtig fröhlich, wie ein Vogel im Frühling, aus dem Körper herausging. Das hat meine Einstellung für immer geprägt.

Trauer ist eine Methode, um mit Verlust fertig zu werden. Aber der Verlust ist unser Verlust, die wir noch hier sind. Also trauern wir um das, was wir verloren haben. Wenn wir uns dessen erstmal bewusst sind - es als notwendige Phase erkennen - dann können wir durch diese dunkle Zeit hindurchsehen ins Licht und wissen, sie geht vorbei. Früher hatten die Menschen dafür noch Rituale, die uns heute leider zum großen Teil fehlen.

Diese meine Ansicht stößt leider auf ein großes Tabu unter den Mitmenschen - manchmal sogar bei "Mit-Heiden". Da sind wir alle zu sehr von unserer Kultur geprägt, schätze ich, als das wir diesen Sprung machen können, sofern wir nicht erlebt haben, was er bedeutet.

Petra

 
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RE: Umgang mit Trauer

#3 von Anna , 06.03.2009 14:50

Ich hatte bis jetzt auch immer das Gefühl, dass die die am meisten mitlitten (wobei ich nicht leide! -aber sie meinten die Welt geht unter), waren die, die ihre eigene Trauer und ihre Toten nicht verarbeitet haben.


Man wird da eher mit seinem eigenen SChmerz konfrontiert, da er aber nicht richtig angeschaut wurde, sondern weggedrückt, vermischt sich dann alles, dein-meins-ihrs usw. Und am Ende meinen die LEute, ihre Trauer istmeine udn sie müssen mich trösten, obwohl, ich sie nicht darum gebeten habe.

Am bescheuertsten finde ich dieses bedeutungsschwangere "und wie geht es dir?" (wenn sie wissen wollen, wie ich es verkrafte, sollen sie direkt fragen, wie ich damit klar komme!)
am besten noch auf dem Kindergartenfest! diese tollen Fragen.
"Danke bin hier um in Tränen auszubrechen und dir zu erzählen wie besch...es mir geht."

Anna

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RE: Umgang mit Trauer

#4 von Thorgan ( Gast ) , 15.03.2009 22:17

Hallo Anna,

jeder Todesfall ist ein Grund zum Trauern, aber es gibt da einige Unterschiede

1. Angehörige o. Bekannte die in hohem Alter sterben; wenn dann noch bei einem Alter > 80 Krankheiten dazukommen, die der betreffenden Person ein würdevolles Leben in eigener Bestimmung nicht mehr möglich machen, gönnt jeder diesem Menschen den Übergang in die Anderswelt.

2. Freunde & Bekannte, die nach einer schweren Krankheit sterben.

3. Ein Arbeitskollege der mit Anfang 40 bei einer Fahradtour von einem betrunkenen Autofahrer überfahren wurde.

Das waren die unterschiedlichen Fälle bisher bei mir.
Der 3. Fall ist dabei der schwierigste was das loslassen betrifft, vor allen für die Angehörigen (Ehefrau, Kinder, Eltern ...) weil einem dieser Tod sinnlos erscheint.


In deinem Fall ist es verständlich, dass du
A) trauerst um dein verstorbenens Kind; und
B) nicht trauerst, sondern dein Leben vergnügt mit deinen beiden anderen Kindern weiter führst.
Möglicherweise hast du persönliche konflikte wenn du gerade in einer Trauerphase bist und eins anderen Kinder braucht dich jetzt. Wenn du da Hilfe benötigst, kann ich sie dir nicht hier übers Forum geben; sowas geht nur im persönlichen gespräch.
Ich hoffe nur, du musst dein Trauern oder Nichttrauern nicht gegenüber jemand anderm Veantworten oder hast das Gefühl, du müsstest es erklären.

Wenn dich die bescheuerten Fragen von Nachbarn oder Kiga-Eltern nerven, sag es ihnen ins Gesicht, dass dich diese "Umwegfragerei" nervt und sie dich lieber direkt Fragen sollen.
Wenn die sich dann vorn Kopf geschlagen fühlen, ist das ihr Problem und im Zweifel immer noch besser als wenn du dich vorn Kopf geschlagen fühlst.

Thorgan

RE: Umgang mit Trauer

#5 von Anna , 19.03.2009 10:12

Was ich gemerkt habe, ist, dadruch dass ein Kind bzw. ein Baby gestorben ist, die LEute mehr vor den Kopf gestoßen sind, einmal hat es ja nicht auf dieser Erde gelebt, wie jetzt ein 30 jähriger oder so, wo liegt da also der Sinn und dann darf so etwas ja mit der heutigen Medizin gar nciht mehr vorkommen. Dass aber nur 4 Generationen vor mir es total üblich war mindestens ein Kind zu verlieren, sieht man heute nicht mehr.

Deshalb war es mir einfach noch mal wichtig zu sagen, dass ich, wenn ich in dieser Welt weiter leben will, ich einen Umgang für mich damit finden musste und habe. ich habe halt 3 Kinder und ich kann den mittleren nur in Ausahmefällen "verleugnen" (beim Autokauf oder so, bei Leuten die ich nie wieder sehe, da ist das egal) aber so möchte ich einfach frei sein in meinen Gedanken und Äußerungen.

Und dein Hilfsangebot, Thorgan, ist lieb, aber ich habe mir damals ein sehr gutes Netz aufgebaut und das funktioniert immer noch gut.

Anna

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RE: Umgang mit Trauer

#6 von Thorgan ( Gast ) , 29.03.2009 19:38

Hallo Anna,

ich habe nach meiner Antwort noch mehrere Beiträge von dir zu dem Thema gelesen und mir dann schon gedacht, dass du meine Hilfe nicht benötigst.

Ansonsten lebe ich nach dem Motto:
Ich biete meine Hilfe an;
wenn jemand sie nicht haben will, ist das seine Entscheidung;
wenn jemand sie nicht benötigt, um so besser.

Thorgan

   

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