RE: Reinigung der Kultur?

#16 von Inge , 18.02.2009 21:21

Zitat von Salix
NATÜRLICH ist es ein völlig falscher Ansatz. Deshalb ist er ja auch zum Scheitern verurteilt.


... und das ist gut so !!!

und @ Tree

ich sehe es auch so, daß wir Gast auf dieser Erde sind und uns dementsprechend verhalten müssen und zwar Respektvoll. Respektvoll gegenüber allem Leben, ob Mensch , Tier, Pflanze, Stein .....

LG Inge

 
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RE: Reinigung der Kultur?

#17 von Anna , 18.02.2009 22:13

Zitat
Das Ganze als Reinigung und natürlichen Vorgang zu sehen, birgt die Gefahr des sozialdarwinistischen G'schmäckles


Selbst wenn man den Wahnsinn Kulturauslöschung nicht als natürlichen Vorgang sieht, irgendwas bleibt übrig (wie Alchemilla hofft), und wenn es nur ein gigantischer Steinbruch ist, also ist dann immer das G’schmäckle da.

Aber wenn man den Blickwinkel ändert, von dem Schmerz Kulturauslöschung weg, hin zu einer „Kultur-Reinigung“, dann öffnen sich andere Türen, dann gibt es andere Möglichkeiten mit dem Wahnsinn umzugehen und es wird leichter, die Türen zu durchschreiten und nicht im Alten und dem Schmerz verhaftet zu bleiben.

Zitat
Wenn mein Vater zu Sonnwende ein Feuer entzuendet und die Gemeinde verbietet es, und er zuendet vielleicht kein Lagerfeuer mehr an, sondern "nur" den Grill, als Symbol, dann aendert sich sein Brauch, aber der Inhalt bleibt derselbe. Wenn ich nun kein Feuer machen darf, sondern "nur" eine Kerze anzuende, dann fuehre ich den Brauch meines Vaters weiter, auf meine Art aber mit derselben Bedeutung. Das eine weicht dem anderen, aber es loest sich nicht auf.



aber irgendwann zündet ein Nachfahre die Kerze an und weiß nicht was er tut, dann ist der Inhalt weg. nur noch der Brauch ist da, aber wieso, kann niemand mehr erklären. Und dann geht doch alles verloren. Weil ein paar Nachfahren später wird auch nicht mehr die Kerze angezündet, weil man ja nicht mehr weiß wieso. Und wir stehen dann vor einem gigantischem Steinbruch und fragen uns was Stonehenge eigentlich ist. Ein paar Dinge wurden rausgefunden, aber es ergibt für uns noch kein ganzes Bild. nur einzelne Puzzleteile, von denen wir wissen sie gehören zu diesem Puzzle.

und dann kommen ein paar nachfahren später wieder Leute und experimentieren mit der Sonnwende. und irgendwann entzündet dann auch wieder jemand ein Feuer....aber mittlerweile sind wir in einer anderen Kultur....


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RE: Reinigung der Kultur?

#18 von angelikaherchenbach , 18.02.2009 22:48

hallo anna,
bin eigentlich viel zu müde, um überlegt zu antworten, aber wieder mal fasziniert von deiner differenzierten art, an die dinge ranzugehen...
genau das ist ja der punkt mit dem feuer und der asche...
wir finden einen haufen asche und ahnen einen hauch von glut darin und versuchen, ihn zum glimmen, zum wachsen, zum brennen zu kriegen..
Und wenn es uns gelingt, da ein feuerchen in gang zu setzen, stellt sich die frage: ist das jetzt das feuer von damals, ist es ein neues, und vor allem: wer hat es wann warum entzündet und gehütet... und gelöscht - und warum...
entscheidend ist: da brennt ein feuer. Und wenn es groß und hell wird, erhellt sich uns vielleicht auch wieder ein zugang zu dem, was es einmal bedeutet hat. Mit anderem Holz, mit anderen Ritualen, mit einem völlig anderen wissen, was da passiert. Aber ein feuer.
Entscheidend ist, dass wir nicht die asche in Flakons abfüllen und als reliquien verkaufen oder sie sogar in den Mülleimer werfen, sondern sie nutzen, und sei es zum Düngen oder Glasuren brauen oder sonst irgend etwas, aus dem wieder etwas (neues) ensteht.
Irgendwo irgendwie irgend ein anderes feuer zu entzünden, weil wir glauben, dass es so war, ist blanke Imitation,Mummenachanz, Köllscher karneval.
Eine gute nacht wünscht
Angelika

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RE: Reinigung der Kultur?

#19 von Alchemilla , 19.02.2009 08:49

Danke Angelika fuer das schoene Beispiel!

 
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RE: Reinigung der Kultur?

#20 von Rainer , 19.02.2009 09:41

Zitat
Entscheidend ist, dass wir nicht die Asche in Flakons abfüllen



Dem kann ich nur zurstimmen, entscheidend ist der Inhalt! Das was an Wissen von unseren Vorfahren noch greifbar ist, in unsere heutige Zeit transportieren. Damit arbeiten, erarbeiten, erfühlen, erspüren, ausprobieren, dem "Kind" in uns einmal zuhören, die Sinne öffnen...

Altes Wissen neugeboren, nicht die Hülle, der Inhalt ist der Sinn!

Aaches Gwydd

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RE: Reinigung der Kultur?

#21 von Sommerfalke , 19.02.2009 10:54

Aber ironischerweise haben unsere Vorfahren ihr Wissen doch genau darum in Ritualen, Bräuchen und Geschichten vermittelt. Sie halten sich offenbar länger, und sogar in ihrer völlig aus dem Kontext gerissenen Variante können sie in denen, die Augen haben zu sehen, den ursprünglichen Inhalt wieder wachrufen.

Ich glaube, daß wirkliches Wissen nicht verloren gehen kann. Selbst wenn eine Tradition komplett ausstirbt... sie ist jederzeit aus dem kollektiven Unbewußten abrufbar. Die äußere Form mag verloren sein, aber eigentlich ist sie auch nicht wichtig, da jede Kultur eine neue, passende Ausdrucksform für das alte Wissen finden muß.

 
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RE: Reinigung der Kultur?

#22 von Rainer , 19.02.2009 11:12

Hi Turquois, ich weiß nicht wie das bei Dir rüber gekommen ist, falls Du mich meinst - aber ich habe eigentlich auch nix anderes gesagt.

bb

Rainer
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RE: Reinigung der Kultur?

#23 von Salix , 19.02.2009 14:44

"Wobei mir der Begriff "Untertanen" so oder so nicht gefällt..."

Wie wäre es mit "Hütern" oder "Freunden"?
Es ist letztendlich das Verbindende - fernab jeder Hierarchie - welches unser Überleben auf diesem Paneten sichert.
Das Master-and-Slave-Schubladen-Denken gehört abgeschafft und wirklich vergessen.
Wir müssen unseren Platz im grossen Netzwerk finden und begreifen dass wir nicht das Zentrum des Universums sind. Ja nichteinmal das Zentrum der Erde. In den Augen von Mutter Erde hat ein Mensch genausoviel Wert wie jedes X-beliebige Insekt.

Ob es uns gefällt oder nicht, bis jetzt ist immer mehr Wissen verloren gegangen als wirklich neues dazukam. Vieles wurde mehrmals "wiedererfunden", so manches wurde bis heute nicht wiederentdeckt. Ich würde fast glauben dass es die Strafe ist dass wir Menschen so wunderbar zerstörerisch sind. "Und täglich grüsst das Murmeltier" wir werden so lange immer wieder von vorne anfangen müssen bis wir es nicht mal richtig hinbekommen

LG
*Salix*

 
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RE: Reinigung der Kultur?

#24 von Inge , 19.02.2009 19:28

Ich bedauere es immer sehr, wenn altes Wissen verloren geht. Denkt einfach mal an das Handwerk. Wieviel altes Handwerk geht verloren, da die Meister keine Gesellen mehr finden, da ihre Produkte nicht mehr verkauft werden, da sie den Kunden zu teuer sind. Die Tendenz geht da eher zum impotierten made in China Einiges ist zwar über das Handwerk in Büchern verewigt, doch das know how, der gewisse Dreh geht mit dem Meister mit ins Grab. Sobald der Trend wieder in Richtung altes Handwerk gehen sollte, weiß keiner mehr so genau, wie das geht.

Das gleiche Phänomen ist auch bei Ausgrabungen und der experimentellen Archäologie zu sehen. Fantastische Kunstwerke, Meisterwerke des Handwerks werden ausgebuddelt, es entstehen Vermutungen, wie diese hergestellt wurden. Doch das Tüpfelchen auf dem i, das, was das Kunstwerk in seinem Ausdruck und seiner Form ausmacht...... who knows

LG Inge

 
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